Zahlmeister

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche
Deutschlandlastige Artikel Dieser Artikel oder Absatz stellt die Situation in Deutschland dar. Hilf mit, die Situation in anderen Staaten zu schildern.

Unter Zahlmeister versteht man allgemein eine Person, die berufsmäßig Zahlungen vornimmt und Gelder verwaltet. Beim Militär bekleidete der Zahlmeister auch einen Offiziersrang. In Österreich wurde diese Verwaltungsaufgabe im Heer durch einen so genannten Truppenrechnungsführer wahrgenommen.[1] Sowohl der Beruf als auch der militärische Rang existieren heute nicht mehr und das Wort wird lediglich noch gelegentlich als Metapher verwendet, besonders von Journalisten in Zeitungsartikeln.[2]

Auch in der zivilen Seeschifffahrt gehört der Zahlmeister üblicherweise nicht mehr zur Besatzung. Eine Ausnahme bilden noch Fahrgastschiffe. Allerdings verdrängt das englische Wort Purser nach und nach den deutschen Begriff.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In der kaiserlichen Marine hatte der Marine-Stabszahlmeister den Rang eines Kapitänleutnants, der Marine-Oberzahlmeister den eines Oberleutnants zur See und der Zahlmeisteraspirant gehörte zu den Deckoffizieren.[3] Namentliche Beispiele für Marine-Zahlmeister und Zahlmeisteraspiranten wurden durch die Palästinareise Kaiser Wilhelms II. vom 11. Oktober bis 26. November 1898 bekannt. Zu den Stäben der Yacht Hohenzollern sowie zu den Schiffen Hertha, Hela und Loreley gehörten die Marine-Zahlmeister Heppner (Hohenzollern) und Vorpahl (Hertha) sowie die Zahlmeisteraspiranten Linse (Hela) und Smidt (Loreley).[4]

In der Weimarer Republik wurden die oberen Rechnungs- und Verwaltungsbeamten des deutschen Reichsheeres und der Reichsmarine mit Offiziersrang als Zahlmeister bezeichnet.[1] Der Stabszahlmeister trug auf den Schulterstücken seiner Offiziersuniform je zwei goldene Sterne.[5]

In der Wehrmacht waren Zahlmeister bis zum Ende des Zweiten Weltkrieges Militärbeamte des gehobenen Dienstes und galten als Gehilfen des Kommandeurs in Angelegenheiten, welche die Verwaltung betrafen.[6] Diese im Offiziersrang befindlichen Zahlmeister kümmerten sich bei den unteren Stäben[7] um die Geschäfte und Belange der Heeresverwaltung. Ihnen unterstanden die Rechnungsführer. Es gab die Rangstufen:

Der Zahlmeister im Dienstgrad eines Leutnants trug auf seinen Offiziers-Schulterstücken kunstvoll gestaltete und miteinander verbundene Großbuchstaben: ein „H“ und ein „V“ als Abkürzung für Heeresverwaltung. Das gleiche Schulterstück wie der Zahlmeister, jedoch zusätzlich je ein Stern zierte die Schulterstücke der Oberzahlmeister. Stabszahlmeister trugen zwei Sterne. Oberstabszahlmeister hatten nur die verbunden Großbuchstaben „HV“ auf ihrem – mit Schlaufen versehenen – Schulterstückpaar. Bei Oberfeldzahlmeister kam ein Stern dazu.[9]

Der Zahlmeister in der Kriegsmarine der früheren deutschen Wehrmacht wurde Marinezahlmeister genannt und hatte ab 1935 nicht mehr den Status eines Beamten.[10] Die Bezeichnungen lauteten:

  • Leutnant (V)
  • Kapitänleutnant (V)
  • Korvettenkapitän (V) usw. entsprechend dem Dienstgrad des betreffenden Marinezahlmeisters. Zu seinen Aufgaben zählte die Betreuung der Geldwirtschaft und des Verpflegungswesens.

Verwaltungsoffiziere bei der Marine trugen auf ihren Schulterstücken je einen Hermesstab, einen Stab mit zwei Flügeln, der von zwei Schlangen mit einander zugewandten Köpfen umschlungen wird, und dazu kam je nach Dienstgrad die entsprechende Anzahl an Sternen.

Schiffszahlmeister[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

An Bord von Fahrgastschiffen wird der Zahlmeister auch Proviantmeister genannt. Seine Tätigkeit umfasst vielerlei kaufmännische und finanzielle Bereiche. Unter anderem ist er zuständig für die Auszahlung der Heuer, den Provianteinkauf, die Entrichtung von Hafengebühren, die Führung der Passagier- und Mannschaftslisten, die Zollabfertigung und die Passangelegenheiten der Mannschaft und der Passagiere. Außerdem fungiert ein Schiffszahlmeister als Verwalter der Schiffskasse und oftmals noch als Leiter des Bedienungs- und Küchenpersonals. Berufsmäßig vergleichbar sind die Tätigkeiten mit denen eines Hotelmanagers. Der Schiffszahlmeister besaß ein eigenes Büro, das Zahlmeisterbüro, z. B. auf hochseefähigen Motorschiffen.[11]

Schützenverein[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In Schützenvereinen wird oftmals der Kassenwart als Zahlmeister, bzw. der zweite Kassenwart als Unterzahlmeister bezeichnet.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Wiktionary: Zahlmeister – Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. a b Brockhaus. Handbuch des Wissens in vier Bänden. Bd. 4, Stichwort „Zahlmeister“, S. 678, Spalte 2, Leipzig 1924.
  2. Beispiele: Verwendung des Wortes „Zahlmeister“.
  3. Meyers Großes Konversations-Lexikon. Sechste Auflage, Bd. 20, Stichwort „Zahlmeister“, S. 835, Spalte 2, Leipzig u. Wien 1909.
  4. Das deutsche Kaiserpaar im Heiligen Lande im Herbst 1898. Verlag Ernst Siegfried Mittler und Sohn, Berlin 1899, S. 413 (Liste der Teilnehmer an der Palästina-Reise).
  5. Abbildung Farbtafel Uniformen des Reichsheeres und der Reichsmarine unter Nr. 21 in: Brockhaus. Handbuch des Wissens in vier Bänden. Bd. 4, Tafel zwischen S. 456 u. 457, Leipzig 1929, Neue Ausgabe mit Nachtrag 1933.
  6. Das Taschenlexikon. Bd. 19, S. 19, Spalte 1 Stichwort „Zahlmeister“, Gütersloh 1992, ISBN 3-570-04219-7.
  7. Der Neue Brockhaus, Vierter Band, S-Z, Verlag F. A. Brockhaus, Leipzig, 1942, Stichwort: Zahlmeister
  8. Großes Buch des Wissens. Zweiter Band, Stichwort „Zahlmeister“, S. 1626, Spalte 1, Leipzig 1938.
  9. Farbige Abbildung der miteinander verschlungenen Initialen „HV“ auf einem Schulterstück für Beamte der Heeresverwaltung in: „Die Deutsche Wehrmacht“, Hrsg.: „Cigaretten-Bilderdienst Dresden-A 5“, 1936, unter: „Fahnen und Uniformen der Wehrmacht“
  10. Meyers Lexikon. Achte Auflage. Siebenter Band, S. 1026 Spalte 2, Stichwort „Marinezahlmeister“, Leipzig 1939.
  11. Stichwort „Zahlmeisterbüro“ und Abbildung in: Duden. Bd.3 „Bildwörterbuch der deutschen Sprache“. Mannheim/Leipzig/Wien/Zürich, 1992, S.108 und Bildtafel S. 233 Motorschiff Bild-Nr. 45, ISBN 3-411-04034-3.