Yuz Asaf

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Yuz Asaf (auch: Yus Asaph, Yuza asif, Yuza Asif, Shahzada Nabi Hazrat Yura Asaf oder Yuza Asaf) war ein Heiliger im nordindischen Srinagar, den Indologen mit der Legende von Barlaam und Josaphat, die islamische Gruppe der Ahmadiyya aber mit Jesus von Nazaret identifiziert. Nach dem Glauben der Ahmadis hatte Jesus die Kreuzigung durch römische Soldaten überlebt und war nach seiner Genesung nach Kaschmir ausgewandert, wo er ein sehr hohes Alter erreichte und in Srinagar begraben wurde.

Etymologie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Dem Dozenten Bhajan Noam zufolge bedeutet die Aufschrift Youza Asouph einer Tafel an seinem Grab (Roza Bal) wörtlich "Sohn des Joseph".[1] Auch gemäß Autorin Isabel Scharrer ist Sohn des Josef in verschiedenen Büchern eine Bezeichnung für Yus Asaf.[2]

Isabel Scharrer weist auch auf die Nennung des Namens Yus Asafs in zwei großen, antiken Büchern hin, die in der Sprache Urdu verfasst sind, wo er aber etwa "Führer (Yuz) der Geheilten" (Asaf = gereinigt, geheilt) bedeute.

Iain Anderson übersetzt in seinem Aufsatz "Mirza Ghulam Ahmad von Qadian. Leben, Auftrag, Botschaft und Erfolg des verheißenen Messias und Mahdi des Islam" (1991, Frankfurt a. M.) Yuz Asaf mit "Jesus, der Versammler".[3]

Siddhartha, von Būdāsaf zu Yūzāsaf[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In arabischen und persischen Versionen der Legende von Barlaam und Josaphat variiert der Name des Prinzen Siddhartha Gautama von Būdāsaf zu Yūdāsaf zu Yūzāsaf.[4] In Kamal-ud-din des Ibn Bābūya (g. 962) kommt Būdāsaf (Josaphat) als „Yūdāsaf“ vor. In den Schriften der Lauteren Brüder von Basra, der Ikhwan al-Safa (1405), kommt Siddhartha-Josaphat als Yūzāsaf vor.[5]

In Fida Hassnain's Übersetzung der Legende von Barlaam und Josaphat, die sich Ghulam Ahmad's Übersetzung anschließt, ist das Wort Yuzasaf in zwei Worte aufgeteilt: Yuz Asaf. Nach Ghulam Ahmad's (1835–1908)[6] Überzeugung ist der in der Legende vorkommende Prinz Siddhartha Gauthama[7] mit Jesus von Nazareth identisch.[8]

Yuzasaf ist hergeleitet vom sanskritischen Wort Bodhisattva. Dieses Wort wurde in persischen Texten des 6. oder 7. Jahrhunderts zu Bodisav geändert. In einem arabischen Dokument des 8. Jahrhunderts variiert der Name schließlich zu Budhasaf und Yudasaf. Die arabische Schreibweise für "b" ( ﺑ ) ändert sich durch einen zusätzlichen Punkt zu "y" ( ﻳ ).

David Marshall Lang weist in einem Aufsatz (1960) darauf hin, dass die Verbindung des Buddhisten Yuzasaf mit Kaschmir teilweise auf einem Druckfehler in der arabischen Version Baalham und Josaphats von Mumbay zurückzuführen sei, worin Kaschmir (arabisch: كشمير) an der Stelle Buddhas traditionellem Sterbeort Kushinagar (Pali: كوشينر) genannt ist.[9]

Verschiedene Theorien zu Jesus in Kaschmir[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Theorie des Todes Jesu (Yuz Asaf) in Kaschmir vertrat der Gründer der Ahmadiyya, Mirza Ghulam Ahmad, in seinem Werk Massih Hindustan Mein i. e. Jesus in Indien seit 1891. Basierend auf mündlichen Überlieferungen der Kashmiri, soll es sich bei Yuz Asaf um Jesus von Nazaret handeln, der nach Srinagar in Kaschmir geflohen sei, wo er bis zu seinem Tod im Alter von 120 Jahren gelebt habe.[10]

Yuz Asaf oder Jusu (Jesus) in asiatischen Geschichtswerken[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Tibetische, persische und sanskritische Schriften der dortigen Historiker hätten zum Teil ausführlich von Jesus, der unter dem Namen Jusu oder Yuz Asaf als Mitglied von Karawanen von Palästina nach Indien (erste Reise) bzw. nach der Kreuzigung und seiner Rettung vom Kreuz nach Kaschmir reiste (zweite Reise), berichtet.[11]

Geschichten über Reisen Jesu entstanden wohl, weil die Wurzel des hebräischen Worts Messias („Gesalbter“) im Arabischen fehlt und dort dieser Titel als Reisender gedeutet wurde. Auch ist erst im Arabischen Jesus (Mittel- und Neugriechisch „Isus“) zu `isa geworden, die Identifizierung mit „Aisch“, „Yuz“ o. ä. stammt wohl von Mirza Ghulam Ahmad.

Geographische Bezeichnungen mit Jesus[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Lokale Ortsnamen würden ebenfalls von Jesus in Kaschmir zeugen, der in lokalen Sprachen auch als „Isa“ bzw. „Issa“ oder „Aisha“ bekannt sei. Am Eingang zu Kaschmir existiere beispielsweise eine Jesuswiese „Yusmarg“ oder das Kloster Aishmuqam (Aish = Jesus, muqam = Ort).

Weitere Namen in Kaschmir, die sich auf Jesus (Yuz Asaf) beziehen würden, sind alle Zusammensetzungen mit „Issa“, „Aish“ bzw. „Yusu“: Issa-Brari, Issa-eil, Issa-Kush, Issa Mati, Issa-Ta, Aish Muqam, Yusu-gam, Yusu-hatpura, Yusu-kun und andere.

Postuliertes Jesusgrab in Srinagar[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das „Grab des Propheten“

Das Grabhäuschen „Roza Bal“[12] befindet sich in der Khanyar-Straße in der Altstadt. U. a. laut dem Sufi und Historiker Fida Hassnain ist Jesus dort bestattet.[11] Es besteht aus einem tiefliegenden rechteckigen Gebäude mit einer erhobenen Plattform, die frontseitig mit Relingen umgeben ist. Das Häuschen hat drei Bögen an der Front, wo sich auch der Zugang befindet, und vier Bögen seitlich. In einer hölzernen Kiste kann man durch ein Sichtfenster in das Grab sehen. Man interpretiert in die Grabplatte gehauene Vertiefungen als Abbild großer Narben, die von einer Kreuzigung stammen sollen. Das Grab sei nach jüdischer Tradition von Ost nach West ausgerichtet.

Das Grabmal wurde von Angehörigen der Ahmadiyya-Familie bewacht. Diese Familie, die dem muslimischen Glauben angehört, gibt an, dass sie die Nachfahren des Yuz Asaf seien. Da es aber zu Spannungen kam zwischen der Familie und Behörden bzw. dem lokalen Imam wegen zahlreicher Anfragen und Nachforschungen durch Ausländer, wurde das Grab einem muslimischen Verein übergeben.[11]

Mirza Ghulam Ahmad vertritt auch die Ansicht, dass Yuz Asaf im muslimischen Rozabal-Schrein begraben ist, der sich im Mohala Kan Yar-Distrikt von Srinagar befindet. Es wird behauptet, dass in dem Grabmal ein Mann begraben ist, der sowohl ein Prinz als auch ein Prophet gewesen sei (um 100).

In buddhistischen Aufzeichnungen ist die Rede von einem Grabmal eines Bodhisattva, bei dem es sich um die fünfte Wiedergeburt Buddhas handele. Seine Lehren wurden oft mit denen Jesu verglichen, auch soll er den späten Buddhismus beeinflusst haben.

Zeitgenössische Kommentare[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Ansicht, dass Yuz Asaf (Jesus) in Kaschmir weilte, wurde auch von Anhängern der New-Age-Bewegung aufgegriffen.

Vertreter der Theorie weisen auf den Text des Tarikh-i-Kashmir von Khwaja Hassan Malik aus dem 17. Jahrhundert hin, in dem berichtet wird, dass Yuz Asaf im Jahre 78 nach Kashmir gekommen sei. Der Eintrag ist jedoch mittlerweile unlesbar geworden.

Parallelen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Historiker Johannes Fried geht zwar ebenfalls davon aus, Jesus die Kreuzigung überlebt habe, argumentiert jedoch, dass er zunächst nach Ägypten geflohen und später um das Jahr 52 nach Jerusalem zurückgekehrt sei. Die mit ihm verbundene Bewegung habe in der Gruppe der Nazoräer weitergelebt.[13][14]

Grab Marias in Pakistan[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Es wird behauptet, dass sich in Murree in Pakistan das Grab der Heiligen Maria, der Mutter Jesu befindet.[15] Murree ist Kaschmir so nah, dass man von einem bestimmten Punkt in den Bergen von Murree bis nach Kaschmir sehen kann. Nahe Murrees innerhalb Pakistan befindet sich in Lahore auch das 1876 gegründete Kloster von Jesus und Maria, das auf eine von Claudine Thévenet gegründete Gemeinschaft zurückgeht. Auch der Apostel Thomas soll als Gast des Königs Gondophares den Weg bis ins heutige Pakistan gefunden haben.[16]

Golgatha und Srinagar[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Golgatha (= Golgota, Mt 27,33 EU, dt. Schädelhöhe, Ort der Kreuzigung Jesu) sei nach Ghulam Ahmad gleichbedeutend mit Srinagar (Sir, Hindi = Schädel; Nagar = Stätte; Ort des Grabes von Yuz Asaf). Srinagar sei zur Zeit Jesu im Einklang mit der Erinnerung an dessen Kreuzigung gegründet worden.[17]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Vertreter der Identität von Yuz Asaf mit Jesus[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Mirza Ghulam Ahmad: Jesus in India Online-Version (Memento vom 23. Januar 2008 im Internet Archive)
  • Nicolas Notovitch: The Unknown Life of Jesus Christ, Leaves of Healing Publications (1990), ISBN 0-9602850-1-6 (Nachdruck der Ausgabe aus den 1890er Jahren)
  • Andreas Faber-Kaiser: Jesus died in Kashmir: Jesus, Moses and the ten lost tribes of Israel. Gordon & Cremonesi, 1977, ISBN 0-86033-041-9; deutsche Übersetzung: Jesus starb in Kaschmir. Ullstein, 1998, ISBN 978-3-548-35785-0;
    • Andreas Faber-Kaiser: Jesus lebte und starb in Kaschmir. Edition Esteve, 1976 / 1986, ISBN 2-88240-000-4
  • Holger Kersten: Jesus lebte in Indien – Sein geheimes Leben vor und nach der Kreuzigung, Ullstein, Berlin 1998 (1. Auflage 1981), ISBN 3-548-35490-4
  • Gene Matloc: Jesus and Moses Are Buried in India, Birthplace of Abraham and the Hebrews. 1991 ISBN 0-595-12771-1
  • Khwaja Nazir Ahmad: Jesus in Heaven on Earth: Journey of Jesus to Kashmir, His Preaching to the Lost Tribes of Israel, and Death and Burial in Srinagar, Ahmadiyya Anjuman Ishaat, 1999, ISBN 0-913321-60-5
  • Abubakr Ben Ishmael Salahuddin: Saving the Savior: Did Christ Survive the Crucifixion?, Jammu Pr; 1st Pbk edition 2001, ISBN 0-9708280-1-2
  • Suzanne Olsson: Jesus in Kashmir The Lost Tomb, Gateway Books, 2019, ISBN 978-0-578-49626-9.
  • J.R. Cock: Auftrag Golgatha, 2012
  • Siegfried Obermeier: Starb Jesus in Kaschmir?, Das Geheimnis seines Lebens und Wirkens in Indien, Econ, Düsseldorf, 1983, ISBN 3-442-12359-3
  • Mirza Muzaffar Ahmad: (* 1913 in Qadian, Punjab, Indien): The Lost Tribes of Israel Online-Version (1978 präsentiert auf der International Conference on Deliverance of Jesus from Cross am Commonwealth Institute, London; 1991 veröffentlicht in: The Muslim Sunrise)

Fiktion[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Kritik[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Paul C. Pappas: Jesus’ Tomb in India: The Debate on His Death and Resurrection, Asian Humanities Press (September 1, 1991), ISBN 0-89581-946-5 (schlussfolgert, dass Yuz Asaf nicht Jesus war)
  • Hugh Schonfield: The Essene Odyssey, Element Books Ltd (1993), ISBN 0-906540-63-1 (argumentiert, dass Yuz Asaf ein essenischer Lehrer, jedoch nicht Jesus war)
  • Salcia Landmann: Jesus starb nicht in Kaschmir: ohne Kreuzestod kein Christentum. Herbig, München 1996, ISBN 3-7766-1963-5
  • Günter Grönbold: Jesus in Indien – Das Ende einer Legende. Kösel, München 1985

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Die Frohe Botschaft: Keine Kreuzigung! – mein.yoga-vidya.de - Yoga Forum und Community. Abgerufen am 6. Juni 2020.
  2. Der Roza-Bal-Schrein in Kaschmir: Das Grab Jesu oder nur ein Mythos? - Idealism Prevails. Abgerufen am 6. Juni 2020.
  3. Iain Anderson: Mirza Ghulam Ahmad von Qadian: Leben, Auftrag, Botschaft und Erfolg des verheissenen Messias und Mahdi des Islam. Verl. Der Islam, Frankfurt 1991, ISBN 3-921458-72-2 (199 S., Originaltitel: The life, work, and ideas of the promised messiah of Islam. Übersetzt von Rabia Heike Lutzin, Khadija Ahmad-Koopmann).
  4. Jan Olof Rosenqvist Die Byzantinische Literatur: Vom 6. Jahrhundert Bis Zum Fall … 2012 Page 43 „Kurz danach trifft er mit dem Mönch Barlaam (was dem arabischen Namen Bilawar entspricht) zusammen, der ihn im … Wenn man nun die griechische Wortbildung bei Fremdwörtern in Betracht zieht, wäre die Form stattdessen Budasaf.“
  5. Robert Volk Historia animae utilis de Barlaam et Ioasaph (spuria): Einführung S. 156. Lithographie-Verfahren gedruckte Kamal-ud-din des Ibn Bābūya ist … Asaf herleiten; „da ›Ischu`a‹ der arabisch-christliche Name für Jesus sei, werde, so die Folgerung Ghulam Ahmads, die Identität von Jesus und Yuz Asaf bestätigt. … Ghulām Ahmad aber scheint ganz selbständig eine Manipulation von Yūdāsaf zu Yūzāsaf vorgenommen zu haben, und sie ist für ihn höchst wichtig: Das Grab in Srinagar wurde seit Jahrhunderten als dasjenige des Yūzāsaf (nicht des Yūdāsaf) … in den Traktaten der Lauteren Brüder' (Rasā'il Ih ̆wān as-Safā'), einem philosophisch-enzyklopädischen Werk des 10. Jahrhunderts.“
  6. Ahmadiyya-Gemeinde in Deutschland: Der Nachfolger des verheißenen Messias - Qantara.de. Abgerufen am 8. Juni 2020.
  7. ‚Barlaam und Josaphat’. Abgerufen am 8. Juni 2020.
  8. Rita Kuonen: Islam reformiert Christentum: Was Christen von Muslimen lernen können. Books on Demand, 2018, ISBN 978-3-7431-0433-4 (google.de [abgerufen am 8. Juni 2020]).
  9. TheIndianTrip: Top things to do in Srinagar - Roza Bal. Abgerufen am 5. Juni 2020 (englisch).
  10. Mirza Ghulam Ahmad: Jesus in India. 23. Januar 2008, abgerufen am 20. August 2020 (englisch, Textstelle: Introduction, 8. Absatz).
  11. a b c Michael Fischer: Zuflucht für Jesus (Manuskript Audio-Beitrag). In: Deutschlandradio Kultur. Deutschlandradio, 25. März 2005, abgerufen am 1. Juli 2019 (deutsch).
  12. Bildergalerie (Memento vom 27. September 2012 im Internet Archive)
  13. Johannes Fried über "Kein Tod auf Golgatha" - Hat Jesus die Kreuzigung überlebt? In: Deutschlandfunk Kultur. Deutschlandradio, abgerufen am 28. Juni 2019 (deutsch).
  14. Der überlebende Jesus? - „Kein Tod auf Golgatha“. In: Deutschlandfunk. Deutschlandradio, abgerufen am 28. Juni 2019 (deutsch).
  15. Murree Shrine of "Mary's Grave" : University of Dayton, Ohio. Abgerufen am 23. Juli 2020.
  16. faszinationpakistan: Murree – Kam Jungfrau Maria bis Pakistan? In: Faszination Pakistan. 10. Juli 2018, abgerufen am 25. Juli 2020 (deutsch).
  17. Ghulam Ahmad: Jesus in Indien. S. 66 f.