Września

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Września
Wappen von Września
Września (Polen)
Września
Września
Basisdaten
Staat: Polen
Woiwodschaft: Großpolen
Powiat: Września
Fläche: 12,73 km²
Geographische Lage: 52° 19′ N, 17° 34′ OKoordinaten: 52° 19′ 0″ N, 17° 34′ 0″ O
Einwohner: 29.833
(30. Jun. 2015)[1]
Postleitzahl: 62-300
Telefonvorwahl: (+48) 61
Kfz-Kennzeichen: PWR
Wirtschaft und Verkehr
Straße: A2 WarschauPosen
Schienenweg: Warschau–Posen
Nächster int. Flughafen: Posen-Ławica
Gmina
Gminatyp: Stadt- und Landgemeinde
Fläche: 221,84 km²
Einwohner: 45.908
(30. Jun. 2015)[1]
Bevölkerungsdichte: 207 Einw./km²
Gemeindenummer (GUS): 3030053
Verwaltung (Stand: 2015)
Bürgermeister: Tomasz Kałużny[2]
Adresse: ul. Ratuszowa 1
62-300 Września
Webpräsenz: www.wrzesnia.pl



Września (deutsch Wreschen) ist eine Stadt in Polen in der Wojewodschaft Großpolen etwa 50 km östlich von Posen.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Wreschen östlich der Stadt Posen auf einer Landkarte der Provinz Posen von 1905 (gelb markierte Flächen kennzeichnen Gebiete mit seinerzeit mehrheitlich polnischsprachiger Bevölkerung).
Rathaus

Der Name der Stadt stammt von einem Heidekraut, das in der Gegend verbreitet war. Vermutlich wurde zunächst der Fluss Wrześnica so genannt und später nach dem Fluss auch der Ort.

Mittelalter[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Besitzer der Gegend war ab dem 10. Jahrhundert bis in die erste Hälfte des 16. Jahrhunderts die Familie Poraje. Die erste urkundliche Erwähnung einer Siedlung an der Stelle des heutigen Września, damals Vresc, stammt aus dem Jahr 1256. Im 13. Jahrhundert änderte sich die Wirtschaftsstruktur des Ortes und der Handel wurde wichtig. Die Stadt befand sich auf dem Weg von Gnesen nach Pyzdry und war nicht von einer Stadtmauer umgeben.

1317 wurde der Ort Wressna und 1364 Wresna genannt. Erstmals als Stadt erwähnt wurde er 1357 in einem Brief eines Krakauer Bischofs. Das Stadtrecht wurde also offenbar schon früher vergeben. 1449 wurde der Ort Wreszna genannt, 1527 Wresnija und nur drei Jahre später Wrzesznya.

Bei dem Krieg gegen die Schweden wurde der Ort 1664 (andere Quellen nennen 1656) niedergebrannt. Dabei sind vermutlich die Dokumente über die Vergabe des Stadtrechtes verloren gegangen. 1671 wurde das Stadtrecht bestätigt, der Ort erhielt das Recht einen Markt abzuhalten und regelmäßig einen Jahrmarkt zu veranstalten. Gleichzeitig war der Ort Sitz einer königlichen Zoll-Stelle.

Die Einwohner des Ortes waren überwiegend Polen, ab Mitte des 17. Jahrhunderts begannen Deutsche, sich anzusiedeln. In dieser Zeit entstand die evangelische Gemeinde, die 1778 von Adam Poniński Grund für eine Kirche und einen Friedhof erhielt. Ein Jahr später wurde eine evangelische Schule eröffnet. Die dritte Religionsgemeinschaft war die der Juden, welche eine Synagoge und einen Friedhof besaßen.

19. Jahrhundert[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Palast

Nach der Zweiten Teilung Polens 1793 gehörte die Stadt zu Preußen. Von 1807 bis 1815 war sie Teil des Großherzogtums Warschau. Wreschen wurde 1818 Sitz des neu gebildeten Landkreises Wreschen in der Provinz Posen.

Die Stadt war weiterhin in Privatbesitz, Besitzer waren die Poniński (Adelsgeschlecht). Erst 1833 wurde die Szlachta entmachtet und die Stadt begann 1841 ihre Selbstverwaltung.

1837 brannte die hölzerne Synagoge ab, sie wurde 1875 durch eine neue, gemauerte ersetzt. Ein Landratsamt, ein Amtsgericht sowie ein Kreislazarett wurden errichtet.

Bahnhof

Ab dem 19. Jahrhundert belebte sich die Wirtschaft in Wreschen deutlich. 1875 erfolgte der Anschluss an das Schienennetz. Der Bahnhof lag an den Linien Jarotschin-Gnesen, Wreschen-Strzalkowo und Glowno-Wreschen der Preußischen Staatsbahn. Es entstanden unter anderem eine Fabrik für Landwirtschaftsmaschinen, eine Zuckerfabrik und ein Kraftwerk. Des Weiteren gab es im Ort ein Warendepot der Reichsbank, einen Vorschussverein, eine Ölmühle, Dampfmahlmühlen und Getreidehandel.

1905 lebten etwa 7000 Menschen in der Stadt. 65,4 % waren Polen, 28,9 % Deutsche und 5,5 % Juden.

Der Schulstreik in Wreschen 1901[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Großes Aufsehen erregte 1901 der Wreschener Schulstreik der Kinder gegen den Schulunterricht in deutscher Sprache. In den Anfangszeiten der preußischen Herrschaft war der Schulunterricht noch weitgehend in polnischer Sprache erfolgt, Deutsch wurde als Fremdsprache gelehrt. Die preußische Verwaltung hatte sich insgesamt erhebliche Verdienste bei der Hebung des allgemeinen Bildungsniveaus erworben. So lag nach der Wiedergründung des polnischen Staates nach dem Ersten Weltkrieg der Prozentsatz der Analphabeten in den ehemals preußischen Gebieten nahe bei Null, während er in den ehemals russischen Teilen Polens bis zu 30 % erreichte.

Vor allem unter dem Druck nationalistischer Interessengruppen, insbesondere des sogenannten Ostmarkenvereins, hatte die preußische Regierung jedoch ihre Politik gegenüber der polnischen Minderheit im Lande zunehmend verschärft, und die deutsche Sprache wurde zur verbindlichen Schulsprache, zuletzt im katholischen Religionsunterricht, was zu heftigen Protesten und zu Auseinandersetzungen zwischen Eltern und Lehrpersonal führte. Von Wreschen ausgehend kam es zu einem wochenlangen Schulstreik polnischsprachiger Schüler, die damit gegen die Maßnahmen der preußischen Regierung protestierten. Der Streik, der sich auf benachbarte Orte ausbreitete und zu Verhaftungen führte, endete erst Ostern 1904.

Von der großen Mehrheit der Parteien im Reichstag wurde das Agieren der preußischen Regierung scharf kritisiert und als Bankrotterklärung deutsch-preußischer Kulturpolitik angesehen.

20. Jahrhundert[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im Jahr 1912 wurde eine Kanalisation in der Stadt gelegt.

Am 28. Dezember 1918 kam es in Wreschen zu Unruhen gegen die Deutschen. Am 10. Januar 1920 wurde die Stadt Teil des wiedererrichteten Staates Polen, sie blieb weiterhin Kreisstadt. Nach dem Ersten Weltkrieg wuchs die Stadt weiter; viele Häuser wurden errichtet, die Gleisanbindung wurde erweitert, ein Stadion gebaut und vieles mehr.

Am 10. September 1939 wurde die Stadt im Rahmen des Überfalls auf Polen von deutschen Truppen besetzt. Der Ort wurde offiziell Teil des Reichsgaus Posen und nach dessen Umbenennung 1940 Teil des Warthegaus. Ebenfalls 1940 wurde die Synagoge von den Nationalsozialisten gesprengt. Während des Krieges wurde ein Kriegsgefangenenlager für französische Soldaten errichtet. Von April 1941 bis Ende 1943 wurde ein Zwangsarbeitslager für Juden betrieben.[3] Darüber hinaus wurden Zwangsumsiedlungen polnischer Einwohner vorgenommen. Die Rote Armee erreichte den Ort am 22. Januar 1945, damit endete die deutsche Besatzung.

Nach dem Krieg erlebte die Stadt einen wirtschaftlichen Aufschwung. Zahlreiche Industriebetriebe wurden errichtet; einer der größten Arbeitgeber war die auch in westliche Länder exportierende Lautsprecherfabrik Tonsil.

1975 verlor die Stadt ihren Sitz als Powiat, erlangte diesen aber bei einer erneuten Verwaltungsreform 1999 wieder.

Im Zuge der politischen Veränderungen in Polen seit 1989 und dem Übergang von der Planwirtschaft zur Marktwirtschaft wurden viele Betriebe, darunter auch die Tonsil-Fabrik, geschlossen und rund ein Drittel der Einwohner wurde arbeitslos.

Gegen Ende der 1990er-Jahre gelang es durch die Einrichtung einer Sonderwirtschaftszone, wieder Unternehmen am Ort anzusiedeln. 2016 entstand auf einem 220 ha großen Gelände am Stadtrand ein neues Werk der Volkswagen AG. Dort wird das Nachfolgemodell des VW Crafter gefertigt. Die Fabrik soll bei einer jährlichen Produktion von 85.000 Fahrzeugen bis zu 3.000 Mitarbeiter beschäftigen.[4]

Politik[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Wappen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Wappen entstand aus dem Wappen der ersten Besitzer des Ortes, der Familie Poraje. Es ist eine fünfblättrige Blüte auf rotem Hintergrund. Das Wappen veränderte sich im Lauf der Geschichte kaum. Das erste Dokument, welches das Wappen des Ortes trägt, stammt aus dem Jahr 1564. Es enthält Informationen über die Steuerabgaben der Stadt und wurde von Józef Gołąbk unterzeichnet.

Städtepartnerschaften[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Gemeinde Września[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In der Gemeinde Września leben 46.000 Menschen. Zu ihr gehören die Ortschaften:

Name deutscher Name
(1815–1918)
deutscher Name
(1939–1945)
Bardo Bardo Bardenhofen
Białężyce Bialenzyce Gut Bilsenau
Bierzglin Bierzglin
1906–1918 Bierschlin
Raymannsruh
Bierzglinek Bierzglinek Burgdorf
Broniszewo Broniszewo Bronhofen
Chocicza Mała Klein Chocicza
1906–1918 Klein Gottschütz
Klein Gottschütz
Chocicza Wielka Groß Chocicza
1906–1918 Groß Gottschütz
Groß Gottschütz
Chociczka Chocicza Feldhofen
Chwalibogowo Chwalibogowo 1939–1943 Lobau
1943–1945 Dietrichsfelde
Czachrowo Zawodzie Hufen  ?
Dębina Eichwald Eichwald
Gonice Neuhausen Neuhausen
Goniczki Goniczki
1906–1918 Jagenau
Jagenau
Gozdowo – Gut Gozdowo
1906–1918 Gut Gosdau
– Gozdowo
– Gut Gosdau
– Gosdau
Gozdowo-Młyn Gozdowo Mühle  ?
Grzybowo Gut Grzybowo Chrzanowice
1906–1918 Gut Grzybowo
Gut Grünhof
Grzybowo-Chrzanowice Grzybowo Chrzanowice
1906–1918 Grünhof
Grünhof
Grzybowo-Rabieżyce Gut Grzybowo Rabierzyce Pilzhof
Grzymysławice Grzymyslawice Grimslau
Gulczewko Gulczewko Guldenhof
Gulczewo Gulczewo Gülz
Gutowo Małe – Gut Klein Gutowy
1906–1918 Neu Scheda
– Klein Gutowy
– Neu Scheda
– Neuscheidt
Gutowo Wielkie – Gut Groß Gutowy
1906–1918 Guthof
– Groß Gutowy
1906-18 Klein Scheda
– Guthof
– Klein Scheda
Kaczanowo Kaczanowo Entenau
Kawęczyn Kawenczyn Rübenau
Kleparz Kleparz Kleppel
Marzelewo Marzelewo, Oberförsterei  ?
Marzenin Marzenin Märzen
Nadarzyce Nadarczyce Schönhausen
Neryngowo Nehringswalde Nehringswalde
Noskowo Noskowo Nassau
Nowa Wieś Królewska Königlich Neudorf 1939–1943 Königlich Neudorf
1943–1945 Königsneudorf
Nowy Folwark Neuvorwerk Neuvorwerk
Obłaczkowo Oblaczkowo
1906–1918 Oblatschkowo
1939–1943 Runddorf
1943–1945 Kringeln
Osowo Osowo  ?
Ostrowo Szlacheckie Adlig Ostrowo Adelshof
Otoczna Otoczno Breitenlehm
Podwęgierki Wilhelmsau Wilhelmsau
Przyborki Vorwerk Przyborki  ?
Psary Małe Klein Psary Hauland
18??–1918 Waldhorst
Waldhorst
Psary Polskie Polnisch Psary Feldkamp
Psary Wielkie Groß Psary Hauland
1913–1918 Buschwald
Feldkamp Abbau
Radomice Radomice Buchenheim
Sędziwojewo Sendschau Sendschau
Słomówko Slomowko  ?
Słomowo Slomowo Korndorf
Sobiesiernie Neu Teklenburg Neu Teklenburg
Sokołówko Vorwerk Sokolowko  ?
Sokołowo Sokolowo 1939–1943 Adlerhorst
1943–1945 Falkenhorst
Sołeczno Soleczno Salzwerder
Stanisławowo Stanislawowo Stanau
Strzyżewo Strzyzewo Czerniejewo
1906–1918 Karlsruh
Karlsruh
Węgierki-Podwęgierki Wengierki Wilhelmsau
Wódki Wudki Löwental
Zawodzie Zawodzie Waltershöhe
Żerniki Zerniki Tigertal

Verkehr[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im Bahnhof Września kreuzt sich die Bahnstrecke Warszawa–Poznań (weitere Halte in Gutowo Wielkie und Otoczna) mit der Bahnstrecke Oleśnica–Chojnice (weitere, stillgelegte Bahnhöfe in Chwalibogowo und Marzenin), auf der allerdings kein Personenverkehr mehr betrieben wird.

Persönlichkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Heinrich Wuttke: Städtebuch des Landes Posen. Codex diplomaticus: Allgemeine Geschichte der Städte im Lande Posen. Geschichtliche Nachrichten von 149 einzelnen Städten. Leipzig 1864, S. 469–470.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Września – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. a b Population. Size and Structure by Territorial Division. As of June 30, 2015. Główny Urząd Statystyczny (GUS) (ZIP-Ordner mit XLS-Dateien; 7,82 MiB), abgerufen am 28. Mai 2016.
  2. Website der Stadt, Burmistrz Miasta i Gminy Września, abgerufen am 3. März 2015
  3. Zwangsarbeitslager für Juden Wreschen Bundesarchiv 2010. Abgerufen am 17. April 2016.
  4. Volkswagen nimmt Crafter-Werk in Polen in Betrieb Automobil-Produktion vom 24. Oktober 2016. Abgerufen am 12. November 2016.