Zakrzewo (Powiat Złotowski)

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Zakrzewo
Wappen der Gmina Zakrzewo
Zakrzewo (Polen)
Zakrzewo
Zakrzewo
Basisdaten
Staat: Polen
Woiwodschaft: Großpolen
Powiat: Złotów
Gmina: Zakrzewo
Geographische Lage: 53° 25′ N, 17° 9′ OKoordinaten: 53° 24′ 39″ N, 17° 9′ 18″ O
Einwohner: 1620
Postleitzahl: 77-424
Telefonvorwahl: (+48) 67
Kfz-Kennzeichen: PZL
Wirtschaft und Verkehr
Straße: DW 188: PiłaZłotówCzłuchów
Schienenweg: PKP-Strecke 426: Piła–Tczew
Nächster int. Flughafen: Posen
Gmina
Gminatyp: Landgemeinde
Gminagliederung: 23 Ortschaften
14 Schulzenämter
Fläche: 162,52 km²
Einwohner: 4937
(30. Jun. 2014)[1]
Bevölkerungsdichte: 30 Einw./km²
Gemeindenummer (GUS): 3031072
Verwaltung
Adresse: ul. Kujańska 5
77-424 Zakrzewo
Webpräsenz: www.zakrzewo.org.pl



Zakrzewo (deutsch Zakrzewo, 1935–45 Buschdorf) ist ein Dorf mit Sitz einer Landgemeinde im Powiat Złotowski (Kreis Flatow) in der polnischen Woiwodschaft Großpolen.

Geographische Lage[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Zakrzewo liegt in Hinterpommern am Ostufer des in die Küddow mündenden Flüsschens Glumia, etwa sechs Kilometer nordöstlich der Stadt Flatow (Złotów) und vierzig Kilometer nordöstlich der Stadt Schneidemühl (Piła). An das Straßennetz ist der Ort über die Woiwodschaftsstraße 188 (Człuchów (Schlochau) – Piła (Schneidemühl)) angebunden.

Dorf Zakrzewo (Buschdorf)[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Zakrzewo nordöstlich der Stadt Schneidemühl und nordöstlich der Stadt Flatow auf einer Landkarte der Provinz Posen von 1905 (gelb markierte Flächen kennzeichnen Gebiete mit seinerzeit mehrheitlich polnischsprachiger Bevölkerung).
Zakrzewo nordöstlich der Stadt Flatow auf einer Landkarte von 1914
Bahnhof Zakrzewo

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bereits im Jahre 1491 wird Zakrzewo (der Ortsname „Zakrzewo“ kommt im heutigen Polen 25-mal vor) als Kirchdorf erwähnt. 1544 gehörte das Dorf zu einer Gutsherrschaft, die sich im Besitz von Adalbert und Johannes Zakrzewski befand. Auf einem etwa dreieinhalb Kilometer vom alten Ortskern entfernten Gelände, das ihr 1822 bei der Regulierung der gutsherrlichen und bäuerlichen Verhältnisse zugesprochen worden war, gründete die Gutsherrschaft in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts die Kolonie Nen Zakrzewo, in der sie vorwiegend evangelische Kolonisten ansiedelte.[2]

1871 erhielt der Ort eine Bahnstation der Preußischen Ostbahn (BerlinKönigsberg (Preußen)), heute ist es eine Bahnstation an der Bahnstrecke Tczew–Küstrin-Kietz Grenze.

Vor 1945 gehörte das Dorf zum Landkreis Flatow, bis 1939 zum Regierungsbezirk Marienwerder, danach zum Regierungsbezirk Grenzmark Posen-Westpreußen der preußischen Provinz Pommern. Es gehörte zum Amtsbezirk Glumen (heute polnisch: Głomsk). Zugehörige Ortschaften waren:

  • Neu Buschdorf (heute polnisch: Nowe Zakrzewo),
  • Klein-, Mittel- und Groß Friedrichsberg (Drożyska Małe, -Średnie und -Wielkie).

Gegen Ende des Zweiten Weltkriegs wurde die Region im Frühjahr 1945 von der Roten Armee besetzt. Das Dorf wurde anschließend unter polnische Verwaltung gestellt. Soweit die eingesessenen deutschen Dorfbewohner nicht geflohen waren, wurden sie in der darauf folgenden Zeit von der örtlichen polnischen Verwaltungsbehörde vertrieben.

Seit 1945 ist Zakrzewo dem Powiat Złotowski in der Woiwodschaft Großpolen angegliedert (bis 1998 Woiwodschaft Piła) und ist seit 1983 Sitz und namensgebender Ort einer Landgemeinde.

Einwohnerzahlen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Jahr Ein-
wohner
Anmerkungen
1766 176 [3]
1852 500 [3]
1864 972 insgesamt (in Zakrzewo: 676, davon 559 Katholiken und 101 Evangelische; in Neu Zakrzewo: 274, davon 169 Evangelische und 105 Katholiken)[4]
1900 1.124 darunter 78,1 % Polen
1925 1.203 darunter 223 Evangelische, 975 Katholiken und fünf Juden[5]
1933 1.159 [6]
1939 1.171 darunter 81,9 % Polen (nach anderen 1.214[6])

Religion[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Katholische Kirchengemeinde[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der überwiegende Teil der Einwohner von Zakrzewo war im 19. Jahrhundert katholischer Konfession, zumal der polnischsprachige Anteil der Dorfbevölkerung überwog. Da die Bevölkerung des Kreises Flatow überwiegend der evangelischen Konfession angehörte, gan es in vielen Dörfern keine katholische Kirche. Um 1800 war Zakrzewo Sitz einer römisch-katholischen Propstei, in die die Katholiken der Nachbardörfer ohne eigene katholische Kirche eingepfarrt waren; als Propst fungierte zum damaligen Zeitpunkt der Pfarrer Tuszynski.[7] Um die Mitte des 19. Jahrhunderts gehörten die Katholiken folgender Dörfer zum katholischen Kirchspiel Zakrzewo: Groß Friedrichsberg, Glumen, Karlsdorf, Königsdorf, Lanken, Linde, Ossowo, Pottlitz, Wersk und Polnisch Wisniewke.[8] Von 1903 bis 1939 wirkte hier der Pfarrer Bolesław Domański, der auch politisch aktiv war und sich für die Belange polnischer Minderheiten in der Weimarer Republik einsetzte. Heute gehört die Pfarrei zum Dekanat Złotów I (Flatow) im Bistum Bydgoszcz (Bromberg) der Katholischen Kirche in Polen.

Katholische Dorfkirche[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im 18. Jahrhundert gehörte Zakrzewo zu den vier von insgesamt neunzehn Dörfern im Kreis Flatow, die eine eigene katholische Kirche hatten.[9] Die 1710 erbaute Kirche war ein Fachwerkbau.

Die katholische Kirche Mariji Magdaleni („Maria Magdalena“) wurde 1839 auf Kosten des preußischen Königs Friedrich Wilhelm III. gebaut und ist ein aus Feldsteinen errichteter massiver Bau.

Evangelische Kirchengemeinde[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die evangelischen Kirchenglieder haben in Zakrzewo bis heute kein eigenes Gotteshaus. Vor 1945 besuchten sie die Kirche in Königsdorf (heute polnisch: Czernice). Es gehörte zum Kirchenkreis Flatow der Kirchenprovinz Westpreußen in der Kirche der Altpreußischen Union. Letzter deutscher Geistlicher vor 1945 war Pfarrer Martin Mey.

Heute sind die evangelischen Gläubigen Glieder des Kirchspiels Piła (Schneidemühl) in der Diözese Pommern-Großpolen der Evangelisch-Augsburgischen Kirche in Polen.

Schule[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Pfarrer-Dr.-B.-Domański-Schule in Zakrzewo im Jahre 1969

Bereits im Jahre 1653 bestand in Zakrzewo eine Schule. Die katholische Volksschule, die im 19. Jahrhundert benutzt wurde, stammt aus dem Jahr 1810.[2] Heute trägt sie den Namen des Pfarrers Domański in Würdigung seiner Verdienste um die in Deutschland lebenden Polen in der Zeit von 1931 bis zu seinem Tode 1939.

Die evangelischen Schüler der Kolonie Neu Zakrzewo besuchten anfangs eine evangelische Volksschule in einer benachbarten Kolonie, dann aber auch die katholische Schule in Zakrzewo, wo ihnen ein Lehrer aus einer Nachbargemeinde evangelischen Religionsunterricht erteilte. Wegen des langen Schulwegs wurde in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts von der preußischen Regierung beschlossen, in Neu Zakrzewo zusätzlich eine evangelische Volksschule einzurichten.[2]

Gmina Zakrzewo[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Allgemeines[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der seit 1983 bestehenden Landgemeinde Zakrzewo sind 23 Ortschaften zugeordnet, die auf 14 Ortsteile („Schulzenämter“) verteilt sind. Sitz der Gmina ist das Dorf Zakrzewo.

Die Gemeindefläche umfasst mit 162,52 km² 9,78 % der Fläche des gesamten Powiat Złotowski (Kreis Flatow). Die Gemeinde zählt 4788 Einwohner, von denen 1620 im Zentralort Zakrzewo leben.

Die östliche Gemeindegrenze ist zugleich die Grenze des Powiat Złotowski zum Powiat Sępoleński (Zempelburg) bzw. der Woiwodschaft Großpolen und der Woiwodschaft Kujawien-Pommern. Zwischen 1920 und 1939 war hier die Trennungslinie zwischen dem Deutschen Reich und dem „Polnischen Korridor“.

Nachbargemeinden von Zakrzewo sind:

Gemeindegliederung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Zur Gmina Zakrzewo gehören insgesamt 23 Ortschaften, aufgeteilt auf 14 Ortsteile:

  • Ortsteile:
  • Czernice (Königsdorf)
  • Drożyska Małe (Klein Friedrichsberg)
  • Drożyska Średnie (Mittel Friedrichsberg)
  • Drożyska Wielkie (Groß Friedrichsberg)
  • Głomsk (Glumen)
  • Kujan (Kujan)
  • Ługi (Karlsdorf)
  • Nowa Wiśniewka (Kirschdorf)
  • Osowiec (Kolonie Aspenau)
  • Prochy (Prochy)
  • Stara Wiśniewka (Lugetal)
  • Śmiardowo Złotowskie (Schmirdau)
  • Wersk (Seedorf)
  • Zakrzewo (Zakrzewo, 1935-45 Buschdorf)
  • Übrige Ortschaften: Dzierząźno (Gresonse), Karolewo, Kujanki (Klein Kujan), Łączyn (Marienhain)m Nowe Zakrzewo (Neu Buschdorf), Nowy Głomsk (Neu Glumen), Poborcze (Birkental), Stawnicki Młyn (Stewitzer Mühle) und Wierzchołek (Wersk F).

Verkehr[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Straßen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Durch das gesamte Gemeindegebiet führt in Nord-Süd-Richtung die Woiwodschaftsstraße 188, die die Gemeinde mit den Kreisstädten Człuchów (Schlochau), Piła (Schneidemühl) und Złotów (Flatow) verbindet. Im Ortsteil Śmiardowo Złotowskie (Schmirdau) wird die Gemeinde von der Woiwodschaftsstraße 189 berührt, die in die Nachbargemeinde Jastrowie (Jastrow) bzw. in die bereits in der Woiwodschaft Kujawien-Pommern gelegene Nachbarstadt Więcbork (Vandsburg) führt.

Schienen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Zakrzewo liegt seit 1871 an der früheren Preußischen Ostbahn, die Berlin mit Königsberg (Preußen) verband, der heutigen polnischen Staatsbahnlinie 426 zwischen Kostrzyn (Küstrin) und Tczew (Dirschau). Schon 1929 erhielt die Bahnstation Zakrzewo den Namen „Buschdorf“. Ab 1935 galt dieser Name für den gesamten Ort.

Persönlichkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Friedrich Wilhelm Ferdinand Schmitt: Der Kreis Flatow. In seinen gesammten Beziehungen. Thorn 1867, S. 270.
  • Otto Goerke: Der Kreis Flatow. In geographischer, naturkundlicher und geschichtlicher Beziehung. Kreisausschuß, Thorn 1918 (2. Auflage: Heimatkreisausschuss für den Kreis Flatow, Gifhorn 1981 (Enthält zusätzlich: Manfred Vollack: Das Flatower Land in der Zeit von 1918 bis 1945.)).
  • Friedwald Moeller: Altpreußisches evangelisches Pfarrerbuch von der Reformation bis zur Vertreibung im Jahre 1945. Teil 1: Die Kirchspiele und ihre Stellenbesetzungen. Verein für Familienforschung in Ost- und Westpreussen e. V., Hamburg 1968 (Sonderschriften des Vereins für Familienforschung in Ost- und Westpreußen e. V. 11, ISSN 0505-2734).
  • Manfred Vollack: Das Flatower Land. Ein Bildband unserer grenzmärkischen Heimat. Heimatkreisausschuss für den Kreis Flatow, Gifhorn 1989.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Zakrzewo – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Population. Size and Structure by Territorial Division. As of June 30, 2014. Główny Urząd Statystyczny (GUS) (PDF), archiviert vom Original am 7. Dezember 2014, abgerufen am 28. November 2014.
  2. a b c Preußisches Abgeordnetenhaus: Sammlung sämmtlicher Drucksachen des Hauses der Abgeordneten aus der dritten Session der V. Legislatur-Periode 1861. Band 4, Berlin 1861, S. 27–33.
  3. a b * Friedrich Wilhelm Ferdinand Schmitt: Der Kreis Flatow. In seinen gesammten Beziehungen. Thorn 1867, S. 298.
  4. E. Jacobson: Topographisch-statisches Handbuch für den Regierungsbezirk Marienwerder. Danzig 1868. Ortschafts-Verzeichnis des Regierungsbezirks Marienwerder: Kreis Flatow, S. 16–17.
  5. http://gemeinde.zakrzewo.kreis-flatow.de/
  6. a b http://www.verwaltungsgeschichte.de/flatow.html
  7. Karl Ludewig Amelang (Hrsg.): Neues Archiv der preußischen Gesetzgebung und Rechtsgelehrsamkeit. Band 1, Berlin 1800, S. 272.
  8. Friedrich Wilhelm Ferdinand Schmitt: Topographie der zum ehemaligen Netz-Distrikt gehörigen Kreise Westpreußens. In: Neue Preußische Provinzial-Blätter. Andere Folge, Band 7, Königsberg 1855, S. 42 ff., insbesondere S. 61-66.
  9. Johann Friedrich Goldbeck: Volständige Topographie des Königreichs Preussen. Teil II: Topographie von West-Preussen, Marienwerder 1789, S. 104–105.