World Discoverer

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World Discoverer
Die World Discoverer vor Salaverry, Oktober 1993
Die World Discoverer vor Salaverry, Oktober 1993
Schiffsdaten
Flagge LiberiaLiberia Liberia
andere Schiffsnamen
  • Bewa Discoverer
Schiffstyp Kreuzfahrtschiff
Rufzeichen ELDU3
Heimathafen Monrovia
Eigner Adventure Cruises
Reederei Discoverer Reederei
Bauwerft Schichau-Unterweser, Bremerhaven
Baunummer 2250
Stapellauf 8. Dezember 1973
Übernahme 19. Oktober 1975
Indienststellung Oktober 1975
Streichung aus dem Schiffsregister 2000
Verbleib Am 30. April 2000 vom Kapitän auf Grund gesetzt, halb gesunken, geplündert
Schiffsmaße und Besatzung
Länge
87,51 m (Lüa)
Breite 15,12 m
Tiefgang max. 4,4 m
Vermessung 3.724 BRZ
 
Besatzung 75
Maschinenanlage
Maschine 2 × Atlas-MaK-Dieselmotor (8M452AK)
Maschinen-
leistung
4.800 PS (3.530 kW)
Dienst-
geschwindigkeit
12,8 kn (24 km/h)
Höchst-
geschwindigkeit
16,5 kn (31 km/h)
Propeller 1 × Verstellpropeller
Transportkapazitäten
Zugelassene Passagierzahl 152
Ausstattung
Bugstrahlruder

400 PS

Sonstiges
Registrier-
nummern
IMO-Nr.

Die World Discoverer war ein 1975 in Dienst gestelltes Kreuzfahrtschiff. Das ursprünglich unter dem Namen Bewa Discoverer gebaute Schiff war eines der ersten, die speziell für Expeditionsreisen gebaut wurden. In ihrer 25 Jahre andauernden Laufbahn wurde die World Discoverer zu einem Vorreiter der Expeditionskreuzfahrt. So beförderte sie ihre Passagiere an Orte, die zuvor noch kein Kreuzfahrtschiff angelaufen hatte. Unter anderem bewältigte die World Discoverer 1985 als erstes Passagierschiff die Nordwestpassage.

Am 30. April 2000 wurde das Schiff vor Honiara (Salomonen) auf Grund gesetzt und kenterte daraufhin, nachdem es auf das zur damaligen Zeit noch unkartierte Mid-Reef auflief. Bergungsversuche scheiterten aufgrund eines zu dieser Zeit auf den Salomonen herrschenden Bürgerkriegs sowie der fortschreitenden Beschädigung des Schiffes.

Das in der Zwischenzeit von den Bewohnern der Insel geplünderte Wrack der World Discoverer liegt bis Heute vor Honiara und ist ein beliebtes Ziel für Touristen der Inselgruppe.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Planung und Bau[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

im Hafen von Toronto, 1975
Die World Discoverer vor Gudhjem im September 1978

Das Schiff wurde in der Werft Schichau-Unterweser in Bremerhaven gebaut und am 8. Dezember 1973 als Bewa Discoverer vom Stapel gelassen.[1] Es wurde jedoch nie unter diesem Namen in Dienst gestellt, sondern stattdessen am 19. Oktober 1975 als World Discoverer seinem Eigner, dem dänischen Reiseanbieter BEWA Cruises übergeben.[1] Es war zum Zeitpunkt seiner Indienststellung zusammen mit der kleineren Lindblad Explorer eines von nur zwei Kreuzfahrtschiffen, die einen eisverstärkten Rumpf besaßen.[2]

Die World Discoverer verfügte über Reserven von Treibstoff, Frischwasser und Verpflegung, durch die das Schiff eine Reichweite von 8.100 Meilen erreichen konnte. Dies ermöglichte auch Reisen zu entlegenen Orten.[3]

Dienstzeit[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im Juli 1976 wurde die World Discoverer nach knapp einem Jahr im Dienst für BEWA Cruises an Adventure Cruises verkauft und fortan in Singapur registriert.[4] Das Schiff wurde neben dem Einsatz auf dem US-amerikanischen Markt für Adventure Cruises auch auf dem europäischen Markt unter der Leitung von Society Expeditions angeboten.

Zu einer skurrilen Kreuzfahrt kam es im März 1980, als die World Discoverer den Atlantik von Montevideo nach Genua überquerte. An Bord befand sich lediglich ein einziger Passagier. Das Nachrichtenmagazin Der Spiegel berichtete in seiner Dezemberausgabe 1980 über diese Reise.[5]

Die World Discoverer besaß bis 1984 einen roten Rumpf, bis sie von Society-Expeditions in Seattle, Washington, USA übernommen wurde. Anschließend wurde das Schiff auf der Jurong-Shipyard in Singapur innen komplett neu ausgestattet und der Rumpf dunkelblau angepönt. Die World Discoverer stand anschließend als sogenannter Yacht-Class-Cruiser für Heritage Cruises in New York in im Einsatz. Zuvor wurde das Schiff den Wünschen von Heritage Cruises entsprechend modernisiert und erhielt eine neue Inneneinrichtung, die der Designer Carleton Varney entwarf. Im Juli 1985 kehrte die World Discoverer wieder in den Dienst für Society Expeditions zurück.[6]

Das Schiff wurde bis zuletzt vom Expeditions-Kreuzfahrtenveranstalter Society Expeditions betrieben, der seinen Sitz von Seattle nach Bremen verlegt hatte. Konzipiert war die World Discoverer als Expeditions-Passagierschiff, das Kreuzfahrtpassagiere an die entlegensten Orte der Erde bringen sollte. Dazu gehörten auch besondere schiffsbautechnische Eigenschaften, die das Vordringen in Polarregionen ermöglichten (Eisklasse A-1). Um Passagiere auch außerhalb von Hafenanlagen an Land bringen zu können, war das Schiff mit zehn Zodiac-Schlauchbooten, zwei Tenderbooten (mit Namen Castor und Pollux) und später auch einem Glasbodenboot ausgerüstet.

Die World Discoverer vor Ua Pou, März 2000

Die World Discoverer war 1985 das erste Passagierschiff, das die Nordwestpassage mit Kreuzfahrtpassagieren an Bord von West nach Ost bewältigte.[7][8] Die Reise unter dem Kommando von Kapitän Heinz Aye dauerte 32 Tage vom Abgangshafen Nome (Alaska) zum Zielhafen Halifax (Nova Scotia)/Kanada. Als eines der ersten Schiffe brachte die World Discoverer Touristen auf die antarktische Halbinsel, nach Südgeorgien, die Südorkneys und in die Arktis. Zusammen mit der Lindblad Explorer leistete sie Pionierarbeit in der Erschließung des Amazonas für Kreuzfahrtpassagiere. Der Amazonas wurde bis nach Iquitos befahren. Zu ihrem Operationsgebiet gehörten die entlegensten Gebiete des Südpazifiks, darunter Inseln wie Pitcairn, Ducie, Henderson (Pitcairninseln), Puka-Puka (Tuamotu-Inseln), Puka Rua, Fatu Hiva, die kaum auf andere Weise erreichbar waren. Nach der Grenzöffnung im Osten wurden auch das russische Polarmeer und vorher für Besucher unerreichbare Gebiete wie Kamtschatka, Sachalin und die Kurilen angefahren.

1987 ging Society Expeditions in den Besitz der Discoverer Reederei über. Während Society Expeditions das Schiff auf dem englischsprachigen Markt anbot, wurden die Reisen für den deutschen Markt durch die Discoverer Reederei durchgeführt.

Neben den üblichen Fahrgästen beförderte die World Discoverer auf Antarktis-Kreuzfahrten regelmäßig auch Forschungsteams zu deren Stationen auf George Island und anderen Zielen, da diese ein eigenes Schiff oftmals nicht finanzieren konnten. Die Mitglieder der Teams zahlten hierbei nur einen kleinen Obolus.[9]

Havarie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die World Discoverer auf Grund in der Roderick Dhu Bay, Juli 2007

Am 30. April 2000 05:00 UTC lief die World Discoverer mit 192 Passagieren und Besatzungsmitgliedern in der Sandfly-Passage nördlich von Honiara (Salomonen) auf das noch unkartierte Mid-Reef auf (Position 9° 0′ 0″ S, 160° 7′ 12″ O) und schlitzte sich die Steuerbordseite auf. Um ein Sinken zu verhindern, setzte der Kapitän das Schiff in der 1,4 sm weiter südlich liegenden Roderick Dhu Bay auf Grund. Personenschaden entstand nicht. Bei der Evakuierung der World Discoverer assistierte die Australian Maritime Safety Authority, eine staatliche Behörde zur Seerettung.[10]

Nach einer Untersuchung des Rumpfes durch Taucher wurde die World Discoverer als Totalschaden abgeschrieben. Dennoch beabsichtigte der Eigner zunächst eine Bergung des Schiffes. Das gestrandete Wrack wurde in der Folgezeit jedoch durch Bewohner der sich im Bürgerkrieg befindenden Salomonen geplündert und hierbei weiter beschädigt. Bereits begonnene Bergungsversuche einer australischen Bergungsfirma wurden daher abgebrochen.[11] Es soll zu keiner Umweltverschmutzung durch austretendes Öl oder andere Kraftstoffe gekommen sein. Jedoch ist nicht bekannt, wie viele Schadstoffe sich noch in der World Discoverer befinden.[12]

Verbleib[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Wrack liegt immer noch mit etwa 38° Schlagseite vor der Insel auf Position 9° 1′ 23,1″ S, 160° 7′ 23,2″ OKoordinaten: 9° 1′ 23,1″ S, 160° 7′ 23,2″ O und ist in der Zwischenzeit ein beliebtes Fotomotiv für Touristen der Inselgruppe geworden.[13]

Nach dem Verlust des Schiffes wurde im Jahre 2002 die ehemalige Dream 21 als neue World Discoverer in Dienst gestellt. Dieses Schiff hieß zwischenzeitlich Prince Albert II und fährt seit 2011 unter dem Namen Silver Explorer. 2004 wurde das Unternehmen Expeditions-Kreuzfahrtenveranstalter Society Expeditions insolvent.

Ausstattung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die World Discoverer konnte 134 Personen in 5 Suiten und 67 Außenkabinen auf 7 Passagierdecks befördern. Das Schiff besaß außerdem ein Kino (das auch als Vortragssaal genutzt werden konnte), drei Lounges, einen Pool am Heck, eine Bücherei, einen Bordshop sowie das Hauptrestaurant Marco Polo.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Laurence Miller: Company Profile Society Expeditions. In: Cruise Travel. Jahrgang 12, Nr. 2. Lakeside Publishing Company, Evanston September 1990, S. 20 bis 23.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: World Discoverer – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Fußnoten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. a b Micke Asklander: M/S WORLD DISCOVERER. In: Fakta om Fartyg. Abgerufen am 2. Mai 2019.
  2. Oliver Schmidt: Whisky on Icebergs für kleine Shackletons. In: Die Presse. 22. April 2016, abgerufen am 2. Mai 2019.
  3. WORLD DISCOVERER Shipwrecked in a remote bay of the Solomon Islands. In: Earl of Cruise. 27. Mai 2017, abgerufen am 8. Mai 2019.
  4. Over the Waves: M/S World Discoverer. In: Original Shipster. 9. Dezember 2014, abgerufen am 6. Mai 2019.
  5. Kreuzfahrten: Pro Woche zwei Kilo. in: Der Spiegel. Jahrgang 1980, Nummer 53, Spiegel-Verlag, Hamburg 29. Dezember 1980.
  6. Pat Neisser: Cruise News. in: Orange Coast Magazine. Jahrgang 12, Nummer 4, Emmis Communications, Indianapolis April 1985, Seite 84.
  7. Hapag-Lloyd Kreuzfahrten GmbH: MS HANSEATIC: Erfolgreiche Durchquerung der legendären Nordwest-Passage. In: Reflektion.info. 5. September 2007, abgerufen am 6. Mai 2019.
  8. Jan Schwochow: Baedeker Weltwissen. Verlag Karl Baedeker, Ostfildern 2014, ISBN 9783829789998, Seite 52.
  9. Laurence Miller: Company Profile Society Expeditions. in: Cruise Travel. Jahrgang 12, Nummer 2, Lakeside Publishing Company, Evanston März 1991, Seite 22.
  10. Michael Strumpf: Das Schicksal der World Discoverer. In: Ruhr-Universität Bochum (Archivversion). Abgerufen am 2. Mai 2019.
  11. Goran Blazeski: This half-sunken shipwreck is both eerie and impressive. In: The Vintage News. 18. Mai 2017, abgerufen am 6. Mai 2019.
  12. John Konrad: The Dead Cruise Ship World Discoverer – Incident Photo of The Week. In: gCaptain. 27. September 2011, abgerufen am 2. Mai 2019.
  13. Shipwrecked: World Discoverer Cruise Ship. In: sometimes-interesting.com. 11. August 2011, abgerufen am 2. Mai 2019.