Wolfgang Proske

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Zur Navigation springen Zur Suche springen

Wolfgang Proske (* 5. März 1954 in Kelheim) ist ein deutscher Sozialwissenschaftler, Historiker und Pädagoge. Er arbeitete von 1977 bis 2017 als Lehrer, zuletzt für Geschichte und Bildende Kunst, war zeitweise Schulleiter und Entwicklungshelfer und ist Herausgeber und Mitautor der Buchreihe Täter Helfer Trittbrettfahrer über NS-Belastete aus Baden-Württemberg. 2014 begründete er den „Kugelberg Verlag – Verlag für historische Sozialforschung“.[1]

Leben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Wolfgang Proske wurde 1954 als Sohn des Lehrers Hans Proske und seiner Frau Elfriede geboren. Nach dem Besuch der Evangelischen Volksschule Kelheim-Altstadt, die sein Vater leitete, und der Donau-Oberrealschule Kelheim bis Klasse 12 legte er 1973 als Privatschüler an der Staatlichen Fachoberschule Regensburg das Fach-Abitur ab. Sein Studium begann Proske 1973 an der Fachhochschule Regensburg, Fachbereich Sozialwesen. 1974 wechselte er an die Universität Regensburg, belegte dort Lehramt für Volksschulen, wobei er zusätzlich auch drei Semester Soziologie und Geschichte studierte. 1977 schloss er mit der Ersten Lehramtsprüfung für Volksschulen ab. Das Thema seiner Zulassungsarbeit lautete: Metamorphose des Schamanen zum Pharao. Geschichtsphilosophischer Versuch zur ägyptischen Vor- und Frühgeschichte. Von 1977 bis 1980 war er Lehramtsanwärter im bayerischen Regierungsbezirk Oberpfalz, wo er die Zweite Lehramtsprüfung absolvierte. 1980 ging er ersatzweise für den Wehr- und Zivildienst als Entwicklungshelfer mit dem Deutschen Entwicklungsdienst (DED) nach Mochudi, Botswana. Ab Herbst 1982 studierte er im Zweitstudium an den Universitäten Aachen, Hagen und Bremen und schloss 1984 als Diplom-Sozialwissenschaftler mit einer Arbeit zur Politischen Psychologie der Apartheid in Südafrika ab. Ab 1984 arbeitete er als Lehrer an Grund- und Hauptschulen im bayerischen Regierungsbezirk Schwaben. 1988 promovierte er im Fach Geschichte bei Imanuel Geiss (Universität Bremen) und Horst Gründer (Universität Münster) mit einer Arbeit über Hermannsburger Missionare des 19. Jahrhunderts auf dem Gebiet des heutigen Botswana.[2] Er schied 1994 auf eigenen Wunsch aus dem bayerischen Beamtenverhältnis aus, um als Leiter an die Deutsche Schule Tripolis, Libyen, zu wechseln. 1996 kehrte er nach Deutschland zurück und arbeitete im Fach Geschichte/Gemeinschaftskunde für die Abendrealschulen Ulm, Laupheim und Heidenheim sowie ab 2009 für das Abendgymnasium Ostwürttemberg in Aalen, Heidenheim und Schwäbisch Gmünd. Zusätzlich übernahm er Lehraufträge für Geschichte und Bildende Kunst an Tagesgymnasien, zuletzt am Max-Planck-Gymnasium Heidenheim. In jungen Jahren war Wolfgang Proske Funktionär der „Falken“ im Bezirk Niederbayern/Oberpfalz. 1977 begründete er den „Bund für Geistesfreiheit“ in Regensburg. Er ist Vorstandsmitglied der Humanistischen Freidenker Ostwürttemberg sowie 2. Vorsitzender des Vereins „Betreuungen, Gegenseitige Hilfe & Kultur“. 2013 bis 2015 gehörte er dem Landesvorstand der „Humanisten Baden-Württemberg“ an. Wolfgang Proske ist seit 1986 verheiratet mit Dr. Silvia Streitel-Proske, Fachärztin für Psychiatrie und Psychotherapie, und hat eine erwachsene Tochter.

Veröffentlichungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Wolfgang Proske publizierte 1989 in Zusammenarbeit mit dem Kirchenkritiker Karlheinz Deschner und 1992 mit dem Verwaltungsrichter Gerhard Czermak über Rechte und Forderungen von Konfessionslosen im Schulwesen.[3] 1998 veröffentlichte er den Aufsatz: Säkularisierung als universalhistorischer Perspektivbegriff.[4] Nach dem Erwerb eines Montessori-Diploms unterzog er 2005 die Montessoripädagogik einer vernichtenden Kritik und sprach von einem „Konzept zur Abwehr pluralistischer gesellschaftlicher Zustände“.[5] Mit der Herausgabe der Buchreihe Täter Helfer Trittbrettfahrer widmet sich Proske verstärkt der NS-Täterforschung. Die regional für Baden-Württemberg und angrenzende Gebiete gestaffelte Reihe ist auf zehn Bände angelegt, von denen bis heute acht Bücher über die Ostalb, die Region Ulm/Neu-Ulm, das östliche Württemberg, Oberschwaben, den Bodenseeraum, Südbaden, Nordbaden, Nördliches Baden-Württemberg erschienen sind. Noch für 2018 ist Band 9 über das südliche Baden-Württemberg vorgesehen. [6] Insbesondere der in Band 6 (2017) von Proske stammende Aufsatz über den wegen seines Verhaltens in der Zeit des Nationalsozialismus umstrittenen Freiburger Erzbischof Conrad Gröber[7] wurde in der Presse breit rezipiert und führte zuletzt in Gröbers Geburtsstadt Meßkirch zu einer gedenkpolitischen Debatte über die gebotene Revision von Gröbers dortiger Ehrenbürgerschaft und über die Umbenennung einer nach Gröber benannten Straße und eines Altenpflegeheims der Caritas.[8]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Wolfgang Proske (Hrsg.): Täter Helfer Trittbrettfahrer – NS-Belastete aus… (Bd. 1+2: Klemm & Oelschläger Verlag Ulm 2010 und 2013, ISBN 978-3-945893-05-0 und ISBN 978-3-86281-062-8; Bd. 3: Verlag Freiheitsbaum Reutlingen 2014, ISBN 978-3-945893-02-9; ab Bd. 4: Kugelberg Verlag Gerstetten 2015, 2016 und 2017, ISBN 978-3-945893-00-5, ISBN 978-3-945893-04-3 und ISBN 978-3-945893-06-7).
  2. Wolfgang Proske: Botswana und die Anfänge der Hermannsburger Mission, Frankfurt, Peter Lang Verlag 1989, ISBN 3-631-40546-4.
  3. Wolfgang Proske (Hrsg.): Handbuch für konfessionslose Lehrer, Eltern und Schüler. Aschaffenburg,Berlin 1992, ISBN 3-922601-14-6; Gerhard Czermak / Wolfgang Proske / Gerhard Rampp: Konfessionslos in der Schule – Ein Ratgeber für Eltern, Lehrer und Schüler. Lichtenau 1994, ISBN 3-89111-431-1.
  4. Wolfgang Proske: Säkularisierung als universalhistorischer Perspektivbegriff, in: Aufklärung und Kritik, Heft 1/1998, ISSN 0945-6627, S. 3–26.
  5. Wolfgang Proske: Die Montessori-Pädagogik und ihre weltanschaulichen Grundlagen, in: Forum Demokratischer AtheistInnen (Hrsg.): Mission Klassenzimmer. Zum Einfluss von Religion und Esoterik auf Bildung und Erziehung. Alibri, Aschaffenburg 2005, ISBN 3-932710-78-9, S. 55–83.
  6. Zur Edition der Reihe allgemein vgl. das Interview des Herausgebers auf http://ns-ministerien-bw.de/2015/11/die-regionale-ns-taeterforschung-voranbringen-interview-mit-dr-wolfgang-proske-herausgeber-der-buchreihe-taeter-helfer-trittbrettfahrer/ Kommission "Geschichte der Landesministerien in Baden und Württemberg in der Zeit des Nationalsozialismus", 2015.
  7. Wolfgang Proske: Dr. Conrad Gröber: 'Deutschehrlich' und 'überreiche Register' im Orgelwerk seiner Seele…, in: Wolfgang Proske (Hrsg.): Täter – Helfer – Trittbrettfahrer. NS-Belastete aus Südbaden (= Täter – Helfer – Trittbrettfahrer. Band 6). 1. Auflage. Kugelberg, Gerstetten 2017, ISBN 978-3-945893-06-7, S. 104 ff.
  8. Vgl.: Stefan Jehle und Heinz Siebold: Debatten in Meßkirch - War der Erzbischof ein „brauner Conrad“?, in: Stuttgarter Zeitung, 28. Mai 2017.