Yavuz Özoguz

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Mehmet Yavuz Özoguz (* 1959 in Istanbul) ist ein türkischstämmiger Verfahrensingenieur und Autor, der seit Anfang der 1960er Jahre in Deutschland lebt und mit seinem Bruder Gürhan das islamistische Internetportal Muslim-Markt betreibt.

Yavuz Özoguz wuchs in einem säkular ausgerichteten, sunnitischen Elternhaus auf. Seine Schwester ist die stellvertretende SPD-Bundesvorsitzende Aydan Özoğuz, die seit 2013 Beauftragte der Bundesregierung für Migration, Flüchtlinge und Integration ist. Yavuz Özoguz engagierte sich während des Studiums der Verfahrenstechnik in Bremen in der Evangelischen Hochschulgemeinde und war nach eigener Aussage von der Befreiungstheologie Ernesto Cardenals beeinflusst, während er den Islam als „Mittelalter pur“ betrachtete. Das änderte sich, als Cardenal nach der Islamischen Revolution 1979 Ajatollah Ruhollah Chomeini im Iran besuchte und ihn als „die Heiligkeit unserer Zeit“ bezeichnet habe, was bei Özoguz einen etwa fünf Jahre andauernden Konversionsprozess zum Schiitentum auslöste.[1] Özoguz wurde 1991 nach erfolgreicher Verteidigung seiner eingereichten Dissertationsschrift zum Thema Zur Schichtkristallisation als Schmelzkristallisationsverfahren an der Universität Bremen zum Doktor promoviert.

Özoguz ist Vorsitzender der Organisation Islamischer Weg e. V. in Delmenhorst.[2] Zusammen mit seinem Bruder Gürhan Özoguz gründete er 1999 das Internetportal Muslim-Markt.[3] Das Bundesamt für Verfassungsschutz beobachtet ihn und die Website mit dem Hinweis auf Sympathien zum theokratischen Regierungssystem des Iran und antizionistische sowie antiisraelische Agitation.[4][5] Am 19. Januar 2004 wurde Yavuz Özoguz vom Amtsgericht Delmenhorst im Zusammenhang mit Veröffentlichungen auf seiner Website wegen Volksverhetzung zu einer Freiheitsstrafe von drei Monaten auf Bewährung verurteilt. Das Verfahren wurde in der Berufung am Landgericht Oldenburg gegen eine Geldauflage von 1000 Euro eingestellt.

Özoguz publiziert zudem im Internet unter der Bezeichnung Enzyklopädie des Islam ein Lexikon des Islam in deutscher Sprache. Dies ist jedoch keine deutschsprachige Ausgabe der Encyclopaedia of Islam. Gefördert wird sie unter anderem von der Kulturabteilung der Botschaft der Islamischen Republik Iran in Berlin. Im April 2012 organisierte Yavuz Özoguz eine Gruppenreise in den Iran, an der neben ihm und seiner Frau Fatima unter anderem Jürgen Elsässer, Gerhard Wisnewski, Elias Davidsson und Karl Höffkes teilnahmen und die eine Privataudienz beim damaligen iranischen Staatspräsidenten Mahmud Ahmadinedschad einschloss.[6]

Yavuz Özoguz bietet Anbietern von Lebensmitteln ein „Halāl-Zertifikat“ an, welches die muslimische Korrektheit von Lebensmitteln bescheinigen soll.[7] Zu seinen Kunden gehören dabei große und renommierte Unternehmen wie der Lebensmittelkonzern Kraft, der Traubenzuckerproduzent Dextro Energy oder die Brauereien Jever und Karlsberg.[8]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Benno Schirrmeister: „Ehrlich, die machen mir auch Angst!“ Yavuz Özoguz verteidigt die islamische Revolution im Iran und das antikapitalistische Potenzial des Islam. Mit Salafisten will er trotzdem nichts zu tun haben. In: die tageszeitung, 5. Februar 2016.
  2. http://www.islamischer-weg.de/diverse/kontakt.htm
  3. http://www.muslim-markt.de/Service/werist.htm
  4. Verfassungsschutzbericht des Bundesverfassungsschutzes 2006, S. 254 (Memento vom 6. August 2009 im Internet Archive)
  5. Bundesverfassungsschutzbericht 2005, S. 233 (Memento vom 26. Oktober 2007 im Internet Archive)
  6. Martin Krauss: Tee beim Diktator. Deutsche Polittouristen pilgern zum Mullah-Regime. In: Jüdische Allgemeine, 10. Mai 2012; Hübschers wundersame Reisegruppe. In: Spiegel Online, 4. Mai 2012.
  7. Ellen Daniel Halal-Siegel: Kochen mit dem Koran. In: Focus. 20. August 2009.
  8. Sven Hahn: Messe für islamkonforme Produkte: „Die geistige Unreinheit“ ausspülen. In: Stuttgarter Zeitung, 27. Januar 2014 (Seite 2).