Zahnseide

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Zahnseide
Zahnseide mit PTFE-Beschichtung

Zahnseide dient dazu, die (interdentalen) Zwischenräume der Zähne von Zahnbelag (Plaque, Bakterien) und Essensresten zu reinigen. Die Zahnärzteschaft empfiehlt, sie als Ergänzung der täglichen Zahnreinigung zu verwenden: Die Anwendung beuge insbesondere der Zahnkaries, aber auch einer Parodontitis vor. Die Wirksamkeit bzw. das Nutzen-Schaden-Verhältnis der Anwendung von Zahnseide ist jedoch umstritten.[1][2][3][4][5][6]

Zahnseide kann aus Kunststoffen (Nylon, Polyethylen) oder Seide bestehen und ist in ungewachster und gewachster Ausführung sowie mit PTFE-Beschichtung (Teflon, Gore-Tex) erhältlich. Weiterhin gibt es Zahnseide, die mit Fluoriden oder Pfefferminzgeschmack imprägniert ist. Gewachste und beschichtete Zahnseide gleitet zwar leichter über die Zahnflächen, rutscht in der Praxis jedoch auch leichter durch die Finger. Die Reinigungswirkung gewachster und ungewachster Zahnseide unterscheidet sich jedoch nicht.

Das Fädeln der Zahnzwischenräume mit Zahnseide ist eine Ergänzung zur Entfernung von Zahnbelag mit der Zahnbürste, da mit dieser nur ca. 70 % der Zahnoberflächen gereinigt werden kann.

In Deutschland ist die Benutzung von Zahnseide relativ wenig verbreitet: Nach groben Schätzungen haben etwa 20 % der deutschen Bevölkerung Zahnseide im Haushalt, regelmäßig benutzt wird sie jedoch nur von ca. 5 %. In den USA ist die Benutzung von Zahnseide stärker verbreitet, dort nutzten sie 2011 täglich etwa 28 % der Bevölkerung.[7] Mit verantwortlich dafür ist der weitverbreitete Einsatz von Dental Hygienists (zahnmedizinischen Prophylaxehelfern) in den USA.

Ein weiteres Hilfsmittel zur Zwischenraumpflege sind Interdentalbürsten.[8]

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Ähnliche Materialien wie Zahnseide oder Zahnstocher wurden bereits von prähistorischen Menschen benutzt, worauf Rillen an den gefundenen Zähnen hindeuten.

Dem Zahnarzt Levi Spear Parmly (1790–1859, New Orleans, USA) wird die Erfindung der modernen Zahnseide zugeschrieben. Er empfahl 1815 die Zahnreinigung mit Seidenfäden (ungezwirntes Seidengarn). Die Firma Codman und Shurtleft begann 1882 mit der Herstellung von ungewachster Zahnseide. Die Firma Johnson und Johnson ließ sich 1898 Zahnseide patentieren.

Vor dem Zweiten Weltkrieg war Zahnseide auch in den USA nur gering verbreitet. Dann entwickelte der Mediziner Charles C. Bass die noch heute gebräuchliche Zahnseide aus Nylonfäden.[7] Diese war elastischer, scheuerte sich nicht so schnell durch und riss nicht so schnell.

Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde die Benutzung von Zahnseide in den USA stark propagiert. Das 1996 gegründete National Flossing Council verleiht unter anderem den „Floscar“ (Floss-Oscar, Zahnseide-Oscar), gibt ein Online-Journal heraus und führt Zahnseide-Aufklärungskampagnen durch.

Motivation für die tägliche Anwendung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Karies unter dem Kontaktpunkt (Approximalkaries)

Bakterielle Beläge (Biofilme, früher: Plaque) führen einerseits über die Bildung von Säuren zur Entstehung von Karies, andererseits über die Bildung von bestimmten Toxinen zur Entzündung des Zahnfleischs (Gingivitis), der Vorstufe der Parodontitis. Die Zahnzwischenräume sind sogenannte Prädilektionsstellen für die Entstehung beider Erkrankungen, da sie häufig bei der täglichen Mundhygiene vernachlässigt werden.

Ziel ist es, den Zahnbelag zwischen den Zähnen (lat. interdental) zu entfernen. Dort ist die Reinigung mit der Zahnbürste nur bedingt möglich. Während sie die Außen-, Innen- und Kauflächen der Zähne sehr effektiv putzt − die Borsten treffen senkrecht auf die Zahnoberfläche (bei einigen Putztechniken 45 Grad) − erreichen die Borsten die Zahnzwischenräume nur teilweise oder streifen lediglich parallel zur Oberfläche über den Zahn (tangential). Diese mechanische Kraft reicht nicht aus, um den Zahnbelag zu entfernen.

In den Zahnzwischenräumen berühren sich die Nachbarzähne an den Kontaktpunkten. Direkt unterhalb dieser Berührungspunkte sind die Stellen, an denen häufig eine Karies entsteht (Approximalkaries).

Benutzung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Zahnseide legt sich straff und C-förmig um den Zahn.
  • Die Zahnseide wird C-förmig um den Zahn geschlungen. Der Zahn wird vorsichtig mit einigen Auf- und Ab-Bewegungen bis kurz unter dem Zahnfleischsaum gereinigt.
  • Die Anwendung von Zahnseide kann erst ab dem 10. Lebensjahr effektiv geübt werden. Bei Kindern ist die Anwendung von Zahnseide zwischen dem vierten und fünften Milchzahn durch die Eltern sehr sinnvoll, weil hier oft Karies zwischen den Zähnen entsteht. Die Benutzung von Zahnseide empfiehlt sich bis ins hohe Alter, bis zum Verlust des letzten Zahnzwischenraums.
  • Auch überkronte Zähne sollten mit Zahnseide gereinigt werden. Der Schwerpunkt liegt dann aber auf den Kronenrändern, die oft besonders anfällig für die Bildung von Zahnbelag sind.
  • Oft tritt bei Benutzung von Zahnseide Zahnfleischbluten auf. Ein häufiger Grund ist dabei eine Zahnfleischentzündung (Gingivitis). Diese Entzündung geht bei regelmäßiger Anwendung von Zahnseide schnell zurück.

Flossetten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einweg-Zahngeige mit eingespannter Zahnseide

Es gibt kleine Halterungen zum Einspannen von Zahnseide, Flossetten (vom englischen floss, ...seide) genannt, die die Anwendung erleichtern sollen. Meist werden sie als fertigbespanntes Einwegprodukt unter der Bezeichnung Zahnseide-Stick oder Zahngeige angeboten. Der Reinigungseffekt ohne Halter ist bei geübten Personen aber deutlich besser.

Zahnstein und Zahnseide[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Mit Zahnseide kann man nur weichen Zahnbelag (Plaque) entfernen. Zahnstein ist zu fest dafür und muss vom Zahnarzt oder zahnärztlichem Personal entfernt werden. Durch regelmäßige Anwendung von Zahnseide wird Zahnbelag schon im Ansatz beseitigt, so dass als weitere Folge kein Zahnstein entstehen kann.

Im Tierreich[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im März 2009 wurde bekannt, dass Wissenschaftler rund 50 Makaken einer Kolonie in Lop Buri in der Nähe der thailändischen Hauptstadt Bangkok beobachteten hatten, die mit Hilfe menschlicher Haare wie mit Zahnseide ihre Zahnzwischenräume reinigen. Dieses Ritual wird auch an die Jungtiere weitergegeben, indem die Mütter die Zahnreinigung dann besonders gründlich und anschaulich durchführen, wenn ihnen die Jungtiere dabei zuschauen.[9][10]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Wiktionary: Zahnseide – Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen
 Commons: Zahnseide – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. S. Sälzer, D. E. Slot u. a.: Efficacy of inter-dental mechanical plaque control in managing gingivitis–a meta-review. In: Journal of Clinical Periodontology. Band 42 Suppl 16, April 2015, S. S92–105, doi:10.1111/jcpe.12363, PMID 25581718 (Review).
  2. P.P. Hujoel, J. Cunha-Cruz, D.W. Banting, W.J. Loesche: Dental Flossing and Interproximal Caries: a Systematic Review. In: Journal of Dental Research. 85, 2006, S. 298, doi:10.1177/154405910608500404.
  3. C. E. Berchier, D. E. Slot u. a.: The efficacy of dental floss in addition to a toothbrush on plaque and parameters of gingival inflammation: a systematic review. In: International Journal of Dental Hygiene. Band 6, Nummer 4, November 2008, S. 265–279, doi:10.1111/j.1601-5037.2008.00336.x, PMID 19138178 (Review).
  4. D. Sambunjak, J. W. Nickerson u. a.: Flossing for the management of periodontal diseases and dental caries in adults. In: The Cochrane database of systematic reviews. Nummer 12, 2011, S. CD008829, doi:10.1002/14651858.CD008829.pub2, PMID 22161438 (Review).
  5. Iain L. C. Chapple, Fridus Van der Weijden u. a.: Primary prevention of periodontitis: managing gingivitis. In: Journal of Clinical Periodontology. 42, 2015, S. S71, doi:10.1111/jcpe.12366.
  6. Medical benefits of dental floss unproven
  7. a b michigandentalhealth.com: The History of Dental Hygiene – Floss.
  8. DGZMK, Wissenschaftliche Stellungnahme, Mechanische und chemische Plaquereduktion (PDF; 38 kB).
  9. Tierische Mundpflege: Affen benutzen "Zahnseide", Spiegel TV, 12. März 2009.
  10. Zahnpflege bei Affen, Welt Online, 12. März 2009.