Zündapp DB / DBK

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Zündapp DB 200
Zündapp-Logo

Die Motorräder DB 200 mit Rohrrahmen und DBK 200 mit Kastenrahmen wurden zwischen 1935 und 1951 von der Zündapp Werke GmbH in Nürnberg hergestellt. Besonders charakteristisch für diese Baureihe ist der Einzylinder-Zweitakt-Motor mit Doppel-Auspuffanlage.

Das Motorrad Zündapp DB 200 wurde von 1935 bis 1940 sowie von 1947 bis 1951 als zivile und während des Zweiten Weltkriegs als militärische Maschine gebaut. Wegen seiner Robustheit und Zuverlässigkeit bekam es den Beinamen „Bauernmotorrad“. Mit 96.499[1] produzierten Exemplaren und einem geringen Anschaffungspreis trug die DB 200 zur Volksmotorisierung in Deutschland bei. Die Zündapp DBK 200 wurde von 1936 bis 1940 produziert und war in der Anschaffung teuer.

Modellbezeichnung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die verschiedenen Modellbezeichnungen bei der DB-Reihe deuten oft auf nur geringe Ausstattungsunterschiede hin. So verfügte die DBT 200 über einen Tachometer.

D Derby
B Blockbauweise (Schwungscheibe im Gebäuseblock untergebracht)
K Kastenrahmen
L Luxus (zusätzliche Chromteile)
T Tachometer
W Wehrmacht

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Vorkriegszeit (1935–1940)[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Nach der Machtergreifung der Nationalsozialisten im Jahre 1933 kam es zu einem Aktionsprogramm, das die Motorisierung in Deutschland vorantrieb. Für Personenwagen und Motorräder wurden die Steuerfreiheit eingeführt, das Straßennetz erweitert und modernisiert. Die Umsätze der deutschen Motorradhersteller stiegen durch die sich verbessernde Konjunktur rasch an.

Mit dem ab Juli 1933 bei Zündapp beginnenden Ausverkauf der als zuverlässig erwiesenen 175er Derby-Modelle begann der Verkauf des neuen 200er Derby-Modells. Die sonst üblicherweise außen liegende Schwungscheibe wurde im Kupplungsgehäuse untergebracht. Der Zweitaktmotor erhielt statt Nasenkolben nun Flachkolben, allerdings konnte hierfür nicht Schnürles für Flachkolben prädestinierte Umkehrspülung verwendet werden, weil DKW hieran die Lizenz erworben hatte. So wurde bei Zündapp die aufwendigere Dreistromspülung entwickelt, die als „Patentumspülung“ verspottet wurde. Mit der DB 200 und DBK 200 hatte Zündapp begehrte Modelle; die Nachfrage nach ihnen konnte nicht annähernd befriedigt werden.[2] Vor Ausbruch des Zweiten Weltkriegs waren bereits einige Chromteile nur noch in Schwarz lackiert erhältlich. Der Preis einer DB 200 lag in der Vorkriegszeit bei 540 RM und der einer DBK bei 695 RM.[3]

Zweiter Weltkrieg[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Zündapp DB 200 W

Die DB 200 fand aufgrund ihrer Zuverlässigkeit als eine der wenigen Leichtmaschinen Verwendung bei der Wehrmacht. Die Modellbezeichnung wurde mit dem Zusatz W zu DB 200 W ergänzt. Am Rahmen bei der Seriennummer wurde zusätzlich ein W eingeschlagen. Zu den optischen Merkmalen gehörten zwei Packtaschen, Tarnbeleuchtung und mit Farbe überzogene Chromteile.

Nachkriegszeit (1947–1951)[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Nachdem die zerstörten Produktionsanlagen wiederaufgebaut und die Beschränkungen (Motorhubraum, Fertigungsstückzahlen) durch die Besatzer aufgehoben waren, konnte die Produktion wieder aufgenommen werden. 1947 bekam Zündapp eine Fertigungslizenz, und mit der bewährten DB 200 stand ein erprobtes, zuverlässiges Zweitaktmodell zur Verfügung.[4] Am 12. August 1947 verließ die erste Maschine dieses Typs die Fabrik.[5] Mit der Währungsreform am 21. Juni 1948 kostete das bis dahin einzige Zündapp-Modell ca. 1000 DM[6].

Jedoch konnte die Dreistromspülung nicht mehr verwendet werden, denn ein Rechtsstreit ergab, dass dieses Spülverfahren Schnürles Patent verletzte, und Zündapp musste eine hohe Entschädigung zahlen. So griff Zündapp auf die noch aufwendigere Vierstromspülung zurück, die der Berliner Ingenieur Paul Schauer entworfen hatte. Der hohe Fertigungsaufwand zeigt sich daran, dass der Vierstromkolben fünf und der zugehörige Zylinder elf Fenster aufweist. Als das Schnürle-Patent abgelaufen war, stieg Zündapp – wie auch viele andere Hersteller – mit seinem Zweitaktprogramm vollständig auf die Umkehrspülung um.

Um 1965 kehrte die Dreistromspülung in Zündapps Programm von Motoren mit 50 cm³ Hubraum zurück – aber nur kurzzeitig, weil sich keine Vorteile gegenüber der Umkehrspülung ergaben.

Technische Daten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Zündapp DB 200 DB 250 DBK 200 DBK 250
Baujahr:  1935–40/1947–51 1937–40 1936–38 1938–40
Motor:  1 Zylinder, 2-Takt, fahrtwindgekühlt
Hubraum 198 cm³ 247 cm³ 198 cm³ 247 cm³
Bohrung × Hub 60 mm × 70 mm 67 mm × 70 mm 60 mm × 70 mm 67 mm × 70 mm
Leistung kW (PS) bei 1/min:  5 (7) bei 4000 6,25 (8,5) bei 3850 5 (7) bei 3850 6,25 (8,5) bei 4000
Schmierung:  Gemisch 1 : 25
Vergaser:  Bing 2/20/1 Bing 2/22/10 Bing 2/20/1 Bing 2/22/10
Zündung:  Batterie-Zündlicht-Anlage
Beleuchtung:  6 V / 50 W
Primärantrieb:  Kette in Öl
Kupplung:  Jurid-Lamellenkupplung
Getriebe – Schaltung:  Handschaltung am Tank
Sekundärantrieb:  Kette
Starter:  Kickstarter
Rahmen - Bauart:  Schmiedeteile, U-Bleche, Rohr, verschraubt Kastenrahmen blechgepreßt
Vordergabel:  Trapez, blechgepresst
Räder – Bauart:  Speichen
Bereifung:  19 × 3
Bremsen:  Trommelbremse vorne/hinten
Sitz:  Gummi-Schwingsattel
Tank:  Satteltank
Tankinhalt:  12 l 12,5 l
Gewicht:  123 kg 120 kg 123 kg 124 kg
Höchstgeschwindigkeit :  85 km/h 90 km/h 85 km/h 90 km/h
Verbrauch:  ca. 3 l/100 km
seitenwagentauglich:  nein ja

Nachfolgemodelle[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Um den wachsenden Ansprüchen an Komfort, Sicherheit und Fahrvergnügen gerecht zu werden, wurde die DB-Reihe ständig weiterentwickelt.

Modell Änderung
DB 201 Trapezgabel wurde durch eine Teleskopgabel ersetzt
DB 202 Ziehkeil-Vierganggetriebe mit Fußschaltung
DB 203 „Comfort“ 8,7 PS, Bing-Registervergaser, Geradwegfederung des Hinterrades
DB 204 „Norma“ Einfachausführung der 203 ohne Chromteile und Hinterradfederung, Einfachport-Auslass
DB 205 „Elastic“ Hinterradfederung mit Schwinge
DB 234 „Norma Luxus“ Hinterradfederung, Einfachport-Auslass

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Andy Schwietzer: Typenkompass Zündapp : 1922–1984. In: Typenkompass. Basis-Wissen für Motorrad-Freunde. Motorbuch-Verlag, Stuttgart 2008, ISBN 978-3-613-02680-3.
  • Siegfried Rauch, Günter Sengfelder, Reiner Scharfenberg: Zündapp 1922–1984. Motorbuch-Verlag, Stuttgart 2006, ISBN 3-613-02684-8.
  • Brigitte Podszun: Die deutschen Motorräder der Wirtschaftswunderzeit: Typen, Technik, Marken, Clubs. Podszun-Motorbücher, Brilon 1985, ISBN 3-923448-22-8.

Verweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. S. Rauch/G. Sengfelder/R. Scharfenberg: Zündapp 1922–1984. Motorbuch-Verlag, Stuttgart 2006, ISBN 978-3-613-02684-1, DNB 979710898, S. 42.
  2. S. Rauch/G. Sengfelder/R. Scharfenberg: Zündapp 1922–1984. Motorbuch-Verlag, Stuttgart 2006, ISBN 978-3-613-02684-1, DNB 979710898, S. 60.
  3. S. Rauch/G. Sengfelder/R. Scharfenberg: Zündapp 1922–1984. Motorbuch-Verlag, Stuttgart 2006, ISBN 978-3-613-02684-1, DNB 979710898, S. 47 Werbebild.
  4. S. Rauch, G. Sengfelder, R. Scharfenberg: Zündapp 1922–1984. Motorbuch-Verlag, Stuttgart 2006, ISBN 978-3-613-02684-1, DNB 979710898, S. 104.
  5. Ulrich Kubisch, Peter Steinfurth: Oldtimer Markt 10/90. Derby 200.
  6. S. Rauch, G. Sengfelder, R. Scharfenberg: Zündapp 1922–1984. Motorbuch-Verlag, Stuttgart 2006, ISBN 978-3-613-02684-1, DNB 979710898, S. 105.