Zebulon Simentov

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Zebulon Simentov (auch Zablon Simintov, * 1960 in Herat[1]) ist Teppichhändler und der vermutlich letzte Jude Afghanistans.[2]

Nach der Gründung Israels 1948 und der Aufhebung von Ausreisebeschränkungen 1951 wanderten die meisten der damals rund 5000 afghanischen Juden in den neuen jüdischen Staat aus. Nach der sowjetischen Intervention flüchteten fast alle der 300 verbliebenen Juden. 1996 soll es nur noch rund zehn Personen, meist in der Hauptstadt Kabul, gegeben haben.[3] Während der Herrschaft der Taliban verblieben nur noch zwei Juden im Land: Simentov und der rund 35 Jahre ältere Isaak Levi.

Die beiden letzten Juden Afghanistans waren einander in herzlicher Feindschaft verbunden. Beide lebten im Gebäude der letzten Kabuler Synagoge und betrachteten sich als rechtmäßigen Verwalter des Gotteshauses und Hüter der dortigen, angeblich 400 Jahre alten, handgeschriebenen [1] Thorarolle. Beide beschuldigten einander des Thora-Diebstahls und zeigten einander bei den Taliban an, mit der Folge, dass sowohl Simentov als auch Levi zeitweise von den Taliban inhaftiert und gefoltert wurden.

Der ältere Levi war lange Jahre allein für die in den 1960er Jahren erbaute Synagoge zuständig.[1] 1998 zog Simentov mit ein und wurde zunächst von Levi willkommen geheißen.[4] Der Streit begann, als Simentov Levi vorschlug, seiner Familie nach Israel zu folgen, weil das Klima in Kabul mit seinen kalten Wintern für einen älteren Herrn doch unangenehm sei.[4] Außerdem warf er Levi, der muslimischen Frauen die Zukunft weissagte und Liebestränke verkaufte, vor, dass sein Gewerbe gegen die jüdische Religion verstoße.[4] Die Begründungen, mit denen sich Simentov und Levi gegenseitig bei den Taliban anzeigten, reichten vom Betrieb eines Bordells bis zu Spionage. Während ihrer ersten (gemeinsamen) Inhaftierung plünderten die Taliban die Synagoge und stahlen wertvolle Einrichtung, darunter vier silberne Glöckchen und einen silbernen Thorazeiger. Als Simentov die Thora nach Israel in Sicherheit bringen wollte, beschuldigte Levi ihn bei den Taliban, er wolle die wertvolle Rolle zum eigenen Nutzen verkaufen. Die Taliban beschlagnahmten daraufhin 1999[4] auch die umstrittene Thora, die seitdem verschollen ist.

Die rund siebenjährige Feindschaft der letzten beiden afghanischen Juden endete, als Levi Mitte Januar 2005 starb. Simentov fand ihn tot auf dem Boden der Synagoge liegend und erklärte, er sei nicht traurig darüber, im Gegenteil, nun sei er endlich der Anführer.[4]

Simentov lebt heute in großer Armut allein in der verfallenen Kabuler Synagoge. Seinen Teppichhandel musste er 2001 nach einem Überfall der Taliban, bei dem er seine gesamte Habe verlor, aufgeben. Seine Frau und seine zwei Töchter leben in Israel.

Das konfliktgeladene Verhältnis zwischen Simentov und Levi wurde – angeregt durch die Nachrichtenmeldungen der die US-Truppen begleitenden Reporter über die beiden – zur Vorlage für zwei Theaterstücke: Einmal das Stück Die letzten beiden Juden von Kabul („The Last Two Jews of Kabul“) des Dramatikers Josh Greenfeld; es wurde 2002 in New York aufgeführt, ein anderes Mal die britische Tragikomödie My Brother’s Keeper von Michael Flexer (2006).[5]

Siehe auch[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Quellen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Jason Motlagh: The last Jew in Afghanistan. Alone on Flower Street: He survived Soviets, Taliban – and outlasted even his despised peer. In: San Francisco Chronicle. 2. September 2007 (sfgate.com).

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. a b c Afghan Jew Becomes Country’s One and Only. In: The Washington Post. 27. Januar 2005 (washingtonpost.com).
  2. BBC News: ‘Only one Jew’ now in Afghanistan. 25. Januar 2005.
  3. Alden Oreck: Afghanistan. In: The Virtual Jewish History Tour. (jewishvirtuallibrary.org).
  4. a b c d e Now I’m the only Jew in the city. In: The Times. 29. Januar 2005 (timesonline.co.uk).
  5. totallyjewish.com: Fringe benefits. 15. August 2006.