Wolfgang Landgraeber

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Wolfgang Landgraeber (2013)

Wolfgang Landgraeber (* 7. Juli 1947 in Zell (Mosel)) ist ein deutscher Fernsehjournalist und Filmemacher.

Überblick[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Wolfgang Landgraeber leitete bis zum 31. August 2012 die Programmgruppe Gesellschaft/Dokumentation des Westdeutschen Rundfunks/Fernsehen. Er gehörte von Ende der 1970er bis Ende der 1990er Jahre zu den renommierten investigativen Fernsehjournalisten des öffentlich-rechtlichen Fernsehens in Deutschland. Für seine Arbeit als Redakteur und Reporter bei den Magazinen Monitor und Panorama und als Autor längerer Dokumentarfilme und Fernsehdokumentationen erhielt er zahlreiche Preise auf in- und ausländischen Film- und Fernsehfestivals, darunter einen Adolf-Grimme-Preis sowie große Preise in Oberhausen und Mannheim, Moskau und New York. Er lehrt seit 1981 regelmäßig an deutschen Filmhochschulen und Universitäten.

Leben und Arbeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Wolfgang Landgraeber wuchs in Wolfsburg und Dortmund auf. Er studierte Sozialwissenschaften und Philosophie in Bochum und München, danach Dokumentarfilm und Fernsehpublizistik an der Hochschule für Fernsehen und Film München. Seinen Abschluss machte er 1978 mit dem mehrfach preisgekrönten politischen Dokumentarfilm „Nah beim Schah“.

Von Ulrich Wickert wurde er 1977 zum WDR geholt. Für das politische Magazin Monitor produzierte er weit mehr als 100 Beiträge zu politischen, sozialen und ökologischen Themen, zum großen Teil unter Anwendung investigativer Methoden, z. B. im Geldwäscher-, Waffenschieber- und Geheimdienstmilieu. 1988 wechselte er zum Magazin Panorama. 1993 ging er zurück zum WDR und wurde dort 1998 Leitender Redakteur für politische Dokumentationen und Reportagen. Nebenbei wirkte er als Fachkommentator für gesellschaftspolitische und ökologische Themen in den „Tagesthemen“ und als Autor für Glossen in der täglichen Reihe „Auf ein Wort“ im Hörfunkprogramm WDR 4. In den Jahren 1992, 1999 und 2001 arbeitete er zeitweise als Korrespondent in den ARD-Studios Ostberlin, Washington und Moskau.

Zusammen mit Gerhard Wisnewski und Ekkehard Sieker schrieb er 1992 das im Droemer Knaur-Verlag veröffentlichte Buch Das RAF-Phantom. Es ist wegen seiner Thesen zur dritten Generation der Rote Armee Fraktion umstritten, wenn auch in seinen Kernaussagen über die Morde an Herrhausen, von Braunmühl und Rohwedder bis heute unwiderlegt.

Wolfgang Landgraeber nimmt regelmäßig Lehraufträge an Filmschulen und Universitäten wahr und ist Mitglied von Festivaljuries im In- und Ausland.

Seit 1979 hat er als Autor oder Co-Autor rund 30 Dokumentarfilme, Fernsehdokumentationen und Reportagen produziert, die auf nationalen und internationalen Film- und Fernsehfestivals eine Vielzahl von Preisen gewannen. Ihr gemeinsames Merkmal: eine kritische Sicht auf die Innen- und Außenpolitik der Bundesrepublik Deutschland, ihre Repräsentanten und ihre Geschichte. Die Themenbereiche "Militarismus" und "Waffenexport" gehören zu Landgraebers Schwerpunkten - mit Aufsehen erregenden Kinodokumentarfilmen wie "Fern vom Krieg" (1984), "Panteon Militar" (1991/92) und "Vom Töten leben" (2016).

2001 wurde Landgraeber Leiter der Programmgruppe Gesellschaft/Dokumentation beim WDR. In ihr entstanden seither jährlich rund 50 aufwändige Einzelstücke und Mehrteiler für die ARD aus Kultur, Geschichte und Natur sowie Porträts von prägenden Politikern der Bundesrepublik. Für das WDR Fernsehen produziert die Programmgruppe Filme über die Region Nordrhein-Westfalen, ihre Menschen und ihre Geschichte auf mehreren wöchentlichen Programmplätzen. In der renommierten WDR-Dokumentarfilmredaktion entsteht regelmäßig eine Vielzahl von Kino-Koproduktionen. Seit seinem Ausscheiden beim WDR arbeitet Wolfgang Landgraeber als freier Filmemacher in München. Seit 2012 ist er Lehrbeauftragter am Institut für Medienwissenschaften der Uni Tübingen und Mitglied im bayerischen Regionalvorstand der Arbeitsgemeinschaft Dokumentarfilm (AGDOK).

Auszeichnungen (Auswahl)[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • 1976 Preis der deutschen Filmkritik für "Wohnen möchte ich hier nicht" bei den Oberhausener Kurzfilmtagen
  • 1978 Großer Preis der Stadt Oberhausen, VHS-Preis, FIPRESCI-Preis für "Nah beim Schah" bei den Oberhausener Kurzfilmtagen
  • 1984 Großer Preis der Stadt Mannheim, FIPRESCI-Preis und Interfilm-Award für "Fern vom Krieg bei den Internationalen Mannheimer Filmtagen; Nominierung zum Bundesfilmpreis
  • 1985 Adolf-Grimme-Preis: Ehrende Anerkennung für die Monitor-Sendung vom 21. August 1984
  • 1985 Friedenspreis des Internationalen Filmfestivals Moskau für "Südfrüchte aus Oberndorf"
  • 1986 Josef-Drexel-Preis der Nürnberger Nachrichten für die Monitor-Redaktion
  • 1987 RFFU-Medienpreis für die MONITOR-Redaktion
  • 1996 Gold Medal bei den New York Festivals für "Angst im Flugpreis inbegriffen" (Redaktion)
  • 1998 CIVIS-Preis für einen Monitor-Beitrag über absurde Bestimmungen im Ausländerrecht
  • 2006 Banff World Television Award Nominierung für "Windstärke 8" (Redaktion)
  • 2011 Silver Plaque des Hugo Television Award für "Gesucht wird...der arabische Schindler (Redaktion)
  • 2011 Gold Award der New York Festivals für "Günter Wallraff - Schwarz auf Weiß" (Redaktion)

Filmografie (Auswahl)[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • 1978: Nah beim Schah (Kinodokumentarfilm)
  • 1979: Viva Loisaida! Die Lower East Side - ein Ghetto in New York (ARD)
  • 1979: Nur ein paar braune Schafe? - Neonazis an deutschen Schulen (ARD)
  • 1980: Die Illusionen habe ich mir abgeschminkt - Freigekaufte DDR-Häftlinge in der Bundesrepublik (WDR)
  • 1984: Fern vom Krieg (Kinodokumentarfilm)
  • 1984: Südfrüchte aus Oberndorf
  • 1985: Unter deutschen Dächern - Das Oberndorfer Gewissen (ARD)
  • 1987: Fabelzeiten - Langzeitbeobachtung eines Lauftalents (WDR)
  • 1990: Das geschenkte Gesicht - Deutsche Gesichtschirgurgen helfen Kriegsopfern in Kambodscha (WDR, DW)
  • 1991: Gesucht wird...der unsichtbare Tod - Über die Forschung an biologischen Waffen (ARD)
  • 1992: Panteon Militar - Der "Kreuzzug gegen die Subversion" in Argentiniens Militärdiktatur (Kinodokumentarfilm)
  • 1992: Die Zerstörung der RAF-Legende (ARD)
  • 1993: Der Drahtzieher - wie Wolfgang Schäuble dem Kanzler das Regieren ermöglicht (ARD)
  • 1995: Vier Kanzler in Bonn und die Liebe zur Macht - Die CDU wird 50 (ARD)
  • 1996: Zar Boris und die Brandstifter - Jelzins Tschetschenienkrieg (ARD)
  • 1997: Dada-mpf-da! Wie die bayerische Biermösl Blosn Politikern den Marsch bläst (ARD)
  • 1998: Diamantenfieber - Edelsteine aus dem Ozean (ARD)
  • 1998: Das Ende einer Ära - ein Kanzler tritt ab (ARD)
  • 1999: Kisten, Kölsch und Abschiedskummer - Der Bundestag zieht an die Spree (ARD)
  • 2000: Kohls Mädchen, Kohls Erbin - Angela Merkels Weg zur Macht (ARD)
  • 2001: Siegen oder Untergehen - Die letzten Tage der "Graf Spee" (ARD)
  • 2006: 100 Millionen Karat - Die Diamantendynastie Oppenheimer (ARD)
  • 2016: Vom Töten leben (Kinodokumentarfilm). Der Film über die Waffenstadt Oberndorf a.N., Sitz der Firmen Heckler & Koch und Rheinmetall Defence (früher Mauser) wurde beim Internationalen Dokumentarfilmfestival München uraufgeführt. Weitere Festivalteilnahmen: SWR Dokumentarfilmfestival 2017; Olympia International Filmfestival 2017

Schriften[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]