Wolfgang Sofsky

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Wolfgang Sofsky (* 1952 in Kaiserslautern) ist ein deutscher Soziologe, Autor und Essayist.

Werk[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im Zentrum von Sofskys Schriften steht zunächst die Analyse der Formen sozialer Macht, der Gewalt und des Terrors. Seither widmet er sich den Bedrohungen der Freiheit durch die Politik der Sicherheit, der Zerstörung des Privaten und den vielfältigen Formen menschlicher Unmoral. Sofsky hat in Deutschland vielfach kontroverse Reaktionen ausgelöst, während er im Ausland zu den profiliertesten Analytikern gezählt wird. Seit Februar 2014 unterhält er einen Blog mit Beiträgen zur Geschichte der Kultur und zur aktuellen Politik.[1]

Leben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Sofsky studierte u. a. Soziologie, Philosophie, Politikwissenschaften und Geschichte. 1981 wurde er an der Universität Göttingen promoviert, 1992 am selben Ort habilitiert. Er lehrte dort als außerplanmäßiger Professor für Soziologie und war 1999/2000 Gastprofessor an der Universität Erfurt. Zurzeit lebt er als Schriftsteller, freier Publizist und Privatgelehrter in der Nähe von Göttingen. Sofsky schreibt u. a. für die Literarische Welt, die Neue Zürcher Zeitung, den Schweizer Monat, den Focus, die Frankfurter Allgemeine Zeitung, Die Welt sowie für den WDR und das Deutschlandradio Kultur.

Das Denken Sofskys ist stark von der Sozialphänomenologie, der Philosophischen Anthropologie Helmuth Plessners, der Soziologie Georg Simmels und der Anthropologie Elias Canettis geprägt. 1995 schrieb Sofsky über Canetti: „Masse und Macht ist mir unverzichtbar geworden. Wer damit befasst ist zu verstehen, was Menschen einander antun, den lehrt Canetti klare Sicht. Er schafft die Gedankenfreiheit, von der aus man neu beginnen kann. Seine Sätze sind von kristalliner Härte, ohne Ironie und Verachtung, aber auch ohne jenen erbaulichen Humanismus, der noch das Ärgste in das trübe Licht falscher Versöhnung taucht. Nur aus schwärzestem Wissen kann die Hoffnung entstehen, der Macht den Garaus zu machen, könnte das Motto des Buches lauten. Alles andere ist nur Utopie oder Ideologie, stärkt nur den Aberglauben des Optimismus.“[2]

Für seine Habilitationsschrift Die Ordnung des Terrors erhielt er am 24. November 1993 in München den Geschwister-Scholl-Preis. In der Begründung der Jury hieß es: „Seit Eugen Kogons grundlegender Darstellung über den SS-Staat (1946) hat die Erforschung und Beschreibung des Konzentrationslagers als Inbegriff und Zentrum der nationalsozialistischen Menschenvernichtung niemals aufgehört. Dennoch waren die Versuche, zu einer umfassenden Erklärung ihres Funktionierens vorzudringen, eher selten. Sofsky hat sich dieser Aufgabe unterzogen und ein Werk von großer analytischer Kraft und Klarheit vorgelegt. Gestützt auf die Berichte der Überlebenden beschreibt er, wie die Mechanismen ‚absoluter‘ Macht die Menschen existentiell zerbrechen. Raum und Zeit, Arbeit und soziale Strukturen verlieren in der ‚Ordnung des Terrors‘ ihre Orientierungsfunktion.“ Jan Philipp Reemtsma lobte das Buch in der ZEIT.

„Das Buch dürfte zu einem Standardwerk zum Thema Gewalt − nicht nur in Konzentrationslagern − werden.“

Karlheinz Dederke in der FAZ

Einer der ersten Kritiker des Werkes war damals Harald Welzer. Er sprach im Merkur (H. 1/1994) von einem „hermetischen“ Buch und nannte es „dumm darin, dass es distanzlos im Grauen verweilt, das es zu beschreiben vorgibt“.

Am 20. September 2015 erhielt Sofsky in Edenkoben den Holbach-Preis für sein Gesamtwerk. In der Begründung der Jury hieß es: "Wolfgang Sofsky hat ein überragendes essayistisches Werk geschaffen,... Er ist der Erzähler unter den Essayisten und einer ihrer besten." Im März 2016 gründete Sofsky das Holbach-Institut[3] zur Erforschung der kulturellen Macht.

Werke[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bücher[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Aufsätze[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Sicherheit durch Normalität. Stichworte zur Analyse der Alltäglichkeit. In: Frankfurter Hefte 33 (1978) 29–36.
  • Vom Wert der Arbeit. In: Frankfurter Hefte 36 (1981) 29–36.
  • Endzeiten. Kultursoziologische Notizen zum Weltuntergang. In: Frankfurter Hefte 37 (1982) 59–66.
  • Automatenmenschen und Gesellschaftsmaschinen. In: Frankfurter Hefte 39 (1984) 54–60.
  • Schreckbild Stadt. Stationen der modernen Stadtkritik. In: Die Alte Stadt. Vierteljahreszeitschrift für Stadtgeschichte, Stadtsoziologie, Denkmalpflege und Stadtentwicklung 13 (1986) 1–21.
  • Drohungen. Über eine Methode der Interaktionsmacht (mit Rainer Paris). In: Kölner Zeitschrift für Soziologie und Sozialpsychologie 39 (1987) 15–39.
  • Absolute Macht. Zur Soziologie des Konzentrationslagers. In: Leviathan 18 (1990) 518–535.
  • ErlesenZerlesen. In: Süddeutsche Zeitung, 9. März 1995.
  • Gewaltzeit. In: Trutz von Trotha (Hrsg.), Soziologie der Gewalt, Opladen 1997, 102–121.
  • Teilhaben an der Macht der Toten. Von der Gewalt der Masken und ihrem Untergang in Zeiten der Konformität. In: SZ, 8. Februar 1997.
  • Das Gesetz des Gemetzels. Welcher Menschentypus steckt hinter den Exzessen in Algerien, Ruanda und Bosnien? In: Die Zeit, 2. April 1998.
  • Held, Märtyrer und Terrorist in einem: Der Selbstmordattentäter. In: Süddeutsche Zeitung, 19. September 2001.
  • Der Prozess der Gewalt. In: Michael Klein (Hrsg.), Gewalt – interdisziplinär, Münster 2002, 173–184.
  • Das Schwein, der Mensch. Elias Canettis poetische Zoologie. In: SZ, 20. März 2002.
  • Wie gerecht ist die Rache? In: Psychologie Heute 29 (2002), Nr. 4, 56–61.
  • Die halbierte Erinnerung. In: SZ, 5. Dezember 2002, 13.
  • Vor dem Krieg. Ein Drängen, ein Zögern, ein Warten. In: SZ, 6. März 2003.
  • Das normale Gesicht des Bösen. In: Die Welt, 20. März 2003.
  • Prämien, Kopfjagd, Attentate. Politischer Mord und Kriegskunst. In: SZ, 29. September 2003, 14.
  • Ja oder Nein! Was der Demokratie so schwer fällt: die Entscheidung. In: SZ, 8. Oktober 2003, 13.
  • Weder Kopftuch noch Kreuz. In: Die Welt, 18. März 2004.
  • In den Verliesen des Krieges. In: Die Weltwoche Nr. 19/2004, 6. Mai 2004.
  • Jeder hält die Augen offen. Die Gefahren der Terror-Vorsorge. In: SZ, 1. August 2005.
  • Das Prinzip Freiheit. In: Ulrike Ackermann (Hrsg.), Plädoyers für eine offene Gesellschaft, Berlin 2007, 40–61.
  • Amok, der Rausch absoluter Macht. In: Tages-Anzeiger, 13. März 2009.
  • Rache und Gerechtigkeit. In: Berner Zeitung, 7. Mai 2011.

Interviews[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Michael Saager: Die Zukunft der Gewalt. Wolfgang Sofsky ist der Nahkämpfer unter den Gewaltsoziologen. In: Jungle World Nr. 52/2002.
  • Martin Endreß: Entgrenzung des Menschlichen. Zur Transformation der Strukturen menschlichen Weltbezuges durch Gewalt. In: Wilhelm Heitmeyer, Hans-Georg Soeffner (Hrsg.): Gewalt. Entwicklungen, Strukturen, Analyseprobleme. Suhrkamp, Frankfurt am Main 2004, ISBN 3-518-12246-0, S. 174–201.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. www.wscaprichos.wordpress.com
  2. W. Sofsky: ErlesenZerlesen. In: SZ, 9. März 1995.
  3. Holbach-Institut