Yva

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Selbstporträt (etwa 1927)
Yva mit Hugo Lederer in dessen Atelier, 1930
Modeaufnahme von Karin Stilke, um 1936
Stolperstein vor dem Haus, Schlüterstraße 45, in Berlin-Charlottenburg
Straßenschild nahe Bahnhof Zoo

Yva, eigentlich Else Ernestine Neuländer-Simon, (* 26. Januar 1900 in Berlin als Else Ernestine Neuländer[1]; † 1942 im Vernichtungslager Sobibor) war eine sehr erfolgreiche deutsche Fotografin mit den Schwerpunkten Akt-, Porträt- und Modefotografie.

Leben und Wirken[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Yva wurde als jüngste von neun Geschwistern in der elterlichen Wohnung in der Großbeerenstraße 36 in der Tempelhofer Vorstadt geboren. Ihre Eltern waren die Kaufleute Siegfried Neuländer und Jenny Neuländer geb. Koch[1]. Im Alter von 25 Jahren gründete sie ihr erstes Fotoatelier in der Berliner Friedrich-Wilhelm-Straße 17. Seit Herbst 1930 befand sich das Atelier in der Bleibtreustraße 17, dann von Frühjahr 1934 an in der Schlüterstraße 45, bis es 1938 wegen Arbeitsverbots geschlossen wurde.

Yva war eine gefragte Modefotografin und veröffentlichte in renommierten Zeitungen und Illustrierten wie Die Dame, Uhu, Berliner Illustrirte Zeitung, Münchner Illustrierte Presse und Das Deutsche Lichtbild. Zudem porträtierte sie prominente Personen des öffentlichen Lebens. Auf dem Höhepunkt ihrer Karriere beschäftigte sie bis zu zehn Angestellte.

1926 arbeitete Yva kurzzeitig mit dem Fotografen Heinz Hajek-Halke zusammen. Ab 1929 arbeitete sie für den Ullstein Verlag.

Nach der Machtergreifung der NSDAP 1933 erhielt sie wegen ihrer jüdischen Herkunft Berufsverbot. Durch die Zusammenarbeit mit der Agentur Schostal konnte sie dies zunächst umgehen. 1934 heiratete sie Alfred Simon, der die kaufmännische Leitung des Ateliers übernahm. Ihrer „arischen“ Freundin, der Kunsthistorikerin Charlotte Weidler, übertrug sie 1936 die offizielle Leitung des Ateliers. Im selben Jahr begann Helmut Neustädter, der später als Helmut Newton berühmte Fotograf, hier seine Lehrlingsausbildung. 1938 musste Yva wegen des Berufsverbotes das Atelier und die Wohnräume aufgeben. Sie arbeitete danach als Röntgenassistentin im Jüdischen Krankenhaus Berlin. Allerdings sind mindestens noch im Jahre 1939 Veröffentlichungen von Fotos mit ihrer Namensnennung nachweisbar.[2]

1942 wurden Yva und ihr Mann verhaftet und am 2. Juni 1942 mit dem 14. Osttransport[3] über Lublin wahrscheinlich in das Vernichtungslager Sobibor deportiert, nachdem sie vorher noch Vorbereitungen zur Auswanderung getroffen hatten. In Sobibor wurde sie wahrscheinlich nach Ankunft des Transports am 15. Juni 1942 ermordet,[4] in der gerichtlichen Todeserklärung wurde als Sterbedatum der 31. Dezember 1944 festgesetzt.

In Berlin ist nach ihr die Straße Yva-Bogen nahe dem Bahnhof Zoo benannt.

Rezeption[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

„Die Berliner Photographin Yva bringt eine neue Art interessanter Aufnahmen, durch die das Anwendungsgebiet der »ruhenden« Photographie (im Unterschied vom Film) wesentlich erweitert wird. Das gilt sowohl in technischer wie vor allem in künstlerischer Hinsicht. Während bisher die Photographie von jedem Objekt nur einen einmaligen Eindruck, von einer Seite und in einem einzigen bestimmten Moment, wiedergeben konnte, halten die neuen Bilder die lebendige Vielgestaltigkeit der Erscheinungen im Rahmen einer einzigen, in sich geschlossenen Darstellung fest. Räumliche und zeitliche Abstände werden überbrückt, die verschiedenen Wesenszüge einer Person in einem einzigen Porträt gesammelt, der Vorstellungsinhalt einer künstlerischen Idee – und sei sie noch so phantastisch – in einem Bilde konzentriert wiedergegeben, so wie er vom Künstler gegenständlich »erschaut« wird. Ein Porträt, wie das des Schauspielers John Gottowt, wird durch das gleichzeitige Erfassen verschiedener Ausdrucksformen innerlich viel plastischer und lebendiger, als es eine einfache Photographie jemals sein kann. Eine andere, stark ins Visionäre gehende Lösung des Porträts zeigt das Bild der Cellospielerin, deren geistiges Zusammenklingen mit ihrem Instrument in einer (auch malerisch sehr wirksamen) Komposition aus den einzig wesentlichen Elementen des Gesichtsausdrucks, der spielenden Hand und der Saiten bildhaft aufgefaßt und wiedergegeben ist.“

Artikel in der Zeitschrift Moderne Welt, VIII. Jahrgang, Heft 9, Oktober 1926[5]

Ausstellungen (Auswahl)[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Ira Buran: Else Neuländer-Simon (Yva) - Leben und Werk, unveröffentlichte wissenschaftliche Hausarbeit, Berlin 1992.
  • Marion Beckers, Elisabeth Moortgat: Yva. Photographien 1925–1938. Ausstellungskatalog Das Verborgene Museum 2001. Ernst Wasmuth Verlag, Berlin 2001, ISBN 3-8030-3094-3.
  • Yva. Else Neulaender. Modephotographie der Dreißiger Jahre Edition Fischer, Berlin 2009, ISBN 978-3-937434-27-8.
  • Marie Madeleine Owoko: Modefotografien der Zeitschrift „Die Dame“ 1930–1939. Frauenbilder „für den verwöhnten Geschmack“: Eine Analyse im Hinblick der bildlichen Inszenierung von Weiblichkeit, Hamburg 2020. ISBN 978-3-339-12000-7
  • Beate Soitzmüller: Yva. In: Ursula Ahrens: Aufbrüche. Frauengeschichte(n) aus Tiergarten 1850–1950. Weidler, Berlin 1999, ISBN 3-89693-138-5.
  • Mila Ganeva: Fashion Photography and Women's Modernity in Weimar Germany: The Case of Yva, in: NWSA Journal, Vol. 15, No. 3 (Gender and Modernism between the Wars, 1918–1939) 2003, S. 1–25.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Commons: Yva – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. a b StA Berlin IVa, Geburtsurkunde Nr. 104/1900
  2. Hilferuf aus der Küche.Wiener Modenzeitung, Jahrgang 1939, S. 40f. (Online bei ANNO).Vorlage:ANNO/Wartung/wmo
  3. Unter https://www.statistik-des-holocaust.de/list_ger_ber_ot14.html finden sich auf Blatt 4, lfd. Nr. 75 u. 76 die Namen von Else und Alfred Simon. Auch eine Erklärung für das oft falsch genannte Datum 13.6. des Transportes findet sich auf dieser Seite.
  4. In der Literatur wird als Todesort auch das Vernichtungslager Majdanek angegeben. Zum 15. Osttransport siehe: Alfred Gottwald, Diana Schulle: Die ‚Judendeportationen‘ aus dem Deutschen Reich 1941-1945. Marix, Wiesbaden 2005. ISBN 3-86539-059-5, S. 215f und Akim Jah: Die Deportation der Juden aus Berlin : die nationalsozialistische Vernichtungspolitik und das Sammellager Große Hamburger Straße. Berlin : bebra-wiss.-Verlag, 2013, S. 628–630.
  5. Photographische Experimente.Die Moderne Welt, Jahrgang 1926, S. 889 (Online bei ANNO).Vorlage:ANNO/Wartung/dmw