Wulmeringhausen

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51.3138888888898.4891666666667386Koordinaten: 51° 18′ 50″ N, 8° 29′ 21″ O

Wulmeringhausen
Stadt Olsberg
Höhe: 386 m
Einwohner: 430 (30. Dez. 2013)
Eingemeindung: 1. Januar 1975
Postleitzahl: 59939
Vorwahl: 02962
Karte

Wulmeringhausen

Wulmeringhausen ist ein Ortsteil der Stadt Olsberg im Hochsauerlandkreis. Zum 30. Dezember 2013 hatte Wulmeringhausen 430 Einwohner.[1]

Geografie[Bearbeiten]

Geografische Lage[Bearbeiten]

Wulmeringhausen liegt am Eingang des Negertales, sechs Kilometer südlich von Olsberg an der L 742 Richtung Winterberg. Das Negertal verläuft parallel zum Ruhrtal und stellt die Nebenstrecke nach Winterberg zur Verfügung. Die Tallage ist geprägt durch die Neger. Nordwestlich begrenzen der Ohlenberg (729 m) und die Wiedegge (732 m), nordöstlich der Hillerk (463 m), westlich der Overlackersberg (653 m), südwestlich der Wolkenberg (617 m) und südöstlich der Papenbusch (492 m) den Ort. In der Tallage ist der Ort 350 m über NN.

Nachbargemeinden[Bearbeiten]

Wulmeringhausen ist ein Ortsteil der Stadt Olsberg. 2 km östlich liegt Assinghausen, 5 km südlich Brunskappel. Über den Papenbusch erreicht man Wiemeringhausen, das etwa 6 km südöstlich liegt. Zu den Nachbargemeinden zählen noch Bigge, Gevelinghausen und Elpe.

Geschichte[Bearbeiten]

Das Dorf wurde um das Jahr 1312 erstmals urkundlich erwähnt. [2] Um 1570 sind die St.-Johann-Gruben bei Wulmeringhausen beurkundet. In Wulmeringhausen wurde seit dieser Zeit Blei und Zink abgebaut. Im 17. Jahrhundert haben Italiener die „Grube Gottesgabe“ angelegt. Südlich des Ortes entstand eine Hammerwäsche. Noch heute ist der Ort geprägt von seiner Bergbaugeschichte. So finden sich überall Abraumhalden und Stollenmundlöcher. Der Bergbau wurde bis etwa 1900 betrieben. Wulmeringhausen zahlte für den wirtschaftlichen Erfolg einen hohen Preis. So wurde der Ort zu dieser Zeit zu einem Witwendorf; die in der Grube beschäftigten Männer wurden im Schnitt nur 35 Jahre alt. In seiner Blütezeit wurden Stollen bis 165 m unter die Talsohle getrieben. Dieser Teil der Heimatgeschichte ist durch die Bewohner aufgearbeitet und dokumentiert worden.

Am Eingang zum Bergwerkspfad „Grube Gottesgabe“ befindet sich eine Lore mit geschichtlichen Daten. Darüber hinaus wurde im Ort ein Heimatmuseum eingerichtet, in dem man sich mit Originalkarten und vielen Exponaten einen guten Überblick über die Geschichte des Bergbaus in Wulmeringhausen machen kann. Interessant dabei ist der wiederentdeckte Bergmannspfad. Mit der Schließung der Gruben in Wulmeringhausen sind viele Bergarbeiter in die noch im Betrieb befindlichen Gruben nach Ramsbeck gegangen, um dort zu arbeiten. Auf dem täglichen Weg zur Arbeit haben sie im Elpetal in Buchen einen Kreuzweg geritzt. Der bis zur kommunalen Neugliederung eigenständige Ort ist Ortsteil von Olsberg.

Im Zweiten Weltkrieg fielen 30 Männer aus dem Dorf als Soldaten, davon die meisten an der Ostfront.[3]

In der Nacht vom 24. auf den 25. Juni 1940 gab es erstmals Fliegeralarm im Dorf, als drei britische Flugzeuge Wulmeringhausen überflogen.[4] Am Abend des 10. 1942 warf ein Flugzeug acht Brandbomben in den Wald, da er im Dorf ein erleuchtetes Fenster sah. Am 6. Oktober 1944 scherten aus einem Bomberverband etwa zehn Bomber aus und warfen ungefähr 21 Bomben. Die einzige Bombe die mitten ins Dorf fiel war ein Blindgänger. Der Rest fiel in der Umgebung. Eine Kuh musste notgeschlachtet werden. Ein Mann wurde bei der Kartoffelernte von Erde verschüttet und blieb sonst unverletzt. Der Blindgänger wurde gesprengt. Vier alte Berkwerksstollen wurden zum Luftschutz hergerichtet. Bis zum 24. März 1945 gab es noch weitere Luftangriffe. An den Straßen wurden Deckungslöcher für Fußgänger gegraben. Ab Januar 1945 lagen immer wieder Soldaten der Wehrmacht, darunter sogar lettische Freiwillige, im Dorf. Im März durchzogen Fremdarbeiter, scheinbar überwiegend aus Frankreich und der Sowjetunion, teil mit Karren und Handwagen, das Dorf. Am 24. März griffen Tiefflieger viermal einen LKW mit Anhänger im Dorf mit Bordwaffen an. Eine Richtung Olsberg fliehende Artillerie-Abteilung durchzog am 2. April den Ort. Aus Richtung Altbüren und Süden war Artilleriefeuer zu hören. Am Morgen des 5. April sollte der Volkssturm aus dem Dorf antreten um Stellungen zu bauen, es erschien aber keiner mehr um das Kommando zu übernehmen. Der Geschützfeuer wurde heftiger und die Bevölkerung floh in die Stollen. Um 18:30 Uhr wurden von US-Panzern zwei Salven mit je sechs Granaten aus Richtung Wiemeringhausen ins Dorf geschossen. Nur Fensterscheiben zersprangen. Am Abend wurde das Dorf kampflos besetzt. Der Dachstuhl eines Hauses geriet während des Einmarsches in Brand. Das Feuer konnte schnell gelöscht werden. Am 7. und 8. März schossen im und beim Dorf liegende US-Geschütze rund 1400 Granten Richtung Westen.

Am 1. Januar 1975 wurde Wulmeringhausen nach Olsberg eingemeindet.[5]

Die Haupterwerbszweige sind Tourismus, kleine und mittelständische Betriebe und Landwirtschaft.

Politik[Bearbeiten]

Ratsmitglieder[Bearbeiten]

Im Rat der Stadt Olsberg wird der Ort vertreten durch:

  • Waltraud Wienand (CDU)
  • Alfred Metten (SPD)

Ortsvorsteher[Bearbeiten]

Ortsvorsteher des Ortes ist Elmar Hanfland (SPD).

Kultur und Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten]

Die Vereine des Dorfes prägen das Zusammenleben im Ort. Alte Fachwerkhäuser, die Gebirgslandschaft, Naturdenkmäler und Sehenswürdigkeiten prägen den Ort nach außen.

Heimatmuseum[Bearbeiten]

Im Dorfgemeinschaftshaus wurde eine ehemalige Wohnung zum Heimatmuseum Wulmeringhausen umgebaut. Dort befinden sich ein Vereins- und Schulzimmer, ein Raum mit Gussbildern, ein Handwerkerzimmer, ein Raum mit Karten und Exponaten zur Bergbaugeschichte und ein Raum, der der Land- und Forstwirtschaft gewidmet ist.

Besucherbergwerk[Bearbeiten]

Unmittelbar hinter dem Gemeindehaus befindet sich die Grube Gottesgabe IV, die im Ort „Schulstollen“ genannt wird. Es handelt sich um einen etwa 100 m langen Stollen, der um 1904 angelegt wurde. Durch die Dorfgemeinschaft wird dort derzeit ein Besucherstollen angelegt.

Bauwerke[Bearbeiten]

  • Freizeitanlage: An der Buke
  • Haus Schiefens
  • Steigerhaus
  • Dorfgemeinschaftshaus
  • St. Nikolaus
  • Marienkapelle

Naturdenkmäler[Bearbeiten]

  • Knickschieferung
  • Linde
  • Sekundärbiotop

Vereine[Bearbeiten]

Wulmeringhausen ist ein typisches sauerländisches Dorf. Es ist stark von seinen Vereinen geprägt, die das Dorfleben entscheidend gestalten. Folgende Verein sind im Dorf ansässig:

  • Musikverein 1898 Wulmeringhausen e. V.
  • Caritasverband Wulmeringhausen
  • Freiwillige Feuerwehr Wulmeringhausen
  • Förderverein Wulmeringhausen e. V.
  • Jugendgruppe Wulmeringhausen
  • Katholische Frauengemeinschaft (KDF) Sankt Nikolaus Wulmeringhausen
  • Kirchengemeinde / Pfarrvikariegemeinde St. Nikolaus Wulmeringhausen
  • St. Nikolaus Schützenbruderschaft Wulmeringhausen
  • TV "Sauerlandia 08"

Sonstiges[Bearbeiten]

Wulmeringhausen ist seit Jahren aktiv im Wettbewerb Unser Dorf soll schöner werden. Seit 2006 ist das Dorf „Golddorf“ von NRW im Wettbewerb „Unser Dorf hat Zukunft“.

Literatur[Bearbeiten]

  • Hugo Cramer: Der Landkreis Brilon im zweiten Weltkriege 1939-1945 - Erlebnisberichte vieler Mitarbeiter aus dem ganzen Kreisgebiet. Josefs-Druckerei, Bigge 1955.

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Wulmeringhausen – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Stadt Olsberg: Zahlen und Fakten, abgerufen am 29. Dezember 2014
  2. http://www.wulmeringhausen.de/
  3. Hugo Cramer: Der Landkreis Brilon im zweiten Weltkriege 1939-1945. 1955, Ehrentafel Abschnitt Wulmeringhausen, S. 202.
  4. Hugo Cramer: Der Landkreis Brilon im zweiten Weltkriege 1939-1945. 1955, Abschnitt Wulmeringhausen , S.  142-146.
  5.  Statistisches Bundesamt (Hrsg.): Historisches Gemeindeverzeichnis für die Bundesrepublik Deutschland. Namens-, Grenz- u. Schlüsselnummernänderungen bei Gemeinden, Kreisen u. Reg.-Bez. vom 27.5.1970 bis 31.12.1982. Kohlhammer, Stuttgart/Mainz 1983, ISBN 3-17-003263-1, S. 332.