Wolfgang Spier

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Wolfgang Spier (links) während einer Besprechung mit Komponist und Regisseur Thorsten Wszolek zu dessen Musical Crazy Hotel, Köln 1999

Wolfgang Spier (* 27. September 1920 in Frankfurt am Main; † 18. März 2011 in Berlin) war ein deutscher Regisseur, Schauspieler, Synchronsprecher und Moderator.

Leben[Bearbeiten]

Der Sohn des Psychochirologen Julius Spier (1887–1942) wollte nach dem Abitur Medizin studieren, wurde jedoch als „Halbjude“ von den Nationalsozialisten nicht zum Studium zugelassen. Stattdessen machte er in Berlin eine Banklehre und arbeitete bis zum Kriegsende als Bankangestellter, nahm jedoch heimlich Schauspielunterricht – bis seine Lehrerin in einer Bombennacht ums Leben kam.

Bereits 1946 bekam Spier im Wiesbadener Staatstheater ein Engagement, wo er unter Karl-Heinz Stroux auch Regie führte. 1950 ging Wolfgang Spier nach Berlin zurück und gründete dort mit Schauspielern wie Horst Buchholz, Martin Benrath und Wolfgang Neuss den Theaterclub im „British Center“ und arbeitete bei den „Berliner Stachelschweinen“ und dem Kabarett „Die Wühlmäuse“ mit. Nach einem kurzen festen Engagement am Düsseldorfer Schauspielhaus arbeitete er seit 1957 als freier Regisseur, Schauspieler, Synchronsprecher und Moderator. Die TV-Quizshow Wer dreimal lügt machte ihn einem breiten Publikum in Deutschland bekannt. 1978 brachte er die von Hans Rosenthal erdachte Radioquizsendung Allein gegen alle in die ARD. Er führte durch vier Sendungen und übergab dann die Moderation an Max Schautzer. Er inszenierte auch die Comedy-Serie Ein verrücktes Paar mit Grit Boettcher und Harald Juhnke und spielte 1995 mit letzterem zusammen im Stück Sonny Boys von Neil Simon die Hauptrolle.

Spier spielte in über 250 Theaterstücken, von der leichten bis niveauvollen Unterhaltung, und wird gern als „König des Boulevardtheaters“ bezeichnet. Als Synchronsprecher lieh Spier seine markante Stimme unter anderem Peter Cushing (Reise zur Insel des Grauens), Linda Hunt (in ihrer Oscar-prämierten Rolle als männlicher Kriegsberichterstatter in Ein Jahr in der Hölle), John Nettleton (Yes Minister), Donald Pleasence (in Die phantastische Reise und Dracula), Gene Wilder (Zwei Haudegen kommen selten allein) und Kenneth Williams (Carry on Abroad). Außerdem führte er als Erzähler durch die Fernsehserie Die Rebellen vom Liang Shan Po.

Aus Wolfgang Spiers erster von 1949 bis 1951 währender Ehe mit der Schauspielerin Waltraud Schmahl stammt eine Tochter. Danach war er von 1959 bis 1965 mit der Schauspielerin Almut Eggert verheiratet. Er war der Stiefvater von Nana Spier und hatte mit Almut Eggert auch eine gemeinsame Tochter Miriam Bettina Spier, die ebenfalls Schauspielerin und Synchronsprecherin war. Seine dritte Ehe ging er von 1981 bis 1989 mit der Schauspielerin Christine Schild ein. 1991 schloss er seine vierte Ehe mit Brigitte Fröhlich.

Wolfgang Spier erhielt 1986 für seine herausragende künstlerische Arbeit das Bundesverdienstkreuz am Bande. 1988 wurde er von der Dramatiker Union mit dem Silbernen Blatt ausgezeichnet. 1995 erhielt er den Curt-Goetz-Ring.

Am 18. März 2011 starb Spier im Alter von 90 Jahren an einem Herzinfarkt.[1] Sein Grab befindet sich auf dem Friedhof Heerstraße.[2]

Filmografie (Auswahl)[Bearbeiten]

Schriften[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. „König des Boulevards“ – Schauspieler Wolfgang Spier ist tot. Abgerufen am 19. März 2011.
  2. knerger.de: Das Grab von Wolfgang Spier