Wort des Jahres (Schweiz)

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Ein eigenes Wort des Jahres wird in der Deutschschweiz seit 2003 gekürt. Zuvor wurde für den gesamten deutschen Sprachraum ein gemeinsames Wort des Jahres gekürt, nachdem dieses aber immer häufiger einen reinen Deutschlandbezug hatte, entschieden sich Österreich 1999 und die Schweiz 2003 zur Kürung eines jeweils eigenen Wort des Jahres. Daneben werden in der Schweiz auch ein Unwort und ein Satz des Jahres gekürt; unregelmässig auch andere markante Ausdrücke. Neben der Wahl für die Deutschschweiz gibt es das Wort des Jahres auch für den rätoromanischen Sprachraum,[1] seit 2016 gibt es eine Gebärde des Jahres.[2] Seit 2017 ermitteln Fachleute der Zürcher Hochschule für Angewandte Wissenschaften zusammen mit Sprachprofis und unter Einbezug von Publikumsvorschlägen das Wort des Jahres (deutsch- und französischsprachige, ab 2018 italienischsprachige, ab 2019 rätoromanische Sprachgemeinschaften).[3]

Deutscher Sprachraum[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Gesamtübersicht[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Jahr Wort des Jahres Unwort des Jahres Satz des Jahres Sonstiges
2003 Konkordanz Scheininvalide «Wählt Blocher, er hat diese Strafe verdient.»
2004 Meh Dräck Ökoterror «Switzerland – zero points.» Pressemitteilung des Jahres: «Gipfeli geklaut – Am Sonntag Morgen, kurz nach 0700 Uhr, musste die Stadtpolizei St.Gallen an den Hauptbahnhof ausrücken. Ein junger Mann entwendete beim Bahnhofkiosk zwei Gipfeli, ohne diese zu bezahlen. Bei der genaueren Überprüfung der Person konnte eine grössere Menge rezeptpflichtige Medikamente sichergestellt werden. Der Mann wird diesbezüglich beim Untersuchungsamt St.Gallen zur Anzeige gebracht.»[4]
2005 Aldisierung erlebnisorientierte Fans «Deutschland – wir kommen!»
2006 Rauchverbot erweiterter Selbstmord «Ich kann das!»
2007 Sterbetourismus Klimakompensation «Das Rütli ist nur eine Wiese mit Kuhdreck.» Mundartwort des Jahres: Pimpen
2008 Rettungspaket Europhorie «Wir müssen nicht nur das Zuckerbrot benutzen, sondern auch die Peitsche.» Abkürzung des Jahres: HarmoS
Neues Wort des Jahres: doodeln
2009 Minarettverbot Ventilklausel «Ich bin nicht gut integriert in der Schweiz – ich bin Schweizer!» Jugendwort des Jahres: Sbeschtewosjehetsgitz
2010 Ausschaffung FIFA-Ethikkommission «Die Schweiz ist eine frustrierende Alpendemokratie.» Jugendwort des Jahres: hobbylos
2011 Euro-Rabatt Technologieverbot «Das Leben ist kein Bonihof.» Jugendwort des Jahres: Mopfer
2012 Shitstorm Bio «Vada a bordo, cazzo!» Jugendwort des Jahres: shaz
2013 Stellwerkstörung systemrelevant «Aff!»
2014 # Dichtestress «Es bleibt unbeständig.» Finanzwort des Jahres: Nullzinspolitik[5]
2015 Einkaufstourist Asylchaos «Eine WM kann man nicht kaufen.» Finanzwort des Jahres: Frankenschock[6]
2016 Filterblase Inländervorrang light «Vielleicht müssen wir die Granaten in Zukunft ohne Logo liefern, damit niemand weiss, woher sie stammen.» Ausdruck (Geste) des Jahres: Dabbing
2017 #metoo[7] 2. Platz: weglachen; 3. Platz: Influencer[8]

Wort des Jahres[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Jahr Wort des Jahres Erklärung
2003 Konkordanz Konkordanzdemokratie als der Versuch, eine möglichst grosse Zahl von Akteuren (Parteien, Verbände, Minderheiten, gesellschaftliche Gruppen) in den politischen Prozess einzubeziehen und Entscheidungen durch Herbeiführung eines Konsenses zu treffen.
2004 Meh Dräck (Mehr Dreck); von dem Castingshow-Jurymitglied Chris von Rohr geprägter Begriff, der damit mehr Echtheit von den Kandidaten forderte.
2005 Aldisierung Definiert als «Die zunehmende Suche auch besser verdienender Konsumenten nach dem günstigsten Angebot in immer mehr Konsumbereichen».
2006 Rauchverbot Initiative zur Einführung eines Rauchverbotes.
2007 Sterbetourismus Verstärktes Auftreten von Menschen, die in die Schweiz reisen, um dort Sterbehilfe zu erhalten; insbesondere bezogen auf den Verein Dignitas.
2008 Rettungspaket Im Zuge der Finanzkrise ab 2007.
2009 Minarettverbot Kontroverse um den Bau von Minaretten und anhängige Volksabstimmung.
2010 Ausschaffung Eidgenössische Volksinitiative «Für die Ausschaffung krimineller Ausländer (Ausschaffungsinitiative)».
2011 Euro-Rabatt Im Zusammenhang mit dem günstigen Kurs des Franken gegenüber dem Euro.
2012 Shitstorm Verdeutlichung der Macht, aber auch der Gefahren sozialer Medien.
2013 Stellwerkstörung Versinnbildlicht das Jahr, das reich an SBB-Pannen und arm an prägenden Ereignissen war, gleichzeitig eine Metapher für ein Land, das nicht recht vom Fleck kommen will.
2014 # Gewählt wurde das Zeichen # (Gartehag, Doppelkreuz), wie es in Sozialen Medien in Kombination mit einem Schlüsselwort als sog. Hashtag oft eingesetzt wird.
2015 Einkaufstourist Die Schweiz wolle Hochpreisinsel bleiben und trotzdem von den günstigen Preisen im Ausland profitieren. Die Aufnahmezentren für die Wirtschaftsflüchtlinge aus der Schweiz seien die Einkaufszentren von Konstanz bis Lörrach.[9]
2016 Filterblase «Paradox: Je vernetzter die Welt, desto isolierter ist das Individuum in seiner Nische von Gleichgesinnten. [...] Diese virtuellen Räume, auch ‹Echokammern› genannt, in denen man stets nur in seinen eigenen Vorlieben und Ansichten bestätigt wird, sind vom Web-User nicht nur selbstgewählt, sondern werden durch Algorithmen verstärkt: Social Media wie Facebook sind so programmiert, dass Gleiche zu Gleichen und Gleichgesinnte zu Gleichgesinnten kommen.»[10]
2017 #metoo «Das Wort wirkt 2017 wie kein zweites. Es zeigt an; es zieht lange Verdrängtes ins Licht, es schliesst soziale Medien und öffentlichen Diskurs kurz. So findet es innert Tagen vom Filmgeschäft in Hollywood in den Alltag hier und jetzt – auch in der Schweiz. Hier ist #metoo das Wort, das sich 2017 viral verbreitet hat.»[11]

Unwort des Jahres[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Seit 2003 wird durch eine private Jury ein Unwort des Jahres bestimmt.

Satz des Jahres[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Jahr Satz des Jahres Erklärung
2003 «Wählt Blocher, er hat diese Strafe verdient.» Kolummnenkommentar im Tages-Anzeiger von Cabaretist Franz Hohler im Vorfeld der Bundesratswahlen 2003 im Bezug auf Politiker Christoph Blocher (SVP).
2004 «Switzerland – zero points.» Nach der Einlage von Piero Esteriore beim Eurovision Song Contest 2004.
2005 «Deutschland – wir kommen!» Erfolgreiche Qualifikation der Schweizer Fussballnationalmannschaft zu Weltmeisterschaft 2006 in Deutschland.
2006 «Ich kann das!» Aussage von Doris Leuthard vor ihrer Wahl zur Bundesrätin.
2007 «Das Rütli ist nur eine Wiese mit Kuhdreck.» Zitat von Ueli Maurer zur Diskussion über die Bundesfeier auf der Rütliwiese.
2008 «Wir müssen nicht nur das Zuckerbrot benutzen, sondern auch die Peitsche.» Der deutsche Finanzminister Peer Steinbrück zum Umgang mit der Schweiz als angebliches Steuerparadies.
2009 «Ich bin nicht gut integriert in der Schweiz – ich bin Schweizer!» Antwort des U-17 Fussball-Weltmeisters Granit Xhaka auf eine Reporterfrage.
2010 «Die Schweiz ist eine frustrierende Alpendemokratie.» Protokolliert 2008 von Peter R. Coneway, US-Botschafter in Bern, in einer internen Depesche, welche 2010 von Wikileaks veröffentlicht worden ist.
2011 «Das Leben ist kein Bonihof.»
2012 «Vada a bordo, cazzo!» (ital., sinngemäss: «Gehen Sie verdammt nochmal zurück an Bord!») Im Zusammenhang mit dem Untergang des Kreuzfahrtschiffes Costa Concordia als Sinnbild für die heutige Haltung, «die Chefs gehen, die Angestellten baden alles aus».
2013 «Aff!» Reaktion des Bundespräsidenten Ueli Maurer auf einen Kameramann, der ihn im Bundeshaus bedrängte.
2014 «Es bleibt unbeständig.» Häufige Aussage der Schweizer Meteorologen zur Prognose des Wetters im sehr wechselhaften und von schlechtem Wetter geprägten Sommer 2014.
2015 «Eine WM kann man nicht kaufen.» Ausspruch im Original von Sepp Blatter: «Einen Weltcup kann man nicht kaufen.» Die Jury habe beeindruckt, mit welchem Trotz Sepp Blatter allen Enthüllungen im Jahr 2015 widerspricht.
2016 «Vielleicht müssen wir die Granaten in Zukunft ohne Logo liefern, damit niemand weiss, woher sie stammen.» Aussage des Aargauer SVP-Nationalrates Andreas Glarner am Vorabend des 1. August in einem Interview mit dem Aargauer Regionalsender Tele M1. Ein «IS»-Attentäter hatte bei einem Terroranschlag in der Türkei Schweizer Granaten eingesetzt, worauf in der Schweiz der Ruf nach einem Verbot von Kriegsmaterialexporten laut wurde.

Weitere Ausdrücke[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Jahr Ausdruck Erklärung
2004 Pressemitteilung des Jahres: «Gipfeli geklaut – Am Sonntag Morgen, kurz nach 07:00 Uhr, musste die Stadtpolizei St. Gallen an den Hauptbahnhof ausrücken. Ein junger Mann entwendete beim Bahnhofkiosk zwei Gipfeli, ohne diese zu bezahlen. Bei der genaueren Überprüfung der Person, konnte eine grössere Menge rezeptpflichtiger Medikamente sichergestellt werden. Der Mann wird diesbezüglich beim Untersuchungsamt St. Gallen zur Anzeige gebracht.»
2007 Mundartwort des Jahres: Pimpen
2008 Abkürzung des Jahres: HarmoS Harmonisierung der obligatorischen Schule
2008 Neues Wort des Jahres: doodeln Vom englischen Wort für «kritzeln»
2009 Jugendwort des Jahres: Sbeschtewosjehetsgitz[12] «S’Beschte wo’s je het’s git’s» (Das Beste, was es je gegeben hat) als Ersatz für «geil» oder «mega»
2010 Jugendwort des Jahres: hobbylos
2011 Jugendwort des Jahres: Mopfer
2012 Jugendwort des Jahres: shaz für «Schatz» ‚geliebter oder liebenswerter Mensch‘
2014 Finanzwort des Jahres: Nullzinspolitik
2015 Finanzwort des Jahres: Frankenschock
2016 Ausdruck / Geste des Jahres: dabbing «Die Geste, sich einen angewinkelten Arm vor die Stirn zu halten und den anderen im selben Winkel auszustrecken, wird zunehmend auch in der Schweiz von jungen Menschen verwendet.[...]» (Aus der Begründung der Jury)[13]

Französischer Sprachraum[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Jahr Französisches Wort des Jahres
(mot romand de l’année)
Erklärung
2017 harcèlement «Belästigung» – Das Wort schliesst verschiedene Arten von Belästigungen ein, zu denen die Öffentlichkeit bisher geschwiegen hat.[14]
2. Platz: congé paternité; 3. Platz: influenceur / influenceuse[15]

Rätoromanischer Sprachraum[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Jahr Rätoromanisches Wort des Jahres Erklärung
2004 «Mesiras da spargn» Rät. für «Sparmassnahmen»
2005 «Porta Alpina» Unterirdische Bahnstation in der Mitte des schweizerischen Gotthard-Basistunnels
2006 «Sessiun» Rät. für Session – war aufgrund der Durchführung der Herbstsession 2006 des Schweizer Parlaments im surselvischen Sprachgebiet (Flims) in aller Munde
2007
2008
2009
2010
2011 «Tgutglar» Rät. für «herumalbern»
2012
2013
2014 «Chillvosa» Die Verschmelzung der Worte «chillen» und «Gervosa» (rät. für «Bier»)
2015 «Schischuri» Steht für das alltägliche Wirrwarr, das auf dieser Welt regiert.[16]

Deutschschweizer Gebärdensprache[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Seit 2016 kürt der Schweizerische Gehörlosenbund für die Deutschschweizer Gebärdensprache eine Gebärde des Jahres.

Jahr Gebärde Erklärung
2016 Donald Trump Setzte sich gegen «vegan», «Netflix», «Ausschaffungshaft» und «Guy Parmelin» durch. Ausschlaggebend war die einfache Gebärde, das sich auf die «trumpsche Haarpracht» bezieht.[17][2]
2017 Roger Federer Auf Grund seines Comebacks erlebte die Gebärde «Roger Federer» ebenfalls ein Comeback.[18]

Siehe auch[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Manuela Nyffenegger: Schweizer Wort des Jahres: «Meh Dräck» – künftig wissenschaftlich fundiert In: Neue Zürcher Zeitung vom 9. Januar 2017
  2. a b Hannoversche Allgemeine: „Gebärde des Jahres“: Donald Trump, abgerufen 16. Dezember 2016, abgerufen am 6. Dezember 2017
  3. Wort des Jahres Schweiz – Ihre Stimme ist gefragt | ZHAW Angewandte Linguistik. Abgerufen am 29. Juli 2017 (deutsch).
  4. Pressemitteilung auf der Website der Stadt St. Gallen
  5. NZZ online, 1. Dezember 2014
  6. NZZ online, 30. November 2015
  7. #metoo ist das Deutschschweizer Wort des Jahres auf srf.ch, abgerufen am 8. Dez. 2017
  8. Wort des Jahres Schweiz | ZHAW Angewandte Linguistik. Abgerufen am 14. Februar 2018 (deutsch).
  9. SRF 3, 2. Dezember 2015.
  10. watson@1@2Vorlage:Toter Link/www.watson.ch (Seite nicht mehr abrufbar, Suche in Webarchiveni Info: Der Link wurde automatisch als defekt markiert. Bitte prüfe den Link gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis., 7. Dezember 2016.
  11. Wort des Jahres Schweiz auf zhaw.ch Angewandte Linguistik, abgerufen am 9. Dezember 2017.
  12. «S’beschte wo’s je hets gits», NZZ, 16. Juni 2009.
  13. Radio SRF 3: Schweizer Wort des Jahres 2016 ist Filterblase
  14. Zusammenfassung der Begründung in französischer Sprache unter: Wort des Jahres Schweiz auf zhaw.ch Angewandte Linguistik, abgerufen am 9. Dezember 2017.
  15. Wort des Jahres Schweiz | ZHAW Angewandte Linguistik. Abgerufen am 14. Februar 2018 (deutsch).
  16. RTR Radiotelevisium Svizra Rumantscha: Medienmitteilung zum rätoromanischen Wort des Jahres 2015 (PDF)
  17. SGB-FSS: «Donald Trump» ist Gebärde des Jahres!, abgerufen am 6. Dezember 2017
  18. SGB-FSS: «Roger Federer» ist Gebärde des Jahres, abgerufen am 6. Dezember 2017