Women’s Social and Political Union

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Treffen von WSPU Mitgliedern, um 1906/07
Christabel Pankhurst, eines der Gründungsmitglieder der WSPU

Die Women’s Social and Political Union (WSPU) war eine politische Frauenbewegung und führende militante Organisation, die sich von 1903 bis 1917 für Frauenrechte in Großbritannien einsetzte. Die Mitgliedschaft – nur Frauen waren zugelassen – und die Ausrichtung der WSPU wurden eng kontrolliert durch Emmeline Pankhurst und ihre Töchter Christabel und Sylvia (letztere wurde später ausgeschlossen und emigrierte nach Australien). Um ihren eher militanten Ansatz zu unterstreichen, hatten sie den Slogan „Taten, nicht Worte“ („Deeds not Words“) gewählt.

Es war die erste Gruppe, deren Mitglieder ab 1906 als „Suffragetten“ bezeichnet wurden. Die weiblichen Mitglieder der WSPU wurde bekannt durch Zivilen Ungehorsam und Direkte Aktionen. Sie belästigten Politiker, hielten Demonstrationen und Märsche ab, brachen das Gesetz, um festgenommen zu werden, zerbrachen Fenster in wichtigen Gebäuden, zündeten Postkästen an, legten nächtlich Feuer an unbewohnte Häuser und Kirchen; und wenn sie eingesperrt waren, begannen sie mit Hungerstreik und ertrugen sogar Zwangsernährung.

Gründung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

42 Nelson Street Manchester, wo die WSPU gegründet wurde

Die Women's Social and Political Union wurde als unabhängige Frauenbewegung am 10. Oktober 1903 in Manchester in der Wohnung der Familie Pankhurst gegründet.[1] Emmeline Pankhurst, ihre zwei Töchter Christabel und Sylvia sowie ihr Mann Richard gehörten zu den Gründungsmitgliedern.

Gesetzentwurf abgelehnt[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

1905 überzeugte die WSPU das Parlamentsmitglied Banford Slack, einen Gesetzesentwurf zu den Frauenrechten einzubringen. Der Entwurf wurde durch Filibusterreden zum Scheitern gebracht, die damit verbundene Presseresonanz trug jedoch dazu bei, dass die Gruppe stark anwuchs. Die Enttäuschung darüber, dass der Gesetzesentwurf scheiterte, ließ die WSPU ihre Vorgehensweise ändern. Sie konzentrierte sich nun darauf, alle politischen Parteien, die im Parlament vertreten waren, anzugreifen und fokussierte sich jetzt nur noch auf die Durchsetzung des Frauenwahlrechts.[2]

Suffragetten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Entlassung von Mary Leigh und Edith New aus dem Holloway Gefängnis, 1908

Im Jahre 1906 begann die WSPU durch Demonstrationen auf sich aufmerksam zu machen, in deren Folge eine zunehmende Anzahl von Gruppenmitgliedern verhaftet und inhaftiert wurde. In einem Kommentar zu diesem Phänomen benutzte Charles Hands, ein Journalist des Daily Mail erstmals die Bezeichnung „Suffragetten“. 1907 gab die Gruppe außerdem ein monatliches Journal heraus, das sich Votes for Women (Wahlrecht für Frauen) nannte, und hielt die erste von mehreren Konferenzen unter dem Namen „Parlament der Frauen“ ab.

1908 umfasste eine von der WSPU organisierte Demonstration im Hyde Park, London, mehr als 500.000 Personen. Auf die zunehmende Inhaftierung von Gruppenmitgliedern reagierten diese mit Hungerstreik, auf die die Regierung mit Zwangsernährung der Hungerstreikenden antwortete.

Höhepunkte des Kampfes[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Eine erneute Gesetzesinitiative, deren Ziel es war, die Rechte der Frauen auszuweiten, wurde 1910 im Parlament eingebracht. Aber nachdem auch diese nicht sofort die nötige Unterstützung fand, veranstaltete die WSPU eine zunehmend militanter werdende Kampagne. Die Schaufenster von Kaufhäusern wurden eingeworfen, große Landsitze angezündet und öffentliche Gebäude – darunter Westminster Abbey – bombardiert. Diesen Aktionen schlossen sich auch zahlreiche Frauen an, die im Blickpunkt der Öffentlichkeit standen, wie beispielsweise die Komponistin Ethel Smyth, die auch die Hymne der WSPU schrieb: The March of Women.

Krise und Erster Weltkrieg[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Zeitschrift Votes for Women im November 1914, Karikatur einer Kriegerwitwe

Die WSPU erlebte während ihrer Existenz mehrfach Abspaltungen von Untergruppen: So trennte man sich beispielsweise von der Gruppe, die hauptsächlich aus Frauen der Arbeiterklasse bestand und deren Anführerin Sylvia Pankhurst war.

Infolge der zunehmenden Radikalisierung der WSPU emigrierte Christabel Pankhurst nach Paris, von wo aus sie die Organisation ohne Furcht vor Verhaftung leiten konnte. Diese Emigration der Führungsebene der WSPU führte allerdings auch zu einer zunehmenden Entdemokratisierung dieser Gruppe und machte es Christabel Pankhurst möglich, bei Ausbruch des Ersten Weltkrieges die Wahlrechtskampagne der WSPU zugunsten einer Unterstützungskampagne der britischen Regierung zu unterbrechen. Damit verlor die WSPU aber mittelfristig auch die Unterstützung durch die britische Öffentlichkeit.

Auflösung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bei Ausbruch des Ersten Weltkriegs 1914 lebte Christabel Pankhurst in Paris, um nicht verhaftet zu werden. Ihre starke Position in der Organisation ermöglichte es ihr – trotz der Einwände von Kitty Marion und anderen – kurz nach Kriegsausbruch zu erklären, dass die WPSU ihren Kampf aufgeben und stattdessen in nationaler Haltung die Britische Regierung in ihrem Krieg unterstützen werde.[3] Die WPSU beendete die Herausgabe von The Suffragette und gab ab April 1915 die neue Zeitschrift Britannia heraus. Eine große Anzahl von Mitgliederinnen unterstützte den Kriegskurs, eine kleine Zahl gründete die „Suffragettes of the Women’s Social and Political Union“ (SWSPU) und die „Independent Women’s Social and Political Union“ (IWSPU). Die WSPU verschwand aus dem öffentlichen Bewusstsein; sie wurde 1917 aufgelöst, als Christabel und Emmeline Pankhurst die Women's Party grundeten.

Mitglieder der WSPU (Auswahl)[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Sylvia Pankhurst 1909
Emmeline und Christabel Pankhurst in Gefängniskleidung

Siehe auch[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • June Purvis: Emmeline Pankhurst: A Biography. London, Routledge 2002. S. 67. ISBN 0-415-23978-8
  • Melanie Phillips: The Ascent of Woman – A History of the Suffragette Movement and the ideas behind it. Time Warner Book Group London, 2003, ISBN 0-349-11660-1
  • Shirley Harrison: Sylvia Pankhurst: A crusading life, 1882–1960 (Aurum Press, 2003) ISBN 1854109057
  • Emmeline Pankhurst: My own story 1914. London, Virago Limited, 1979. ISBN 0-86068-057-6

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Women's Social and Political Union – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
 Commons: Emmeline Pankhurst – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
 Commons: Christabel Pankhurst – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. June Purvis: Emmeline Pankhurst: A Biography. London, Routledge 2002. S. 67. ISBN 0-415-23978-8
  2. Mary Davis: Sylvia Pankhurst: A Life in Radical Politics. Pluto Press 1999.
  3. Kitty Marion abgerufen am 10. Oktober 2011