Wolfskehlen

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Koordinaten: 49° 51′ 11″ N, 8° 30′ 2″ O

Wolfskehlen
Stadt Riedstadt
Wappen von Wolfskehlen
Höhe: 89 m ü. NHN
Fläche: 12,8 km²[1]
Einwohner: 4174 (30. Jun. 2016)[2]
Bevölkerungsdichte: 326 Einwohner/km²
Eingemeindung: 1. Januar 1973
Eingemeindet nach: Goddelau-Wolfskehlen
Postleitzahl: 64560
Vorwahl: 06158
Evangelische Kirche

Evangelische Kirche

Wolfskehlen ist der nördlichste Stadtteil von Riedstadt im Kreis Groß-Gerau in Hessen. Nördlich an die Wolfskehlener Gemarkung schließt sich der Groß-Gerauer Stadtteil Dornheim an, östlich Wolfskehlens die Stadt Griesheim im Kreis Darmstadt-Dieburg, im Süden der Riedstädter Stadtteil Goddelau und westlich Leeheim, ebenfalls ein Stadtteil Riedstadts.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Urkundlich erwähnt wurde Wolfskehlen 1002 in der Urkunde Historia Episcopatus Wormatiensis, in der Kaiser Heinrich II. dem Bischof Burchard von Worms die Rechte im Forst Forehahi verleiht. In den historischen Unterlagen findet Wolfskehlen in den folgenden Jahrhunderten unter anderem mit diesen Ortsnamen Erwähnung: Wolveskele im Jahr 1252, Woluiskelen 1312, Wolffkeln 1344, Wlffßkellen 1458, Wolskeel 1579 und Wolffskehln im Jahr 1613.[1]

Um den Ort entstanden im 12. und 13. Jahrhundert zwei Burgen: die Burg Alt-Wolfskehlen, die vom Begründer des Geschlechts Ger(h)ardus de Wolfskehlen erbaut wurde, und die Burg Neu-Wolfskehlen, die von drei seiner jüngeren Söhne als Ganerbenburg errichtet wurde, der aber schon 1301 wieder zerstört wurde. Die "Alte Wolfskehlen" bestand noch etwa bis zur Mitte des 16. Jahrhunderts.

1252 verkauften die Herren von Wolfskehlen, die dem Dorf ihren Namen gaben, die Burg Neuwolfskehlen an den Erzbischof von Mainz. Barbara von Wolfskehlen (1501–1545) (wohl die Tochter Hans von Wolfskehlen, Letzter seines Geschlechts) deren Mutter bereits aus dem Geschlecht der Freiherren von Gemmingen entstammte, heiratete im Jahr 1518 Eberhard von Gemmingen zu Bürg,[3] wodurch die Familie von Gemmingen Besitz in Wolfskehlen erlangte und dort die Reformation einführte. 1579 trat Kurmainz seine Rechte an die Landgrafen von Hessen ab. Während des Dreißigjährigen Krieges und durch die Pest wurde fast die gesamte Bevölkerung getötet. Erst im 18. Jahrhundert begann der Wiederaufbau.[4]

Verwaltungsmäßig gehört Wolfskehlen bis 1820 zum Amt Dornberg, das ab 1816 zur Provinz Starkenburg des Großherzogtums Hessen gehörte. 1821 werden im Großherzogtum Landratsbezirke eingeführt und Wolfskehlen dem Landratsbezirk Dornberg zugeteilt. 1832 wurden die Einheiten ein weiteres mal vergrößert und es wurden Kreise geschaffen. Dadurch gelangt Wolfskehlen in den Kreis Groß-Gerau. Die Provinzen, die Kreise und die Landratsbezirke des Großherzogtums wurden am 31. Juli 1848 abgeschafft und durch Regierungsbezirke ersetzt, was jedoch bereits am 12. Mai 1852 wieder rückgängig gemacht wurde. Dadurch gehört Wolfskehlen zwischen 1848 und 1852 zum Regierungsbezirk Darmstadt bevor wieder der Kreis Groß-Gerau für die übergeordnete Verwaltung zuständig ist. Dort verbleibt der Ort durch alle weiteren Verwaltungsreformen bis heute. Die zuständige Gerichtsbarkeit war während der Zugehörigkeit zu Hessen, von 1821 bis 1879 das Landgericht Großgerau und ist seit 1879 das daraus hervorgegangene Amtsgericht Groß-Gerau.[1]

Die von 1868 bis 1878 erbaute Riedbahn leitete die Ablösung von einer rein landwirtschaftlich geprägten Dorfstruktur ein. Nach dem Zweiten Weltkrieg nahm der Ort ca. 800 Flüchtlinge auf.

Anlässlich der Gebietsreform in Hessen schloss sich Wolfskehlen mit der Nachbargemeinde Goddelau am 1. Juli 1973 freiwillig zusammen, bevor am 1. Januar 1977 kraft Gesetzes der Zusammenschluss mit weiteren Nachbargemeinden zur Gemeinde Riedstadt erfolgte.[5]

Einwohnerentwicklung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Belegte Einwohnerzahlen sind:[1]

  • 1629: 0136 Hausgesessene
  • 1829: 0833 Einwohner
  • 1939: 1353 Einwohner
  • 1961: 2145 Einwohner
  • 1970: 2574 Einwohner
Wolfskehlen: Einwohnerzahlen von 1834 bis 1967
Jahr     Einwohner
1834
  
840
1840
  
939
1846
  
1.065
1852
  
1.176
1858
  
1.062
1864
  
1.051
1871
  
1.030
1875
  
1.099
1885
  
1.068
1895
  
1.054
1905
  
1.139
1910
  
1.223
1925
  
1.251
1939
  
1.353
1946
  
1.899
1950
  
2.046
1956
  
2.112
1961
  
2.145
1967
  
2.544
Datenquelle: Histo­risches Ge­mein­de­ver­zeich­nis für Hessen: Die Be­völ­ke­rung der Ge­mei­nden 1834 bis 1967. Wies­baden: Hes­sisches Statis­tisches Lan­des­amt, 1968.

Verkehr[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Wolfskehlen ist verkehrsgünstig gelegen an der Bahnstrecke Mannheim–Frankfurt am Main mit eigenem S-Bahn-Halt, an der Bundesstraße 44 Mannheim-Frankfurt und an der Bundesstraße 26, die von Aschaffenburg über Darmstadt durch Griesheim nach Oppenheim führt.

Naturdenkmale[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Mit den beiden Objekten Nr. 048 Eiche auf dem Kirchplatz und 065 Linde „Am alten Bahnhof“ hat Wolfskehlen zwei eingetragene Naturdenkmale.

Söhne und Töchter von Wolfskehlen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Wolfskehlen – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. a b c d Wolfskehlen, Landkreis Groß-Gerau. Historisches Ortslexikon für Hessen. In: Landesgeschichtliches Informationssystem Hessen (LAGIS). (Stand: 2. November 2016)
  2. Daten / Statistiken. Riedstadt, abgerufen am 27. November 2016.
  3. Jahr der Hochzeit 1518 nach W.v.Hueck: Stammfolge des Geschlechts der Freiherren von Gemmingen (1966) und A. u. H. Schüßler: Treschklingen – Vom ritterschaftlichen Kraichgaudorf zum Stadtteil von Bad Rappenau (2004), darin Biografie S. 44: „Eberhard von Gemmingen zu Bürg“
  4. Ortsgeschichte auf Gemeindeseite (abgerufen im Nov. 2012)
  5. Statistisches Bundesamt (Hrsg.): Historisches Gemeindeverzeichnis für die Bundesrepublik Deutschland. Namens-, Grenz- und Schlüsselnummernänderungen bei Gemeinden, Kreisen und Regierungsbezirken vom 27. 5. 1970 bis 31. 12. 1982. W. Kohlhammer GmbH, Stuttgart und Mainz 1983, ISBN 3-17-003263-1, S. 366.