Cherry (Unternehmen)

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Cherry GmbH
Logo der Marke Cherry und Unternehmenslogo
Rechtsform GmbH
Gründung 1952 (Vereinigte Staaten)
2016 (Neugründung in Deutschland)
Sitz Auerbach in der Oberpfalz, Deutschland
Leitung Geschäftsführer
  • Manfred Schöttner
  • Günther Seitz
Mitarbeiter 3.100 (2007)
1.501 (2008)[1]
Umsatz

100 Mio. US-Dollar (1984)
200 Mio. US-Dollar (1989)
300 Mio.US-Dollar (1995)
400 Mio. US-Dollar (2007)
188,05 Mio. EUR (2008)[1]

Branche Elektronik
Website www.cherry.de

Die Cherry GmbH ist ein deutscher Hersteller von Peripheriegeräten mit Sitz in Auerbach in der Oberpfalz, der sich auf Entwicklung und Produktion von Computer-Eingabegeräten spezialisiert hat. Bei Tastaturen mit mechanischen Schaltern zählt Cherry mit seiner „MX-Technik“ zu den Marktführern.

Das ursprünglich 1953 in den Vereinigten Staaten gegründete Unternehmen wurde 2008 vom Automobilzulieferer ZF Friedrichshafen AG übernommen. Der neue Eigentümer änderte zunächst nur den Namen in ZF Electronics GmbH, entschied sich aber im Jahr 2011, die Tochter mit seiner Industrietechnik-Sparte zu verschmelzen. Vier Jahre später fiel jedoch die Entscheidung, die Computerperipherie vom übrigen Geschäft zu trennen. Am 1. Januar 2016 wurde der Bereich auf die neu gegründete Cherry GmbH ausgelagert.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Unternehmen wurde 1953 von Walter Cherry (1917–1996) in Highland Park, Illinois in den Vereinigten Staaten unter dem Namen CHERRY Electrical Products gegründet und nach seinem Tod von seinem Sohn Peter weitergeführt. Es wird berichtet, das Unternehmen habe seine Produktion zunächst in einem Restaurantkeller aufgenommen, aber nach nur einem Jahr schon 200.000 US-Dollar Umsatz und einen Gewinn von 15.000 Dollar erwirtschaftet.[2] Im Jahr 1963 wurde unter dem Namen CHERRY Mikroschalter GmbH eine deutsche Tochtergesellschaft gegründet, die im Jahr 1969 neu erbaute Geschäftsräume in Bayreuth beziehen konnte.

Ab 1965 belieferte das Unternehmen die amerikanische Autoindustrie mit seinen Schaltern und begann bald darauf mit dem Bau eines neuen Hauptquartiers mit Geschäftsräumen und Produktionsanlagen in Waukegan, Illinois, das 1970 fertiggestellt wurde. 1972 gründete Cherry das Joint Venture Hirose CHERRY Precision Company in Kawaski, Japan und expandierte mit der CHERRY Electrical Products Ltd. auch ins Vereinigte Königreich.[2] Im Jahr 1973 brachte Cherry schließlich eine Produklinie mit Computer-Tastaturen auf den Markt.

1978 wurde das Unternehmen in eine Aktiengesellschaft umgewandelt. Die deutschen Tochter wechselte als Cherry GmbH ihren Sitz im Jahr 1979 nach Auerbach in der Oberpfalz. In den folgenden Jahren wuchs das Unternehmen ständig weiter und gründete 1980 eine Niederlassung in Frankreich, 1988 die Tochter Cherasia Ltd. in Hongkong, 1992 CHERRY Australia Pty. Ltd. in Melbourne, 1993 CHERRY SRO in der Tschechischen Republik und 1994 TVS CHERRY Private Ltd., ein Joint Venture mit der TVS Group in Indien.[2]

Cherry Corporation[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Werk Bayreuth
Logo von 2005 bis 2008

Die CHERRY Semiconductor wurde im Jahr 2000 verkauft und die verbleibende Cherry Corporation mit Sitz in Pleasant Prairie, Wisconsin ging wieder in Privatbesitz über. Das Unternehmen bediente auch weiterhin die Automobil-, Hausgeräte- und Computer-Industrie mit seinen Produktionsstätten in Europa, Amerika und Asien, sowie weltweiten Verkaufsbüros und Vertriebspartnern. Nach Unternehmensangaben waren von Cherry gefertigte Schalter und andere Bauteile in mehr als 80 Prozent der im Jahr 2005 in Europa produzierten PKWs verbaut.[2]

Im Jahr 2007 beschäftigte Cherry rund 3.100 Mitarbeiter und erwirtschaftete einen Umsatz von 400 Millionen US-Dollar.[3] Von der deutschen Zentrale in Auerbach wurde auch ein Zweigwerk im Bayreuther Stadtteil Wolfsbach mit rund 200 Mitarbeitern betreut. Dieses Werk wurde 1995 neu errichtet und vereinte die beiden früheren Bayreuther Werke in einem Gebäudekomplex. In erster Linie werden in Wolfsbach Baugruppen für die Automobilindustrie im Spritzgussverfahren hergestellt. Die Fertigung in Deutschland umfasste Bauteile aus den Bereichen Automotive, Informationstechnik, Hausgeräte, Elektrotechnik und Maschinenbau.

Im Geschäftsfeld Automotive wurden Anwendungen in den Bereichen Karosserie, Komfort und Sicherheit sowie Antriebsstrang hergestellt. Dazu gehörten Schalter- und Sensorlösungen für das Automobil. Seit 1997 hatte sich der Umsatz des Geschäftsfeldes Automotive verdreifacht. Touch-Controls auf Basis von Infrarot-Technologie, elektronische Drehwahlschalter oder mechanische Präzisionsmikroschalter fanden in Waschmaschinen, Trocknern, Geschirrspülern oder elektrischen Herden und Ceran-Kochfeldern Verwendung.

ZF Electronics GmbH und ZF Friedrichshafen AG[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Logo von 2008 bis 2012

Im Herbst 2008 verkaufte Peter Cherry, Eigentümer und CEO sein Unternehmen an den Automobilzulieferer ZF Friedrichshafen.[4] Als hundertprozentige Tochter des ZF-Konzerns wurde Cherry anschließend in ZF Electronics GmbH umfirmiert. Im Juli 2011 fand die Verschmelzung mit der ZF Friedrichshafen AG statt.

Cherry GmbH[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Zum 1. Januar 2016 wurde der Unternehmensbereich „Computer Input Devices“ (Computereingabegeräte), der zuletzt 12 Prozent des Gesamtumsatzes erwirtschaftet hatte, als Cherry GmbH wieder aus der ZF Friedrichshafen AG ausgegliedert. Der Cherry-Bereich „Industrial Solutions“ (Schalter und Sensoren), mit Produkten vor allem für die Autombilindustrie, verblieb jedoch bei der Muttergesellschaft.[5]

Cherry gehört zu den Unterstützern der FIDO-Allianz, die 2013 den Industriestandard Universal Second Factor (U2F) für eine allgemein anwendbare Zwei-Faktor-Authentifizierung entwickelt hat.

Produkte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Computereingabegeräte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

PC-Tastatur Cherry G85-23000FR-2, PS/2 und USB, französisches Tastaturlayout

Cherry ist in erster Linie als Hersteller von Eingabe-Tastaturen bekannt. Durch die Integration von Magnet- und Chipkartenlesern und biometrischen Fingerabdruck-Sensoren entstanden Spezialtastaturen für Anwendungen in den Bereichen Gesundheitswesen, Security, Point of Sale (PoS). 2006 zeichnete das Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI) mit dem Smart Terminal ST-2000 nach dem SmartBoard G83-6700 (PS/2-Tastatur mit seriellem Leser) und dem SmartBoard G83-6744 (USB-Tastatur mit USB-Chipkartenleser) das dritte Produkt der Cherry GmbH mit der Common-Criteria-Zertifizierung aus. Cherry entwickelt seine Produkte gemeinsam mit Authentec, Gemalto oder Bromba.

Cherry genießt mit seinen höherwertigen mechanischen Tastaturen einen ausgezeichneten Ruf unter Computer-Vielnutzern, da die Tastaturen als sehr langlebig und zuverlässig gelten und ein gutes Tippgefühl bieten. Mehrere andere Tastaturenhersteller (u. a. Razer und "Das Keyboard") verbauen in ihren eigenen Tastaturen Schalter von Cherry.

Cherry-MX-Schalter[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Cherry-MX-Blue-Schalter in einer mechanischen Tastatur
Cherry-MX-Schalter: Cherry MX Blue geschlossen (links) und Cherry MX Brown, geöffnet (mitte und rechts).

Cherry MX ist neben ALPS- und IBM-Buckling-spring-Schaltern die am weitesten verbreitete Variante von Mikroschaltern in mechanischen Tastaturen. Cherry-MX-Schalter wurden Anfang der 1980er Jahre erfunden und patentiert (Patent US4467160.). Es gibt sie in verschiedenen Ausführungen, die üblicherweise nach ihrer Farbe benannt sind und sich durch ihre Betätigungsart und die nötige Betätigungskraft unterscheiden.[6] Die gebräuchlichsten Ausführungen sind Schwarz und Rot (linear) sowie Braun und Blau (taktil). Bei der Betätigung eines taktilen Schalters muss auf halbem Weg ein Widerstand überwunden werden, der ein taktiles Feedback zurückmeldet. Manche Arten besitzen zusätzlich dazu noch einen beweglichen Schlitten, der bei der Auslösung für den typischen Click-Ton verantwortlich ist. Die MX-Green-Schalter bieten das stärkste taktile und akustische Feedback und wurden mit den Knickfederschaltern aus dem IBM Model M verglichen.[7] Die Lebensdauer beträgt laut Herstellerangaben 50 Millionen Tastenanschläge,[8] was bei einem Vielschreiber mit 100 Anschlägen die Minute, Acht-Stunden-Tag, 250 Arbeitstage, für die am häufigsten verwendete Taste "E" mehr als 20 Jahre Lebensdauer bedeuten würde.[9]

Modell Farbe Click Taktil Betätigungskraft Artikelnummer
Cherry MX Black schwarz Nein Nein 600 mN MX1A-11xx
Cherry MX Red rot Nein Nein 450 mN MX1A-L1xx
Cherry MX Brown braun Nein Ja 550 mN MX1A-G1xx
Cherry MX Blue blau Ja Ja 600 mN MX1A-E1xx
Cherry MX Green grün Ja Ja 800 mN MX1A-F1xx

Auszeichnungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im Jahr 2008 erhielt das Werk in Bayreuth die Auszeichnung Bayerischer Qualitätspreis 2008 für Unternehmensqualität in Produktionsunternehmen der Industrie.[10] Ende 2006 erhielt das Unternehmen den Automotive Lean Production Award des Branchenwirtschaftsmagazins Automobil-Produktion. 2005 vergab die Jury des Industriewettbewerbs Industrial Excellence Award den Preis für die europaweit beste Fabrik an die Cherry GmbH in Auerbach in der Oberpfalz.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. a b Elektronischer Bundesanzeiger, 4. März 2010, Jahresabschluss zum Geschäftsjahr vom 1. Januar 2008 bis zum 31. Dezember 2008
  2. a b c d About Us, auf der Website des amerikanischen Tochterunternehmens, abgerufen am 18. September 2016
  3. Automobilzulieferer ZF kauft Cherry. Auf: golem.de, 29. Juli 2008, abgerufen am 18. September 2016
  4. Sven-Olaf Suhl: Autozulieferer ZF übernimmt Cherry Corporation. Auf: Heise Online, 29. Juli 2008, abgerufen am 18. September 2016
  5. Thomas Knauber: „Cherry“ erwacht wieder: ZF gründet neue Tochterfirma. Auf Nordbayern.de, 15. Dezember 2015, abgerufen am 18. September 2016
  6. Igor Wallossek: Mechanische Tastaturen: Marketinghype oder Wunderwaffe? Theorie, Praxis und 5 Tastaturen im Härtetest – Cherry MX Black und MX Red. Tom’s Hardware, 18. Mai 2011, abgerufen am 7. Januar 2014.
  7. Cyril Kowaliski: A first look at Cherry's MX green key switches – Eat your heart out, buckling springs (englisch) techreport.com. 7. März 2013. Abgerufen am 7. Januar 2014: „In both feel and specifications, though, the greens are closer to the buckling spring switches of IBM's iconic Model M keyboards. That makes them uniquely appealing to old-school geeks.
  8. Cherry MX. In: Deskthority Wiki, abgerufen am 18 Septmeber 2016
  9. 100*60*8*250*0.17=2,04 Mill. Anschläge auf der Taste "E" pro Jahr
  10. Preisträger seit 1993. Auf: bayerischer-qualitaetspreis.de, abgerufen am 18. September 2016