Złotów

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Złotów
Wappen von Złotów
Złotów (Polen)
Złotów
Złotów
Basisdaten
Staat: Polen
Woiwodschaft: Großpolen
Powiat: Złotów
Fläche: 11,58 km²
Geographische Lage: 53° 22′ N, 17° 2′ OKoordinaten: 53° 22′ 0″ N, 17° 2′ 0″ O
Höhe: 110 m n.p.m.
Einwohner: 18.455
(30. Jun. 2015)[1]
Postleitzahl: 77-400
Telefonvorwahl: (+48) 67
Kfz-Kennzeichen: PZL
Wirtschaft und Verkehr
Straße: DW 188: PiłaDebrznoCzłuchów
DW 189: Jastrowie–Więcbork
Schienenweg: PKP-Linie 203: Kostrzyn nad Odrą–Tczew
Nächster int. Flughafen: Posen-Ławica
Gmina
Gminatyp: Stadtgemeinde
Einwohner: 18.455
(30. Jun. 2015)[1]
Gemeindenummer (GUS): 3031011
Verwaltung (Stand: 2007)
Bürgermeister: Stanisław Wełniak
Adresse: al. Piasta 1
77-400 Złotów
Webpräsenz: www.zlotow.eu



Złotów ['zwɔtuf] (deutsch Flatow) ist eine Stadt in der polnischen Wojewodschaft Großpolen. In der Stadt hat die sie umgebende Gmina Złotów ihren Sitz.

Geographische Lage[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Flatow und Umgebung auf einer Landkarte von 1914

Die Stadt liegt in Hinterpommern am linken Ufer des Flusses Glumia (Głomia), etwa 30 Kilometer nordöstlich der Stadt Schneidemühl (Piła) und 110 Kilometer nördlich der Stadt Posen (Poznań). In ihrer Umgebung befinden sich mehrere Seen.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Flatow nordöstlich der Stadt Schneidemühl – siehe obere Bildhälfte – auf einer Landkarte der Provinz Posen von 1905 (gelb markierte Flächen kennzeichnen Gebiete mit seinerzeit mehrheitlich polnischsprachiger Bevölkerung).
Ehemalige evangelische Kirche (links), entworfen von Karl Friedrich Schinkel.

Ein Burgwall am Ufer des Babbensee war um 700 n. Chr. Sitz eines pomeranischen Stammeshäuptlings. Das Land gehörte den Herzögen von Pommerellen aus dem Haus der Samboriden, bis dieses Herzogshaus 1294 ausstarb. Später herrschte der Deutsche Orden, der sich aber wegen des Flatower Lands ständig mit den Polen im Streit befand. 1370 wurde Flatow als Stadt mit Magdeburger Stadtrecht erwähnt, befand sich aber unter polnischer Herrschaft. Kurzzeitig überließ der polnische König Kasimir III. seinem Enkel, dem Pommernherzog Kasimir IV., um 1375 die Stadt zum Lehen.

1532 erhielt Flatow, das inzwischen stadtherrschaftliche Mediatstadt geworden war, Marktrecht. 1619 wurde mit einer von Jan Potulicki unterzeichneten Urkunde die katholische Pfarrgemeinde Mariä Himmelfahrt gegründet. Sie erhielt unter anderem neuen Hufen Land und 3.000 Gulden. Die turmlose Kirche wurde allerdings erst 1660 durch ihren Stadtherren Andreas Grundinski erbaut. Eine evangelische Kirche bestand schon seit der Reformation, sie wurde während des Dreißigjährigen Krieges zerstört, aber 1652 wieder aufgebaut. Im Polnisch-Schwedischen Krieg wurde 1657 die Flatower Burg von den Schweden angriffen. Durch den Beschuss wurden auch Teile der Stadt, unter anderem das Rathaus zerstört. Nachdem 1688 die Familie Grudzinski ausgestorben war, übernahmen die Dzialynscys die Stadtherrschaft.

Während der Jahre 1709 und 1711 wurde auch Flatow von der Pest heimgesucht. Der Seuche fielen 1650 Einwohner zum Opfer. Zur Versöhnung mit dem zürnenden Gott wurde auf dem Friedhof eine dem heiligen Rochus geweihte Kapelle errichtet. Während des Nordischen Krieges marschierten russische Truppen in den Jahren 1717 und 1718 durch die Stadt. 1734 wurde die Stadt im Laufe des Polnischen Thronfolgekriegs durch russische Truppen zerstört.

Im Zuge der Ersten Polnischen Teilung, mit der die Wiedervereinigung von Westpreußen und Ostpreußen einherging, kam Flatow 1772 wieder zu Preußen und wurde dem Netzedistrikt zugeordnet. Die Stadt hatte sich inzwischen zu einem wirtschaftsstarken Brauerei- und Tuchmacherzentrum entwickelt, wobei der Handel vollständig in jüdischer Hand lag. 1788 wechselte erneut die Stadtherrschaft, nachdem sie Johann von Farenfeld erworben hatte. Dieser verkaufte die Stadt bereits zehn Jahre später an Johann Karl von Gerhardt.

1803 gab es den letzten großen Stadtbrand, dem im 17. und 18. Jahrhundert bereits mehrere ähnliche Katastrophen vorangegangen waren. Durch die Einführung einer neuen preußischen Territorialverwaltung wurde Flatow 1818 Kreisstadt des Kreises Flatow und lag nun in der Provinz Westpreußen. 1820 erwarb das preußische Königshaus die Stadt für 800.000 Taler mit der Festlegung, dass der jeweils älteste Verwandte des Königs die Eigentumsrechte ausübt. Auf Veranlassung des Königs Friedrich Wilhelm III. erhielt Peter Joseph Lenné den Auftrag, die Stadtanlagen zu gestalten, und Carl Friedrich Schinkel wurde beauftragt, den Entwurf für eine neue evangelische Kirche zu erstellen. Ab 1871 entwickelte sich Flatow zu einem Eisenbahnknotenpunkt. Zu der sich daraufhin entwickelnden Industrie gehörte auch die 1881 von Franz Welsch gegründete Bierbrauerei, die sich zu einer der größten in Westpreußen entwickelte. 1907 wurde ihr der Titel „Königlicher Hoflieferant“ verliehen. 1912 entstand mit dem Wasserturm ein heute noch vorhandenes Wahrzeichen der Stadt.

Als eine Folge des Versailler Vertrages mussten 1919 zwei Fünftel des Kreises Flatow an Polen abgegeben werden, die Stadt Flatow verblieb aber trotz heftiger Proteste der polnischen Minderheit bei Deutschland. Sie wurde in die neu geschaffene Provinz Grenzmark Posen-Westpreußen eingegliedert. Als diese 1938 wieder aufgelöst wurde, kam Flatow zu der Provinz Pommern. Am 21. Juni 1924 bestätigte das Reichsgericht die Eigentumsrechte des preußischen Prinzen Friedrich Leopold an Flatow und fällte damit eine wichtige Grundsatzentscheidung zu den Entschädigungsansprüchen des deutschen Adels in der Weimarer Republik.

Gegen Ende des Zweiten Weltkriegs besetzte im Frühjahr 1945 die Rote Armee die Region. Polnischen Quellen zufolge hatte bei der Einnahme Flatows ein polnisches Infanterieregiment der Sowjetarmee mitgewirkt. Dabei wurde die Stadt zu einem Drittel zerstört, hauptsächlich im Zentrum. Bald darauf vurde Flatow zusammen mit ganz Hinterpommern unter polnische Verwaltung gestellt. Die deutsche Stadt Flatow wurde bereits im Juni 1945 in Złotów umbenannt. Es setzte nun die Zuwanderung polnischer Zivilisten ein, die sich der Behausungen und Anwesen der eingesessenen Stadtbevölkerung bemächtigten und die Einwohner daraus verdrängten. In der darauf folgenden Zeit wurden die Einwohner von der örtlichen polnischen Verwaltungsbehörde über die Oder in Richtung Westen vertrieben. Die letzten noch verbliebenen deutschen Einwohner wurden 1946 ausgewiesen oder mussten die polnische Staatsangehörigkeit annehmen.

Bereits im Juni 1945 wurden neue polnischsprachige Schulen eröffnet. 1975 verlor die Stadt ihren Status einer Kreisstadt, den sie erst 1999 zurückerhielt. 1977 nahm das Werk „METALPLAST“ seinen Betrieb auf, das sich zu einem der wichtigsten Industriestandorte der Region entwickelte. 2003 begann die Altstadtsanierung, mit der die wichtigsten Straßenzüge ihren ursprünglichen Charakter zurückbekamen.

Bevölkerungsentwicklung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Jahr Ein-
wohner
Anmerkungen
1783 1,597 davon etwa 600 Evangelische, 300 Katholiken und 714 Juden[2]
1805 1.764 davon 1.058 Christen und 705 Juden[3]
1822 1.853 davon 831 Evangelische, 557 Katholiken und 465 Juden[4]
1849 2.841 [5]
1852 2.772 davon 1.421 Evangelische, 742 Katholiken und 609 Juden[4]
1864 3.172 davon 1.644 Evangelische, 903 Katholiken und 535 Juden[4]
1875 3.510 [6]
1880 3.921 [6]
1890 3.852 davon 2.082 Evangelische, 1.368 Katholiken und 402 Juden[6]
1925 5.939 davon 3.555 Evangelische, 2.105 Katholiken und 211 Juden (800 Polen)[7]
1933 7.112 [6]
1939 7.496 [6]
2012 18.754

Verkehr[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Wojewodschaftsstraße DW188 führt zu den Städten Człuchów (Schlochau) im Norden und Piła (Schneidemühl) im Süden.

Vom örtlichen Busbahnhof fahren Fernbusse nach Bydgoszcz (Bromberg), Warschau über Toruń und Koszalin über Szczecinek (Neustettin). Im Nahverkehr werden Wałcz (Deutsch Krone), Debrzno (Preußisch Friedland), Jastrowie, Chojnice (Konitz), Człuchów und Piła regelmäßig bedient.

Złotów liegt an der Strecke der ehemaligen Preußischen Ostbahn von Berlin über Malbork (Marienburg) nach Kaliningrad. Auf dieser Bahnlinie verkehren heute von Chojnice nach Piła und auch weiter nach Krzyż Wielkopolski (Kreuz) Regionalzüge der Przewozy Regionalne. Stillgelegt ist die Bahnstrecke Świecie nad Wisłą–Złotów und die schon 1945 stillgelegte Bahnstrecke Deutsch Krone–Flatow (Grenzm Pos-Westpr).

Städtepartnerschaften[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Złotów unterhält Partnerschaften zu sechs Städten:[8]

Persönlichkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Söhne und Töchter der Stadt[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Johann Friedrich Goldbeck: Volständige Topographie des Königreichs Preußen, Band 2, Marienwerder 1789, Teil I, S. 99, Nr. 4), und Teil II S. 56.
  • Friedrich Wilhelm Ferdinand Schmitt: Der Kreis Flatow. In seinen gesammten Beziehungen dargestellt. Lambeck, Thorn 1867, S. 245–250.
  • Otto Goerke: Geographie, Statistik und Geschichte des Kreises Flatow, 1899
  • Ernst Bohn: Geschichte des Kirchenkreises Flatow in Westpreußen, 1902
  • Otto Goerke: Der Kreis Flatow. In geographischer, naturkundlicher und geschichtlicher Beziehung. Kreisausschuß, Thorn 1918 (2. Auflage: Heimatkreisausschuss für den Kreis Flatow, Gifhorn 1981 (Enthält zusätzlich: Manfred Vollack: Das Flatower Land in der Zeit von 1918 bis 1945.)).
  • Heimatbuch für den Kreis Flatow, Grenzmark Posen-Westpreußen, Provinz Pommern. 1971
  • Wojciech Wrzesiński (Hrsg.): Ziemia Złotowska. Morskie, Gdańsk 1969.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Złotów – Album mit Bildern, Videos und Audiodateien

Fußnoten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. a b Population. Size and Structure by Territorial Division. As of June 30, 2015. Główny Urząd Statystyczny (GUS) (ZIP-Ordner mit XLS-Dateien; 7,82 MiB), abgerufen am 28. Mai 2016.
  2. Johann Friedrich Goldbeck: Vollständige Topographie des Königreichs Preußen. Band 2, Teil I, Marienwerder 1789, S. 99–100, Nr. 4).
  3. F. W. F. Schmitt: Topographie des Flatower Kreises. In: Preußische Provinzialblätter, Andere Folge, Band VII, Königsberg 1855, S. 116.
  4. a b c Friedrich Wilhelm Ferdinand Schmitt: Der Kreis Flatow. In seinen gesammten Beziehungen dargestellt. Lambeck, Thorn 1867, S. 297.
  5. Amtsblatt für den Regierungsbezirk Marienwerder. Band 43, Nr. 23 vom 8. Juni 1853, S. 135.
  6. a b c d e http://www.verwaltungsgeschichte.de/flatow.html
  7. Gunthard Stübs und Pommersche Forschungsgemeinschaft: Die Stadt Flatow im ehemaligen Kreis Flatow in Pommern (2011)
  8. Twin Towns auf zlotow.pl