XXII. Reserve-Korps (Deutsches Kaiserreich)

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Gedenkstele für das XXII. Reserve Korps vor dem Joachimthalschen Gymnasium in Berlin-Wilmersdorf

Das XXII. Reserve-Korps war ein Großverband der Armee des Deutschen Kaiserreiches im Ersten Weltkrieg.

Gliederung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Korps entstand bei Kriegsbeginn aus preußischen Kontingenten und war zu dieser Zeit wie folgt gegliedert:

43. Reserve-Division

  • 85. Reserve-Infanterie-Brigade
    • Reserve-Infanterie-Regiment Nr. 201
    • Reserve-Infanterie-Regiment Nr. 202
    • Reserve-Jäger-Bataillon Nr. 15
  • 86. Reserve-Infanterie-Brigade
    • Reserve-Infanterie-Regiment Nr. 203
    • Reserve-Infanterie-Regiment Nr. 204
    • Reserve-Kavallerie-Abteilung Nr. 43
    • Reserve-Feldartillerie-Regiment Nr. 43
    • Reserve-Pionier-Kompanie Nr. 43

44. Reserve-Division

  • 87. Reserve-Infanterie-Brigade
    • Reserve-Infanterie-Regiment Nr. 205
    • Reserve-Infanterie-Regiment Nr. 206
    • Reserve-Jäger-Bataillon Nr. 16
  • 88. Reserve-Infanterie-Brigade
    • Reserve-Infanterie-Regiment Nr. 207
    • Reserve-Infanterie-Regiment Nr. 208
    • Reserve-Kavallerie-Abteilung Nr. 44
    • Reserve-Feldartillerie-Regiment Nr. 44
    • Reserve-Pionier-Kompanie Nr. 44

Korpstruppen

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der General der Kavallerie Eugen von Falkenhayn, dessen Bruder Erich preußischer Kriegsminister war, wurde am 10. September 1914 zum Kommandierenden General des neu gebildeten XXII. Reserve-Korps ernannt, das er den gesamten Krieg über führen sollte. Im Herbst 1914 wurde sein Korps in der Ersten Flandernschlacht im Rahmen der 4. Armee eingesetzt und bis zum 18. Oktober bei TermondeAlost ausgeladen. Am 21. Oktober wurde das Korps südlich des III. Reserve-Korps eingesetzt, um den Yser-Übergang zu erzwingen. Der Hauptstoß der 43. Reserve-Division war auf Dixmuide gerichtet, die 44. Reserve-Division überschritt mit ihrem rechten Flügel den Yser-Kanal und kämpfte sich mit der 6. Reserve-Division weiter vor, während der linke Flügel der Division von Norden her Angriffe auf die Stadt unternahm.[1] Weitere Angriffe bis zum 28. Oktober blieben aber erfolglos. Im Frühjahr 1915 lag das Korps weiterhin an der Yser, ab Juni 1915 erfolgte der Abtransport an die Ostfront, wo es nach der Durchbruchschlacht in Galizien beim Vorgehen zum Bug eingesetzt wurde.

Anfang Oktober 1915 wurde das XXII. Reserve-Korps beim Feldzug in Serbien vorübergehend der k.u.k. 3. Armee unter General Kövess bei der Eroberung von Belgrad und Serbiens zugeteilt. Am 6. Oktober begann der Donauübergang des k.u.k. 8. Korps (Scheuchenstuel) unweit der alten Festung Kalimegdan, obwohl die Artillerie der Donaumonitore die Serben auf Distanz hielten, konnte der schwache Brückenkopf wegen des Ausfalles von mehr als zwei Drittel der verfügbaren Pontons nicht weiter ausgebaut werden. Die Entscheidung brachte der Übergang des deutschen XXII. Reserve-Korps. Die 43. (General Runckel) und 44. Reserve-Division (General Dorrer) konnten währenddessen die Save unter Nutzung der Großen Zigeuner-Insel überschreiten und griffen wirksam vom Südwesten her in den Straßenkampf von Belgrad ein, welcher die Stadt am 9. Oktober in die Hände der Mittelmächte brachte.[2]

Im Februar 1916 verlegte das Korps wieder an die Westfront und fungierte im Raum Lille kurz als taktische Reserve der OHL. Ab Mitte März wurde Falkenhayns Korps in der Schlacht um Verdun verwendet und traf am westlichen Maas-Ufer als Verstärkung für die 5. Armee ein. Die der Maas-Gruppe West (Gallwitz) unterstellten Verbände wurden zur Unterstützung der Bayerischen 11. Division (Kneußl) zwischen Bethincourt und Malancourt angesetzt, und rangen im April 1916 um die Höhe 304 am Westhang des Toten Mann, im Cumières – und Rabenwald. Bei diesen Kämpfen war dem Korps vorübergehend auch die 22. Reserve-Division zugeteilt.

Nach Ausbruch der Brussilow-Offensive wurde das Korps im Juli 1916 mit der 43. Reserve-Division[3] an die Ostfront geworfen und der Heeresgruppe Linsingen zugeführt. Zusammen mit den Gruppen Beckmann und Dieffenbach wurde das Korps beim Gegenangriff der Angriffsgruppe von der Marwitz in Wolhynien eingesetzt.

Zwischen 7. Dezember 1916 und 17. Februar 1918 wurde das Generalkommando XXII. R.K. auch als Abschnitt Lipa bezeichnet. Die im Korpsabschnitt liegende Lipa war ein linker Seitenarm des Styr. Im Februar 1918 beteiligte sich das Generalkommando beim Vormarsch in Richtung Kiew. Im November 1918 führte Falkenhayn seine Truppen in die Heimat zurück, wo seine Mobilmachungsbestimmung nach der Demobilisierung am 30. Januar 1919 aufgehoben wurde.

Kommandierender General[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Dienstgrad Name Datum
General der Kavallerie Eugen von Falkenhayn 10. September 1914 bis Kriegsende[4]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Hanns Möller: Geschichte der Ritter des Ordens pour le mérite im Weltkrieg, Band I: A–L, Verlag Bernard & Graefe, Berlin 1935, S. 299–301

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Reichsarchiv: Der Weltkrieg 1914-1918 Band V., S. Mittler, Berlin 1929, S. 303 f.
  2. Anton Wagner: Der Erste Weltkrieg, Verlag Carl Ueberreuter Wien 1981, S. 119. und 120
  3. Die 44. Reserve-Division wurde vom Korps getrennt und in der Schlacht an der Somme verwendet.
  4. Dermot Bradley (Hrsg.), Günter Wegner: Stellenbesetzung der Deutschen Heere 1815–1939 Band 1: Die Höheren Kommandostellen 1815–1939, Biblio Verlag, Osnabrück 1990, ISBN 3-7648-1780-1