Wustrow (Wendland)

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Wappen Deutschlandkarte
Wappen der Stadt Wustrow (Wendland)
Wustrow (Wendland)
Deutschlandkarte, Position der Stadt Wustrow (Wendland) hervorgehoben
Koordinaten: 52° 55′ N, 11° 7′ O
Basisdaten
Bundesland: Niedersachsen
Landkreis: Lüchow-Dannenberg
Samtgemeinde: Lüchow (Wendland)
Höhe: 17 m ü. NHN
Fläche: 30,01 km2
Einwohner: 2866 (31. Dez. 2015)[1]
Bevölkerungsdichte: 96 Einwohner je km2
Postleitzahl: 29462
Vorwahl: 05843
Kfz-Kennzeichen: DAN
Gemeindeschlüssel: 03 3 54 026
Webpräsenz: www.luechow-wendland.de
Bürgermeisterin: Andrea Heilemann (Bunte Liste Wustrow (BLW))
Lage der Stadt Wustrow (Wendland) im Landkreis Lüchow-Dannenberg
Mecklenburg-Vorpommern Sachsen-Anhalt Brandenburg Landkreis Lüneburg Landkreis Uelzen Neu Darchau Hitzacker Göhrde gemeindefreies Gebiet Göhrde Damnatz Karwitz Zernien Gusborn Langendorf Dannenberg (Elbe) Jameln Lüchow Wustrow Luckau (Wendland) Küsten Waddeweitz Clenze Bergen an der Dumme Schnega Lübbow Woltersdorf Lemgow Prezelle Trebel Gorleben Gartow Höhbeck Schnackenburg gemeindefreies Gebiet GartowKarte
Über dieses Bild
Wustrow
Fachwerkhäuser im Rundling Güstritz
Merian-Stich um 1654

Wustrow (Wendland) ist eine Stadt im niedersächsischen Landkreis Lüchow-Dannenberg.

Name[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Name Wustrow stammt vermutlich vom slawischen („wendischen“) Namen in polabischer Sprache Wåstrüw (vergleiche tschechisch ostrov, russisch остров ostrov), der „Insel“ bedeutet.

Geographie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die kleine Stadt liegt im Süden des Landkreises Lüchow-Dannenberg jeweils etwa sechs bis acht Kilometer Luftlinie von Lüchow und Salzwedel entfernt.

Durch die vier Kilometer westlich der B 248 und nur wenige Kilometer nördlich von Sachsen-Anhalt gelegene Stadt fließt die Jeetzel. Im Norden des Stadtgebiets fließt die Wustrower Dumme in die Jeetzel.

Die Stadt Wustrow (Wendland) grenzt im Westen an die Gemeinde Luckau (Wendland), im Norden an die Gemeinde Küsten und an die Kreisstadt Lüchow (Wendland), im Osten an die Gemeinde Lübbow und im Süden an die Kreisstadt Salzwedel im Altmarkkreis Salzwedel (Sachsen-Anhalt).

Naturschutzgebiete[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Auf dem Gebiet der Stadt liegen zwei Naturschutzgebiete:

Stadtgliederung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Stadt Wustrow (Wendland) besteht aus folgenden Ortsteilen:

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Von 1991 bis 2001 wurden nordwestlich Güstritz’ Ausgrabungen auf einem slawischen Gräberfeld des 9. bis 11. Jahrhunderts durchgeführt, weil es durch gewerblichen Sandabbau gefährdet und durch diesen teilweise schon zerstört war. Insgesamt wurden in 186 Gräbern bzw. Grabresten 164 Skelette nachgewiesen. Die durchweg schlecht erhaltenen Skelette wurden durch die Anthropologin Bettina Jungklaus untersucht. Die meisten Bestatteten waren im Erwachsenenalter. Die Kindersterblichkeit war mit 13 % sehr gering. Kinder unter drei Jahren fehlten völlig. Vielleicht waren Kinder an anderer Stelle begraben worden. Eine Besonderheit für dieses vorindustrielle Gräberfeld war, dass doppelt so viele Männer wie Frauen gefunden wurden. Ein hoher Männerüberschuss war oft typisch für Orte mit starker Zuwanderung. Das Gräberfeld stammt aus einer Epoche, die für die Slawen mit zahlreichen kriegerischen Auseinandersetzungen einherging. Besonders der Slawenaufstand von 983 wirkte sich auch auf das Wendland aus, das als Grenzregion vielleicht eine besondere Anziehung besaß. Zu bestimmten Zeiten mag dieses Gebiet westlich der Elbe einen gewissen Schutz geboten haben, da es mehr am Rande der politischen Ereignisse lag. Zumindest ein Mann, der auf dem Gräberfeld bestattet wurde, war aktiv in ein Kampfgeschehen verwickelt, denn ihm wurde durch einen Schwerthieb eine große Partie des linken Hinterkopfs abgeschlagen. Auch das durchschnittlich junge Sterbealter der Männer könnte auf einen frühen Kriegstod hindeuten. Zahnkaries konnte nur bei 16 % der Bestatteten nachgewiesen werden. Das deutet auf eher fleischreiche Kost hin. Degenerative Erkrankungen der Gelenke und Wirbel und Knochenbrüche kamen im Vergleich zu anderen Funden häufig vor.[2][3]

Etwa 1217 erfolgte die Gründung der Burg durch Tidericus (bzw. Thiedherd) von Wustrow im Mündungsgebiet der Dumme in die Jeetzel zur Sicherung des Schiffsverkehrs zwischen Salzwedel und der Elbe. Im Jahre 1377 wurde Wustrow erstmals in Urkunden als Stadt erwähnt. Bei einem Großfeuer im Jahre 1691 wurden nur fünf Häuser, eine Scheune und der rechte Teil des Schlosses verschont.

In Wustrow zeichnete im 18. Jahrhundert Christian Henning von Jessen erstmals einen Großteil der polabischen Sprache auf.

Eingemeindungen Am 1. Juli 1972 wurden die Gemeinden Blütlingen, Güstritz, Klennow, Lensian und Teplingen eingegliedert.[4]

Politik[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Seit dem 1. November 2006 gehört Wustrow zur Samtgemeinde Lüchow (Wendland). Die Stadt gehört außerdem zum Landtagswahlkreis 48 Elbe und zum Bundestagswahlkreis 38 Lüchow-Dannenberg – Lüneburg.[5][6]

Der Stadtrat hat seit der Kommunalwahl am 11. September 2013 einschließlich Bürgermeister 13 Mitglieder.

  • Bunte Liste Wustrow - 4 Sitze
  • CDU - 4 Sitze
  • SPD - 3 Sitze
  • Bürgergemeinschaft statt Bürokratie Stadt Wustrow (Wendland) (BsB) - 2 Sitze

Kultur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Sehenswürdigkeiten sind:

  • Museum Wustrow mit wechselnden Ausstellungen und den Dauerausstellungen „Colonialwaren“ und „DDR-Konsum“.
  • Industrie-Geschichts-Pfad „Kali und Leinen“ (Industrialisierungsansätze im Raum Wustrow von 1874 bis 1928).
  • Im Ortsteil Schreyahn befindet sich der Künstlerhof Schreyahn, eine Stipendiatenstätte für Autoren und Komponisten.
  • In unmittelbarer Nähe des Marktplatzes in einer engen Kurve hat die mit praktischer Friedensarbeit und Gewaltfreie Konfliktlösung befasste „Kurve Wustrow. Bildungs- und Begegnungsstätte für Gewaltfreie Aktion e. V.“ ihren Sitz.[7]
  • Tagungshaus Königshorst Nr. 1 (Seminarraum und Gästezimmer)
  • Im Ortsteil Lensian: befindet sich der Kulturverein Schwarzer Hahn mit Kleinkunstbühne sowie Seminar- und Tagungshaus
  • Deutsche Storchenstraße (Teplingen, Wustrow, Schreyahn)
Fehlhaus in Wustrow (Wendland) nach Umbau und Wiedereröffnung

Vereine[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im Jahre 1891 wurde der Turnverein Wustrow gegründet und im Jahre 1921 die erste Damenabteilung eingerichtet. 1920 wurde der Sportverein gegründet. 1937 wurden die beiden Vereine zum Turn- und Sportverein Wustrow zusammengelegt.

Persönlichkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Pastor Christian Henning von Jessen, 1705: „Vocabularium Venedicum“: Drawänopolabische Sprache, eine Mundart des Polabischen, welches zum lechitischen Zweig westslawischer Sprachen gehörte
  • Werner Meiner, Bürgermeister der Stadt Wustrow und späterer Landrat des Kreises

Ehrenbürger

  • Otto Telschow (1876–1945) (Politiker (NSDAP)), seit 23. August 1933 – Aberkennung am 1. Juli 2008[8]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Wustrow (Wendland) – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Landesbetrieb für Statistik und Kommunikationstechnologie Niedersachsen, 100 Bevölkerungsfortschreibung – Basis Zensus 2011, Stand 31. Dezember 2015 (Hilfe dazu).
  2. Projekt Güstritz, mittelslawisches Gräberfeld. In: anthropologie-jungklaus.de. Abgerufen am 4. Juni 2017.
  3. Bettina Jungklaus: Das slawische Gräberfeld von Güstritz im Hannoverschen Wendland - Ergebnisse der anthropologischen Untersuchung. In: Felix Paul Biermann (Hrsg.): Siedlungsstrukturen und Burgen im westslawischen Raum: Beiträge der Sektion zur slawischen Frühgeschichte der 17. Jahrestagung des Mittel- und Ostdeutschen Verbandes für Altertunmsforschung in Halle an der Saale, 19. bis 21. März 2007. Verlag Beier & Beran, Langenweißbach 2009, ISBN 978-3-941171-12-1, S. 339–348.
  4. Statistisches Bundesamt (Hrsg.): Historisches Gemeindeverzeichnis für die Bundesrepublik Deutschland. Namens-, Grenz- und Schlüsselnummernänderungen bei Gemeinden, Kreisen und Regierungsbezirken vom 27. 5. 1970 bis 31. 12. 1982. W. Kohlhammer GmbH, Stuttgart/Mainz 1983, ISBN 3-17-003263-1, S. 233.
  5. Landtagswahlkreise ab 16. Wahlperiode. Wahlkreiseinteilung für die Wahl zum Niedersächsischen Landtag. Anlage zu § 10 Abs. 1 NLWG, S. 4. (PDF; 87 KB)
  6. Beschreibung der Wahlkreise. Anlage zu § 2 Abs. 2 Bundeswahlgesetz. In: Achtzehntes Gesetz zur Änderung des Bundeswahlgesetzes. Anlage zu Artikel 1. Bonn 18. März 2008, S. 325. (PDF; 200 KB)
  7. Kurve Wustrow. Bildungs- und Begegnungsstätte für Gewaltfreie Aktion e. V.
  8. Beschluß des Stadtrates zur Aberkennung der Ehrenbürgerschaft - Elbe-Jeetzel-Zeitung vom 3. Juli 2008: Mitverantwortlich für Gräueltaten