Wolfgang Suschitzky

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Wolfgang „Wolf“ Suschitzky (* 29. August 1912 in Wien, Österreich-Ungarn; † 7. Oktober 2016 in London[1]) war ein österreichisch-britischer Kameramann und Fotograf.

Leben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Suschitzky erhielt eine Ausbildung an der Graphischen Lehr- und Versuchsanstalt in Wien und arbeitete anschließend als Buchhändler und Fotograf. Ende Februar 1934 wanderte er nach London aus und verdiente sich seinen Lebensunterhalt dort zunächst als Fotograf.

1937 begann er eine Tätigkeit als Kameraassistent bei Dokumentarfilmen für Paul Rothas Produktionseinheit. Nach Kriegsausbruch 1939 als feindlicher Ausländer klassifiziert, durfte er ab 1942 als Chefkameramann wieder für Rotha arbeiten. 1944 war er an der Gründung der Filmkooperative DATA beteiligt und drehte für diese Firma zahlreiche Industriefilme. 1950 gab er sein Spielfilmdebüt mit dem kurzen Kriminalfilm No Resting Place, doch erst ab den 1960er Jahren erhielt Suschitzky vermehrt Spielfilmaufträge. Nebenher arbeitete er weiterhin als Fotograf, drehte Werbespots und Fernsehserien und versuchte sich auch als Buchillustrator.

Suschitzky lebte zuletzt in London. Sein Sohn ist der Kameramann Peter Suschitzky (* 1941). Seine Schwester war die Fotografin, Pädagogin und KGB-Agentin Edith Tudor-Hart (1908–1973).

Fotografie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Für Wolf Suschitzky, in dessen Werk die Darstellung von Arbeit und Arbeitenden einen zentralen Platz einnimmt, bestand dokumentarische Fotografie in der anteilnehmend-kommentierenden Darstellung von sozialen Zuständen: "Der Fotograf, der mit menschlichem Leid in Berührung kommt ist für gewöhnlich parteiisch".[2] Am Beginn seiner Karriere fotografierte er klassische Auftragsarbeiten für Magazine wie Picture Post, Illustrated oder Lilliput, später entstanden seine Fotografien größtenteils neben seiner Arbeit als Kameramann. Charakteristisch für seine fotografische Arbeit ist, dass zwischen seinen Tätigkeitsfeldern oft nicht ganz eindeutig abgetrennt werden kann, dass er Film- und Fotokamera oft annähernd zeitgleich benutzte, was zu speziellen ästhetischen Effekten führen kann, etwa dass Motive in verschiedenen Kontexten mehrfach existieren oder dokumentarische Fotografie am Rande von filmischen Produktionen entstehen.[3] Sein fotografischer Nachlass befindet sich größtenteils im FOTOHOF archiv.

Seit 2018 wird alle zwei Jahre vom Österreichischen Kulturforum London der 'Wolf Suschitzky Photography Prize' ausgeschrieben: um Suschitzkys Verbundenheit mit seiner Heimat als auch seiner Wahlheimat widerzuspiegeln, wird der Preis gleichzeitig an eineN österreichischeN und einen britischeN FotografIn vergeben[4]. Eine Jury wählt aus beiden Ländern jeweils eineN GewinnerIn aus, die ein Preisgeld, Ausstellungsmöglichkeiten und eine Residency im jeweils anderen Land erhalten.[5]

Filmografie (Auswahl)[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Ausstellungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bücher[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Kay Weniger: Das große Personenlexikon des Films. Die Schauspieler, Regisseure, Kameraleute, Produzenten, Komponisten, Drehbuchautoren, Filmarchitekten, Ausstatter, Kostümbildner, Cutter, Tontechniker, Maskenbildner und Special Effects Designer des 20. Jahrhunderts. Band 7: R – T. Robert Ryan – Lily Tomlin. Schwarzkopf & Schwarzkopf, Berlin 2001, ISBN 3-89602-340-3.
  • Brigitte Mayr, Michael Omasta, Ursula Seeber (Hrsg.): Wolf Suschitzky. Photos. Synema, Wien 2006, ISBN 3-901644-18-0.
  • Brigitte Mayr, Michael Omasta, Ursula Seeber (Hrsg.): Wolf Suschitzky films. Synema, Wien 2010, ISBN 978-3-901644-33-7
  • Michael Omasta, Brigitte Mayr (Hrsg.): Wolf Suschitzky: Seven Decades of Photography. Synema, Wien 2014, ISBN 978-3-901644-61-0
  • Ursula Seeber (Hrsg.): Kleine Verbündete : vertriebene österreichische Kinder- und Jugendliteratur. Wien : Picus, 1998 ISBN 3-85452-276-2, S. 162

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Wolfgang Suschitzky, photographer and Get Carter cameraman, dies aged 104
  2. Michael Huber. "Aus der Perspektive der Menschlichkeit". In: Kurier, Ausgabe Dienstag, 18. August 2020. S. 19.
  3. Peter Schreiner. "Arbeit als Motiv und Bedingung in den Werken von Wolf Suschitzky". In: Wolf Suschitzky. "Work". Salzburg: FOTOHOF edition. 2020. S. 5–8.
  4. Ausschreibung des Preises (englisch)
  5. https://www.eu2018.at/de/calendar-events/cultural-events/Wolf-Suschitzky-photography-award.html
  6. Wolf Suschitzky – NO RESTING PLACE, auf fotohof.net
  7. Orte des Exils. Abgerufen am 11. Oktober 2020.