Wolfratshauser Frühstück

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Wolfratshauser Frühstück bezeichnet ein Treffen zwischen der damaligen Bundesvorsitzenden der CDU, Angela Merkel, und dem damaligen bayerischen Ministerpräsidenten und CSU-Vorsitzenden Edmund Stoiber, das am Freitag, dem 11. Januar 2002 in Wolfratshausen im Haus Stoibers stattfand. Anlass des Treffens war die anstehende Entscheidung, wer von beiden als Kanzlerkandidat der Unionsparteien für die Bundestagswahl 2002 kandidieren sollte („K-Frage“).

Hintergrund[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Nach der Bundestagswahl 1998 musste die Union den Gang in die Opposition antreten. Helmut Kohl kandidierte nach 25 Jahren im Amt nicht wieder für den Parteivorsitz. Sein Nachfolger wurde Wolfgang Schäuble, der bereits seit 1991 Fraktionsvorsitzender der Union im Bundestag war. Er galt auch als designierter Kanzlerkandidat für die Bundestagswahl 2002, nachdem Kohl ihn schon lange als seinen Wunschnachfolger bezeichnete und er viele Jahre die Rolle eines „Kronprinzen“ hatte. Infolge der CDU-Spendenaffäre trat Schäuble am 16. Februar 2000 jedoch von seinen beiden Spitzenämtern zurück. Neuer Fraktionsvorsitzender wurde Friedrich Merz, er saß seit 1994 im Bundestag und wurde 1998 stellvertretender Fraktionsvorsitzender. Neue Parteichefin wurde Angela Merkel, sie war bis 1998 Bundesumweltministerin und dann bis zu ihrer Wahl als Parteichefin Generalsekretärin der CDU. Beide waren in der Spendenaffäre unbelastet. Besonders Merkel galt damals eigentlich nur als Übergangslösung für die Partei.

Ablauf[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Ab Anfang 2001 begannen zunehmend Spekulationen über die Kanzlerkandidatur der Union, nach Friedrich Merz und Edmund Stoiber signalisierte auch Angela Merkel im Sommer 2001 ihr Interesse an einer Kandidatur („Ich habe ganz klare Vorstellungen, wie ich als Bundeskanzlerin in diesem Lande, mit anderen zusammen, vieles besser machen könnte.“)

Viele Ministerpräsidenten, Landesvorsitzende und Mandatsträger der CDU sprachen sich für Stoiber als Kandidaten aus. Auch in den Umfragen lag Stoiber klar vor Merkel. Wahrscheinlich hat Merkel Stoiber die Kandidatur überlassen, um sich selbst nicht zu schaden. Denn bei einer (wahrscheinlichen) Abstimmungsniederlage, etwa bei einer Kampfabstimmung in der Bundestagsfraktion, hätte Merkel große Mühe gehabt, ohne Diskussionen Parteivorsitzende bleiben zu können.

Merkel überließ Stoiber letztendlich die Kanzlerkandidatur und kündigte an, im Falle des Wahlsieges nicht als Ministerin in ein Kabinett Stoiber wechseln zu wollen, sondern CDU-Parteichefin zu bleiben und zeitgleich den Fraktionsvorsitz im Bundestag zu übernehmen. Diesen hatte Merkel angeblich als "Preis" dafür gefordert, dass sie Stoiber die Kandidatur überließ.

Ergebnis[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bei der Bundestagswahl im Herbst verlor Stoiber dann knapp gegen die rot-grüne Koalition und der bisherige Bundeskanzler Gerhard Schröder wurde im Amt bestätigt. Nach der Wahl übernahm Merkel gegen den Widerstand von Friedrich Merz den Vorsitz der Bundestagsfraktion, das Votum von Stoiber für Merkel, die seine Kandidatur loyal mitgetragen hatte, gab den Ausschlag. Das Verhältnis zwischen Merkel und Merz galt bereits vorher als konfliktbelastete Konkurrenzsituation. Stoiber blieb bayerischer Ministerpräsident. Bei der Bundestagswahl 2005 wurde Merkel schließlich Kanzlerkandidatin, gewann die Wahl, wurde Bundeskanzlerin und als solche auch nach den folgenden drei Bundestagswahlen jeweils im Amt bestätigt.

Vergleiche zu ähnlichen Situationen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bundestagswahl 1980[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Situation ähnelte der vor der Bundestagswahl 1980, als CDU-Chef Helmut Kohl sich entschied, wegen aus seiner Sicht mangelnder Erfolgschancen nicht erneut als Kanzlerkandidat anzutreten. Die Kanzlerkandidatur überließ er dem CSU-Chef Franz Josef Strauß, nachdem dieser eine Kampfabstimmung in der Bundestagsfraktion gegen Ernst Albrecht gewann. Strauß verlor die Wahl und Kohl wurde 1982 durch das Misstrauensvotum gegen Helmut Schmidt Bundeskanzler.

Bundestagswahl 2021[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im Vorfeld der Bundestagswahl 2021, bei der Merkel nicht erneut kandidierte, wurde das Aushandeln der Kanzlerkandidatur zwischen dem CDU-Vorsitzenden und NRW-Ministerpräsidenten Armin Laschet und dem bayerischen Ministerpräsidenten und CSU-Vorsitzenden Markus Söder mit der Situation 2002 verglichen.[1]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Fußnoten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Florian Zick: Legendäre Frühstücksstadt. Abgerufen am 17. April 2021.