Woltzeten

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Woltzeten
Gemeinde Krummhörn
Wappen von Woltzeten
Koordinaten: 53° 24′ 44″ N, 7° 5′ 27″ O
Höhe: 3,5 m ü. NN
Fläche: 3,74 km²
Einwohner: 184 (31. Dez. 2012)
Bevölkerungsdichte: 49 Einwohner/km²
Eingemeindung: 1. Juli 1972
Postleitzahl: 26736
Vorwahlen: 04923, 04927
Karte
Karte der Krummhörn

Woltzeten ist eine von 19 Ortschaften der Gemeinde Krummhörn. Die Gemeinde Krummhörn ist die westlichste Gemeinde in Ostfriesland und gehört zum Landkreis Aurich. Woltzeten hat 184 Einwohner (Stand: 31. Dezember 2012). Das zentrale Gebäude ist wie bei so vielen Warfendörfern die kleine Kirche mit dem Glockenturm. Der ehemals kleinste Ort der Krummhörn hat im Jahr 2005 die "rote Laterne" an Woquard abgegeben.

Geografie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Ort liegt im Herzen der Gemeinde, drei Kilometer südlich des Hauptortes und Bürgermeistersitzes Pewsum und etwa acht Kilometer nordwestlich der Seehafenstadt Emden. Zu Woltzeten gehören auch die bäuerlichen Betriebe im Umland. Diese landwirtschaftlichen Gebiete und Gehöfte tragen die Namen Juitswarf, Woltzetener Vorwerk, Blauhaus und Spiegelhaus.

Woltzeten ist über eine Kreisstraße an den Krummhörner Hauptort Pewsum angebunden. Die Ortschaften Woquard, Groothusen, Hamswehrum und Campen sowie der Emder Stadtteil Twixlum sind über landwirtschaftliche Wege (teils asphaltiert, teils in Betondeckenbauweise) erreichbar.

Das kurze Woltzetener Tief mündet nach wenigen hundert Metern östlich des Ortes in das Pewsumer Tief. Über dieses besteht eine Wasserverbindung nach Norden in den Hauptort, im Süden fließt das Pewsumer Tief dem Knockster Tief zu, so dass Woltzeten an das ostfriesische Kanalnetz angeschlossen ist.

Reformierte Kirche mit separatem Glockenturm

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Zum ersten Mal wird Woltzeten um das Jahr 1000 n. Chr. erwähnt. Mittelpunkt des klassischen Runddorfes ist die kleine Kirche aus dem Jahr 1727. Sie ersetzte ein anderes Gotteshaus, das vorher am selben Platz stand. Das Besondere ist die Glocke, die in einem separaten Turm auf dem Friedhof untergebracht ist. Etwa zwei Kilometer südlich des Ortes steht das zwischen 1509 und 1529 erbaute ehemalige Kloster Blauhaus, das noch bis in das 17. Jahrhundert von Nonnen bewohnt wurde. Seinen Namen verdankt es dem ursprünglich blauen Dach. Das Klostergebäude steht überwiegend noch und dient heute als Stall beziehungsweise Remise eines landwirtschaftlichen Betriebes.

Woltzeten zählte in der Hannoverschen Zeit Ostfrieslands zum Amt Emden (1824), darin zur Vogtei Larrelt und darin wiederum zur Untervogtei Loquard, die neben Loquard und Woltzeten auch Rysum, Campen, Heiselhusen und Canum umfasste.[1]

Jahrhundertelang waren die natürlichen Tiefs und die Entwässerungskanäle, die die Krummhörn in einem dichten Netz durchziehen, der wichtigste Verkehrsträger. Über Gräben und Kanäle waren nicht nur die Dörfer, sondern auch viele Hofstellen mit der Stadt Emden und dem Hafenort Greetsiel verbunden. Besonders der Bootsverkehr mit Emden war von Bedeutung. Dorfschiffer übernahmen die Versorgung der Orte mit Gütern aus der Stadt und lieferten in der Gegenrichtung landwirtschaftliche Produkte: „Vom Sielhafenort transportierten kleinere Schiffe, sog. Loogschiffe, die umgeschlagene Fracht ins Binnenland und versorgten die Marschdörfer (loog = Dorf). Bis ins 20. Jahrhundert belebten die Loogschiffe aus der Krummhörn die Kanäle der Stadt Emden.“[2] Bereits 1824 schrieb der Kulturhistoriker Fridrich Arends in seiner Erdbeschreibung des Fürstenthums Ostfriesland und des Harlingerlandes: „Mit Wasser ist kein Amt reichlicher versehen wie dieses. (...) Im Winter und Frühling geschieht der Transport des Korns und sonstiger Güter sowohl in diesem als im Greetmer Amt immer zu Wasser, welches bei den schlechten Kleiwegen in der Jahreszeit außerordentlichen Nutzen hat.“[3]

Torf, der zumeist in den ostfriesischen Fehnen gewonnen wurde, spielte über Jahrhunderte eine wichtige Rolle als Heizmaterial für die Bewohner der Krummhörn. Die Torfschiffe brachten das Material auf dem ostfriesischen Kanalnetz bis in die Dörfer der Krummhörn, darunter auch nach Woltzeten. Auf ihrer Rückfahrt in die Fehnsiedlungen nahmen die Torfschiffer oftmals Kleiboden aus der Marsch sowie den Dung des Viehs mit, mit dem sie zu Hause ihre abgetorften Flächen düngten.[4]

Im April 1919 kam es zu sogenannten „Speckumzügen“ Emder Arbeiter, an die sich Landarbeiterunruhen anschlossen. Zusammen mit dem Rheiderland war der Landkreis Emden der am stärksten von diesen Unruhen betroffene Teil Ostfrieslands. Arbeiter brachen in geschlossenen Zügen in die umliegenden Dörfer auf und stahlen Nahrungsmittel bei Bauern, wobei es zu Zusammenstößen kam. Die Lage beruhigte sich erst nach der Entsendung von in der Region stationierten Truppen der Reichswehr. Als Reaktion darauf bildeten sich in fast allen Ortschaften in der Emder Umgebung Einwohnerwehren. Die Einwohnerwehr Woltzetens umfasste 30 Personen. Diese verfügten über 15 Waffen. Aufgelöst wurden die Einwohnerwehren erst nach einem entsprechenden Erlass des preußischen Innenministers Carl Severing am 10. April 1920.[5]

Am 1. Juli 1972 wurde Woltzeten in die neue Gemeinde Krummhörn eingegliedert.[6]

Etymologie und Wappen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Ortsname stammt wohl vom altniederdeutschen "wolden" ab, was darauf hindeutet, dass Woltzeten seinerzeit direkt an einem Sumpfgebiet lag. Auch das Wappen unterstützt die Vermutung, dass der Ort zumindest einmal am Wasser gelegen hat. Das zweite zentrale Symbol des Wappens ist das Kreuz, das wahrscheinlich auf das weit über die Ortsgrenzen hinaus bekannte Kloster Blauhaus zurückzuführen ist.

Infrastruktur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Es gibt seit den 70er Jahren in Woltzeten keinerlei Einkaufsmöglichkeiten mehr. Auch Ärzte oder Gastronomie sucht man vergebens.

Freiwillige Feuerwehr[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Fuhrpark der Freiwilligen Feuerwehr

Die Freiwillige Feuerwehr Woltzeten wurde offiziell am 1. September 1933 gegründet und sorgt seitdem für den abwehrenden Brandschutz und die allgemeine Hilfe. Die Feuerwehr Woltzeten schloss sich im Jahr 2006 mit der Feuerwehr Pewsum zusammen. Gemeinsam bildeten sie die Freiwillige Feuerwehr Pewsum - Woltzeten, die im Jahr 2013 an einen gemeinsamen Standort gezogen ist. Die Mitgliederzahl stieg in diesen Jahren auf über 50 Personen an.

Das neue Feuerwehrhaus hierfür wurde durch die Firma LEJO als Mietobjekt gebaut. Dies ist das erste gemietete Feuerwehrhaus in der Geschichte der Krummhörner Feuerwehren.

Der Fuhrpark umfasst heute ein Tanklöschfahrzeug (TLF 16/25), ein Löschgruppenfahrzeug (LF 8/8), ein Gerätewagen-Logistik (GWL) und ein Mannschaftstransportfahrzeug (MTF). Diese Feuerwehrfahrzeuge sind seit 2014 in einem neuen Feuerwehrhaus im Pewsumer Gewerbegebiet stationiert.

Im Durchschnitt fährt die Freiwillige Feuerwehr Pewsum - Woltzeten zu über 20 Einsätzen im Jahr. Zur Freiwilligen Feuerwehr Pewsum - Woltzeten gehört auch eine Jugendfeuerwehr, die Jugendfeuerwehr Pewsum. Sie ist eine von insgesamt sieben Jugendfeuerwehren in der Krummhörn.[7]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Curt Heinrich Conrad Friedrich Jansen: Statistisches Handbuch des Königreichs Hannover 1824. S. 166, abgerufen am 21. Mai 2013.
  2. Harm Wiemann/Johannes Engelmann: Alte Straßen und Wege in Ostfriesland. Selbstverlag, Pewsum 1974, S. 169 (Ostfriesland im Schutze des Deiches; 8)
  3. Fridrich Arends: Erdbeschreibung des Fürstenthums Ostfriesland und des Harlingerlandes, Emden 1824. Online in der Google-Buchsuche, S. 279 ff., abgerufen am 26. Mai 2013.
  4. Gunther Hummerich: Die Torfschifffahrt der Fehntjer in Emden und der Krummhörn im 19. und 20. Jahrhundert. In: Emder Jahrbuch für historische Landeskunde Ostfrieslands, Band 88/89 (2008/2009), S. 142–173, hier S. 163.
  5. Hans Bernhard Eden: Die Einwohnerwehren Ostfrieslands von 1919 bis 1921. In: Emder Jahrbuch für historische Landeskunde Ostfrieslands, Bd. 65 (1985), S. 81–134, hier S. 94, 98, 105, 114.
  6. Statistisches Bundesamt (Hrsg.): Historisches Gemeindeverzeichnis für die Bundesrepublik Deutschland. Namens-, Grenz- und Schlüsselnummernänderungen bei Gemeinden, Kreisen und Regierungsbezirken vom 27. 5. 1970 bis 31. 12. 1982. W. Kohlhammer GmbH, Stuttgart und Mainz 1983, ISBN 3-17-003263-1, S. 263 und 264.
  7. Homepage der Freiwilligen Feuerwehr Pewsum - Woltzeten; eingesehen am 11. Juni 2012