Wolfgang Knabe (Kulturwissenschaftler)

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Wolfgang Knabe auf der Labrador-Expedition

Wolfgang Knabe (* 1950 in Düsseldorf) ist Kulturwissenschaftler und Expeditionsleiter, wohnhaft in Königsbrunn, Bayern.

Leben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Wolfgang Knabe studierte an der Universität Köln Soziologie, Politische Wissenschaft, Geografie, Ethnologie, Pädagogik und Psychologie. Er promovierte 1977 zum Dr. phil. mit ‚valde laudabile‘ über das von ihm wissenschaftlich entdeckte und auf drei Expeditionen erforschte Bergvolk der Márias (Madhyas) im Dekkan-Hochland in Indien. Weitere Forschungsaufenthalte führten ihn durch die Kawir- und Lutwüste im Iran, durch Zentral- und Nord-Afghanistan sowie Pakistanisch-Belutschistan.

1979 wurde er Akademischer Rat im Fach Soziologie an der Universität Augsburg. Drei Jahre später übernahm er das Referat II Kultur/Öffentlichkeitsarbeit des bayerischen Landtagspräsidenten und vier Jahre später wechselte er dann als Kulturwissenschaftler zur Bayerischen Akademie der Wissenschaften. Hier gründete er mit Hermann Kellenbenz die Augsburger Forschungsgruppe e.V, die heute Mercator-Forschungsgruppe e.V. heißt. Im Jahre 1990 erhielt Knabe für seine Forschungen auf dem Gebiet der historischen Migration den Dr. sc. an der Akademie der Wissenschaften, Berlin. In den vorangegangenen drei Jahren baute Knabe in Eigenarbeit das Forschungsschiff Mercator (Heimathafen Hamburg). Es wurde zu seiner Arbeitsplattform für seine maritim gestützten Feldforschungen im Atlantik, Pazifik und im Indischen Ozean. Nach seiner Expedition auf den Spuren der ersten deutschen Handelsflotte 1505/1506 entlang der indischen Westküste wurde Knabe aufgrund seines Forschungsschwerpunktes ‚Historische Migration‘ 1993 auf Anforderung des Wissenschaftsministeriums von Mecklenburg-Vorpommern an die Universität Greifswald abgeordnet. Es folgten die Pennsylvania State University, USA, und anschließend die Universität Duisburg.

Hier realisierte Knabe 1995 und 1996 seine Mercator-Expeditionen entlang der Küsten von Nova Scotia und Labrador (Kanada). Ab 1999 bereitete er die Mercator-Pazifik-Expedition vor, die ihn von 2003 bis 2005 jeweils sechs bis sieben Monate durch die pazifische Inselwelt der Tuamotus und der Gesellschaftsinseln führte. Aufgrund seiner maritimen Leistungen wurde er 2006 in Papeete zum Ehrenmitglied der „Flotte de Polynésie Francaise“ (IYFR) ernannt. Zwischenzeitlich realisierte Knabe zum 500sten Jubiläum der deutsch-indischen Handelsbeziehungen im Auftrag der Bayerischen Staatskanzlei den weltweit größten ‚Historischen Globus‘, der im Jahre 2005 in München in seinem Innern die Ausstellung ‚500 Jahre Handel Bayern – Indien‘ zeigte. Zwei Jahre später baute Knabe den Historischen Globus vor den Toren Augsburgs auf: in der Stadt Königsbrunn, wo er seitdem den Namen ‚Mercateum‘ trägt – das Fernhandelsmuseum. In seinem Innern zeigt eine Ausstellung den Fernhandel über die ‚Straße nach Italien‘ und den Augsburger Handel mit Indien. Derzeit bereitet Knabe die Veröffentlichung der Pazifik-Expedition vor.

Mercator-Expeditionen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • 1987–1990 Bau eines kleinen hochseetüchtigen Schiffes für den Einsatz als Forschungsplattform an entlegenen Küstenregionen, am 22. März 1990 vom Augsburger Oberbürgermeister auf den Namen Mercator getauft. Auswärtiges Amt, Eintrag als Forschungsschiff im Hamburger Seeschiffsregister.
  • 1992 Mercator-Indien-Expedition 1992: „Das Handelsnetz schwäbischer und fränkischer Kaufleute an der indischen Westküste im 16. Jahrhundert“ – 2.000 Seemeilen
  • 1995 Mercator-Neuschottland-Expedition: „Auf den Spuren deutschsprachiger Siedler des 18. und 19. Jahrhunderts.“ – 3.500 Seemeilen
  • 1996 Mercator-Labrador-Expedition: „Auf den Spuren deutscher Entdecker, Siedler und Missionare des 15.-18. Jahrhunderts.“ – 6.100 Seemeilen
  • 2003–2005 Mercator-Pazifik-Expedition: „Augsburger Kaufleute und die erste Handelsfahrt in den Pazifik 1525“ – 7.652 Seemeilen

Veröffentlichungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Knabe, Wolfgang, Untersuchungen über die Grundlagen der Mária-Religion - Kulturanalyse eines Stammes auf der Wirtschaftsstufe der frühen Rodungsbauern im Dekkan-Hochland/Indien, Düsseldorf 1978.
  • ders., Aufbruch in die Ferne, Deutsche Auswanderungen zwischen 1803 und 1914 am Beispiel Bayerisch-Schwaben, Augsburg 1990, 462 S., 1. Auflage, ISBN 3-928851-00-4, vergriffen; 2. Auflage, Bonn, Berlin 1992, ISBN 3-922131-85-9.
  • ders., Die neue Heimat nimmt sie auf. Deutsche Einwanderungen in Amerika, Afrika, Asien und Australien zwischen 1800 und 1914, Augsburg 1991, 418 S.; 1. Auflage, ISBN 3-928851-01-2, 2. Auflage Bonn, Berlin 1992, ISBN 3-922131-86-7.
  • ders., Auf den Spuren der ersten deutschen Kaufleute in Indien - Forschungsexpedition mit der Mercator entlang der Westküste und zu den Aminen, Anhausen 1993, 477 S., ISBN 3-929720-01-9
  • ders., Zwischen Eis und Ewigkeit – Mit der Mercator auf den Spuren der ersten deutschsprachigen Auswanderer in Labrador, Neuschottland und Neufundland, Reutlingen 1997, 240 S., ISBN 3-88627-197-8
  • ders. Die Alte Straße und der Fluss – 4000 Jahre Fernhandel über die Straße nach Italien, Horb am Neckar 2007, 348 S., ISBN 978-3-86595-181-6
  • ders.: 500 Jahre Handel Bayern - Indien. München 2005

Expeditionen in ARD und ZDF[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • "Die ersten Teutschen, die India suchen", 2x60 Minuten BR-Produktion, Erstsendung ARTE 1993, BR 1994, 3Sat 1995, BR 1997
  • "Labrador - Küste der Verlorenen", 45-Minuten ZDF-Produktion, Erstsendung 1997, (6,8 Mio. Zuschauer), 3Sat 1998, Phönix 1998, 3Sat 2000.
  • "Letzte Hoffnung - Kurs nach Westen", 45 Minuten ZDF-Produktion, Erstsendung 1998, (6,3 Mio. Zuschauer), 3Sat 1998, Phönix 1998, 3Sat 2000.
  • Beitrag in: „Auf Geheimfahrt nach Amerika“, 45-Minuten ZDF-Produktion, Erstsendung Arte 2001, ZDF 2001 (5,5 Mio. Zuschauer), 3Sat 2002, Phönix 2002
  • Die TV-Dokumentation über die Ergebnisse der Pazifik-Expedition 2003–2005 ist in Arbeit

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]