Wormser Tor

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Wormser Tor, ehem. Feldseite (im Hintergrund die Dreifaltigkeitskirche)
Wormser Tor, Stadtseite
Giebelfeld, Stadtseite
Giebelfeld, ehem. Feldseite
Nächtliche Beleuchtung

Das Wormser Tor ist ein triumphbogenartiges Stadttor, ein Relikt der ehemaligen Befestigung der Stadt Frankenthal, die im heutigen Bundesland Rheinland-Pfalz liegt. Das Tor prägt den nördlichen Eingang zur Innenstadt und der Fußgängerzone. Es erhielt seinen Namen ebenso nach der Freien Reichsstadt Worms wie die Wormser Straße, die von der damaligen Stadtmitte (Marktplatz) durch das Tor auf Worms zuführte.[1] Das Pendant dazu ist das Speyerer Tor am südlichen Eingang zur Innenstadt.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im ausgehenden 16. Jahrhundert gehörte die aufstrebende Gemeinde Frankenthal, die damals etwa 3.000 Einwohner zählte, zur Kurpfalz. 1573 wurde mit dem Bau einer ersten, allerdings noch mangelhaften Stadtmauer begonnen. Nachdem Pfalzgraf Johann Casimir dem Ort im Jahre 1577 die Stadtrechte verliehen hatte, wurde Frankenthal zwischen 1600 und 1608 zur stärksten linksrheinischen Festung der Kurpfalz ausgebaut, die sogleich im Dreißigjährigen Krieg ihre Bewährung zu bestehen hatte. 1621 Belagerung durch die Spanier, 1623–1632 und 1635–1652 spanische Besatzung, dazwischen schwedische Besatzung. Dank des Einsatzes der Frankenthaler Schützen gelang es dreimal (1621, 1622 und 1644), die Befestigungen gegen angreifende Truppen zu verteidigen.

1689, im Pfälzischen Erbfolgekrieg, wurde auf Anordnung des französischen Königs Ludwig XIV. die Festung geschleift und die Stadt niedergebrannt.

Unter Kurfürst Carl Philipp begann man 1718 mit der Errichtung einer einfachen Ringmauer, die jedoch unvollendet blieb. Der Kurfürst Carl Theodor ließ die Befestigung ausbauen und vervollkommnen. Ab 1770 wurden zunächst zwei anspruchsvollere Stadttore errichtet, die eher der Repräsentation als der Befestigung zu dienen hatten. Das Wormser Tor wurde 1770/72 im Barockstil ausgeführt. Die Schauseiten des Tores sind unterschiedlich gestaltet: Die ehemalige Feldseite soll mit dem breiten Giebel und Doppelpilastern betont trutzig wirken; die zur Stadt gerichtete Ansicht gibt sich mit flächigem Reliefschmuck höfisch elegant. Die Giebelfelder enthalten auf der Nordseite das Wappen Carl Theodors, auf der Südseite in einem Löwenfell das Medaillonrelief des Kurfürsten.

Die Stadt wuchs im folgenden Jahrhundert sehr schnell, so dass die Mauern bis 1870 zum größten Teil abgetragen wurden. Laut Ratsherrenbeschluss wollte man 1879 auch das Wormser Tor entfernen, um einen besseren Zugang zur Innenstadt zu erreichen; ein Bürgerentscheid sprach sich jedoch dagegen aus. 16 Ratsherren traten daraufhin zurück, und es wurden nur die Gebäude neben dem Tor abgerissen. Damit konnte es auch seitlich umfahren werden. Im Zweiten Weltkrieg wurden die Tore beschädigt, sie konnten jedoch erhalten und später restauriert werden.

Am Tor wurde 2007 eine feste Illumination installiert.

Gestaltung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Schauseiten des Tores sind unterschiedlich gestaltet: die ehemalige Feldseite soll mit dem breiten Giebel und Doppelpilastern betont trutzig wirken; die zur Stadt gerichtete Ansicht gibt sich mit flächigem Reliefschmuck höfisch elegant. Die Giebelfelder enthalten auf der Nordseite das Wappen Carl Theodors, auf der Südseite in einem Löwenfell das Medaillonrelief des Kurfürsten.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Stadt Frankenthal: Infotafel am Tor.
  • Volker Christmann: Frankenthal. Ein verlorenes Stadtbild. 1. Auflage. Darmstadt 1995.
  • Ulrich Kerkhoff (Bearb.): Kulturdenkmäler in Rheinland-Pfalz. Bd. 6, Frankenthal (Pfalz). Schwann im Patmos Verlag, Düsseldorf 1989, ISBN 3-491-31037-7.
  • Anna Maus: Die Geschichte der Stadt Frankenthal und ihrer Vororte. Eigenverlag, Frankenthal 1970.
  • Wilhelm Winkler: Die Kunstdenkmäler der Pfalz. VIII. Stadt und Landkreis Frankenthal. Erstausgabe Verlag Oldenbourg, München 1939, ISBN 3-422-00559-5 (Unveränderter Nachdruck durch Deutscher Kunstverlag, München und Berlin 1982).
  • Franz Popp: Die Festung Frankenthal. In: 100 Jahre Frankenthaler Altertumsverein 1892-1992. Frankenthal 1992.

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Förderverein für jüdisches Gedenken Frankenthal: 17. bis 19. Jahrhundert. Abgerufen am 10. November 2011 (Stadtplanausschnitt von 1837 mit der Wormser Straße).

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Commons: Wormser Tor – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Koordinaten: 49° 32′ 16,5″ N, 8° 21′ 14″ O