Wolfspinnen

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Wolfspinnen
Alopecosa sp.

Alopecosa sp.

Systematik
Klasse: Spinnentiere (Arachnida)
Ordnung: Webspinnen (Araneae)
Unterordnung: Echte Webspinnen (Araneomorphae)
Teilordnung: Entelegynae
Überfamilie: Lycosoidea
Familie: Wolfspinnen
Wissenschaftlicher Name
Lycosidae
Sundevall, 1833
Augenpartie einer Hogna-Art

Der Wolfspinnen (Lycosidae) sind eine Webspinnenfamilie innerhalb der Überfamilie der Lycosoidea und umfasst aktuell 123 Gattungen mit insgesamt 2398 Arten.[1] (Stand: November 2016)

Zu den Wolfspinnen zählen auch die ungefährlichen „Taranteln“ (ehemahlig Tarentula; heute vorwiegend der Gattung Alopecosa zugerechnet). Bis auf wenige Ausnahmen erbeuten Wolfspinnen Insekten nicht durch Fangnetze, sondern lauern ihnen auf. Auffällig sind die vergrößerten hinteren Mittelaugen, die direkt nach vorn angeordnet sind. Der Sehsinn ist bei ihnen für die Jagd und die Balz von Bedeutung, aber nicht so gut entwickelt wie bei Springspinnen. Mit ihren sehr kräftigen Cheliceren (Kieferklauen) können die größeren Exemplare auch die menschliche Haut durchdringen. Die Menge und Konzentration des Giftes reicht jedoch selbst bei den 3 cm großen Exemplaren nicht aus, einem Menschen ernsthafte Probleme zu bereiten.

Lebensweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Aufsicht einer Wolfspinne in der Wohnröhre

Die größeren, in Mitteleuropa heimischen Wolfspinnen (Arctosa, Trochosa, manche Alopecosa) bewohnen wie die meisten Arten dieser Familie Erdhöhlen, die sie, ähnlich wie die Tapezier- (Atypus) oder Falltürspinnen (Ctenizidae), von innen mit Spinnseide auskleiden. Die meisten anderen heimischen Arten leben in der Krautschicht oder zwischen Steinen, wo sie sich Wohngespinste anlegen.

Nachts verlassen sie das Versteck und begeben sich auf die Jagd: Sie warten an günstigen Plätzen darauf, dass ein Insekt vorbeikommt. Aus wenigen Zentimetern Entfernung schnellt die Wolfspinne vor und ergreift die Beute.

Angehörige der Gattung Pirata und Piratula bevorzugen die Nähe eines stehenden Gewässers. Auf der glatten Wasseroberfläche laufen sie ohne einzusinken und jagen Insekten auf der Wasseroberfläche.

Fortpflanzung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Wolfspinne, die ihren Eikokon verteidigt
Dunkle Wolfspinne (Pardosa amentata) mit Eikokon
Dunkle Wolfspinne mit Jungtieren

Das Wolfspinnenmännchen nähert sich dem paarungsbereiten Weibchen mit angehobenem vorderen Beinpaar. Die Paarungsbereitschaft riecht das Männchen wahrscheinlich schon aus einer Entfernung von einem Meter. Das Balzverhalten wird auch ausgelöst, wenn Fäden eines paarungsbereiten Weibchens gefunden werden. Das Männchen von Lycosa rabida vibriert mit dem Hinterleib auf dem Substrat, anschließend vollführt es kreisende Bewegungen nach einem festen Muster mit den Pedipalpen, in denen sich die Samentaschen (Bulbus) befinden. Diese Bewegung geht in ein hörbares „Palpentrommeln“ über, das mit einem Stridulationsorgan erzeugt wird.

In einer Pause antwortet das paarungswillige Weibchen mit Klopfzeichen der Vorderbeine und läuft einige Schritte auf das Männchen zu, was daraufhin die Balzbewegung erneut startet. Dies geht solange, bis sich beide fast berühren; der erste Kontakt bleibt dem Weibchen vorbehalten. Handelt es sich bei dem Gegenüber irrtümlicherweise ebenfalls um ein Männchen, wird die Balz sofort mit einem drohenden Stelzgang beantwortet. Bei nachtaktiven Arten spielen akustische Signale eine größere Rolle, bei tagaktiven die optischen.

Das Männchen kriecht von vorne auf das Weibchen und beugt sich zunächst auf einer Seite des Hinterleibs herab, um den ersten Palpus einzuführen. Das Weibchen richtet ihren Hinterleib danach aus. Dann wird der zweite Palpus von der anderen Seite inseriert.

Brutpflege[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Wolfspinnen (Lycosidae) betreiben Brutpflege. Der Eikokon wird von den Wolfspinnen bei der Jagd an die Spinnwarzen (Pardosa) geheftet oder auf dem Hinterleib (Wasserjäger, Pirata) mitgenommen, um ihn vor Feinden verteidigen zu können. Der Eikokon wird energisch verteidigt. Nimmt man dem Weibchen den Kokon weg, werden auch dem Kokon ähnliche Gegenstände, zum Beispiel Papierkugeln oder kleine Schneckenhäuser umhergetragen.

Das Weibchen leistet den Jungspinnen Schlupfhilfe, indem sie den Kokon aufbeißt. Die Jungtiere klettern sofort auf ihren Rücken. Während sich bis zu hundert kleine Wolfspinnen an den Haaren der Mutter festhalten, oft in mehreren Lagen übereinander sitzen und sich von ihrem Eidotter ernähren, streift die Mutter umher, vermutlich um möglichst optimale mikroklimatische Bedingungen und gute Verstecke zu finden. Um sich nicht allzu großer Gefahr auszusetzen, verzichtet sie während dieser etwa acht Tage dauernden Phase auf die Jagd.

Einem Wolfspinnenweibchen kann man sogar einen artfremden Kokon „unterschieben“, um welchen sie sich ebenso kümmern wird. Die schlüpfenden Jungtiere klettern dann auf die Stiefmutter und lassen sich herumtragen.

Einheimische Arten (Auswahl)[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In Europa heimische Gattungen und Arten sind zum Beispiel:

Systematik[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der World Spider Catalog listet für die Wolfspinnen aktuell 123 Gattungen und 2398 Arten.[1] (Stand: November 2016)

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Wolfspinnen (Lycosidae) – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Rainer F. Foelix: Biologie der Spinnen, Thieme, Stuttgart 1979, ISBN 3-13-575802-8
  • Dick Jones: Der Kosmos Spinnenführer. Über 350 mitteleuropäische Spinnen und Weberknechte, Franckh, Stuttgart, 1990, ISBN 3-440-06141-8

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. a b Naturhistorisches Museum der Burgergemeinde Bern: World Spider Catalog Version 17.5 – Lycosidae. Abgerufen am 11. November 2016