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Woodstock-Festival

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Woodstock Music and Art Festival - 3 Days of Peace and Music
Woodstock-Besucher

Das Woodstock Music and Art Festival – 3 Days of Peace and Music, meist kurz Woodstock, war ein Open-Air-Musikfestival, das als Höhepunkt und gleichzeitig Endpunkt der im Mainstream angekommenen US-amerikanischen Hippiebewegung gilt. Es fand offiziell vom 15. bis 17. August 1969 statt, endete jedoch erst am Morgen des 18. August. Die Veranstaltung wurde auf einem Farmgelände nahe der Kleinstadt Bethel im US-amerikanischen Bundesstaat New York ausgerichtet, etwa 70 km südwestlich vom namensgebenden und ursprünglich als Festivalort geplanten Woodstock.

Vor geschätzten 400.000 Besuchern traten 32 Bands und Solokünstler der Musikrichtungen Folk, Rock, Soul und Blues auf, darunter Stars wie Jimi Hendrix, Janis Joplin und The Who. Die erwarteten Zuschauerzahlen wurden um mehr als das Doppelte übertroffen, viele potenzielle Festivalgänger blieben zudem in langen Verkehrsstaus stecken. Auf dem Veranstaltungsgelände herrschten aufgrund schlechten Wetters und organisatorischen Missständen teils katastrophale Zustände. Trotz der widrigen Umstände ist das Woodstock-Festival für seine friedliche Stimmung bekannt geworden. Zahlreiche Musiker, Mitarbeiter und Besucher verbrachten die Festivaltage unter dem Einfluss von Drogen wie LSD, Mescalin, Haschisch und Marihuana.

Obwohl das Musikfestival von kommerziellen Interessen der Veranstalter, Bandmanager und vieler Musiker geleitet wurde, verkörpert Woodstock bis heute den mystifizierten Mythos eines friedliebenden, künstlerischen und „anderen“ Amerikas. Im Gegensatz dazu befand sich eine gespaltene USA im Vietnamkrieg, war geschockt durch die politischen Morde an John F. Kennedy, Malcolm X, Martin Luther King und Robert F. Kennedy und stand unter dem Eindruck der durch die 68er-Bewegung thematisierten gesellschaftlichen Konflikte.

Der auf dem Festival entstandene, Oscar-prämierte Film Woodstock gilt als einer der erfolgreichsten Dokumentarfilme und war mitverantwortlich dafür, dass der Mythos von Woodstock in die Welt transportiert wurde.

Historie

Vorgeschichte

Entgegen dem weit verbreiteten Mythos war das Woodstock-Festival eine durchweg kommerzielle Veranstaltung. Die jungen New Yorker Rockmanager, Festival-Promoter und Musikproduzenten Michael Lang und Artie Kornfeld waren mit den Risikokapital-Investoren Joel Rosenman und John P. Roberts die Initiatoren, Veranstalter und treibenden Hintergrundkräfte des Woodstock-Festivals.[1]

Ursprünglich wollte das 24 und 26 Jahre alte Duo Lang/Kornfeld lediglich ein Konzert veranstalten, um die Eröffnung ihres geplanten Ton- und Aufnahmestudios medienwirksam zu promoten, das sie am Wohnort von Michael Lang in Woodstock gemeinsam errichten wollten. Lang und Kornfeld versprachen sich ein gutes Geschäft davon, die Tonstudioinfrastruktur quasi frei Haus und vor Ort für die zahlreichen populären und umsatzstarken Künstler der Folk- und Rockmusikszene zu liefern, die sich damals ebenfalls in und um Woodstock niedergelassen hatten.[2][3][4] In die rund 160 Kilometer nördlich von New York City gelegene Kleinstadt hatte sich Bob Dylan 1966 nach seinem Motorradunfall zurückgezogen. Ihm waren Stars jener Zeit wie Janis Joplin, Jimi Hendrix, Blood Sweat & Tears und The Band gefolgt.

Woodstock- Logo vom New Yorker Grafiker Arnold Skolnick

Zur Finanzierung des Tonstudios traf das Hippie-Duo Lang/Kornfeld die gleichaltrigen Finanzunternehmer Joel Rosenman und John P. Roberts. Die aus der New Yorker Oberschicht stammenden Rosenman und Roberts hatten zuvor im Wall Street Journal eine Anzeige aufgegeben, in der sie sich auf der Suche nach Investitionsmöglichkeiten als „young men with unlimited capital“ anpriesen.[5]

Auf Vermittlung des Anwalts Miles Lourie trafen sich die vier am 6. Februar 1969 erstmals im gemeinsamen Appartement von Rosenman und Roberts in der 85. Straße östlich des New Yorker Central Parks, um die Finanzierung des Woodstocker Aufnahmestudios zu besprechen. Nach den Plänen von Lang und Kornfeld sollte zur Eröffnung des Studios ein Konzert gegeben werden, damit die eingeladenen Medienvertreter das Projekt promoten könnten. Roberts und Rosenman waren jedoch nicht mehr an der Finanzierung eines weiteren Tonstudios interessiert, da sie selber gerade in den Aufbau des in einer ehemaligen Kirche in der 57. Straße eingerichteten Tonstudiokomplexes Media Sound investiert hatten.

Stattdessen schlugen sie Lang und Kornfeld vor, das Konzert auf ein zweitägiges Musik- und Kunstfestival auszudehnen. Den daraus fließenden Gewinn könnten Lang und Kornfeld dann zur Finanzierung des Tonstudios zu verwenden. Als Budget wurden zunächst 250.000 US-Dollar (2016 ca. 1.600.000 US-$) veranschlagt – zur Kostendeckung von Auftrittshonoraren für die Musiker, für die Organisation sowie die Bühneninfrastruktur. Bei zu erwartenden 100.000 Besuchern an beiden Tagen wurde bei durchschnittlichen Ticketpreisen von 5 US-$ ein Reingewinn zwischen 250.000 bis 300.000 US-$ kalkuliert. Zur Gewinnmaximierung verlängerte man das Festival um einen Tag und kalkulierte fortan mit 200.000 Besuchern. Als Termin wurde der 15. bis 17. August 1969 anberaumt.

Vorplanung

Am 28. Februar 1969 wurde die Firma Woodstock Ventures Inc. mit Büroräumen in der 57. Straße gegründet, an der die vier Protagonisten zu jeweils 25 % beteiligt waren. Entsprechend der Fähigkeiten übernahm Michael Lang alle für die Produktion notwendigen Arbeiten, wie Engagements der Künstler, den Bühnenaufbau, die Tonanlage und die Beleuchtung. Lang, der einige Monate zuvor das Miami Pop Festival veranstaltet hatte und dabei ein finanzielles Desaster hinterließ, engagierte zur Unterstützung den Chefkoordinator Stanley Goldstein.[6] Kornfeld übernahm die Öffentlichkeitsarbeit und holte die PR-Profis Jane Friedman, Danny Goldberg, Mike Forman und Bert Cohen zu Woodstock Ventures. Kornfelds Werbestrategen sorgten dafür, dass das Festival in jedem Radiosender, in großen und kleinen Zeitungen nicht nur USA-weit, sondern auch in Kanada und Europa beworben wurde - und damit maßgeblich für den Besucheransturm verantwortlich war.[7][8] Roberts und Rosenman waren für die Finanzierung, Administration, Versicherung, Ticket- und Programmherstellung, Vorverkauf und Abendkasse zuständig. Für jegliche juristischen und gesetzlichen Belange wurden zur Unterstützung mehrere Anwälte hinzugezogen.[9][10]

Die Veranstaltung sollte ursprünglich auf der 3 km² großen Winston Farm in der Kleinstadt Saugerties, etwa 15 Kilometer östlich von Woodstock, im US-Bundesstaat New York stattfinden. Die Bewohner des Städtchens opponierten allerdings erfolgreich gegen den zu erwartenden Hippie-Ansturm und so erhielten die Veranstalter die unerwartete Absage des angedachten Festivalspielortes. Ebenso erging es den Veranstaltern mit einem zwischenzeitlich als Veranstaltungsort gewählten Industriegelände im Städtchen Wallkill. Am 2. Juli 1969 erwirkte eine Bürgerinitiative, dass die Ausrichtung des Festivals in Wallkill per lokalem Gesetzeserlass verboten wurde.[11][4][12]

Veranstaltungsort
Der ursprünglich namensgebende (Woodstock), der zwischenzeitlich angedachte (Wallkill) und der tatsächliche Veranstaltungsort (Bethel)
Max Yasgurs Farm in Bethel im US-Bundesstaat New York

Erst am 15. Juli wurde mit Unterstützung von Elliot Teichberg die 70 Kilometer südwestlich von Woodstock in den Catskill Mountains gelegene Gemeinde White Lake nahe der Kleinstadt Bethel im US-Bundesstaat New York als Veranstaltungsort gefunden. Teichberg verfügte als Einziger in der Gemeinde über eine Lizenz zur Ausrichtung musikalischer Veranstaltungen, die er sich als Vorsitzender der örtlichen Handelskammer selbst ausgestellt hatte. Er vermietete Lang und Kornfeld das El Monaco Motel seiner Eltern, das zum Produktions- und Veranstaltungsbüro umfunktioniert wurde. Während des Festivals diente das Motel zudem als „Notaufnahme für schlechte LSD-Trips“. Regisseur Ang Lee verfilmte später die Geschichte um Teichbergs Beteiligung unter dem Titel Taking Woodstock.

Laut Teichberg war er den Veranstaltern zudem bei der Vermittlung eines weitläufigen etwa 240 Hektar großen Areals behilflich, auf dem das Festival mit den zu erwartenden Menschenmassen ausgerichtet werden konnte. Teichberg stellte Michael Lang und dem Chefkoordinator Stanley Goldstein den Milchbauern Max Yasgur vor, der über entsprechende Grundstücke verfügte. Lang und Goldstein waren begeistert von den leicht ansteigenden Feldern, die wie ein Amphitheater in die Landschaft eingebettet waren und damit perfekt für eine Konzertveranstaltung waren. Yasgur erhielt 50.000 US-$ (2016 ca. 320.000 US-$) für die von ihm zur Verfügung gestellten Felder. Für eventuelle Schadensersatzforderungen ließ sich Yasgur von den Veranstaltern mit zusätzlichen 75.000 US-$ Kaution absichern.[13] Yasgur wurde später mit Schadensersatzklagen in Höhe von 35.000 US-$ konfrontiert.[14] Den lokalen Gastronomen und dem Präsidenten des Betheler Wirtschaftsverbandes war die Veranstaltung sehr willkommen. 800 Bürger der Kleinstadt hingegen unterschrieben eine Petition gegen die Ausrichtung des Festivals und den zu erwartenden Massenansturm. Sie konnten nur mit Schecks in ungenannter Höhe von Joel Rosenman beruhigt werden. Eine weitere Verbannung vom Festivalort mittels eines erneuten Bürgeraufstandes hätte das sichere Ende für die Veranstaltung bedeutet.[15]

Innerhalb von drei verbliebenen Wochen musste der als technische Direktor engagierte Ingenieur Chris Langhart mit Hilfe von 400 Handwerkern eine festivaltaugliche Infrastruktur inklusive neuer Straßen, Stromleitungen, Telefonleitungen, Brunnen, Wasserleitungen und die Festivalbühne mit Licht- und Lautsprechertürme errichtet werden.[16] Musiker mussten für den neuen Veranstaltungsort gewonnen werden, was teilweise kostspielige Vertragsnachverhandlungen nach sich zog. Zudem musste ein Verkehrs- und Sicherheitskonzept erarbeitet werden. Den Eintrittskarteninhabern und potenziellen Festivalbesuchern musste mitgeteilt werden, dass sich der Veranstaltungsort von Wallkill nach White Lake/Bethel verschoben hatte, da das Festival in Promotionanzeigen bereits lange Zeit mit dem Veranstaltungsort Wallkill beworben wurde. Zusätzlich ließ Artie Kornfeld in 250 Untergrundzeitungen Werbeanzeigen für das nun in White Lake/Bethel veranstaltete Festival for Peace and Music schalten.

Ticketvorverkauf und der Weg zum Free Concert
3-Tage-Ticket (Tageskasse vor Ort)
Woodstock-Kids auf einer Zufahrtsstraße zum Festival
Woodstock-Besucher nach einem Regenguss am 15. August 1969

Die Kosten für das 3-Tage-Ticket beliefen sich im Vorverkauf auf 18 US-$ (2016 ca. 116 US-$). Für ein Tagesticket mussten 7 US-$ (2016 ca. 39 US-$) bezahlt werden. Im Vorverkauf konnten bereits 186.000 Tickets abgesetzt werden, die Erlöse in Höhe von 1,8 Millionen US-$ (2016 ca. 11.600.000 US-$) erzielten.Vor Ort sollten 8 US-$/Tagesticket bzw. 24 US-$/3-Tage-Ticket von den Veranstaltern verlangt werden. [17][18][19][20] Bereits zwei Wochen vor Festivalbeginn kamen die ersten Besucher auf das Gelände, wo sie sich in Zelten und Wohnwagen häuslich niederließen. Das war zu einem Zeitpunkt, als noch kein Zaun bzw. Zugangskontrollen errichtet waren. Der Besucherzustrom riss nicht mehr ab und wurde von Tag zu Tag stärker. Zwei Tage vor Festivalstart waren bereits 100.000 Menschen vor Ort und kampierten neben der Zufahrtsstraße 17B, die wegen der fehlenden Polizeikräfte bis zur 15 Kilometer entfernten Abfahrt vom Highway 17 in Monticello zugestaut war. Kurze Zeit später waren alle fünf Zufahrtstraßen blockiert und der Verkehr staute sich auf bis zu 27 Kilometer.[21]

Da mit dem Aufstellen der Kassenhäuschen bis zuletzt gewartet worden war und Umzäunungen niedergetrampelt wurden, betrat am Samstagmorgen der auch als Ansager fungierende Oberbeleuchter Chip Monck die Hauptbühne und verkündete unter tosendem Beifall: „Von jetzt an ist das Konzert eintrittsfrei!“.[22] Veranstalter Michael Lang antwortete auf die Frage, warum man sich dazu entschied, dass aus Woodstock ein Gratiskonzert wurde: „Es war keine Entscheidung. Wir haben die Fakten anerkannt. Es heißt immer, wir hätten die Tore zum Festivalgelände geöffnet. Aber da waren keine Tore. Am Freitagmorgen saßen 150.000 Leute auf dem Gelände, die Tickethäuschen waren noch gar nicht aufgestellt.“[23] Angesichts der verwaisten Tickethäuschen drohte der mächtige Musik- und Bandmanager Bill Graham den Veranstaltern, seine Band Grateful Dead nicht auftreten zu lassen, wenn nicht umgehend die Gagen im Voraus ausgezahlt würden. Dieser Forderung schloss sich The Who an. Sie fürchteten, dass die Veranstalter ihren Gagenverpflichtungen nicht nachkommen konnten. Um zu vermeiden, dass die Künstler nicht auftraten, musste der lokale Bankdirektor aus dem Wochenende geholt werden, um mit dem Hubschrauber beglaubigte Barschecks heranzuschaffen. Die Gesamtausgaben der Gagen aller 32 Acts wurden mit 155.000 US-$ (2016 ca. 1.000.000 US-$) beziffert.[24][25]

Finanzen & Bilanzen

Die Organisation und Durchführung des Woodstock-Festivals verschlang letztlich 2,7 Millionen US-$ (2016 ca. 17.400.000 US-$), von dem der große Hauptteil durch Rosenman und Roberts finanziert wurde. Rosenman und Roberts finanzierten und organisierten auch die größtenteils kostenlose Versorgung der knapp 400.000 Besucher. Zusätzlich mussten weitere Verpflegung und medizinische Betreuung für die Besucher sowie die Musiker selbst wegen der verstopften Zugangswege mit Hubschraubern eingeflogen werden. Das Festival wurde zunächst zu einem finanziellen Misserfolg. Nach Aussage der Veranstalter hatte man am Ende des Festivals ein Minus von 1,3 Millionen US-$ zu verkraften. Die Bank erwog die Eröffnung eines Insolvenzverfahrens über das Unternehmen Woodstock Ventures, wodurch viele Musiker um ihre Gagen und Lieferanten um den Großteil ihrer Forderungen gebracht worden wären. Um dies von ihrem Sohn abzuwenden, sprangen die vermögenden Eltern von John Roberts mit einem Blitzkredit ein, der von ihm und Rosenman über Jahre hinweg abgezahlt werden musste.

Aufstellung der Veranstaltungskosten [26]
Ausgabeposition Kosten (1969) Kosten (2016)
Produktionskosten (inkl. Löhne für 1000 Arbeiter) 800.000 US-$ 5.165.000 US-$
unvorhergesehene Ausgaben für Hubschrauber, medizinische Versorgung und Verpflegung 600.000 US-$ 3.874.000 US-$
umzugsbedingte Kosten von Wallkill nach Bethel 500.000 US-$ 3.228.000 US-$
Ton und Bühnenbeleuchtung 200.000 US-$ 1.291.000 US-$
Werbung 200.000 US-$ 1.291.000 US-$
Künstlergagen 155.000 US-$ 1.001.000 US-$
Haftpflichtversicherung 65.000 US-$ 420.000 US-$
Pacht für das Festivalgelände an Max Yasgur 50.000 US-$ 323.000 US-$
25 % Rückerstattung für 4062 Inhaber nicht genutzter Eintrittskarten 25.000 US-$ 161.000 US-$
Telefonleitungen für das Gelände in Wallkill 18.000 US-$ 116.000 US-$
Telefonleitungen für das Gelände in Bethel 18.000 US-$ 116.000 US-$
Chartergebühr einer Boeing 727 für die Anreise der Hippie-Kommune Hog Farm 16.000 US-$ 103.000 US-$
Abschlagszahlungen an die radikale Linke (Yippies) 10.000 US-$ 65.000 US-$
Weitere Pachtzahlungen 5.000 US-$ 32.000 US-$

Kurz nach dem Festival wurde auf Druck der kreditgebenden Roberts-Familie das Duo Lang/Kornfeld aus der Woodstock Ventures gedrängt und mit jeweils 31.750 US-$ (2016 ca. 205.000 US-$) abgefunden. Nach Auszahlung ihrer Geschäftsanteile waren Lang/Kornfeld somit nicht mehr an Rechte- und Lizenzeinnahmen beteiligt.[27] Der Tantiemenanteil am später Oscar-prämierten und als eine der erfolgreichsten Dokumentationen aller Zeiten[28] geltende Woodstock-Film betrug für die beiden verbleibenden Gesellschafter Rosenman/Roberts lediglich 10 %. Die verbliebenden 90 % gingen an die Warner Bros., den Produzenten Bob Maurice sowie den Regisseur Michael Wadleigh. Für die Verwertung des Film-Soundtrack standen Rosenman/Roberts lediglich 0,5 % zu, da sich der Geschäftsführer von Atlantic Records, Ahmet Ertegun, im Vorfeld die Rechte für 25.000 US-$ gesichert hatte.[29]

Noch 1974 standen Einnahmen durch Ticketverkäufe und Rechteverwertung in Höhe von 3,3 Millionen US-$ weiterhin Ausgaben in Höhe von 3,4 Millionen US-$ gegenüber. Mithilfe der Lizenzeinnahmen aus dem Film wie auch des Soundtracks und dem Woodstock-Live-Album konnte der Schuldenberg bis 1980 endgültig abgetragen werden.[30][31] Seitdem erwirtschaften Rosenman/Roberts und der anlässlich eines Jubiläumskonzertes mit einer Minderheitenbeteilligung wieder eingestiegene Michael Lang mit Woodstock Ventures über Lizenzvergaben für Merchandising und Bild- und Tonrechte millionenschwere Gewinne aus Woodstock. Allein der weltgrößte Fanartikel-Lizenznehmer Live Nation Merchandise generiert in manchen Jahren zwischen 50 und 100 Millionen US-$ mit Woodstock-Produkten.[32]

Festivalverlauf

FREITAG, 15. AUGUST 1969
Band/Künstler Auftrittszeit [33] Gage (1969) [34][35] Gage (2016) Anmerkung
Richie Havens 17:07 Uhr - 18:00 Uhr 6.000 US-$ 39.000 US-$
Swami Satchidananda 18:10 Uhr - 18:20 Uhr - - Eröffnungsrede
Sweetwater 18:30 Uhr - 19:10 Uhr 1.250 US-$ 8.000 US-$
Bert Sommer 19:20 Uhr - 20:15 Uhr 7.500 US-$ 48.000 US-$
Tim Hardin 21:20 Uhr - 21:45 Uhr 2.000 US-$ 13.000 US-$
Ravi Shankar 22:00 Uhr - 22:35 Uhr 4.500 US-$ 29.000 US-$ Auftritt im Regen
Melanie 22:50 Uhr - 23:20 Uhr 750 US-$ 5.000 US-$
Arlo Guthrie 23:55 Uhr - 00:30 Uhr 5.000 US-$ 32.000 US-$
Joan Baez 00:55 Uhr - 02.00 Uhr 10.000 US-$ 65.000 US-$ Baez war im 6. Monat schwanger
Richie Havens' Auftritt
Swami Satchidananda hält die Eröffnungsrede
Die Bühne
Festival-Besucher

Nach dem Plan von Veranstalter Michael Lang stand der erste Festivaltag ganz im Zeichen von Folk- und Countrymusik. Um 17:07 Uhr eröffnete der bis dahin recht unbekannte Folk-Musiker Richie Havens das Festival. Er sprang für Sweetwater ein, die noch nicht eingetroffen waren. Havens erhielt viel Beifall und spielte einige Zugaben, bis sein Songrepertoire erschöpft war. Anschließend improvisierte er eine Version des Spirituals Motherless Child („Kind ohne Mutter“), dem er eine Strophe mit dem ständig wiederholten Ruf Freedom („Freiheit“) hinzufügte. Der Song wurde ein internationaler Hit. Die Darstellung im Woodstock-Film, Havens habe insgesamt drei Stunden gespielt, ist falsch. Tatsächlich spielte er elf Songs in etwa 45 Minuten.[36][37]

Inzwischen waren Sweetwater per Hubschrauber zusammen mit Swami Satchidananda eingeflogen worden. Sie hielten Woodstock für ein weiteres simples Festival und waren von der Menschenmenge überrascht. Ihre Instrumente waren bereits vor Havens Auftritt aufgebaut worden, jedoch hatte nie ein Soundcheck stattgefunden. Nach der Eröffnungsrede von Swami Satchidananda spielten sie ihr 45-minütiges Set und waren mit ihrem Auftritt sehr unzufrieden. Anschließend begann es zu regnen, und Bert Sommer hatte seinen Auftritt zusammen mit seinem Studiogitarristen Ira Stone. Sie spielten zehn Lieder, darunter dem Jennifer Warnes gewidmeten Song Jennifer und das Simon-&-Garfunkel-Cover America. Mit dem Einbruch der Dämmerung folgte der Auftritt von Tim Hardin, der zu dieser Zeit in Woodstock lebte und dessen Karriere sich bereits dem Ende zuzuneigen schien. Er und seine Band spielten Songs wie Misty Roses und If I Were a Carpenter. Bei letzterem brach an mehreren Stellen seine Stimme, was wahrscheinlich am starken Drogeneinfluss lag.

Anschließend kam der der indische Sitarspieler Ravi Shankar, auf die Bühne, der vor Woodstock bereits beim Monterey Pop Festival aufgetreten war. Woodstock war das letzte Konzert des Mentors von George Harrison auf Festivals dieser Art, da er den offenen Drogenkonsum der Hippies und ihre Einstellung gegenüber Indien, die sich z. B. in Kamasutra-Partys mit Haschisch ausdrückte, immer stärker missbilligte. Gegen 22:30 Uhr sah er sich genötigt, den Auftritt wegen des Einsetzens starken Regens abzubrechen.

Nach Ravi Shankar hätte gemäß dem Spielplan des Stagemanagers John Morris die Incredible String Band auftreten sollen. Diese weigerte sich aber im Regen aufzutreten und so wurde der Auftritt auf den nächsten Tag verschoben. An ihrer Stelle trat die 22-jährige Folk-Sängerin Melanie auf, die nach eigener Aussage den Eindruck hatte, dass sie anscheinend die einzige war, die nicht unter Drogeneinfluss stand. Sie kannte zwar alle Künstler aus den Medien, hatte aber keinen davon jemals aus der Nähe gesehen. Nicht nur deshalb trat sie mit starkem Lampenfieber auf. Melanie spielte ihre beiden Lieder Beautiful People und Birthday of the Sun, während das Publikum in der Dunkelheit Kerzen, die zuvor ausgeteilt worden waren, im Takt der Musik bewegte. Diesen Moment hielt sie später im Lied Lay Down (Candles in the Rain) („Kerzen im Regen“) fest, das im folgenden Jahr bis auf Platz vier der US-amerikanischen Charts kam.

Danach trat der ebenfalls aus dem Folk-Bereich stammende Künstler Arlo Guthrie, der Sohn von Woody Guthrie, auf. Er spielte Bob Dylans Walking Down the Line, Amazing Grace und seinen Song Coming into Los Angeles, bei dem er kurz von einer Ansage durch Jerry García unterbrochen wurde. Der Auftritt des offensichtlich auch unter Drogeneinfluss stehenden Arlo Guthrie enthielt unter anderem auch einen Monolog über etwas, das mit einem Pharao zu tun hatte, wie sich ein Zuschauer erinnert. Außerdem prägte er mit seinem Statement „New York State Thruway is Closed, Man“ einen der wichtigen Sätze des Festivals.

Höhepunkt und Headliner des ersten Abends war Joan Baez. Die schwangere Sängerin nutzte die Gelegenheit, um dem Publikum von ihrem inhaftierten Ehemann David Harris zu erzählen und den Song Joe Hill zu präsentieren. Anschließend legte sie ihre Gitarre beiseite und sang Swing Low, Sweet Chariot. Als sie ihren Auftritt mit We Shall Overcome beendete, begann ein Wärmegewitter, bei dem innerhalb von ungefähr drei Stunden über 120 mm Niederschlag fiel.

SAMSTAG, 16. AUGUST 1969
Band/Künstler Auftrittszeit [38] Gage (1969) [39] Gage (2016) Anmerkung
Quill 12:15 Uhr - 12:45 Uhr 375 US-$ 2.000 US-$
Country Joe McDonald 13:00 Uhr - 13:30 Uhr 2.500 US-$ 16.000 US-$ hatte einen weiteren Gig mit The Fish
Santana 14:00 Uhr - 14:45 Uhr 2.500 US-$ 15.000 US-$ Drummer Michael Shrieve war der jüngste Musiker des Festivals
John Sebastian 15:30 Uhr - 15:55 Uhr 1.000 US-$ 6.000 US-$ ungeplanter Auftritt von Sebastian
Keef Hartley Band 16:45 Uhr - 17:30 Uhr 500 US-$ 3.000 US-$
The Incredible String Band 18:00 Uhr - 18:30 Uhr 2.250 US-$ 15.000 US-$
Canned Heat 19:30 Uhr - 20:30 Uhr 6.500 US-$ 42.000 US-$
Mountain 21:00 Uhr - 22:00 Uhr 2.000 US-$ 13.000 US-$
Grateful Dead 22:30 Uhr - 00:05 Uhr 2.250 US-$ 15.000 US-$
Creedence Clearwater Revival 00:30 Uhr - 01:20 Uhr 10.000 US-$ 65.000 US-$
Janis Joplin & The Kozmic Blues Band 02:00 Uhr - 03:00 Uhr 7.500 US-$ 48.000 US-$
Sly and the Family Stone 03:30 Uhr - 04:20 Uhr 7.000 US-$ 45.000 US-$
The Who 05:00 Uhr - 06:05 Uhr 11.200 US-$ 72.000 US-$ Gig wurde von Abbie Hoffman gestört
Jefferson Airplane 08:00 Uhr - 09:40 Uhr 7.500 US-$ 48.000 US-$ begleitet von Nicky Hopkins
John Sebastian
Country Joe McDonald
Tanzendes Publikum am Samstag
Canned Heat
The Grateful Dead
Creedence Clearwater Revival
Janis Joplin
Jefferson Airplane

Die folgenden beiden Festivaltage wurden von Rockmusik geprägt. Das erste Konzert am Samstag begann um 12:15 Uhr mit einem 40-minütigen Auftritt der relativ unbekannten Band Quill. Der Auftritt erschien nicht im Woodstock-Film, da die Aufnahme der Tonspur nicht mit dem Film synchronisiert war. Der folgende Auftritt von John Sebastian war improvisiert. Sebastian wurde zuvor von Wavy Gravy hinter der Bühne entdeckt, obwohl er überhaupt nicht für das Festival gebucht worden war. Sebastian trug wilde Bindebatik-Kleidung und stand laut eigener Aussage so unter Drogeneinfluss, dass er nicht in der Lage war, die Aufforderung abzulehnen. Als er die Bühne nur mit einer akustischen Gitarre ausgestattet betrat, bat er das Publikum: „Liebt einfach jeden Menschen neben euch und nehmt auf dem Rückweg etwas Müll mit.“ Sein kurzer Auftritt mit einer Art Rap, der infolge seines psychedelischen Zustands beinahe eine Parodie einer Hippie-Unterhaltung darstellte, wurde von der Menge begeistert aufgenommen. Als er plötzlich Textaussetzer hatte, hörte er auf, Gitarre zu spielen, und rief der riesigen Menschenmenge „Help me!“ zu. Das Publikum entsprach seinem Wunsch, sodass er sein Stück korrekt beenden konnte.[40]

Es folgte ein spontaner Auftritt von Country Joe McDonald, der an diesem Tage als Zuschauer gekommen war und erst am Folgetag mit seiner Band Country Joe and the Fish auftreten sollte. Er zeigte sich über die Menschenmasse ziemlich überrascht. Nachdem er den Organisatoren gesagt hatte, dass er keine Gitarre dabei habe, besorgte man ihm eine Yamaha FG 150 und schickte ihn damit auf die Bühne. McDonald stellte während der ersten vier Lieder fest, dass ihm die Menge nicht zuhörte. Daraufhin reagierte er mit einer öffentlichen F-Stimmprobe. Dazu rief er dem Publikum zu: „Gimme an F“ (gebt mir ein „F“), woraufhin sämtliche Unterhaltungen verstummten und die Menge ihm ein lautes „F“ entgegenschrie. Als er mit den restlichen Buchstaben „U“, „C“ und „K“ fertig war, fragte er mehrfach: „What’s that spell?“ Anschließend spielte er seinen Hit I-Feel-Like-I’m-Fixin’-to-Die Rag und beendete so seinen Auftritt erfolgreich.

Es folgte die Keef Hartley Band, die sich gerade in ihrem Wandel zum Jazz-Rock befand. Abgesehen von ihrem wie immer in Indianerkleidung auftretenden Schlagzeuger Keef Hartley war es für die gesamte britische Band der erste Auftritt in den USA. Da die Band weder im Film noch auf der Schallplatte zu hören ist, gelang es Keef Hartley erst 2004, durch einen Fan eine Aufnahme des Konzertes zu erhalten. Santana, die als Nächstes die Bühne erklommen, hatten gerade ihr erstes Album aufgenommen. Obwohl die Menge im Chor „No Rain“ („kein Regen“) rief und, um dies zu untermauern, auf diverse Objekte klopfte, gehörte der Auftritt mit dem Song Soul Sacrifice und dem energetischen Schlagzeugsolo des erst 20-jährigen Drummers Michael Shrieve zu den Höhepunkten des Festivals. Die Bühnenmannschaft hatte zudem Lattenreste verteilt, die die Fans im Takt zu diesem Song gegeneinander schlugen. Das bald nach dem Festival erschienene Debütalbum der Band schaffte es hauptsächlich wegen des 45-minütigen Festival-Auftrittes in die Top 5 der Albumcharts in den USA.

Anschließend fand der vom Vortag verlegte Auftritt der Incredible String Band statt. Sie hatte nach eigenen Angaben den Auftritt am Freitag abgesagt, da sie für sämtliche Instrumente elektrische Verstärker benutzte, was im Regen zu gefährlich war. Das Publikum war nach Santana auf „harte Musik“ eingestellt und bekam mit der String Band stattdessen Psychedelic Folk in glühendheißer Sonne. Die Begeisterung hielt sich in Grenzen, und die Band wurde die einzige des Festivals, von der keine Zugabe verlangt wurde. Dies führte dazu, dass der Auftritt weder in der ersten Version des Films noch der des Albums zu finden ist. Der Bandmanager Joe Boyd betrachtete die Verlegung des Auftritts deshalb als verpasste Gelegenheit.

Dem anschließenden Headliner-Auftritt der Blues-Formation Canned Heat war ein Streit zwischen dem Gitarristen Henry „Sunflower“ Vestine und dem Bassisten Larry „The Mole“ Taylor zwei Tage zuvor auf der Bühne des Fillmore West vorausgegangen, in dessen Folge Vestine die Band verlassen hatte. Diese sah sich genötigt, umgehend Harvey Mandel zu engagieren, um die Tournee fortsetzen zu können. Da sie nicht einmal in der Lage gewesen waren, zusammen zu proben, weigerte sich der damalige Schlagzeuger und spätere Bandleader Adolfo „Fito“ De La Parra zunächst, auf dem Festival aufzutreten, konnte dann aber überredet werden. Die Band traf gleichzeitig mit den Roadies ein, denen es gelungen war, sich im LKW mit der Ausrüstung durch das Chaos zu bewegen, wobei sie für den Weg zwischen den Catskills und New York über 13 Stunden benötigten (normalerweise zwei bis drei Stunden). Die Band spielte während des Sonnenuntergangs und wurde vom Publikum gefeiert wie kaum eine andere während des Festivals. Ihr Song Goin’ up the Country Hörbeispiel Midi?/i) erreichte in dieser Woche die Spitze der amerikanischen Charts und wurde später zur inoffiziellen Hymne des Festivals.

Der nachfolgende Auftritt von Leslie Wests Band Mountain war erst der vierte gemeinsame Live-Auftritt der kurz zuvor gegründeten Band. Unzufrieden war Jerry García mit dem mehrstündigen Auftritt von Grateful Dead, der mit St. Stephen begann und bald von der Band wegen angeblicher Monitorprobleme auf der Bühne unterbrochen wurde. Durch den Regen während des Auftritts soll die Band auch einige Stromstöße durch ihre elektrischen Instrumente erlitten haben. Rückblickend betrachtet waren auch viele Fans der Meinung, dass die Band zuvor bereits bessere Auftritte gehabt hatte. Da der Auftritt bewusst weder in den Film noch in das Album mit aufgenommen wurde, wussten viele Menschen lange Zeit überhaupt nichts davon. Auch der nachfolgende Auftritt der Co-Headliner Creedence Clearwater Revival erschien weder im Film noch im ursprünglichen Album, da John Fogerty und die Plattenfirma Fantasy dies ablehnten. Fogerty betrachtete den Auftritt als zu schlecht, um veröffentlicht zu werden. Es war nur ein kleiner Teil des Publikums wach, und die Band hatte angeblich mit technischen Schwierigkeiten zu kämpfen.

Janis Joplin trat danach auf, aber auch ihr Auftritt wird von Fans als einer ihrer schlechtesten bewertet. Viele meinten, das Engagement der Band fehlte, wodurch Joplin nicht in der Lage war, ihre gewohnte Explosivität auszuleben. Ihre Stimme brach häufig. Allerdings machte sie eine Bemerkung über die Hippiebewegung, die später oft zitiert wurde: „Früher waren wir nur wenige, jetzt gibt es Massen und Massen und Massen von uns.“ Der Auftritt wurde ebenfalls nicht veröffentlicht. In den frühen Morgenstunden folgte dann der Auftritt von Sly & the Family Stone, der als einer der besten des Festivals und Höhepunkt von Sly Stones Karriere bezeichnet wird, obwohl er im Regen stattfand.

Um 5 Uhr morgens folgte die britische Band The Who. Deren Manager weigerte sich zuerst, die Band ohne Vorkasse auftreten zu lassen. Erst als Organisator Mike Lang drohte, diesen Umstand per Durchsage an die Menge zu verbreiten, konnte er von diesem Vorhaben abgebracht werden. Ihr durch den späteren Film bekannt gewordener Auftritt enthielt einige Songs von ihrem im Juni erschienenen Doppelalbum Tommy. Während des Auftritts der Band kam es zu gewalttätigen Szenen. Der ohnehin als aggressiv geltende The-Who-Gitarrist Pete Townshend trat einem Kameramann ins Gesäß und stieß ihn anschließend von der Bühne. Nach Meinung Townsends war der Kameramann dem Sänger Roger Daltrey zu nahe gekommen. Außerdem schlug Townsend dem bekannten linksradikalen Politaktivisten Abbie Hoffman mit der Gitarre auf den Kopf, als dieser eine Durchsage über die Gefangennahme von John Sinclair am Mikrofon machen wollte. Townshend sagte später, dass er bezüglich Sinclairs Gefangennahme eigentlich mit Hoffman einer Meinung war. Townshend beendete den Auftritt mit dem rituellen Zertrümmern seiner Gitarre.[41]

Beendet wurde das Festival an diesem Tag, der durch die regenbedingten Wartezeiten sehr lang geworden war, durch Jefferson Airplane. Sie begannen kurz nach Sonnenaufgang zu spielen. Sängerin Grace Slick kündigte an, dass die Band ein wenig „Morning maniac music“ (etwa: „Musik für die Morgenverrückten“) spielen würde. Unter anderem wurde erstmals der Song Volunteers präsentiert, der sechs Monate später zusammen mit dem gleichnamigen Album erschien.

SONNTAG, 17. AUGUST 1969
Band/Künstler Auftrittszeit [42] Gage (1969) [43] Gage (2016) Anmerkung
Joe Cocker and The Grease Band 14:00 Uhr - 15:25 Uhr 1.375 US-$ 9.000 US-$ nach dem Auftritt führte ein Gewitter zu einer langen Unterbrechung
Country Joe and the Fish 18:30 Uhr - 20:00 Uhr 2.500 US-$ 16.000 US-$ 2. Auftritt von Country Joe
Ten Years After 20:15 Uhr - 21:15 Uhr 3.250 US-$ 21.000 US-$
The Band 22:00 Uhr - 22:50 Uhr 7.500 US-$ 48.000 US-$
Johnny Winter 00:00 Uhr - 01:05 Uhr 3.750 US-$ 24.000 US-$
Blood, Sweat & Tears 01:30 Uhr - 02:30 Uhr 15.000 US-$ 97.000 US-$
Crosby, Stills, Nash & Young 03:00 Uhr - 04:00 Uhr 5.000 US-$ 32.000 US-$
Paul Butterfield Blues Band 06:00 Uhr - 06:45 Uhr 7.500 US-$ 48.000 US-$
Sha Na Na 07:30 Uhr - 08:00 Uhr 700 US-$ 5.000 US-$
Jimi Hendrix + Gypsy Sun & Rainbows 09:00 Uhr - 11:10 Uhr 18.000 US-$ 116.000 US-$ Bei Hendrix' Auftritt waren noch etwa 35.000 Zuschauer zugegen
Joe Cockers Auftritt
Warten auf das Ende des Regens
Blood, Sweat & Tears
Crosby, Stills, Nash and Young
Jimi Hendrix

Der letzte Tag von Woodstock begann mit dem Auftritt von Joe Cocker, der mit seiner bereits im Vorjahr erschienenen Coverversion des Beatles-Klassikers With a Little Help from My Friends den ersten großen Durchbruch in seiner Karriere erreichte. Nach dessen Auftritt setzte ein heftiges Gewitter ein. Als das Unwetter aufgehört hatte, betrat der Farmer Max Yasgur die Bühne, auf dessen Feldern das Festival stattfand. Er dankte den Zuschauern dafür, dass sie ihm halfen, der Welt etwas zu beweisen. Die Festivalbesucher hatten seiner Meinung nach zusammen bewiesen, dass eine halbe Million Menschen zusammenkommen und nichts als Spaß und Musik haben könnten. Yasgur behauptete, dass dies die größte Ansammlung von Leuten an einem Ort überhaupt wäre.

Danach folgte der Auftritt von Country Joe and the Fish, die in letzter Minute als Ersatz für Jethro Tull gebucht worden waren. Auch wenn die Band bereits 1967 beim Monterey Pop Festival aufgetreten war, war Woodstock der Höhepunkt ihrer Karriere. Wieder wurde der I-Feel-Like-I’m-Fixin’-to-Die Rag gespielt. Gegen 20:15 Uhr gab es mit dem 90-minütigen Auftritt von Ten Years After einen weiteren Höhepunkt. Da der Regen die Luftfeuchtigkeit verändert hatte, musste die Band während ihres ersten Songs Good Morning Little School Girl nach etwa einer Minute unterbrechen, um die Gitarren erneut zu stimmen. Nach dem regulären Set folgte die Zugabe I’m Going Home, bei der Gitarrist Alvin Lee ein fast zehnminütiges Solo spielte. Dies war der einzige Song des Auftritts, der von der Filmcrew aufgenommen wurde. Sie hatte mit drei Kameras zu filmen begonnen, von denen eine nach der Hälfte des Auftritts ausfiel. Für die Dreifach-Split-Screen-Version des Films wurde deshalb gegen Ende das gespiegelte Filmmaterial der rechten Kamera benutzt, um die Lücke zu füllen.

Der Auftritt von The Band um 22:00 Uhr wurde begleitet von starken Lampenfieberanfällen der Bandmitglieder. Die Musiker von The Band waren derartige Menschenmengen nicht gewöhnt. Die Erlebnisse von Woodstock und dem zwei Wochen später stattfindende Auftritt beim Isle of Wight Festival, wo die Musiker zusammen mit Bob Dylan spielten, wurde anschließend im Song Stage Fright („Lampenfieber“) verarbeitet. Um 01:30 Uhr folgten Blood, Sweat & Tears, die als einer der Headliner galten. Nach Meinung des Managers der Band hätte der Auftritt nicht im Film erscheinen sollen, da die 7.500 Dollar, die die Band für den Auftritt erhalten hatte, angeblich zu wenig gewesen seien, um den Auftritt für die Zukunft zu erhalten. Allerdings schaffte es die Filmcrew, das Eröffnungsstück More and More aufzuzeichnen, bevor sie der Bühne verwiesen wurde.

Obwohl der nachfolgende Auftritt von Johnny Winter gefilmt wurde, erschien er nicht im Dokumentarfilm. Sein Manager hatte sich mit der Filmcrew zerstritten hatte, welche die Veröffentlichung des Auftritts anschließend mit der Begründung, dass er „zu merkwürdig“ gewesen sei, verhinderte. Gegen 3:00 Uhr folgten Crosby, Stills and Nash. Dieser Auftritt, währenddessen auch das neue Bandmitglied Neil Young auf die Bühne kam, war der zweite Liveauftritt der Formation in der neuen Besetzung. Die Bandmitglieder waren entsprechend nervös und spielten zwei Sets. Den Anfang machte Suite: Judy Blue Eyes, eine Suite von acht Minuten, die vom Ende der Liebesbeziehung zwischen Stephen Stills und Judy Collins handelt. Außerdem spielten sie mit 4 + 20 einen Song, der erst auf dem 1970er Album Déjà Vu erschien.

Danach trat die Butterfield Blues Band auf, die sich kurz zuvor nach einer Studiopause neu formiert hatte. Beim Auftritt der Band um Paul Butterfield war auch Buzzy Feiten dabei. Für ihn war es der erste professionelle Auftritt. Mit ihrem 40-minütigen Auftritt wurde Sha Na Na einer breiten Öffentlichkeit bekannt. Die Band begann sich in der US-amerikanischen Rock-’n’-Roll-Landschaft zu etablieren. Sha-Na-Na waren die einzigen Interpreten des Woodstock-Festivals, die noch ohne Plattenvertrag waren.

Um 9:00 Uhr morgens betrat der als Festivalhighlight engagierte Jimi Hendrix und seine Begleitband die Bühne. Hendrix hatte für das Festival eine neue Band zusammengestellt: Gypsy Sun & Rainbows mit Mitch Mitchell (Schlagzeug), seinem alten Armee-Freund Billy Cox (Bass), Larry Lee (Rhythmusgitarre) und zwei Perkussionisten. Hendrix spielte unter anderem den Titel The Star-Spangled Banner, seine Interpretation der US-amerikanischen Nationalhymne, als einen Friedensappell vor dem Hintergrund des Vietnamkriegs, in der er das Geräusch einschlagender Raketen und das Sterben der Soldaten musikalisch wiederzugeben versuchte. Mit Hendrix’ Darbietung von Purple Haze,, Villanova Junction und Hey Joe endete das Festival am Montagmorgen um 11:10 Uhr vor noch etwa verbliebenen 35.000 Besuchern.[44]

Line-Up

Verantwortlich für das Line-Up war Michael Lang und sein Booker John Morris. Morris war ein Schützling von Bill Graham, einem der wichtigsten und einflussreichsten Musikmanager überhaupt und hatte sich unter Graham selbst zu einem sehr wichtigen Mann im Musikgeschäft hochgearbeitet. John Morris war maßgeblich am Zustandekommen des Woodstock-Festivals beteiligt. Sehr früh schon wurde er in den Staff aufgenommen und verpflichtete die Künstler, die er alle persönlich kannte, für ihre Auftritte.

Aufgrund mangelnder Reputation und Erfahrung der Veranstalter war es im Vorfeld selbst für Morris schwierig Bands zu bekommen. Die Künstleragenturen und Bandmanager legten auf eine Zusammenarbeit mit derartig unerfahrenen Veranstaltern keinen Wert und wollten kein Risiko eingehen. Dies ist sicherlich der Hauptgrund, dass die Avantgarde der damaligen Pop-Kultur – The Beatles, The Rolling Stones, The Doors, Bob Dylan, Blind Faith, sowie schwarze Musiker wie James Brown oder Aretha Franklin durch Abwesenheit glänzten. Außer The Who, Janis Joplin und Jimi Hendrix konnten keine Top-Acts gebucht werden. Um die Skepsis der Manager und Agenten auszugleichen zahlte Woodstock Ventures in Person von Michael Lang z.T. doppelte Gagen.[45][46]

Für das Festival wurden schließlich 38 Bands gebucht. Im Vorfeld des Festivals gab es einige Absagen – z.B. von der Jeff Beck Group, die sich kurz vor dem Festival getrennt hatten. Manche Bands schafften es nicht, durch den Verkehrsstau zum Festivalgelände zu gelangen. Iron Butterfly saßen in einem New Yorker Hotel und warteten darauf, abgeholt zu werden, doch der Hubschrauber kam nicht. Geplant war außerdem ein Auftritt von The Moody Blues, die auf frühen Plakaten des Festivals noch aufgeführt waren. Da sie auch für die gleichzeitig stattfindende politische Veranstaltung Socialist Rally in Paris engagiert worden waren, entschied sich die Band per Münzwurf. Die dadurch getroffene Entscheidung, in Paris aufzutreten, bereute die Band im Nachhinein. Auch Joni Mitchell gelang es nicht, wie geplant am Festival teilzunehmen, weswegen sie zu Hause vor dem Fernseher mit Woodstock eine Hymne auf das Festival schrieb. Dieser Song wurde durch Crosby, Stills, Nash & Young und Ian Matthews’ Band Matthews Southern Comfort ein Welthit.

Technik

Bühne

Die nach dem Design von Steve Cohen vollständig aus Holz gefertigte Hauptbühne wurde in ostwestlicher Richtung aufgebaut, so dass die Musiker die aufgehende Sonne im Rücken hatten. Die Bühne maß 20 × 15 × 5 Meter und besaß in der Mitte eine drehbare Rundbühne, die auf Rollen gelagert war. Während auf der vorderen Hälfte die jeweils aktuelle Band spielen sollte, war die rückwärtige Hälfte für Auf- und Abbau vorgesehen. Es war geplant, die Umbaupausen so auf ein Minimum zu reduzieren und am Ende eines Konzertes die Bühne für die nächste Band lediglich um 180 Grad zu rotieren. Da man das Gewicht des Musikequipments unterschätzt hatte, brachen die Rollen schon am ersten Tag und man kehrte zum herkömmlichen System mit Umbaupausen zurück. Hinter der Bühne wurde ein Backstagebereich als Aufenthaltsort für die Musiker und das Veranstaltungsteam eingerichtet. Zwischen der Bühne und dem Publikum wurde für die Medienvertreter eine drei Meter hohe Holzwand errichtet. Die Bühne sowie die Dächer der weiteren Gebäude waren mit großen Segeltüchern überspannt. Der Aufbau der Bühne und die Installation der Beleuchtungstechnik wurde vom Lichtdesigner und technischen Direktor E.H Beresford "Chip" Monck geleitet. Monck war bereits für die Bühnen- und Beleuchtungstechnik des Monterey Pop Festivals und den meisten großen Konzertveranstaltungen der USA verantwortlich gewesen und hatte ein eingespieltes Team sowie zahlreiche Hilfskräfte unter sich.

Neben der großen Hauptbühne gab es auch noch eine kleinere offene bzw. freie Bühne, die Alternative Stage. Sie war von den Mitgliedern der Hog Farm errichtet worden und stand der breiten Masse zur Verfügung. Joan Baez spielte 40 Minuten lang auf dieser Nebenbühne, bevor sie ihren Auftritt auf der Hauptbühne hatte.

Licht- und Tontechnik

Die Hauptbühne wurde von zwei aus Metallgerüsten gefertigten Lautsprechertürmen von jeweils 21 Metern Höhe flankiert. Diese waren neben den Lautsprechern mit jeweils zwölf 5000-Watt-Scheinwerfern ausgerüstet. Über das Gelände und auf den Hügeln verteilten sich insgesamt 16 Lautsprecherbereiche, um auch weiter hinten gelegene Gebiete beschallen zu können.

Das für 200.000 Zuschauer konzipierte Beschallungssystem wurde von Bill Hanley und seiner Firma Hanley Sound entwickelt, gebaut und betrieben. Hanley gilt als Pionier und "Vater" des Festival-Sounds. Für Woodstock entwarf und baute Hanley aus Bootsbausperrholz mannshohe Lautsprecherboxen. Jeder dieser Boxen wog 500 kg, war 1.80 Meter hoch, 90 cm breit und einen Meter tief. Ein Lautsprecher bestand jeweils aus zwei mittig platzierten Bassboxen, die unter einem Paar von selbst konstruierten Hochfrequenz-Horn-Systemen installiert wurden. Jedes dieser Hochfrequenz-Horn-Systeme bestand aus einem Altec Lansing Modell 1003B mit 5x2-Multi-Cellular-Hörnern und speziell von Hanley angefertigten 2x2-Hörnen aus Altec 290 Kompressionstreibern. Oberhalb dieser Kombination wurden vier 15-Zoll JBL D130-Treiber mit Loudness Maximizer eingebaut, unterhalb vier weitere 15-Zoll JBL D140-Treiber, um den Bass und die Reichweite zu maximieren.[47][48] In etwa 20 Meter Entfernung gegenüber der Hauptbühne stand inmitten der Zuschauermenge eine notdürftig errichtete Plattform, in dem das sogenannte FoH mit Tontechnik, Mischpult und den entsprechend versierten Technikern untergebracht war.

Hinter der Bühne befanden sich die Aufnahmegeräte, die im Anhänger eines Sattelzuges untergebracht waren. Für die Aufnahmen standen in dem Anhänger hinter der Hauptbühne zwei Achtspur-Tonbandgeräte zur Verfügung, die jeweils zeitversetzt liefen. So war es möglich, immer eine Tonbandmaschine aufnehmen zu lassen, während auf der anderen das Tonband gewechselt wurde. Ein Wechsel der Spulen war aus Sicherheitsgründen alle 20 bis 25 Minuten fällig, da diese maximal 30 Minuten Musik aufnehmen konnten. Da durchgängig eine Tonspur benutzt wurde, um für den Film eine Synchronisationsspur der Kameras aufzuzeichnen, sowie eine zweite den Applaus des Publikums festhielt, blieben dem Tontechniker Eddie Kramer mit seinen Assistenten lediglich sechs Tonspuren, um die Musik aufzunehmen. Konnten die Tontechniker Solokünstler, die lediglich mit Gesang und Akustikgitarre arbeiteten, noch adäquat auf zwei getrennten Spuren aufzeichnen, wurden bei Bands mit mehr als sechs Tonquellen ähnlich klingende Instrumente auf einer Spur zusammengefasst. Bei Jimi Hendrix’ Auftritt verwendete Kramer eine Spur für das Schlagzeug, eine für weitere Perkussion, eine für Hendrix’ E-Gitarre, eine für Hendrix’ Stimme sowie eine weitere für den E-Bass.

Während der Auftritte wurde teilweise ein neues Mikrofonsystem eingesetzt, das von den Technikern der Band Grateful Dead für deren Wall Of Sound entwickelt worden war: ein Sänger bekam pro Mikrofonständer zwei Mikrofone, die phasenverdreht nebeneinandergeschaltet wurden. Sinn dieser Konstruktion war die Unterdrückung von Rückkopplungen bei hohen Lautstärken. Da diese Schaltung jedoch auch eine reduzierte Klangqualität mit sich brachte, wurde sie nicht bei allen Künstlern eingesetzt. Bei späteren Konzerten rückte man von dieser Technik ganz ab.

Die Kosten für die Ton- und Lichtanlage beliefen sich auf 200.000 US-$ (2016 ca. 100.000 US-$).

Elektrizität

Die komplette Stromversorgung wurde durch die Pantel Electric Company aus South Fallsburg bereitgestellt, nachdem diese 14 Tage vor dem Festival das Monopol dazu erhalten hatte. Zu ihrer Arbeit, die zu Beginn des Festivals noch auf Hochtouren lief, gehörte unter anderem der Anschluss der 40 Verpflegungsstände, eine Art Freilichtkino, Außensteckdosen für den Campingbereich sowie die Wegbeleuchtung im gesamten Gelände. Firmenchef Pantel zog mit seinem Wohnwagen direkt neben die Bühne, um dort seine Kommandozentrale zu errichten und direkt vor Ort zu sein. Es wurde in zwei Schichten mit jeweils 25 Mann gearbeitet. Immer wieder kam es zu Engpässen in Sachen Material, das oft direkt aus New York City beschafft werden musste. Eine Verteileranlage mit 1200 Ampere Dreiphasenwechselstrom für die Hauptbühne erhielt Pantel von einem Freund, der die Ausstattung einiger Gebäude der New Yorker Weltausstellung aus den Jahren 1964 und 1965 erworben hatte. Die komplette Stromversorgung kostete die Woodstock Ventures 150.000 US-Dollar.[49]

Versorgung

In jeglichen Bereichen der Versorgung hatten die Veranstalter mit Missständen zu kämpfen. Die nach den Unwettern teils katastrophale Situation vor Ort veranlasste am Sonntagmorgen Nelson Rockefeller, seinerzeit Gouverneur des Staates New York, das Gespräch mit Veranstalter Michael Lang zu suchen. Rockefeller plante eine 10.000 Mann starke Militärdivision zum Festival zu senden. Lang redete dem Politiker diese Maßnahme zwar aus, konnte aber nicht verhindern, dass der Landkreis Sullivan County den Notstand ausrief. Am Ende musste die US Army Notverpflegung und Notärzte von der nahegelegenden Stewart Air Force Base einfliegen und Behandlungsbedürftige aus dem Gebiet ausfliegen, um sie in Krankenhäuser zu transportieren.[50][51]

Verpflegung

Ursprünglich war das Catering-Unternehmen Food for Love (Essen für Liebe) mit der alleinigen Essensausgabe betraut gewesen, die in Verbindung mit den Eintrittskarten hätte erfolgen sollen. Da allerdings der Großteil der Leute keine Eintrittskarten besaßen, die Straßen für Nachlieferungen verstopft waren und die Mitarbeiter der Firma im Geiste des Festivals begannen, die Ware auch an Menschen ohne Ticket zu vergeben, reichte dies bei weitem nicht aus. Allein am ersten Tag wurden 500.000 Hamburger und Hot Dogs verzehrt.

Der Nachschub an Lebensmitteln und Frischwasser war durch die Staus zum Erliegen gekommen. Die Betreiber der Hot-Dog-Buden reagierten mit hohen Preisen, was wiederum die Besucher empörte. Am Sonntagmorgen waren auch die letzten Hot-Dog- und Hamburgerbestände vertilgt. Mitglieder der Hippiekommune Hog Farm und zweier weiterer Hippie-Kommunen hatten die Freiküchen eingerichtet.

Neben der Bevölkerung Bethels und der umgebenden Gemeinden, die teilweise zu horrenden Preisen ihre Agrarprodukte an die Zuschauer verkaufte oder sehr preiswert riesige Mengen Hühnersuppe und Sandwiches verteilte, gab es noch die Hog Farm mit ihrem Leiter Wavy Gravy, die ebenfalls massenhaft Nahrung zubereitete und an die Menschen verteilte.

medizinische Versorgung

Die Bewohner der Hog Farm waren es auch, welche die Unmengen an Drogenopfern betreuten, die durch den offenen Verkauf und Konsum von Mescalin und LSD zustande kamen. Auch bei kleineren Verletzungen, wie beispielsweise den häufig vorgekommenen Schnittwunden wegen herumliegender Flaschen, unterstützte die Gruppe die etwa 50 Ärzte, die nachträglich eingeflogen worden waren und die teilweise ohne Bezahlung arbeiteten. Die musste sich außerdem mit einer großen Anzahl von Sonnenbränden und Hitzschlägen befassen. Insgesamt wurden 5.162 medizinische Maßnahmen vorgenommen, von denen 797 nach Drogenmissbrauch notwendig wurden. Bei dem Festival kam ein Mann durch eine Überdosis Heroin ums Leben. Ein weiterer junger Mann starb, als er in seinem Schlafsack liegend von einem Traktor überrollt wurde.[52]

sanitäre Anlagen

Die 600 aufgestellten mobilen Toilettenkabinen waren sehr schnell überfüllt und verströmten einen beißenden Gestank. Für ihre Benutzung mussten die Konzertbesucher oft mehrere Stunden anstehen, was viele dazu brachte, die umliegenden Büsche oder einfach die Wiese zur Verrichtung ihrer Notdurft zu nutzen. Bald wurden von den Leuten selbst Schilder aufgestellt, die anzeigten, wo das Urinieren wegen des Trinkwassers verboten war.

Rezeption

In der Rückschau wird das Woodstock-Festival insbesondere wegen des begleitenden Mythos häufig kritisch rezipiert. Einer besonderen Rolle zur Mythen- und Legendenbildung wird dabei dem 1971 mit einem Oscar prämierten Dokumentarfilm Woodstock zugemessen. So hält der renommierte Journalist Alan Posener das Festival für "...einen großen Medienschwindel. Der unglaubliche Nachhall von Woodstock ist der Sieg des Mythos, der Bilder, der Vermarktung über die Realität. (...) Woodstock war weit davon entfernt, die Ideale des Hippietums zu verkörpern." Vielmehr "manifestierte das Festival die Widersprüche der Hippie-Ideologie. Mit John Roberts und Joel Rosenman fand Lang zwei junge Venture-Kapitalisten, die laut Anzeige im Wall Street Journal, jener Bastion des Kapitalismus und Konservatismus, eine Investitionsmöglichkeit suchten: die Geburt der Hippie-Legende aus dem Geist des Profits." [53]

Der renommierte Kritiker Frank Schäfer, Autor des Buches Woodstock ´69. Die Legende. und der Journalist Christian Schachinger von der Tageszeitung Der Standard schreiben einvernehmlich, "dass Woodstock der musikalische Höhepunkt und gleichzeitig Endpunkt der Hippie-Bewegung war." Schäfer ergänzt, dass sich politisches Engagement zunehmend in Eskapismus und Drogenkonsum verlor.[54][55]

Fred Weintraub, damaliger Vize-Präsident von Warner Bros., der in Zusammenarbeit mit dem Veranstalter und PR-Fachmann Artie Kornfeld die Finanzierung des Dokumentarfilms sicherstellte, sagte:"Es waren nur 400.000 Leute bei dem Festival. Aber wen immer du aus dieser Zeit auch fragst, sie alle sagen, dass sie dabei waren. Und sie alle denken wegen des Films, dass sie dabei waren. Letztlich wurde die von Woodstock weltweit ausgehende Peace-and-Love-Kultur erst durch den Dokumentarfilm wichtig." [56] Der einflussreiche Filmkritiker Roger Ebert schreibt: "Es war erst der Film, der einer ganzen Generation eine Stimme gab - und der Woodstock zu einem Teil des amerikanischen Mythos machte." Tobias Rapp vom Nachrichtenmagazin Der Spiegel hält die Dokumentation für einen Propaganda-Film.[57]

Nachwirkung

Woodstock, die globale Berichterstattung und vor allem der ebenfalls weltweit zu sehende Dokumentarfilm änderten das Image und die Wahrnehmung der Rockmusik und seiner Protagonisten explosionsartig von der Subkultur zur Popkultur.[58]

Während der Soundtrack und der Film millionenfach Verbreitung fanden, etablierte sich in vielen Ländern die Idee, kleine Woodstocks zu organisieren. Ob auf der Isle of Wight, auf Fehmarn, in Roskilde oder anderswo.[59]

In Deutschland wurden und werden einige Musikfestivals von Journalisten als „Deutsches Woodstock“ bezeichnet, darunter das Love-and-Peace-Festival (1970) mit etwa 25.000 Besuchern auf der Ostseeinsel Fehmarn sowie das Anti-WAAhnsinns-Festival (1986) mit über 100.000 Besuchern zur Unterstützung der Proteste gegen die geplante Wiederaufarbeitungsanlage Wackersdorf.[60][61][62]

Jahrestage

Gedenkstein zum 15-jährigen Jubiläum
  • 1979 wurde anlässlich des zehnten Jahrestages ein Konzert im Madison Square Garden in New York City veranstaltet bei dem unter anderen Richie Havens, Taj Mahal, Country Joe and the Fish, Canned Heat, Jeff „Skunk“ Baxter und Elliott Randall (beide ehemalige Mitglieder der Band Steely Dan) auftraten. Dieses Ereignis wurde auch unter dem Titel The Celebration Continues – Woodstock ’79 auf VHS veröffentlicht.
  • 1979 tourte außerdem zum 10. Jahrestag das „Woodstock Revival on Tour“ durch die Bundesrepublik. Zum Abschluss dieser vier bundesweiten Auftritte traten am 23. September 1979 in Düsseldorf Joe Cocker, Richie Havens, Arlo Guthrie und Country Joe McDonald in der Philipshalle auf.
  • 1984 wurde am ehemaligen Festivalgelände ein Gedenkstein aufgestellt, der an das Festival und seine Teilnehmer erinnert.
  • 1989 fand im August ein spontanes Konzert statt, das mit einem einzelnen Folk-Gitarristen begann, der zum einstigen Festivalgelände gekommen war. Das Publikum des Konzerts, auf dem hauptsächlich unbekannte Bands wie The Fugs spielten, wuchs schnell auf 30.000 Menschen an. Anwesend waren außerdem Wavy Gravy und Al Hendrix, der Vater von Jimi Hendrix.
  • 1994 fand zum 25-jährigen Jubiläum in Saugerties im Bundesstaat New York das Konzert Woodstock II statt, auf dem neben vielen Alternative-Interpreten wie den Red Hot Chili Peppers, Green Day oder Nine Inch Nails, auch Interpreten wie Joe Cocker und The Band auftraten, die schon bei dem Woodstock-Festival 1969 aufgetreten waren. Der Headliner war Peter Gabriel.[63] Als Höhepunkt des Woodstock II zählt der Auftritt von Bob Dylan, welcher den ungefähr 350.000 Zuschauern[64] in Anspielung auf seine Abwesenheit beim 1969er-Festival mit den Worten „We have waited 25 years to hear this …“ angekündigt wurde.[65] Im selben Jahr erschien mit Woodstock Two die CD-Version des zweiten Albums zum Woodstock-Festival von 1969.
  • 1999 fand zum 30-jährigen Jubiläum das Festival Woodstock III statt, das allerdings von gewalttätigen Auseinandersetzungen überschattet wurde.
  • 2009: Zum 40. Jahrestag des Festivals war ein Jubiläumskonzert in New York geplant.[66]

Veröffentlichungen

Film
Tonträger (Auswahl)

Literatur

Weblinks

 Commons: Woodstock – Album mit Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

  1. Joel Makower:Woodstock: The Oral History State University of New York Press, Albany, 2009, Seite 25, Vorschau in der Google-Buchsuche
  2. Peter Tschmuck:40 Jahre Woodstock – Wirtschaftsdebakel und Mythos Österreichische Gesellschaft für Musikwirtschaftsforschung, August 2009
  3. Ben Sisario: John P. Roberts, 56, a Producer Of Woodstock and Its Revivals New York Times, 02. November 2001
  4. a b James E. Perone: Woodstock: An Encyclopedia of the Music and Art Fair, Greenwood Pub Group Inc., New York, Seite 23, Vorschau in der Google-Buchsuche
  5. Ben Sisario: John P. Roberts, 56, a Producer Of Woodstock and Its Revivals New York Times, 02. November 2001
  6. Michael Riedel:Back to Woodstock New York Post, 09. August 2009
  7. Sabine Nikolay: Woodstock: Mythos und historische Fakten,Österreichische Gesellschaft für Musikwirtschaftsforschung, 29. September 2009
  8. Homepage von Artie Kornfeld
  9. Peter Tschmuck:40 Jahre Woodstock – Wirtschaftsdebakel und Mythos Österreichische Gesellschaft für Musikwirtschaftsforschung, August 2009
  10. Janine Weber: Woodstock 2012 - ein realistisches Eventkonzept oder reine Illusion? Diplomica Verlag GmbH, Hamburg, 2012, Seite 22
  11. Jennifer Rosenberg:The Woodstock Festival of 1969 About.com, 30. Oktober 2015
  12. Carsten Heidböhmer:40 Jahre Woodstock: Zehn Mythen über Love & Peace Der Stern, 14. August 2009
  13. Michael Lang: The Road to Woodstock. Ecco/Harper Collins Publishers, New York, 2009, niederländische Vorschau in der Google-Buchsuche
  14. Marc Pitzke: Hippie-Sause 1969 Der Mann, der Woodstock möglich machte Spiegel Online, 14. August 2008
  15. Sylvia Kekulé: Die Woodstock-Story Allitera Verlag, München, 2009, Seite 194
  16. Sylvia Kekulé: Die Woodstock-Story Allitera Verlag, München, 2009, Seite 195
  17. 18. August 1969: Woodstock-Festival ends BBC News, 18. August 2005
  18. Carsten Heidböhmer:40 Jahre Woodstock: Zehn Mythen über Love & Peace Der Stern, 14. August 2009
  19. Joel Rosenman, John Roberts, Robert Pilpel: Making Woodstock: Ein legendäres Festival und seine Geschichte (erzählt von denen, die es bezahlt haben), orange-press, Freiburg, 2009 (Neuauflage)
  20. Homepage von Artie Kornfeld; Abbildung von original Woodstock-Eintrittskarten aus dem Vorverkauf
  21. Janine Weber: Woodstock 2012 - ein realistisches Eventkonzept oder reine Illusion?, Diplomica Verlag GmbH, Hamburg, 2012, Seite 26
  22. Sylvia Kekulé: Die Woodstock-Story Allitera Verlag, München, 2009, Seite 200
  23. Nikolaus Pieper:Reden wir über Geld: Michael Lang "Woodstock hat mir eine Million Schulden eingebrockt" Süddeutsche Zeitung, 10. Dezember 2010
  24. Peter Tschmuck:40 Jahre Woodstock – Wirtschaftsdebakel und Mythos Österreichische Gesellschaft für Musikwirtschaftsforschung, August 2009
  25. Sabine Nikolay: Woodstock: Mythos und historische Fakten,Österreichische Gesellschaft für Musikwirtschaftsforschung, 29. September 2009
  26. Michael Evans, Paul Kingsbury: Woodstock: Three Days That Rocked the World. Sterling Publishing, New York, 2009, S. 250/251
  27. Michael Lang: „The Road To Woodstock. From The Man Behind The Legendary Festival“ Ecco/HarperCollins, New York, 2009, Seite 255
  28. Billboard , 19. August 1995, Vorschau in der Google-Buchsuche
  29. Michael Evans, Paul Kingsbury: Woodstock: Three Days That Rocked the World. Sterling Publishing, New York, 2009, S. 250
  30. Joel Rosenman, John Roberts, Robert Pilpel: Making Woodstock: Ein legendäres Festival und seine Geschichte (erzählt von denen, die es bezahlt haben). orange-press, Freiburg 2009 (Neuauflage)
  31. Peter Tschmuck:40 Jahre Woodstock – Wirtschaftsdebakel und Mythos Österreichische Gesellschaft für Musikwirtschaftsforschung, August 2009
  32. Ray Waddell:40 years later, Woodstock a thriving business Reuters, 15. August 2009
  33. Woodstock Line-up
  34. Michael Evans, Paul Kingsbury: Woodstock: Three Days That Rocked the World. Sterling Publishing, New York, 2009, S. 250/251
  35. Kai Wichelmann: Woodstock 1969: Das verdienten die Musiker – Hendrix mit nur 18.000 Dollar vorne Rolling Stone Magazin, 09. März 2015
  36. Die Legende vom ewigen Woodstock, Die Welt, 23. April 2013
  37. [1] Spielplan Woodstock
  38. Woodstock Line-up
  39. Michael Evans, Paul Kingsbury: Woodstock: Three Days That Rocked the World. Sterling Publishing, New York, 2009, S. 250/251
  40. Jörg Gülden: Woodstock: Wunder oder Waterloo? S. 144
  41. The Music Festival Home Page: The Festival. Day Two (Archivversion (Memento vom 23. Oktober 2004 im Internet Archive) aus dem Internet Archive, Zugriff am 28. Juli 2009)
  42. Woodstock Line-up
  43. Michael Evans, Paul Kingsbury: Woodstock: Three Days That Rocked the World. Sterling Publishing, New York, 2009, S. 250/251
  44. Karen Burland,Stephanie Pitts:Coughing and Clapping: Investigating Audience Experience, Routledge, New York, 2016, Seite 152
  45. Alan Posener:Woodstock war ein großer Medienschwindel Die Welt, 15. August 2009
  46. Sabine Nikolay: Woodstock: Mythos und historische Fakten,Österreichische Gesellschaft für Musikwirtschaftsforschung, 29. September 2009
  47. Janine Weber: Woodstock 2012 - ein realistisches Eventkonzept oder reine Illusion?, Diplomica Verlag GmbH, Hamburg, 2012, Seite 25
  48. Altec & JBL gear at Woodstock (1969)- Bill Hanley sound Lansing Heritage, 2012
  49. Challenging Jobs: Woodstock Music & Art Fair in: Electric contractor, August 1976, S. 29-31
  50. Michael Evans, Paul Kingsbury: Woodstock: Three Days That Rocked the World. Sterling Publishing, New York, 2009, S. 225
  51. Alan Posener:Woodstock war ein großer Medienschwindel Die Welt, 15. August 2009
  52. Spencer Bright:Forty far-out facts you never knew about Woodstock (Fakten 35 und 36 Daily Mail, 08. August 2009
  53. Alan Posener:Woodstock war ein großer Medienschwindel Die Welt, 15. August 2009
  54. Buchkritik: Schäfer, Frank: Woodstock ´69, Wiener Zeitung, 28. April 2009
  55. Christian Schachinger:Die letzte Schlamm­packung gegen die böse Welt Der Standard, 13. August 2009]
  56. Homepage von Fred Weintraub, Vize-Präsident von Warner Bros. (1969) Fred Weintraub spricht über Woodstock]
  57. Tobias Rapp: Der Mann mit der Wiese Der Spiegel, 10. August 2009
  58. Jordan Riefe:Bill Graham: 'He was the only one not on drugs The Guardian, 07. Mai 2015
  59. Wolfgang Kraushaar:Sie hatten einen Traum, TAZ - Die Tageszeitung, 17. August 2002
  60. Karl-Heinz Körner: Fehmarn-Festival 1970: Schlammbad mit Jimi Hendrix. spiegel.de, 25. Oktober 2008, abgerufen am 12. März 2016.
  61. Franziska Biederer: „Das Festival wird das deutsche Woodstock“. mittelbayerische.de, 10. März 2012, abgerufen am 12. März 2016.
  62. Woodstock in Wackersdorf - (Musikexpress vom 2. Januar 1987)
  63. ram.org: Woodstock 1994 concert review, Zugriff am 29. August 2009
  64. Michael Hill: Getting Back To the Garden in Bethel (Memento vom 8. Mai 2009 im Internet Archive), Februar 1997, Zugriff am 29. August 2009
  65. veoh.com: Bob Dylan Woodstock '94, Zugriff am 29. August 2009
  66. Katrin Schoelkopf: Woodstock auf dem Tempelhofer Flugfeld, in: Berliner Morgenpost vom 10. Februar 2009, Zugriff am 19. Februar 2009
  67. Holger True: 40 Jahre Woodstock - Denkmäler der Musik für die nächste Generation, abendblatt.de, 8. August 2009, abgerufen am 22. September 2013
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Koordinaten: 41° 42′ 5″ N, 74° 52′ 49″ W