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Yayoi Kusama

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Yayoi Kusama etwa 2004
Ascension of Polka Dots on the Trees, Singapore Biennale 2006, Orchard Road, Singapur
The Spirits of the Pumpkins Descended into the Heavens (2015), National Gallery of Australia in Canberra

Yayoi Kusama (in japanisch 草間 彌生, modern: 草間 弥生, Kusama Yayoi; * 22. März 1929[1] in Matsumoto, Präfektur Nagano, Japan; † 14. August 2026 in Tokio)[2] war eine der bedeutendsten japanischen Künstlerinnen der Nachkriegszeit.[2] Sie lebte zwischen 1958 und 1972 vorwiegend in New York City. Ihre bekanntesten Kunstwerke, Aktionen und Happenings entstanden in dieser Zeit. Ihr Markenzeichen waren Polka Dots, farbige Punkte, die sie auf Leinwände, Skulpturen und Menschen malte. Am 27. September 2017 eröffnete die Künstlerin in Tokio ihr eigenes Museum. Sie zählte zu den wichtigsten Vertretern der Soft Sculpture.[3]

Kindheit in Japan

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Kusama wuchs in einer wohlhabenden bürgerlichen Familie in Matsumoto auf.[2] Ihre Kindheit und Jugend im Elternhaus war von Strenge und Autorität geprägt. Japan war zu dieser Zeit ein faschistoider Militärstaat[4]. Kusama musste im Zweiten Weltkrieg ab 1941 im Alter von nur zwölf Jahren in einer Fallschirmfabrik arbeiten. Ihre Mutter wünschte, dass ihre Tochter traditionell aufwachse. Ständiger Druck, Ablehnung und Entfremdung von ihrer Mutter könnten zu Kusamas schon in der Kindheit beginnenden Krankheit geführt haben, die sich in Halluzinationen zeigte. Kusama sah Punkt- und Netzmuster und fürchtete, sich darin aufzulösen. Kusama erklärte später, sie erlebe diese Halluzinationen seit ihrem zehnten Lebensjahr und sehe auch im hohen Alter noch überall Punkte.[5][6]

„Ich sah auf das rote Muster der Tischdecke, als ich aufblickte, bedeckte dasselbe rote Muster die Decke, die Fenster und die Wände, und schließlich den ganzen Raum, meinen Körper und das Universum. Ich begann mich selbst aufzulösen, und fand mich in der Unbegrenztheit von nicht endender Zeit und in der Absolutheit der Fläche wieder. Ich reduzierte mich auf ein absolutes Nichts.“

Yayoi Kusama

Die Halluzinationen wurden zum Bestandteil ihrer Kunst. Für Kusama wurde das Malen zu einer Überlebensstrategie und zu einer Form von Therapie.[6] Schon 1939 fertigte sie Zeichnungen an, in denen sie die Muster verarbeitete. Kusama litt außerdem an ausgeprägter Angst vor phallischen Objekten, Sexualität und Essen.[7]

Bereits als Jugendliche entschied sich Kusama für eine Laufbahn als professionelle Künstlerin, was für eine Frau im konservativen Nachkriegsjapan äußerst ungewöhnlich war.[2] 1948 ging Kusama an die Kyoto School of Arts and Crafts, wo sie Nihonga-Malerei studierte, die japanische und westliche Traditionen miteinander verband.[2] Ihre Mutter ließ sie unter der Bedingung gewähren, dass sie bei Verwandten in Kyōto japanische Etikette erlerne. Zu jener Zeit war es für eine Frau schwer, in der Welt der Kunst in Japan Fuß zu fassen; und wenn, dann auch nur in den traditionellen Künsten. Kusama wandte sich jedoch bald von der akademischen Disziplin und dem Nihonga-Stil ab, den sie mit dem japanischen Kriegsnationalismus assoziierte.[2] In ihren frühen Zwanzigern setzte ihre Familie sie zudem mit arrangierten Heiratsplänen unter Druck, was zu ihrer Entfremdung von den gesellschaftlichen Erwartungen des Nachkriegsjapans beitrug.[6]

Kusama orientierte sich an surrealistisch beeinflusster Kunst aus Paris und New York sowie an der japanischen Avantgarde.[2] Sie schuf Hunderte semiabstrakte Gemälde, in denen florale, astronomische und sexuelle Formen vor Feldern aus Punkten und stachelartigen Linien erschienen.[2] In den nächsten Jahren hatte sie neun Ausstellungen, darunter sechs Einzelausstellungen; die erste Einzelausstellung fand 1952 in der Matsumoto Civic Hall, der Bürgerhalle ihrer Heimatstadt, statt. Viele Bilder aus dieser Schaffensperiode wurden von der Künstlerin vernichtet, bevor sie nach New York ging. Zur selben Zeit begann sie, sich psychiatrisch behandeln zu lassen. Sie schämte sich nie wegen ihrer Krankheit und ging offen damit um. Sie sprach damit in einer Zeit über ihre psychischen Probleme, in der solche Themen stark tabuisiert waren.[6]

Sie wurde landesweit bekannt, von der japanischen Kunstwelt jedoch weitgehend abgelehnt. 1955 wurden drei ihrer Aquarelle in einer internationalen Ausstellung im Brooklyn Museum gezeigt; daraufhin begann sie, ihren Umzug in die Vereinigten Staaten vorzubereiten.[2] Ihre Eltern gaben ihr Geld für den Flug unter der Bedingung, dass sie nie wieder zurückkehre.[6] 1957 reiste sie zunächst nach Seattle, wo sie kurze Zeit lebte, bevor sie 1958 nach New York zog.[2]

Anfänge in New York

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Da Kusama keine finanzielle Unterstützung hatte, war sie auf den Verkauf ihrer Bilder angewiesen. Vor ihrer Übersiedlung hatte sie Georgia O’Keeffe eine Auswahl ihrer Arbeiten zugesandt; O’Keeffe half ihr später dabei, in den Vereinigten Staaten erste Kontakte zu knüpfen.[6] Kusama hatte O’Keeffes Adresse über die amerikanische Botschaft ermittelt, weil diese die einzige amerikanische Künstlerin war, die sie damals kannte; O’Keeffe antwortete ihr ermutigend.[2] Sie wurde in der New Yorker Kunstszene zunächst dadurch bekannt, dass sie von Galerie zu Galerie ging, um Ausstellungsfläche zu bekommen. Der finanzielle Erfolg blieb aus.

Unter ärmlichen Lebensbedingungen schuf Kusama großformatige abstrakte Gemälde, die sie Infinity Nets nannte.[2] Sie bestanden aus zahllosen kleinen, geschwungenen weißen Pinselstrichen, die auf weißen oder schwarzen Flächen wie riesige, wirbelnde Netze mit nadelstichartigen Öffnungen wirkten.[2] Die bis zu 2 × 4 Meter großen Bilder kosteten zu dieser Zeit nur 350 US-Dollar. Ihr Maßstab übertraf den der Werke des damals noch vorherrschenden Abstrakten Expressionismus und zog die Aufmerksamkeit jüngerer Künstler auf sich, die nach neuen künstlerischen Wegen suchten.[2] Einer von ihnen war Donald Judd, der damals als Kunstkritiker arbeitete und an den theoretischen Grundlagen des späteren Minimalismus mitwirkte; er setzte sich für Kusamas Werk ein, kaufte eines ihrer Bilder und half in ihrem Atelier.[2]

In New York verkehrte sie im Umfeld der Avantgarde und stand unter anderem mit Frank Stella, Donald Judd und Joseph Cornell in Kontakt, mit dem sie eine intensive, jedoch platonische Beziehung führte.[2] Als junge asiatische Künstlerin blieb sie wirtschaftlich jedoch hinter vielen männlichen Kollegen ihrer Generation zurück.[6] Kusama fühlte sich in New York nicht wohl und ihre Krankheit verschlechterte sich. 1961 war sie erneut in psychiatrischer Behandlung.

Phallische Skulpturen

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1961 erschloss sich Kusama Stoffskulpturen als künstlerisches Mittel. Sie nähte Tausende ausgestopfte Stoffphalli, bemalte sie weiß oder golden und befestigte sie auf Alltagsgegenständen wie Tischen, Sesseln, Kleidungsstücken, Schuhen, Kinderwagen und einem Ruderboot.[2] Auf diese Weise entstanden raumfüllende Installationen, deren Oberflächen vollständig von den wiederholten Formen überwuchert waren.[2] Ihre weichen, oft phallischen Stoffskulpturen standen zeitlich und formal in der Nähe von Arbeiten Andy Warhols und Claes Oldenburgs.[6]

Die als Accumulation Sculptures bezeichneten Arbeiten wurden 1962 zusammen mit Werken von Claes Oldenburg, James Rosenquist und Andy Warhol in einer Gruppenausstellung der Green Gallery präsentiert, die zu den frühen Ausstellungen der Pop Art gehörte.[2] Zu den dort gezeigten Werken gehörte die Couch Accumulation #1. Mit den Infinity Nets und den Accumulation Sculptures nahm Kusama früh an der Entwicklung der beiden damals neuen Strömungen Minimalismus und Pop Art teil.[2]

Die Auseinandersetzung mit phallischen Formen wird von manchen Betrachtern als Aufarbeitung sexueller Ängste interpretiert. Kusama stellte dieses Motiv mit ihrer Angst vor Sexualität in Zusammenhang und setzte es gezielt zur künstlerischen Bearbeitung dieser Furcht ein.[6] Durch die fortgesetzte Reproduktion der Formen, die ihr Angst machten, versuchte sie nach eigener Darstellung, diese Angst zu unterdrücken.[2] Kusama war zu jener Zeit in einer psychotherapeutischen Behandlung.

Die Skulptur Traveling Life von 1964 besteht aus einer von phallischen Formen überwucherten Leiter, auf deren Stufen Frauenschuhe stehen, Sinnbild für Kusamas beschwerlichen Werdegang in der von Männern dominierten Kunstszene.

Fotografie und Selbstdarstellung

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Ab Mitte der 1960er setzte Kusama Fotografien ein, um ihre Arbeiten bekannt zu machen. Diese Fotos waren von Kusama genau geplant, oft von bekannten Fotografen aufgenommen. Kusama posierte dafür oft theatralisch, ähnlich einem Model. In manchen Aufnahmen war sie nackt mit Punkten bemalt. Das kann als Schritt hin zu Happenings, Events und Performances gesehen werden, in denen sie Grenzen zwischen Kunst, Mensch und Umwelt auflösen wollte. Sonst gab sich Kusama in der Öffentlichkeit in anspruchsvolle traditionelle Kimonos gehüllt.

Kusama war sich bewusst, dass sie in der New Yorker Kunstwelt als asiatische Außenseiterin wahrgenommen wurde, und nutzte diese Wahrnehmung gezielt für ihre öffentliche Selbstdarstellung und die Vermarktung ihrer Arbeit.[2] In einigen ihrer Performances der mittleren und späten 1960er-Jahre nutzte sie orientalisierende Elemente und Motive der aufkommenden Hippiekultur.[2]

Happening und Performance

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Nachdem Kusamas Arbeiten 1966 nicht für die Biennale in Venedig ausgewählt worden waren, beschloss sie, ihre Installation Narcissus Garden, bestehend aus 1500 spiegelnden Kugeln, vor der Ausstellungshalle aufzubauen. Sie erschien dabei in einem goldenen Kimono und präsentierte sich unabhängig von der offiziellen Auswahl als Vertreterin ihrer selbst.[2] Passanten konnten eine Kugel für 1200 Lire (heute ungefähr 0,62 Euro) erwerben. Ein Schild mit der Aufschrift „Your Narcisium For Sale“ verwies auf den Narzissmus, der Kunsterwerb und Besitz innewohnt. Bis die Veranstalter der Biennale Kusamas Aktion polizeilich beendeten, war sie bereits zur bekanntesten Künstlerin dieser Biennale geworden.

Es folgten Happenings in New York wie das 14th Street Happening: Kusama lag auf dem Bürgersteig inmitten weißer, rotgepunkteter phallusartiger Kissen. In Walking Piece ging sie in einem pinkfarbenen Kimono und einem mit Plastikblumen dekorierten Regenschirm durch New York.

Ab 1966 organisierte Kusama eine Reihe unangekündigter, gegen Autoritäten und insbesondere gegen den Vietnamkrieg gerichteter Aktionen an symbolträchtigen Orten wie der Wall Street, der Freiheitsstatue und dem Skulpturengarten des Museum of Modern Art.[2] Bei diesen von ihr als Body Festivals und Anatomic Explosions bezeichneten Veranstaltungen entkleideten sich freiwillige Teilnehmer und ließen ihre Körper von Kusama mit Punkten bemalen, während sie selbst in gepunkteter Kleidung vollständig bekleidet blieb.[2] Die öffentliche Nacktheit sollte Aufmerksamkeit erregen; auch das Einschreiten der Polizei trug zur Bekanntheit der Aktionen bei.[2]

Ebenso wie in ihren Halluzinationen sollten die Punkte Grenzen aufheben. Dieses Prinzip bezeichnete Kusama als Self-Obliteration, als Auflösung des individuellen Selbst in einem unendlichen Zusammenhang.[6] Damit wollte sie Grenzen zwischen ihrer Kunst, den Menschen und ihrer Umgebung sowie zwischen den Menschen untereinander auflösen. Das Self Obliteration Event, das 1967 an der Brooklyn Bridge stattfand, zählt zu ihren bekanntesten Aktionen. Viele dieser Veranstaltungen wurden von der Polizei aufgelöst. In den Fotosessions, Happenings und Events sind Elemente erkennbar, die im Nachhinein als Vorläufer der Kunstrichtung Performance gesehen werden können.

Ende der 1960er-Jahre übernahm Kusama Ideen der Hippiebewegung: Anarchismus, Pazifismus, Nudismus und freie Liebe. Für Kusama diente die Idee freier Sexualität dem Pazifismus und der Überwindung von Trennungen zwischen Menschen.[6] Zu ihren kommerziellen Projekten in New York gehörten die zeitweilige Boutique Kusama’s Korner bei Bloomingdale’s und eine Schwulenbar namens Kusama’s Omophile Klub.[2] Anfang der 1970er gründete sie mehrere Firmen wie Kusama Fashions oder das nicht jugendfreie Magazin Kusamas Orgy. Der Erfolg blieb jedoch aus, und sie kehrte 1973 nach Japan zurück.

Rückkehr nach Japan

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In Tokio verdiente Kusama ihren Lebensunterhalt zunächst mit dem Handel westlicher moderner und zeitgenössischer Kunst, bis die Ölkrise Mitte der 1970er-Jahre den japanischen Wirtschaftsaufschwung beendete.[2] Anschließend schuf sie von Joseph Cornell angeregte Collagen.[2] Sie begann außerdem, literarisch zu arbeiten, und veröffentlichte mehr als ein Dutzend Romane, darunter das teilweise autobiografische Werk Manhattan Suicide Addict, sowie mehrere Gedichtbände.[2]

Als ihre Panikattacken und Halluzinationen stärker wurden, begab sich Kusama 1977 freiwillig in das Seiwa-Krankenhaus in Tokio, das bis zu ihrem Tod ihr ständiger Wohnort blieb.[2] Sie arbeitete in einem nahegelegenen Atelier weiter an neuen Gemälden, Skulpturen und Installationen.[5][6] Die emotionale Sicherheit des Klinikalltags ermöglichte ihr eine intensive künstlerische Produktion, zu der farbkräftige Gemälde mit netzartigen Strukturen, Blumen und Figuren gehörten, die teilweise an ihre surrealistisch beeinflussten Arbeiten der 1950er-Jahre anknüpften.[2]

In den späten 1980ern hatte Kusama in Japan mehrere Einzelausstellungen, mit denen sie ebenso in Europa wieder bekannt wurde. 1993 vertrat Kusama Japan auf der Biennale von Venedig und kehrte damit als offiziell eingeladene Künstlerin an den Ort ihrer Aktion Narcissus Garden zurück.[6]

Kusama arbeitete 1992 mit Peter Gabriel zusammen, als sie eine von 11 Künstlern war, die Bilder für Gabriels Art From Us-Projekt schufen. Das von David Scheinmann fotografierte Artwork der CD-Single Lovetown von Gabriel von 1993 zeigt einen Ausschnitt aus dem Bild US (The Return of Eternity) von Yayoi Kusama,[8] deren Arbeit auch das Musikvideo des Liedes inspirierte. 1996 kuratierte sie einen von vier Songs (Mud: Come Talk to Me) für die multimediale CD-ROM-Produktion Eve von Peter Gabriel.[9]

In den späten 1990er- und frühen 2000er-Jahren schuf Kusama erstmals seit rund drei Jahrzehnten wieder raumfüllende Installationen, darunter vollständig mit Punkten bedeckte Räume und ihre unendlich reflektierenden Infinity Mirror Rooms.[2] Kusama arbeitete weiter an ihrem Gesamtwerk mit Variationen der Polka Dots und Infinity Nets. Ab 2009 arbeitete sie an der Serie My Eternal Soul, für die sie zeitweise alle ein bis zwei Tage ein neues Gemälde schuf.[5] Mehrere Rauminstallationen wie Dots Obsession von 1999 und 2007, als eine Projektion von Lichtpunkten in einem Raum 2001 in Odense, verfolgten das Thema weiter.

2006 wurde sie mit dem Praemium Imperiale („Nobelpreis der Künste“) in der Sparte Malerei ausgezeichnet, 2009 zur Bunka Kōrōsha, einer Person mit besonderen kulturellen Verdiensten, ernannt. 2012 wurde sie als Ehrenmitglied in die American Academy of Arts and Letters gewählt.[10] 2016 wurde sie mit dem Kulturorden ausgezeichnet.

Am 14. August 2026 starb Kusama im Alter von 97 Jahren in einem Krankenhaus in Tokio. Ihr Tod wurde vom Yayoi Kusama Museum und der Yayoi Kusama Foundation bekanntgegeben.[2] Todesursache war laut japanischen Presseberichten multiples Organversagen.[11]

Yayoi Kusama Museum in Tokio

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Yayoi Kusama-Museum

Ende September 2017 eröffnete die Künstlerin in Tokio ihr eigenes Museum.[5] Es ist ihrem Werk gewidmet und wird von einer Stiftung betrieben, die Yayoi Kusama gegründet hatte, um die Ausstellung ihrer Bilder und Installationen nach ihrem Tod zu sichern.[5] Halbjährlich wechselnde Ausstellungen waren vorgesehen.[5] Das fünfstöckige Gebäude befindet sich im Stadtviertel Shinjuku.[5] Die Eröffnungsausstellung trug den Titel Creation Is a Solitary Pursuit, Love Is What Brings You Closer to Art und zeigte 45 Werke, darunter 16 Arbeiten aus der Serie My Eternal Soul.[5] Kusama stellte die Auswahl der Werke für diese erste Präsentation selbst zusammen.[5]

Der Kunstberater Yasuaki Ishizaka, ehemaliger Chef von Sotheby’s in Japan, urteilte: „Sie ist eine der ersten Japanerinnen – vielleicht sogar die einzige Japanerin –, die eine alle Altersgruppen umfassende große internationale Fangemeinde in Asien, Europa und den USA hat.“[5] Im 21. Jahrhundert stieg das internationale Interesse an Kusamas Werk ebenso stark wie dessen Marktwert; die Künstlerin selbst bezeichnete das Phänomen als „Kusamania“.[2] Als eines ihrer Infinity-Net-Gemälde von 1960 im Jahr 2014 bei Christie’s für 7,1 Millionen US-Dollar versteigert wurde, war es das bis dahin teuerste bei einer Auktion verkaufte Werk einer lebenden Künstlerin.[2]

Spätestens seit den 2010er-Jahren entwickelte sich Kusama auch zu einem weltweiten Publikumsmagneten; 2018 verkaufte das Broad in Los Angeles 90.000 Eintrittskarten im Vorverkauf für eine Ausstellung mit ihren Arbeiten, und auch die Präsentation ihrer Infinity Mirror Rooms im Tate Modern war rasch ausverkauft.[6] Die mit Spiegeln und Lichtinstallationen ausgestatteten Infinity Rooms wurden zu besonders publikumswirksamen Attraktionen von Museen und Galerien, wobei die kurze Aufenthaltszeit häufig vor allem für Selbstporträts genutzt wurde.[2] Damit griff die Rezeption der Räume auch jenen ästhetisierten Narzissmus auf, den Kusama bereits 1966 in Narcissus Garden thematisiert hatte.[2]

In ihren späteren Jahren nutzte Kusama ihre Kunst für die Werbung für kommerzielle Produkte, darunter Kosmetikartikel und Autos.[2] Durch ihre gepunktete Kleidung und ihre fluoreszierenden Perücken mit Pagenschnitt wurde sie über die Kunstwelt hinaus zu einer unmittelbar wiedererkennbaren Figur der Populärkultur.[2]

Kusamas Werk wurde in der Kritik häufig durch ihre Biografie und ihre psychische Erkrankung gedeutet, eine Perspektive, die sie mit ihren eigenen Äußerungen über Halluzinationen und künstlerische Therapie selbst förderte.[2] Dadurch fanden ihre formalen Fähigkeiten, ihre bildnerische Erfindungskraft und ihr selbstreflexiver Witz teilweise weniger Beachtung, obwohl gerade ihre frühen New Yorker Arbeiten von den damaligen Kritikern wegen dieser Eigenschaften geschätzt wurden.[2]

2023 geriet sie wegen rassistischer Passagen in der japanischen Originalausgabe ihrer 2002 erschienenen Autobiografie Infinity Net in die Kritik und bat wegen der verletzenden Sprache öffentlich um Entschuldigung.[19] Die Debatte überschattete die Eröffnung der Ausstellung Yayoi Kusama: Infinite Love im San Francisco Museum of Modern Art.[19]

  • Heather Lenz: Kusama – Infinity. USA. 2018[20]
Commons: Kusama Yayoi – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

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  1. 草間弥生. In: デジタル版 日本人名大辞典+Plus bei kotobank.jp. Abgerufen am 16. Dezember 2011 (japanisch).
  2. 1 2 3 4 5 6 7 8 9 10 11 12 13 14 15 16 17 18 19 20 21 22 23 24 25 26 27 28 29 30 31 32 33 34 35 36 37 38 39 40 41 42 43 44 45 Holland Cotter: Yayoi Kusama, Pop Artist Who Expanded and Endured, Dies at 97. In: The New York Times. 26. August 2026, abgerufen am 27. August 2026 (englisch).
  3. Caroline Ha Thuc: A Deep Dive into the Soft Sculptures of Yayoi Kusama. 14. November 2022, abgerufen am 16. März 2025 (englisch).
  4. vgl. Kōdō-ha
  5. 1 2 3 4 5 6 7 8 9 10 Motoko Rich: Yayoi Kusama, Queen of Polka Dots, Opens Museum in Tokyo. In: The New York Times. 26. September 2017, abgerufen am 22. März 2026 (englisch).
  6. 1 2 3 4 5 6 7 8 9 10 11 12 13 14 15 Katharina Abel: At 97, Japan's art icon Yayoi Kusama is Instagram-ready. In: Deutsche Welle. Abgerufen am 22. März 2026 (englisch).
  7. Siehe: Alexandra Matzner, Yayoi Kusama im Louisium, Dänemark, 2015–2016.
  8. Peter Gabriel Ltd.: Lovetown. CD-Inlay. Hrsg.: Epic Records / Sony Music. New York City, New York, USA 1994 (amerikanisches Englisch).
  9. Peter Gabriel Ltd.: Lovetown. PeterGabriel.com, 2024, abgerufen am 1. April 2024 (britisches Englisch).
  10. Honorary Members: Yayoi Kusama. American Academy of Arts and Letters, abgerufen am 14. März 2019.
  11. 前衛芸術家の草間彌生さん死去、97歳 水玉や網目の作品で世界的に評価:中日新聞Web. Abgerufen am 27. August 2026 (japanisch).
  12. Seite zur Ausstellung (Memento vom 24. Mai 2014 im Internet Archive), abgerufen am 23. Mai 2014.
  13. Moderna Museet: Yayoi Kusama: In Infinity. Abgerufen am 13. März 2026.
  14. Roberta Smith: Into the Land of Polka Dots and Mirrors, With Yayoi Kusama. In: nytimes.com. 23. Februar 2017, abgerufen am 14. Oktober 2017 (englisch).
  15. Berliner Festspiele: Yayoi Kusama: Eine Retrospektive - Gropius Bau. Archiviert vom Original (nicht mehr online verfügbar) am 2. Juni 2021; abgerufen am 31. Mai 2021.
  16. Yayoi Kusama: Infinity Mirror Rooms. Step into infinite space. Tate Gallery, 18. Mai 2021, abgerufen am 1. April 2024 (britisches Englisch).
  17. Yayoi Kusama. Fondation Beyeler, 12. Oktober 2025, abgerufen am 27. August 2026 (Schweizer Hochdeutsch).
  18. Yayoi Kusama: 14. März – 2. August 2026. Museum Ludwig, abgerufen am 27. August 2026.
  19. 1 2 Robin Pogrebin: Yayoi Kusama Apologizes for Past Racist Remarks. In: The New York Times. 17. Oktober 2023, abgerufen am 22. März 2026 (englisch).
  20. Kusama: Infinity. Abgerufen am 1. August 2026.