Wolfram Siebeck

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Wolfram Siebeck, 2004

Wolfram Siebeck (* 19. September 1928 in Duisburg; † 7. Juli 2016[1] in Lahr/Schwarzwald) war ein deutscher Gastronomiekritiker, Journalist und Buchautor.

Leben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Siebeck war der Sohn des Verwaltungsbeamten und späteren Wirtes Walter Siebeck. Er wuchs in Essen und Bochum auf. Das Kriegsende 1945 erlebte er als Flakhelfer in Norddeutschland, wo er in Kriegsgefangenschaft geriet. Die britische Armee internierte ihn einige Monate auf der Insel Fehmarn.

In den ersten Jahren der Nachkriegszeit verdiente sich Siebeck seinen Lebensunterhalt mit dem Malen von Reklameschildern. Als 1948 zeitgleich mit der Währungsreform die WAZ gegründet wurde, bekam Siebeck dort eine Anstellung als Pressezeichner. Später arbeitete er zusammen mit seinem Freund Roland Topor.

Aufgrund einer kleinen Erbschaft konnte Siebeck ab 1950 die Werkkunstschule in Wuppertal besuchen. In diese Zeit fiel auch seine erste Reise nach Frankreich. Als Willy Fleckhaus 1958 in Köln die Zeitschrift Twen gründete, bekam Siebeck darin eine kulinarische Kolumne. Viele Jahre schrieb er auch für die Wochenzeitung Die Zeit und die Zeitschriften Stern, und Der Feinschmecker eine monatliche Kolumne. Außerdem publizierte er auch immer wieder als Restaurantkritiker. Bis 2011 verfasste er eine wöchentliche Kolumne in der Wochenzeitung Die Zeit (in der Tiefdruckbeilage ZeitMagazin Leben).

Von 2011 an erschienen seine Zeit-Beiträge seltener und er schrieb bis 2015 den Blog Wo is(s)t Siebeck – Ein Reisetagebuch.[2]

Privatleben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Siebeck war von 1959 bis 1969 mit seiner ersten Frau Erika[3] und seit 1969 in zweiter Ehe mit Barbara McBride geb. Wilke verheiratet. Sie brachte drei Söhne aus ihrer ersten Ehe mit dem Fotografen Will McBride mit.[4]

1969 ließ sich die Familie in Widdersberg am Ammersee nieder. Von hier aus starteten Barbara und Wolfram Siebeck ihre ersten „kulinarischen Reisen“, vor allem nach Frankreich. Anfang der 1980er Jahre zog die Familie nach Schondorf.

Seit Ende der 1980er lebte Wolfram Siebeck mit seiner Frau Barbara auf der Burg „Schloss Mahlberg“ in der Nähe von Lahr.[5] Den Sommer verbrachten Wolfram und Barbara Siebeck in Puy-Saint-Martin nahe bei Montélimar in der Provence.[3]

Werk[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Wolfram Siebecks Kolumnen und auch seine Buchveröffentlichungen hatten – laut eigener Aussage – ein Ziel: Die Leser sollten erfahren und dafür sensibilisiert werden, dass Essen und Trinken von höchster Qualität sein müssen. Siebeck polemisierte in seinen Kolumnen und Büchern gegen Fast Food, Fertiggerichte, Lebensmittel aus den Discount-Läden, subventionierte Landwirtschaft und nicht artgerechte Tierhaltung, mangelhafte Tischkultur und die seiner Meinung nach schlechte deutsche Küche.[6] Sein Stil war satirisch, sarkastisch und oftmals – absichtlich – verletzend.[7] Auch an Selbstironie und Selbstkritik ließ es Siebeck in den essayistisch angelegten Artikeln nicht mangeln.

Anfang der 1980er Jahre produzierte der Südwestfunk mit Siebeck eine zwölfteilige Kochsendung. Dazu hatte der Dokumentarfilmer Roman Brodmann angeregt, der auch Feinschmecker war. Für jede der Folgen wurden Spitzenköche zu Siebeck, der für sie ein Menü kochte, nach Hause eingeladen – so unter anderen die Sterne-Köche Marc Haeberlin, Emile Jung, Hans Stucki und Heinz Winkler. Das Menü wurde serviert, kommentiert und bewertet, und die Profiköche ließen sich zu mancher ironischen bis beißenden Kritik hinreißen. Die Serie wurde aufgrund des Todes von Roman Brodmann eingestellt.[6]

Aufgrund seiner zahlreichen Glossen in der Zeit und in der Süddeutschen Zeitung in den 1960er und 1970er Jahren und durch seine ersten Buchveröffentlichungen galt Siebeck damals „als einer der witzigsten Glossen- und Geschichtenschreiber deutscher Sprache“.[8] Beispielsweise parodierte er 1969 einmal die Musikrezensionen von Joachim Kaiser, indem er „Münchens neueste Baustelle“ auf „der oberen Leopoldstraße“ als kulturelle Veranstaltung betrachtete. Für die Leistungen der Mitwirkenden – wie Alois Stiebl mit seiner Explosionsramme – verwendete Siebeck dabei das Vokabular eines Musikkritikers („Das noble, beseelte, fast schmerzhafte Stakkato, das Stiebl aus dem Nichts beziehungsweise aus einem herrlichen Instrument holte, war Phon in höchster Reinheit“) und gab durch Einbeziehung von Straßenbahngeräuschen „(Linie 43, Bahnhof – Kaiser Joachim-Platz)“ einen deutlichen Hinweis auf den Parodierten.[9]

Ehrungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Rezeption[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

1981 widmete ihm die Neue-Deutsche-Welle-Band Foyer Des Arts mit dem Sänger und späteren Schriftsteller und Publizisten Max Goldt das Lied „Wolfram Siebeck hat recht!“

Fernsehporträts[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • 1997: Vorkoster der Nation. Fernseh-Reportage, Deutschland, 30 Min., Buch und Regie: Ralph Quinke, Produktion: Spiegel TV, gedreht in seinem Haus in der Provence. Der Fernseh-Ableger des Nachrichtenmagazins porträtiert den Feinschmecker und Gastronomiekritiker Wolfram Siebeck. Das Fernsehteam begleitet den Gourmet nach Frankreich und Baden und lässt ihn ausgiebig über Gott und die Esskultur philosophieren.
  • 2004: Lebenslinien: Der Küchenpapst. Wolfram Siebeck – Weltbürger und Grenzgänger. Fernseh-Reportage, Deutschland, 30 Min., Buch und Regie: Evelyn Schels, Produktion: Bayerischer Rundfunk, gedreht in Mahlberg und der Provence.[10]
  • 2006: Gero von Boehm begegnet Wolfram Siebeck. Gespräch, Deutschland, 30 Min., Buch und Regie: Gero von Boehm, Produktion: interscience film, 3sat. Gero von Boehm besucht Wolfram Siebeck in seinem Heim auf Schloss Mahlberg und spricht mit ihm über Fleischskandale und wie man guten Geschmack lernen kann, über Esskultur in Deutschland und anderswo und über seine Rolle als Vermittler zwischen Gast und Gastronomie.[11]

Publikationen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Gero von Boehm: Wolfram Siebeck. 4. Januar 2006. Interview in: Begegnungen. Menschenbilder aus drei Jahrzehnten. Collection Rolf Heyne, München 2012, ISBN 978-3-89910-443-1, S. 469–476.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Interviews

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Gastronomiekritiker: Kolumnist und Buchautor Wolfram Siebeck gestorben. In: Die Zeit, 7. Juli 2016.
  2. Wo is(s)t Siebeck – Willkommen, abgerufen am 8. Juli 2016.
  3. a b Christoph Amend, Adam Sobozynski: Siebeck wird 80: „Ich bin arrogant!“ In: Zeit Online. 24. September 2008, abgerufen am 8. Juli 2016 (Interview mit Wolfram Siebeck; zuerst in: Die Zeit 39/2008 vom 18. September 2008).
  4. Ulrike Schumacher: Ein halbes Leben vor dem Teller. In: Weser-Kurier, 25. Juli 2015.
  5. Jürgen Ruf: Feinschmecker Siebeck schlemmt jetzt im Netz. In: Reutlinger Generalanzeiger, 4. Juni 2012.
  6. a b Siebeck, Wolfram. In: Munzinger Online / Personen – Internationales Biographisches Archiv. 34/2006 vom 26. August 2006. Ergänzt um Nachrichten durch MA-Journal bis KW 05/2011. Abgerufen am 21. August 2011.
  7. Wolfgang Lechner: „Schickt Siebeck auf den Mars!“ In: Die Zeit, 17. September 2008.
  8. Verlagsangaben in Klappe zu – Affe tot. dtv, München, 1978, S. 4.
  9. Wolfram Siebeck: Musica viva. In: Die Zeit, 17. Januar 1969.
  10. Weltbürger und Grenzgänger – Citoyen du monde: Der Küchenpapst Wolfram Siebeck. Bayerischer Rundfunk, arte, Mai 2004, archiviert vom Original am 3. Mai 2007, abgerufen am 8. Juli 2016.
  11. Gero von Boehm begegnet … Wolfram Siebeck. In: interscience film / 3sat, 16. Januar 2006.