XXXXIII. Armeekorps (Wehrmacht)

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Das XXXXIII. Armeekorps war ein Großverband der Wehrmacht. Es wurde am 15. April 1940 im Wehrkreis XI aufgestellt und bestand bis zum 8. Mai 1945.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

1940[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Mitte April 1940 im Wehrkreis XI aufgestellte XXXXIII. Armeekorps wurde in der zweiten Phase des Westfeldzuges Ende Mai als Frontreserve der Heeresgruppe A in die Ardennen verbracht und mit der zugeteilten 96., 293. und 294. Infanterie-Division zwischen der Maas und dem Semois konzentriert. Kurz darauf der 9. Armee unterstellt und mit der 88. und 96. Division als Reserve im zweiten Treffen hinter dem XVIII. Armeekorps im Raum nördlich von Laon für den Angriff (Fall Rot) bereitgestellt. Nach dem Aisne- und Marne-Übergang folgte das Korps dem vorangehenden XXXXII. Armeekorps bis Mitte Juni an die Seine nach, wo die Panzergruppe Kleist bei Romilly bereits den Übergang erreicht hatte. Bei der französischen Kapitulation am 25. Juni stand das Korps im Raum Bonny-sur-Loire. Im Dezember 1940 lag das Generalkommando als Besatzungstruppe an der Kanalküste, unterstellt waren dabei die 57. und 170., im April 1941 die 216. und 225. Infanterie-Division.[1]

1941/42[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im Mai 1941 verlegte das Korps zur 4. Armee nach Ostpolen. Zu Beginn der Operation Barbarossa unterstanden dem Generalkommando die 131., 134. und 252. Infanterie-Division. Die Truppen überschritten den Bug im Raum Mielnik, links flankiert vom IX. Armeekorps. Es folgte dem Vorgehen durch den Białowieża-Urwald in Richtung auf Nowy Dwór, wo sich nach Wolkowysk der westliche Kessel von Bialystok bildete, der zusammen mit dem XIII. Armeekorps verengt wurde. Ende Juli folgte die Zuordnung des Korps zu der vor Bobruisk aufmarschierenden 2. Armee, welche gegenüber der sowjetischen 21. Armee im nördlichen Pripjat-Gebiet Front machte. Anfang September 1941 waren dem Korps beim Vorgehen auf Konotop und Tschernigow die 131., 260. und 293. Infanterie-Division zugewiesen. Während der Kesselschlacht um Kiew überschritt das Korps die Desna und drängte mit dem Höheren Kommando XXXV. über Priluki gegen die nördliche Kesselfront auf Pirjatin.

Beim Unternehmen Taifun überschritt das Generalkommando am 2. Oktober im Raum Dubrowka mit der 52., 112., 31. und 260. Division die Desna und führte den nördlichen Zangenarm um den sich zwischen der Bolwa, Brjansk und Chwastowitschi gebildetenden Kessel. Nach der Ausräumung des Kessels von Brjansk rückte das Generalkommando über Schisdra nach Koselsk und überschritt Anfang November die Oka zwischen Peremyschl (bei Kaluga) und Bjelew. Nach dem Vordringen auf Tula hielt das Korps im Raum südlich Alexin mit der 31. und 131. Inf.-Div. die westliche Front des dort durch die Panzergruppe gebildenden Frontbogens. Der Durchbruch der sowjetischen 10. Armee (General Golikow) auf Kaluga drängte das Korps Anfang Dezember von der Oka auf das nördliche Ufer der Ugra und auf Juchnow zurück, wobei die Verbindung zum südlicher stehenden LIII. Armeekorps völlig verloren ging. Erst auf der Höhe von Spas-Demensk wurde die Front nach schweren Abwehrkämpfen im April 1942 stabilisiert. In dieser Zeit waren dem Korps, das bis Juni auch im Rücken gegen eingebrochene Sowjettruppen Front machen musste, die 31., 34., 131. und zeitweilig die 10. motorisierte Division des südlicher stehenden XXXX mot. Armeekorps unterstellt. Während des Stellungskampfes an der Ugra waren dem Generalkommando im Herbst 1942 und Frühjahr 1943 die 34., 137. und 263. Infanterie-Division unterstellt.

1943[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im Januar 1943 wurde das Korps aus dem Ugra-Abschnitt herausgezogen, zur 3. Panzerarmee verlegt und etablierte sich am Nordflügel der Gruppe von der Chevallerie im Raum Welisch. Im April 1943 waren dem Generalkommando im Raum westlich von Welikije Luki die 205. Infanterie- und die 20. motorisierte Division zugeordnet. Die 331. Division hielt nach Norden anschließend die Verbindung zum II. Armeekorps. Nachdem die sowjetische 3. Stoßarmee ihre Offensive gegen Newel einleitete, verlängerte die 16. Armee nach der Verlegung des I. Armeekorps den Befehlsbereich nach Süden bis zum Nesherda-See. Damit kam auch das im alten Frontbereich verbleibende XXXXIII. Korps in den Befehlsbereich der Heeresgruppe Nord.

1944[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im Januar waren dem Generalkommando im Raum nördlich Newel die 15. lettische SS-Division, die 83. und 263. Infanterie-Division unterstellt. Nach dem Absetzen der 16. Armee aus dem Raum zwischen Ilmensee und der Seenkette nördlich Newel auf die „Pantherstellung“ wurde das Generalkommando freigemacht. Im März 1944 wurde das XXXXIII. Korps zur Armeeabteilung Narwa verlegt. Am 26. März 1944 begann das Generalkommando unter Generalleutnant Boege mit der 11. und 227. Infanterie-Division einen Gegenangriff, durch einen weiteren Angriff gegen einen östlichen Frontvorsprung wurde die Front südwestlich Narwa begradigt. Im Juni waren dem Generalkommando die 58. und 122. Division zugeteilt. Im Juli 1944 wurde das Korps an den Nordabschnitt verlegt und war kurzfristig für den Küstenschutz in Estland zuständig. Dazu zählten die 207. Sicherungs-Division, die im Gebiet um Windau stand. An der Nordküste die 12. Luftwaffenfeld-Division, sowie die 83. Infanterie-Division, die die Küste zum Rigaer Meerbusen hin sicherte. Im September wieder in den Bereich der 16. Armee versetzt, übernahm das Korps während der Baltischen Operation den Düna-Abschnitt im Rigaer Frontbogen. Dem XXXXIII. Korps war an der Südfront gegenüber Friedrichstadt die Führung der 58., 225., 205. und 389. Infanterie-Division anvertraut. Noch vor dem Verlust von Riga am 15. Oktober wurde das Generalkommando durch den Kemmener Korridor in den Kurlandkessel herübergezogen. Im November 1944 führte Generalleutnant Versock zusätzlich die Verteidigung der Halbinsel Sworbe, die am 24. November geräumt werden musste.

1945[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Nach den Abwehr- und Rückzugskämpfen in Nordkurland übernahm das XXXXIII. Korps im Bereich der 16. Armee Sicherungsaufgaben in Kurland. Unterstellt waren dabei die Festung Windau und die Küstengruppe Nordwest und Südwest. Im März 1945 wurde das Generalkommando aus dem Kurlandkessel herausgezogen und der 8. Armee nach Nordungarn zugeführt. Nach dem Verlust des Donau-Brückenkopfs von Gran und der Offensive der 2. Ukrainischen Front über den Waag-Abschnitt wurde das Generalkommando aus der Slowakei nach Znaim zurückgedrängt. Mitte April wurde das Korps zur Abwehr des im niederösterreichischen Weinviertel vorgehenden sowjetischen 23. und 68. Schützenkorps eingesetzt, unterstellt waren dabei die 48. Volksgrenadier-, die 96. Infanterie- und Reste der 101. Jäger-Division. Die Kapitulation des Generalkommandos erfolgte im Mai 1945 gegenüber den Amerikanern im Raum Linz.

Personen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Kommandierender General[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Dienstgrad Name Datum
General der Artillerie Hermann Ritter von Speck 01. Mai bis 31. Mai 1940
General der Gebirgstruppen Franz Böhme 31. Mai bis 17. Juni 1940
Generaloberst Gotthard Heinrici 17. Juni 1940 bis 20. Januar 1942
Generalmajor Gerhard Berthold 20. Januar bis 19. Februar 1942 (mit der Führung beauftragt)
General der Infanterie Kurt Brennecke 19. Februar bis 27. Juni 1942
General der Infanterie Joachim von Kortzfleisch 28. Juni bis 15. August 1942
General der Infanterie Kurt Brennecke 15. August 1942 bis 23. Januar 1943
General der Infanterie Karl von Oven 24. Januar 1943 bis 25. März 1944
Generalleutnant Ehrenfried Boege 25. bis 31. März 1944 (mit der Führung beauftragt)
General der Infanterie Ehrenfried Boege 01. April bis 3. September 1944
General der Gebirgstruppen Kurt Versock 03. September 1944 bis 20. April 1945
Generalleutnant Arthur Kullmer 20. April bis 8. Mai 1945

Erster Generalstabsoffizier (Ia)[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Siehe auch: Erster Generalstabsoffizier

Dienstgrad Name Von Bis
Oberstleutnant Wilhelm Knüppel April 1940 Dezember 1942
Major Emil Lorenz Dezember 1942 August 1943
Major Richard Lang August 1943 August 1944
Major Hans-Joachim von Raison 15. August 1944 Februar 1945
Major Eßbach 01. März Mai 1945

Einsatzräume und Unterstellungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Zeit Armee Heeresgruppe Einsatzgebiet
Juni 1940 9. Armee B Chemin des Dames
Juli 1940 16. Armee A Kanalküste
August 1940 9. Armee
Januar 1941
Mai 1941 4. Armee B Generalgouvernement
Juni 1941 Mitte Brest-Litowsk, Bialystok
August 1941 2. Armee Bobruisk, Kiew, Brjansk
November 1941 2. Panzerarmee Tula
Januar 1942 4. Armee Juchnow, Spas-Demensk
Januar 1943 Spas-Demensk
April 1943 3. Panzerarmee Welisch
August 1943 16. Armee Nord Newel
Januar 1944
April 1944 Armeeabteilung Narwa Narwa
August 1944 16. Armee Nordkurland, Oesel
Januar 1945 Kurland
Februar 1945 Kurland
April 1945 8. Armee Süd Nordungarn, Slowakei
Mai 1945 Ostmark Österreich, Linz

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Werner Haupt: Heeresgruppe Nord. Bad Nauheim 1967.
  • Werner Haupt: Kurland 1944/45. Die vergessene Heeresgruppe. Friedberg 1979.

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Percy E. Schramm: OKW-KTB Band 1, S. 1125 und 1131