Xylella fastidiosa

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Xylella fastidiosa
Systematik
Abteilung: Proteobacteria
Klasse: Gammaproteobacteria
Ordnung: Xanthomonadales
Familie: Xanthomonadaceae
Gattung: Xylella
Art: Xylella fastidiosa
Wissenschaftlicher Name
Xylella fastidiosa
Wells et al., 1987
Oleander-Blatt-Brand; Auswirkungen des Befalls von Nerium oleander durch das Bakterium Xylella fastidiosa
Homalodisca vitripennis, eine Zwergzikade, kann beim Saugen von Pflanzensäften das Bakterium in das Xylem der Pflanze übertragen.

Xylella fastidiosa, dt. auch Feuerbakterium, ist ein Bakterium aus der Familie Xanthomonadaceae. Es ist der Erreger von Krankheiten bei mehr als 100 Pflanzenarten, darunter zahlreichen Nutzpflanzen.

Unter anderem löst es die Pflanzenkrankheiten phony peach disease (dt. unechte/falsche Pfirsich-Krankheit), oleander leaf scorch (dt. Oleander-Blatt-Brand), Zitrus-Krebs (citrus variegated chlorosis disease, vielfältige Zitrus-Chlorose-Krankheit) sowie an Rebstöcken die „Pierce-Krankheit“ (Pierce’s disease) aus. Darüber hinaus befällt es auch Mandel-, Oliven- und Pflaumenbäume.[1]

Ein Pflanzenschutzmittel, das bei bereits befallenen Pflanzen eingesetzt werden könnte, ist bisher nicht bekannt.

Genom[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im Jahr 2000 konnte in São Paulo (Brasilien) das gesamte Genom der Art entschlüsselt werden: Zwei Jahre lang arbeiteten 200 Wissenschaftler an der DNA-Sequenzierung. Sie ergab, dass das Genom des Bakteriums 2.679.305 Basenpaare umfasst. Bisher sind noch nicht alle Funktionen der Gene bekannt, es gibt aber zahlreiche Hinweise auf die Ursache der Krankheiten an infizierten Pflanzen.

Pierce-Krankheit[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Diese Rebstock-Krankheit wurde erstmals 1892 von Newton B. Pierce, einem der ersten Phytopathologen, an der Edlen Weinrebe (Vitis vinifera) in Kalifornien untersucht, im Jahr 1900 erschien seine Beschreibung.[2] Der Name dieser Pflanzenkrankheit des Weins lautet daher im Englischen Pierce’s disease. Der Erreger bewirkt, dass der Wasser- und Nährstoffhaushalt der Pflanze blockiert wird, was nach zwei bis drei Jahren zu ihrem Absterben führt. Außerdem verfärben sich die Blätter der befallenen Rebstöcke gelb und die produzierten Früchte sind klein und hart.

1996 fand man heraus, dass der Vektor (Überträger) dieser Krankheit eine Zwergzikade der Gattung Homalodisca ist: Homalodisca vitripennis. Dieses Insekt ernährt sich von Pflanzensäften und überträgt so das Bakterium in das Xylem der Pflanzen, wo es sich weiterentwickelt und vermehrt.

Die Krankheit wurde ebenfalls in Costa Rica, im Südosten der USA, in Mexiko und Venezuela nachgewiesen.

Befall von Obstbäumen in Europa[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Bakterium infiziert auch Olivenbäume, es bewirkt auch hier die Austrocknung und das Absterben der Pflanzen.

Der Weg, auf dem das Bakterium aus Nord- und Lateinamerika nach Südeuropa eingeschleppt wurde, ist dabei unklar. 2013 trat das Bakterium zum ersten Mal auf 8.000 Hektar (ha) im Salento in Süditalien auf,[3] Anfang 2015 müssen dort auf nun schätzungsweise 230.000 ha in der Provinz Lecce ca. eine Million befallene Olivenbäume gefällt werden, eine weitere rasche Ausbreitung wird befürchtet. Zusätzlich muss für eine effektive Vorbeugung der weiteren Ausbreitung das Gras in der gesamten Gegend gemäht sowie der Boden umgepflügt und Pestizide eingesetzt werden. 2012 wurde in einem Treibhaus bei Tours (Frankreich) und 2015 an der Cote d'Azur [4] und bei einer Kübelpflanze in Propriano (Korsika) ebenfalls entsprechende Bakterien gefunden, eine weitere Ausbreitung fand aber nicht statt.[5]

Im Dezember 2015 stoppten italienische Staatsanwälte die Anordnung der EU und leiteten Untersuchungen gegen Forscher und örtliche Behördenvertreter ein, denen vorgeworfen wird, "unwahre Fakten" übermittelt zu haben und so die EU zu einer falschen Einschätzung gebracht zu haben. Es gebe „keinen Beweis“ für eine Verbindung zwischen dem Bakterium und den Austrocknungserscheinungen tausender Bäume in Süditalien.[6]

Xylella fastidiosa befällt auch Mandel-, Pfirsich- (phony peach disease), und Pflaumenbäume sowie Zitrusfrüchte, darüber hinaus Oleander (oleander leaf scorch).[1]

Als Gegenmaßnahme wurde von der EU ein Importverbot bestimmter Kaffeesträucher aus Honduras und Costa Rica verhängt.[7]

Siehe auch[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. a b Badische-zeitung.de, 26. März 2015, Julian Müller-Meiningen: Feuerbakterium tötet Olivenbäume in Süditalien
  2. Newton B. Pierce: Peach leaf curl: its nature and treatment. United States Division of Vegetable Physiology and Pathology, Bulletin no. 20, Washington 1900
  3. Spiegel.de, 28. November 2013, Hans-Jürgen Schlamp: Baumsterben: Feuerbakterium zerstört Süditaliens Olivenhaine
  4. http://www.rczeitung.com/index.php/provence-cote-dazur-artikel/items/neue-faelle-von-xylella-fastidiosa-in-den-alpes-maritimes-13098.html
  5. Spiegel 32/2015, S. 101, Katrin Elger: Killer Xylella
  6. http://orf.at/#/stories/2315775/ Abholzung von Olivenbäumen in Italien gestoppt, orf.at 20. Dezember 2015, abgerufen 21. Dezember 2015.
  7. Spiegel 32/2015, S. 101, Katrin Elger: Killer Xylella

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Xylella fastidiosa – Album mit Bildern, Videos und Audiodateien