Wolfram Günther

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Wolfram Günther, 2016

Wolfram Günther (* 27. Juni 1973 in Leipzig) ist ein deutscher Jurist und Kunsthistoriker. Er ist aktiv in der Denkmalpflege und Sprecher des Stadtforums Leipzig. Er ist seit 2014 Mitglied des Sächsischen Landtags und dort seit 2018 Fraktionsvorsitzender von Bündnis 90/Die Grünen.

Leben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Nach seinem Abitur in Leipzig 1992 absolvierte Günther zunächst eine zweijährige Ausbildung zum Bankkaufmann bei der Dresdner Bank in Düsseldorf und arbeitete ab 1994 ein Jahr im Bereich Firmenmarketing bei der Dresdner Bank in Leipzig. Nach seinem Zivildienst, den er in seiner Heimatstadt bei der Evangelischen Sozialstation ableistete, studierte er von 1994 bis 1999 Rechtswissenschaften und von 1996 an parallel Kunstgeschichte, Kulturwissenschaften und Philosophie in Leipzig. Nach seinem 1. juristischen Staatsexamen 1999 folgte zunächst das Rechtsreferendariat, in dem er unter anderem Stationen im Amtsgericht, bei der Staatsanwaltschaft Leipzig, dem Berliner Kultursenat, der Sächsische Staatskanzlei in Dresden und der Rechtsanwaltskanzlei „Heta“ in Reval (Tallinn), Estland absolvierte. Nach dem 2. Staatsexamen 2001 setzte er sodann sein kunstgeschichtliches Studium in Leipzig und Berlin fort und schloss dieses 2002 mit einer Magisterarbeit bei Thomas Topfstedt zum Thema Hieronymus Lotter, bedeutender Architekt der Deutschen Renaissance oder Mythos der Kunstgeschichte? Hieronymus Lotter und der Bau des Alten Leipziger Rathauses ab.[1] Diese Arbeit revidierte in wesentlichen Aspekten das bisher in der Kunstgeschichte tradierte Bild Lotters als Architekt und Bauherr.[2]

2003 wurde Günther zunächst Dozent in der behördlichen Weiterbildung mit Schwerpunkten Verwaltung-, Bauplanungs-, Umwelt-, und Denkmalrecht und hielt Seminare in Zusammenarbeit mit dem Kommunalen Bildungswerk in Berlin und Frankfurt am Main. 2004 erfolgte dann die Niederlassung als Rechtsanwalt in Leipzig. Seit 2006 bestehen Lehraufträge an der Bauhaus-Universität Weimar für Bauplanungsrecht, Straßenplanung und Umweltrecht. Seit 2008 gehört er der Institutsleitung des Instituts für Integrierte Stadtentwicklung in Leipzig an.

2004 gehörte er zu den Initiatoren der Gründung des Stadtforums Leipzig und ist seitdem einer der drei Sprecher. Seit 2008 gehört er zu den Initiatoren zur Gründung der Leipziger Denkmalstiftung und ist seit deren Zulassung 2009 Vorsitzender. Seit der Gründung im Jahr 2011 ist Günther Sprecher des Bundesnetzwerk Verkehr mit Sinn.[3]

Als Kunsthistoriker forscht und publiziert Günther schwerpunktmäßig zur Baugeschichte und Bildhauerkunst der Spätgotik und Renaissance im mitteldeutschen Raum. Er ist seit 2003 Mitglied im „Förderkreis Alte Kirchen Berlin-Brandenburg“, der sich für die Erhaltung, Wiederherstellung und Restaurierung von Kirchendenkmälern einsetzt.[4] Als Jurist beschäftigt sich Wolfram Günther schwerpunktmäßig mit Umweltrecht und Baurecht.

Wolfram Günther ist verheiratet und hat vier Kinder.

Politik[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Günther ist seit 1994 aktiv bei Bündnis 90/Die Grünen und seit 1997 Mitglied der Partei. Seit 2013 ist er Vorsitzender des Kreisverbandes Mittelsachsen von Bündnis 90/Die Grünen.[5]

Bei der Landtagswahl in Sachsen 2014 wurde Günther über die Landesliste (Platz 4) von Bündnis 90/Die Grünen[6] in den Sächsischen Landtag gewählt. Er ist Mitglied im Ausschuss für Umwelt und Landwirtschaft sowie im Bewertungsausschuss und Sprecher seiner Fraktion für Umwelt und Naturschutz, Landwirtschaft sowie Bauen (Landesentwicklung, Stadt- und Regionalentwicklung, ländliche Räume) und Denkmalschutz. Am 23. Mai 2018 wählte ihn die Fraktion als Nachfolger von Volkmar Zschocke zum Fraktionsvorsitzenden. In Hinblick auf die Landtagswahl 2019 soll so das umweltpolitische Profil der Partei geschärft werden.[7]

Publikationen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Hieronymus Lotter. In: Arnold Bartetzky (Hrsg.): Die Baumeister der „deutschen Renaissance“. Ein Mythos der Kunstgeschichte? Sax, Beucha 2004, ISBN 3-934544-52-5, S. 73–110.
  • mit weiteren Autoren: Aktuelle Fragen und Probleme der Leipziger Stadtentwicklung. Hrsg. Stadtforum Leipzig. Leipzig 2006.
  • Die Auswirkungen des EuGH-Urteils C-98/03 zur mangelhaften Umsetzung der FFH-Richtlinie. In: Zeitschrift für Europäisches Umwelt- und Planungsrecht. 2, 2006, S. 94–100.
  • Die Beachtlichkeit von Handlungen außerhalb von Naturschutzgebieten, VG Leipzig und OVG Sachsen. In: Zeitschrift für Umweltrecht. 1, 2007, S. 28–30.
  • Bürgerengagement und wenig geliebte Denkmale. In: Birgit Franz, Gabi Dolff-Bonekämper (Hrsg.): Sozialer Raum und Denkmalinventar. Vorgehensweisen zwischen Erhalt, Verlust, Wandel und Fortschreibung. Sandsteinverlag, Dresden 2008, ISBN 978-3-940319-42-5, S. 28–31.
  • Hieronymus Lotter – bedeutender Architekt der deutschen Renaissance oder Mythos der Kunstgeschichte? Hieronymus Lotter und der Bau des Alten Leipziger Rathauses. Norderstedt, Books on Demand, 2009, ISBN 978-3-8370-8012-4.
  • Die Werkmeister am Bau der Zwickauer Hauptkirche St. Marien zwischen 1476 und 1565 – Hüttenmeister, Ratssteinmetzen und Bauunternehmer. In: Stefan Bürger, Bruno Klein (Hrsg.): Werkmeister der Spätgotik. Position und Rolle der Architekten im Bauwesen des 14. bis 16. Jahrhunderts. Wissenschaftliche Buchgesellschaft, Darmstadt 2009, ISBN 978-3-534-22346-6, S. 37–58.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Wolfram Günther – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Vgl. Liste der betreuten Arbeiten von Topfstedt auf der Hochschulseite, abgerufen am 9. Februar 2017
  2. Ralf Julke Buchrezension, Leipziger Internetzeitung 8. Februar 2009 (Memento vom 3. September 2014 im Internet Archive)
  3. Netzwerkseite
  4. Mitteilungsblatt des Förderkreises
  5. Kreisseite der Grünen
  6. Wolfram Günther. In: gruene-sachsen.de. Abgerufen am 31. August 2014.
  7. Die Grünen suchen neuen Schwung, abgerufen am 31. Mai 2018.