York Minster

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York Minster
York Minster, Westfassade
Langhaus in Blickrichtung zum Chor
Chor in Blickrichtung Langhaus
Kapitelsaal
Spätgotisches Netzrippengewölbe über der Vierung des York Minsters

York Minster (Münster), offiziell: „Cathedral and Metropolitical Church of Saint Peter in York“[1] ist die größte mittelalterliche Kirche in England und Sitz des Erzbischofs von York. Nach einer Bauzeit von 250 Jahren wurde sie im Jahre 1472 fertiggestellt. Bis heute zieht sie täglich hunderte von Touristen aus der ganzen Welt an und ist neben den kleinen Gässchen, der Universität und einigen Museen die Hauptattraktion der Stadt York. Besonders beeindruckend an dieser im gotischen Stil erbauten Kathedrale ist die Größe. Eine Fensterwand ist beispielsweise so groß wie die Länge eines Tennisfeldes. Eindrucksvoll sind ebenfalls die zwei Türme der Westfassade und der mächtige, quadratische Vierungsturm, der sich über der Mitte der Kathedrale erhebt.

Baugeschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Vorgeschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Zur Römerzeit befand sich an der Stelle des heutigen Minsters das Hauptquartier des römischen Legionskastells Eboracum, dessen Überreste in der Ausstellung unter der Kirche zu sehen sind.

Die heutige Kirche besaß mindestens drei Vorgängerbauten.[2] Für die erste, von Beda Venerabilis erwähnte Kirche, in der 627 König Edwin von Paulinus getauft wurde, existieren keine archäologischen Nachweise. Sie war vermutlich aus Holz. Ein etwa zehn Jahre später fertiggestellter Steinbau wurde Ende des 7. Jahrhunderts durch Bischof Wilfrid erweitert. Er brannte 741 ab und wurde durch einen stattlichen Neubau ersetzt.[3] Diese Kirche wurde 1069 bei der Niederschlagung des Aufstands der Angelsachsen gegen den Normannen Wilhelm den Eroberer stark beschädigt und bei einem Wikingereinfall 1075 endgültig zerstört.

1080 begann der erste normannische Erzbischof Thomas von Bayeux mit dem Bau einer normannischen Kirche nach dem Vorbild der Kathedrale von Bayeux. Diese überstand den Stadtbrand 1137 beschädigt und wurde in den folgenden Jahrzehnten durch Anbauten vergrößert. Walter de Gray, der 1216 Erzbischof von York wurde, begann mit dem Bau der heutigen gotischen Kirche. Dabei wurde die romanische Kirche abschnittsweise durch den Neubau ersetzt. Säulensümpfe des Vorgängerbaus sind in der Ausstellung unter der Kirche zugänglich. Dort befindet sich auch das Grab des Heiligen Paulinus.

Heutiger Bau[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der gotische Neubau begann mit dem südlichen Querhaus 1230–41, gefolgt vom nördlichen Querhaus 1241–60 mit der Fenstergruppe der „fünf Schwestern“. Das Langhaus wurde von 1291–1324 errichtet, sein großes Westfenster 1338 eingesetzt. Das Chapter House wurde 1342 vollendet, es folgte 1361–1370 der östliche Chor ("Retrochoir") und 1380–1400 der westliche Teil des Chors. Der Nordturm der Westfassade entstand 1470–74, der Südturm 1433–77. 1472 wurde die Kirche geweiht.

Wegen der langen Bauzeit stammen die verschiedenen Bereiche der Kirche aus unterschiedlichen Epochen der Gotik. Es entstanden im 13. Jh. die Querschiffe im Early English Style, im 14. Jh. Hauptschiff und Kapitelhaus im Decorated Style und im 14./15. Jh. der Chor und die Türme im Perpendicular Style. Haupt- und Querschiffe sowie der Chor sind dreischiffig. Die Kirche ist insgesamt 175 m lang, das Hauptschiff ist 35 m breit und 32 m hoch. Der Vierungsturm und die Westtürme erreichen eine Höhe von 65 m.

Das Langhaus wurde von 1291 bis 1324 errichtet. Die Pfeiler haben vorgelegte Dienste verschiedener Stärke, wobei zum ersten Mal der von zwei schlanken Nebendiensten begleitete kräftige Gewölbedienst ohne Unterbrechung vom Boden aufsteigt und das fünfteilige Triforium in die Fenstergliederung miteinbezogen ist. Charakteristisch ist die lichte Klarheit des Raumes, die Betonung der Vertikalen, die gitterartige Auflockerung der Raumgrenzen. Für den Entwurf des Langhauses konnte bis in Einzelheiten der Gestaltung eine entscheidende Beeinflussung durch den Kölner Dom festgestellt werden [4]. Während die Seitenschiffe kreuzrippengewölbt sind, wurde über dem Mittelschiff ein Gewölbe aus Holz eingezogen, das 1890 erneuert wurde. Die Innengestaltung des Vierungsturms erfolgte 1400–23. Die Höhe des Mittelschiffs beträgt 30 Meter, seine Breite 15 Meter.

Zum Chor hin wird das Langhaus durch den Lettner abgeschlossen. Die Steinmetzarbeit von ~1420 erhält die lebensgroßen Figuren von 15 englischen Königen. Als letzte, fünfzehnte Figur wurde Henry VI. nachträglich eingefügt, nachdem sein Vater während der Bauzeit 1422 plötzlich verstorben war. Der Lettner ist daher unsymmetrisch. Die Figur von Henry VI. wurde nach dessen Ermordung entfernt und mehrmals durch andere Könige ersetzt. Erst 1810 wurde die heutige Figur geschaffen, die wieder Henry VI. darstellt.[5] Ursprünglich war der Lettner farbig gestaltet, wie heute nur noch das Gewölbe des Durchgangs zum Chor.

Das meiste andere Inventar der vorreformatorischen Zeit fiel den Wirren der Reformationszeit zum Opfer.

Brände und Renovierungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Gleich viermal wurden Teile des Minsters durch Brände schwer beschädigt: 1753 brach ein Feuer im südlichen Querschiff aus. 1829 legte ein religiöser Fanatiker im Raum des Chores ein Feuer, das das mittelalterliche Chorgestühl und das Chorgewölbe zerstörte. Am 20. Mai 1840 vergaß ein Handwerker eine Kerze. Daraufhin brannte das Dach des Kirchenschiffs und das hölzerne Gewölbe ab.[6] Das Gewölbe wurde originalgetreu wiederhergestellt. 1984 schlug der Blitz im südlichen Seitenschiff ein. Dabei wurde das Rosenfenster schwer beschädigt Bei der Wiederherstellung des eingestützten hölzernen Gewölbes veranstaltete das Kinderprogramm des BBC einen Wettbewerb um die Gestaltung neuer Schlusssteine. 1988 wurde das neue Gewölbe fertiggestellt.

1967 stellte sich heraus, dass der Mittelturm einsturzgefährdet war. Bei der Erneuerung der Fundament stellte sich heraus, dass die Vierung und das südliche Querschiff quer auf den Überresten des römischen Hauptquartiers errichtet worden war. Ebenfalls wurden Überreste der normannischen Kirche gefunden.

1989/90 war das Steinwerk des Westfensters, des sogenannten Heart of Yorkshire, durch die Luftverschmutzung so erodiert, das es komplett ersetzt werden musste. 1998 gestaltete der Künstler Rory Young die Steinmetzarbeiten am Bogen des Hauptportals mit Darstellung aus der Genesis neu.[7]

Fenster[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das York Minster ist berühmt für seine Fenster; sie sind die größte Sammlung mittelalterlicher Fenster in England.

  • Das Westfenster (1338) wird wegen des herzförmigen Maßwerks im oberen Teil auch "Heart of Yorkshire" genannt.
  • Jesse-Fenster (ca. 1310)
  • Glockengießer-Fenster (14. Jahrhundert)
  • Das Five Sisters-Fenster (ca. 1260) schließt das nördliche Querschiff ab.
  • St.-William-Fenster (1422)
  • St.-Cuthbert-Fenster (ca. 1435)
  • Das Rosenfenster (ca. 1500) ist der Abschluss des südlichen Querschiffs.

Die „Fünf Schwestern“

Das so genannte Five Sisters Window (Fünf-Schwestern-Fenster) besteht aus fünf Lanzettfenstern, die jeweils fast 17 Meter hoch und anderthalb Meter breit sind. Damit sind sie die größten Kirchenfenster Englands. Das mittlere Fenster zeigt im untersten Feld Daniel in der Löwengrube. Dieses Stück ist einer der wenigen Überbleibsel aus der normannischem Kirche. Das an Handarbeiten erinnernde Ornament hat Charles Dickens in seinem Roman Nicholas Nickleby zu einer Geschichte von fünf Schwestern verarbeitet, deren Stickereien Vorlage der Fenster wurden.

Das Rosenfenster erinnert an die Beendigung der Rosenkriege.

Orgel[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Orgel geht zurück auf ein Instrument der Orgelbauer Elliott & Hill aus dem Jahre 1832. Vorhanden ist davon noch das Orgelgehäuse. Das Orgelwerk wurde 1859 von den Orgelbauern Hill & Sons, 1903 und 1961 von dem Orgelbauer J. W. Walker reorganisiert, und zuletzt von dem Orgelbauer G Coffin im Jahre 1992 restauriert.[8] Das Instrument hat heute 84 Register auf vier Manualen und Pedal. Die Trakturen sind elektrisch.[9] Die Orgelpfeifen sind auf der Schauseite bemalt.

I Great Organ C–a3
1. Double Open Diapason 16′
2. Gedeckt 16′
3. Open Diapason I 8′
4. Open Diapason II 8′
5. Open Diapason III 8′
6. Salicional 8′
7. Wald Flute 8′
8. Stopped Diapason 8′
9. Octave 4′
10. Principal 4′
11. Harmonic Flute 4′
12. Octave Quint 223
13. Super Octave 2′
14. Block Flute 2′
15. Larigot 113
16. Sesquialtera II
17. Mixture III
18. Furniture IV
19. Cymbel IV
20. Cornet V
21. Contra Posaune 16′
22. Posaune 8′
23. Trumpet 8′
24. Clarion 4′
II Swell Organ C–a3
25. Bourdon 16′
26. Violin Diapason 8′
27. Diapason Celeste 8′
28. Stopped Diapason 8′
29. Echo Gamba 8′
30. Voix Celeste 8′
31. Principal 4′
32. Open Flute 4′
33. Fifteenth 2′
34. Full Mixture III
35. Sharp Mixture III
36. Oboe 8′
Tremulant
37. Contra Fagotto 16′
38. Cornopean 8′
39. Horn 8′
40. Clarion 4′
III Solo Organ C–a3
41. Viole d' Orchestre 8′
42. Viole Celeste 8′
43. Chimney Flute 8′
44. Echo Dulciana 8′
45. Concert Flute 4′
46. Bassoon 16′
47. Crumhorn 8′
48. Orchestral Oboe 8′
49. Vox humana 8′
Tremulant
50. Contra Tuba 16′
51. Tuba 8′
52. Bombarde 8′
53. Tuba Mirabilis 8′
IV Choir Organ C–a3
54. Lieblich Bourdon 16′
55. Open Diapason 8′
56. Lieblich Gedeckt 8′
57. Gamba 8′
58. Gemshorn 4′
59. Claribel Flute 4′
60. Twelfth 223
61. Fifteenth 2′
62. Tierce 135
63. Mixture III
Tremulant
Pedal Organ C–f1
64. Double Open Wood 32′
65. Double Open Diapason 32′
66. Open Wood 16′
67. Open Diapason 16′
68. Violone 16′
69. Gamba 16′
70. Sub Bass 16′
71. Principal 8′
72. Violoncello 8′
73. Flute 8′
74. Fifteenth 4′
75. Choral Flute 4′
76. Recorder 2′
77. Mixture IV
78. Sackbut 32′
79. Trombone 16′
80. Ophicleide 16′
81. Fagotto 16′
82. Tromba 8′
83. Trumpet 8′
84. Shawm 4′

Kapitelhaus[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das achteckige Kapitelhaus wurde um 1280 erbaut. Es ist vom nördlichen Querschiff aus zugänglich. Die 44 Sitze rings an den Wänden sind in kleine polygonale Nischen eingelassen, wodurch eine zarte, ondulierende Raumbewegung entsteht. Überwölbt ist es von einem Sterngewölbe.

Gewölbe[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Sonstiges[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Vor dem Portal des südlichen Querhauses lag einst die Mitte der von Säulen getragenen Vorhalle des römischen Hauptquartiers. Hier wurde 306 der zukünftige Kaiser Konstantin der Große zum Nachfolger seines Vaters Constantius Chlorus ernannt.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Harry Batsford, Charles Fry: The Cathedrals of England, 7th Edition, B. T. Batsford Ltd., London 1948
  • Werner Schäfke: Englische Kathedralen. Eine Reise zu den Höhepunkten englischer Architektur von 1066 bis heute. Köln 1983. (DuMont Kunst-Reiseführer), S. 186, Abb. 58-62; Farbtafel 24, 25
  • Alain Erlande-Brandenburg: Gotische Kunst. Herder, Freiburg-Basel-Wien 1984. S. 863
  • Wim Swaan: Die großen Kathedralen. Köln 1969, S. 208, Abb. 238-243
  • Rolf Toman (Hrsg.): Die Kunst der Romanik. Architektur – Skulptur – Malerei. Köln 1996, S. 225

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Harry Batsford, Charles Fry: The Cathedrals of England, S. 106
  2. Baugeschichte auf der Homepage des Minsters (engl.)
  3. Baugeschichte im York Minster Guide (engl.)
  4. Hans J. Böker: York Minster’s Nave: The Cologne Connection. In: Journal of the Society of Architectural Historians 50, 1991, S. 167–180.
  5. York Minster. Guidebook. 2016, S. 24f.
  6. Kathedrale von York – Brände durch Brandstiftung, Blitzschlag und vergessene Kerzen
  7. York Minster. Guidebook. 2016, S. 17
  8. Nähere Informationen zur Orgel
  9. Zur Disposition (PDF; 48 kB)

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: York Minster – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Koordinaten: 53° 57′ 43″ N, 1° 4′ 55″ W