Wolfgang Schwarz (Widerstandskämpfer)

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Wolfgang Schwarz (* 25. August 1926 in Köln) war als Jugendlicher mit der Ehrenfelder Gruppe innerhalb der Kölner Edelweißpiraten am Widerstand gegen den Nationalsozialismus beteiligt.

Leben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Wolfgang Schwarz wurde im Arbeiterviertel Ehrenfeld als Sohn eines Juden und einer evangelischen Mutter geboren. Die Eltern trennten sich 1928. Der Vater emigrierte Mitte der 1930er Jahre in die Niederlande. Von dort wurde er 1940 nach Auschwitz deportiert und umgebracht. Da die Mutter 1935 kurz nach der offiziellen Scheidung verstarb, wuchs er mit seinem Bruder Günther nach einem kurzen Intermezzo bei seinem Vater bei seinem Großvater Franz Spitzley und der Tante Gustel mütterlicherseits, die ihm den Haushalt führte, auf. Seine Tante war aktive Kommunistin und in ihrer Jugend Mitglied im Kommunistischen Jugendverband Deutschlands; sie saß deshalb nach 1933 mehrere Jahre in Schutzhaft im Konzentrationslager und im Zuchthaus. Auch dies war ein Grund, den Großvater in Köln nicht allein zu lassen. Der Großvater versuchte die Brüder zu schützen, so wurden sie auch von der jüdischen Volksschule auf eine städtische Schule umgemeldet und sogar evangelisch getauft. Schwarz bleibt als Halbjude die Aufnahme in die Parteijugend verwehrt. Er hatte auch kein Verlangen danach, sondern beteiligte sich lieber, besonders ab 1939/40, an Wanderungen, Treffen und anderen Aktivitäten der unangepassten Jugend im Viertel. Eine der Hauptpersonen der Ehrenfelder Gruppe, Hans Steinbrück, wohnte im gleichen Mietshaus wie er. Nach Abschluss der Schule war ihm sein Wunschberuf verwehrt. Die Lehre als Konditor als Ersatz musste er abbrechen. Er blieb ungelernter technischer Arbeiter. Als solcher wurde er 1944 zum „Heimatkraftfahrpark“ (HKP) verpflichtet, um dort Fahrzeuge für die Wehrmacht zu reparieren. Im Herbst 1944 wurde er mit dem Fuhrpark nach Schloss Ehreshoven im Aggertal verlegt. Beim HKP besorgte er Waffen für die Gruppe um Steinbrück. Sein Bruder Günther wurde als Mitglied dieser Gruppe verhaftet und am 10. November 1944 mit zwölf anderen Gruppenangehörigen ohne Gerichtsverfahren öffentlich hingerichtet. Wolfgang Schwarz wurde gewarnt und konnte untertauchen.

Nach dem Krieg konnte Schwarz bei der Deutschen Bahn im Rangierdienst unterkommen. Er lebt weiterhin in Köln. Schwarz stellte sich seit Ende der 1940er Jahre vielfach als Zeitzeuge in der Öffentlichkeit und an Schulen mit Berichten über sein Leben während der NS-Diktatur zur Verfügung. 2008 wurde er deshalb mit der Heine-Büste des „Freundeskreises Heinrich Heine“ ausgezeichnet.[1][2]

Rehabilitierung und Auszeichnung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Zusammen mit Jean Jülich und posthum Barthel Schink wurde Schwarz 1984 mit der Medaille Gerechter unter den Völkern in der Gedenkstätte Yad Vashem geehrt, weil die Gruppe in den Trümmern Ehrenfelds Juden versteckt und mit (oft gestohlenen) Lebensmitteln versorgt und damit gerettet hatten.[3] Es hat lange gedauert, bis die damals jugendlichen Widerständler auch in Deutschland Anerkennung bekamen. Nachdem Jürgen Roters als Regierungspräsident Mitglieder der Kölner Widerstandsgruppen bereits im Juni 2005 öffentlich anerkannt hatte, dauerte es bis April 2011, bis er den fünf noch lebenden Mitgliedern Hans Fricke, Gertrud Koch, Peter Schäfer, Wolfgang Schwarz und Fritz Theilen nun als Kölner Oberbürgermeister das Bundesverdienstkreuz am Bande aushändigen konnte.[4]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Siehe bei den Artikeln Ehrenfelder Gruppe und Edelweißpiraten.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Cornelia Schlößer in report-k vom 13. April 2011 online (Memento des Originals vom 24. April 2011 im Internet Archive) i Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe den Link gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.@1@2Vorlage:Webachiv/IABot/www.report-k.de
  2. Leben Nach Erlebte Geschichte
  3. Nach Hinweis im Bericht zur Ordensverleihung in der Freitag online vom 13. April 2011 (Zugriff April 11)
  4. Mattias Pesch: Edelweisspiraten „Vorbilder an Zivilcourage“, in: Kölner Stadtanzeiger vom 14. April 2011, S. 26 online(Zugriff 23. Juni 2016)