Wunderkerze

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Brennende Wunderkerze
Wunderkerze mit Hand
Wunderkerzen in Buchstabenform

Eine Wunderkerze (Synonyme: Sternchenfeuer, Sprühkerze, Spritzkerze, Sternspritzer, Sternwerfer, Sternspucker, Sternsprüher, Sternensprüher, Sternenspritzer, Spautzemännchen, Sternschneuzer, Sternlespeier, Sterndrachetle; engl.: sparkler, electric sparkler) ist ein Funken sprühender, meist stabförmiger Feuerwerkskörper, der in der Hand gehalten werden kann.

Aufbau[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Eine Wunderkerze besteht aus einem verkupferten Stahldraht, auf dem eine ca. 4 mm dicke Brennschicht aufgetragen ist. Die Brennschicht besteht zu ca. 50 % aus dem Oxidationsmittel Bariumnitrat, zu ca. 30 % aus Eisenpulver, zu ca. 10 % aus Aluminiumpulver und zu ca. 10 % aus Bindemittel.[1] Als Bindemittel werden Dextrin, Mehl oder Kartoffelstärke verwendet. Die Korngröße des Metallpulvers ist für das charakteristische Funkensprühen entscheidend. Die Wahl des Metallpulvers entscheidet über die Farbe der Funken. Aluminium, Titan oder Magnesium erzeugen weiße, Eisen orangene und Ferrotitan gelb-goldene Funken.[2]

Gebräuchliche Längen von Wunderkerzen sind 30, 40 und 70 cm sowie „Riesenwunderkerzen“ mit einer Länge von 1 m.

Reaktion[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die für Wunderkerzen typischen Funken entstehen, wenn die winzigen Eisenkörnchen mit Sauerstoff verbrennen. Zusätzlich werden einige Metallkörner durch die bei der Verbrennung der Stärke ( und) sowie bei der Zersetzung des Bariumnitrats () entstehenden Gase von der Wunderkerze weggeschleudert. Die Verbrennung läuft nach folgenden Reaktionen ab.

Die chemische Reaktion in einer Wunderkerze erzeugt Temperaturen bis 1100 °C.[3] Die bei der Abbrennreaktion entstehenden Gase enthalten Anteile von giftigem Kohlenmonoxid und Stickoxiden.

Wunderkerzen brennen auch in Inertgasatmosphären oder als Bündel unter Wasser.[4]

Herstellung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Aus dem Oxidationsmittel, den Metallpulvern und dem Bindemittel wird zusammen mit Wasser eine teigige Brennmasse hergestellt. Diese wird die auf Metallstäbe aufgebracht und anschließend getrocknet.[5]

Verwendung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Wunderkerzen eignen sich auch zu spektakulären Präsentationen beim Servieren von Speisen. Die Fernsehserie "Das Traumschiff" bedient sich oft am Filmschluss dieses Effekts.

Wunderkerzen können praktisch nicht ausgeblasen werden, sie eignen sich deshalb zum Beispiel zur Visualisierung der Flugbahnen von Bumerangs.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Geschichte der Erfindung der Wunderkerze ist nicht aufgeklärt. Nach einigen Quellen, z.B. BBC e-cyclopedia, wurden Wunderkerzen von Callinicos von Heliopolis etwa 670 v. Chr. erfunden. Er war Architekt und nannte seine Erfindung ‘Cherosiphon’, die eher wie eine kleine römische Fackel waren. Das älteste bisher aufgefundene Patent ist AT000000035606B, „Verfahren zur Herstellung eines funkensprühenden Leuchtstabes“, Franz Jacob Welter, Vereinigte Wunderkerzen-Fabriken Gesellschaft mit beschränkter Haftung, Hamburg, 1907.[6]

Die Produktion von Wunderkerzen war zunächst die einzige Grundlage der bekannten deutschen Feuerwerkskörperfabrik WECO Pyrotechnische Fabrik GmbH.

Juristische Einstufung in Deutschland[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bei Wunderkerzen bis zu einer Länge von 30 cm handelt es sich um Feuerwerkskörper der Klasse I (sogenanntes Kleinstfeuerwerk), welche das ganze Jahr über abgegeben werden dürfen und zwar auch an Personen unter 18 Jahren. Die europäische Norm EN 71 „Sicherheit von Spielzeug“ verbietet die Abgabe an Kinder unter 3 Jahren.[7]

Die Wunderkerzen mit einer Länge von 40 cm (Brenndauer ca. 2 Minuten) und 70 cm (Brenndauer ca. 3,5 Minuten) gehören zu den Feuerwerkskörpern der Klasse T1, die ebenfalls ganzjährig abgegeben und verwendet werden dürfen, allerdings nur an und von Personen über 18 Jahren und nur für technische Zwecke entsprechend den Gebrauchshinweisen.

Bei den Riesenwunderkerzen mit einer Länge von 1 m (Brenndauer ca. 5 Minuten) handelt es sich um Feuerwerkskörper der Klasse II (sogenanntes Kleinfeuerwerk), die grundsätzlich nur in der Zeit vom 29. bis 31. Dezember an Personen über 18 Jahren abgegeben und nur am 31. Dezember / 1. Januar (Silvester) verwendet werden dürfen. Für eine Verwendung außerhalb dieses Zeitraums ist eine behördliche Genehmigung zum Abbrennen eines Feuerwerks in Form einer Freistellung vom Verwendungsverbot des § 23 Absatz 1, 1. Halbsatz gemäß § 24 Absatz 1 der 1. Verordnung zum Sprengstoffgesetz (1. SprengV) erforderlich. Eine Ausbildung zum Pyrotechniker ist hier nicht erforderlich.

Rechtshinweis Bitte den Hinweis zu Rechtsthemen beachten!

Siehe auch[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Quellen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Welches ist der "Brennstoff" einer Wunderkerze? In: COSMiQ. (cosmiq.de [abgerufen am 25. Dezember 2016]).
  2. Sparkler compositions. 21. Dezember 2015, archiviert vom Original am 21. Dezember 2015, abgerufen am 25. Dezember 2016.
  3. Sparklers Can Burn at 2,000 Degrees Fahrenheit. United States Consumer Product Safety Commission, abgerufen am 25. Dezember 2016 (englisch).
  4. Wunderkerzen unter Wasser - Chemieexperimente - netexperimente.de. In: netexperimente.de. Abgerufen am 26. Dezember 2016.
  5. Peter Wich: Versuch -- Nr.029 Wunderkerzen. In: www.experimentalchemie.de. Abgerufen am 26. Dezember 2016.
  6. http://www.feuerwerk-forum.de/showpost.php?p=114436&postcount=8
  7. http://www.wachsfackeln.de/Definitionen%20der%20Klassen.html

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Christina Martin, Tönjes de Vries: Chemie der Wunderkerze – ein Thema nicht nur zur Weihnachtszeit. In: CHEMKON 11(1), 2004, ISSN 0944-5846, S. 13–20

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Wunderkerzen – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
 Wiktionary: Wunderkerze – Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen