Zeesen

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche

Koordinaten: 52° 16′ 29″ N, 13° 38′ 28″ O

Zeesen
Höhe: 37 m
Fläche: 9 km²
Einwohner: 5024 (30. Jun. 2014)
Bevölkerungsdichte: 558 Einwohner/km²
Eingemeindung: 26. Oktober 2003
Postleitzahl: 15711
Vorwahl: 03375
Zeesener See von Senzig aus
Wappen von Zeesen

Die Gemeinde Zeesen ist seit der Gemeindereform in Brandenburg am 26. Oktober 2003 ein Ortsteil der Stadt Königs Wusterhausen am Zeesener See.[1][2]

Lage[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Auf einer Fläche von etwa neun Quadratkilometern leben 5024 Einwohner (2014[3]). Körbiskrug ist ein Ortsteil von Zeesen und liegt an der Bundesstraße 179 von Bestensee nach Königs Wusterhausen. Teilflächen der Zeesener Gemarkung gehören zum 1995 gebildeten Naturschutzgebiet Tiergarten, dessen Kern, das alte königliche Jagdrevier Tiergarten, im Norden an das Senziger Luch grenzt. Das Senziger Luch schließt an die Nordspitze des Zeesener Sees an.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

16. bis 18. Jahrhundert[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Ort wurde im Jahre 1542 erstmals als Czeisen in einem Lehnsbrief für Wilhelm von Landsberg urkundlich erwähnt.[4] Der Name kommt aus dem Slawischen und bedeutet Ort, wo Fische mit Netzen gefangen werden.[5]

Im Dreißigjährigen Krieg wurde der Ort schwer verwüstet. 1652 lebten nur noch zwei Bauern.[6] 1688 ließ Freiherr von Eberhard von Danckelmann auf den Grundmauern eines Gutes ein Lustschloss errichten. Das Maison de Plaisance bestand aus einem Herrenhaus mit Nebengebäude und Park und wurde vermutlich von Johann Arnold Nering gebaut, der zur selben Zeit auch deren Berliner Stadtpalais plante. 1697 enteignet Friedrich I. den Freiherren und schenkte das Anwesen seinem Sohn Friedrich Wilhelm I. 1765 verpachtete das preußische Königreich seine Besitztümer für eine jährliche Pacht von 480 Talern an den Amtmann Sydow. In Zeesen lebten zu dieser Zeit etwa 70 Einwohner. Aus dem Jahr 1783 sind ein Förster, ein Schulbedienter, vier Bauern, sechs Kötter, vier Hausleute und ein Gärtner überliefert.

19. Jahrhundert[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bahnhof Zeesen

Anfang des 19. Jahrhunderts wurde in Preußen die Schulpflicht eingeführt. Die Einwohner nutzten ab 1812 das Hirtenhaus am Weidendamm und errichteten dort ein Schulgebäude mit zwei Klassenzimmern und einer Wohnung für den Lehrer. Der Ort erlebte einen wirtschaftlichen Aufschwung, der durch den Anschluss an die Bahnstrecke Berlin–Görlitz im Jahr 1866 weiter befördert wurde. 1870 entstanden zwei Ziegeleien, die Mauersteine insbesondere ins schnell wachsende Berlin liefern. Nach mehrfachen Besitzerwechseln im 18. Jahrhundert erfolgten Anfang des 19. Jahrhunderts Umbauten am Lustschloss, die die Gestalt des Hauses bis ins 21. Jahrhundert prägen. Nicht mehr aufgebaut wurde ein Langhaus für Arbeiter und Angestellte, dass 1877 niederbrannte. An seiner Stelle wurden eingeschossige Wohnhäuser errichtet. Seit Ende des 19. Jahrhunderts war das Schloss Domizil der Berliner Finanz- und Kulturaristokratie und in den 1930er Jahren schließlich Sommerresidenz des Schauspielers und Regisseurs Gustaf Gründgens und seiner Frau, der Schauspielerin Marianne Hoppe. 1892 errichtete die Gemeinde ein neues Schulgebäude am Rand des Dorfes, das nun das Hirtenhaus ersetzte.

20. Jahrhundert[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Während des Ersten Weltkriegs baute das Unternehmen Schütte-Lanz Luftschiffe in Zeesen. Der Werftbetrieb begann im Jahre 1916, montiert wurden hier die Kriegsluftschiffe SL 12, SL 17 und SL 21. Wesentlich bedeutender war an diesem Standort der Bau von Flugzeugen (500 bis September 1918) sowie die Entwicklung und der Bau von Torpedogleitern (über 100), einer frühen Form von Marschflugkörpern. In der Fabrik arbeiteten bis zu 1500 Menschen, so dass die Bevölkerungsanzahl weiter anstieg. Mit dem Friedensvertrag von Versailles musste die Werft jedoch abgerissen werden. 1924 gründete sich die Freiwillige Feuerwehr. Um Wohnraum für Flüchtlinge aus Russland und Polen zu schaffen, wurde 1925 die Fläche auf dem Steinberg parzelliert und unentgeltlich abgegeben. 1927 eröffnete auf Teilen des Schütte-Lanz-Areals die Deutsche Landkraftführerschule ihren Hauptsitz. Weitere Flächen erhielt die Deutsche Reichspost, die in der Schütte-Villa ein Erholungsheim für Postmitarbeiter einrichtete.

Zeesen war von 1929 bis 1945 ein Standort von Kurzwellenrundfunksendern, wobei erstmals Tannenbaum-Antennen eingesetzt wurden. Daneben existierte bis 1939 auch ein hölzerner Sendeturm. 1930 erfolgte die Eingemeindung von Körbiskrug nach Zeesen. Nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges übernahm die Rote Armee das Areal der Deutschen Reichspost und nutzte es als Hospital und Reparaturwerkstatt für Panzer und Lkws. Das Lustschloss diente vorwiegend als Kinder- und Ferienheim und trug bis 1974 den Namen Kreiskinderheim Albert Richter.[7] 1959 erfolgte mit der Kirchweihe der evangelischen Kirche in der Friedenstraße eine der wenigen sakralen Neubauten in der DDR. Nach der Wende kam mit Barbara Lehmann von der SPD im Jahr 1990 die erste frei gewählte Bürgermeisterin ins Amt. Nach der Wende wohnten Mitglieder der linken autonomen Szene im Lustschloss und in einer Wagenburg auf dem Gelände. Dies führte zu häufigen Auseinandersetzungen mit politisch rechts gerichteten Jugendlichen. Seit 1999 steht es leer und verfällt. 1992 eröffnete Manfred Stolpe im Zeesen das erste Gewerbegebiet im Land Brandenburg. In den darauffolgenden Jahren wurde die Infrastruktur sukzessive erneuert. 1993 erfolgte die Grundsanierung der Grundschule, 1996 begann der Ausbau einer zentralen Trink- und Abwasserversorgung der Gemeinde; ein Badestrand am Zeesener See wurde neu gestaltet. Im Jahr 1999 eröffnete der zweite Gewerbepark.

21. Jahrhundert[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Nähe zu Berlin und die Lage an der Berliner Seenplatte führt im 21. Jahrhundert zu einem hohen Bevölkerungszuwachs. Im Jahr 2000 errichteten Handwerker ein Mehrzweckgebäude und eine Turnhalle. Im Jahr 2003 erfolgte unter Protest der Einwohner Zeesens die Eingliederung nach Königs Wusterhausen. 2004 gründete sich ein Zeesener Interessenverein. 2012 wurde die Kirche der Baptisten in der Karl-Liebknecht-Straße eingeweiht. 2013 eröffneten die neue Kindergärten Spatzennest und Tannenzapfen. Im gleichen Jahr wurde die Umgehungsstraße der Öffentlichkeit übergeben. 2017 feiert Zeesen seine 475-jährige urkundliche Ersterwähnung.

Sender Zeesen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Neben den Kurzwellerundfunksendern wurde von 1927 bis 1939 in Zeesen auch der „Deutschlandsender II“ betrieben, der eine T-Antenne besaß, die an zwei 210 Meter hohen abgespannten Stahlfachwerkmasten aufgehängt war. Der westliche dieser Masten stürzte beim Bau im Jahr 1927 ein, als seine Konstruktion eine Höhe von 40 Metern erreichte. Hierdurch verzögerte sich die Fertigstellung der Sendeanlage um drei Wochen, sodass deren Einweihung erst am 20. Dezember 1927 erfolgte. Beim Start des Deutschlandsenders war dieser der stärkste Rundfunksender Europas (Langwelle, 240 kHz).[8][9] Im Jahr 1929 ging hier der Weltrundfunksender auf Sendung.

Von Zeesen aus sendeten die Nationalsozialisten Rundfunkpropaganda insbesondere in den arabischen Raum als „Voice of Free Arabism“ VFA und als „Radio Berlin“, auch in Arabisch. An den Sendungen inhaltlich beteiligt waren die Kollaborateure Mohammed Amin al-Husseini und Raschid Ali al-Gailani. Die politische Bedeutung der Sendungen sowie die Inhalte hat Jeffrey Herf ausführlich dargestellt. Die Sendemasten wurden 1945 von der Roten Armee demontiert, die Funkhäuser gesprengt.[10]

An die Bedeutung des Senders erinnert ein Museum in den Räumen des jetzt dort betriebenen Lokalradios, das Sendermuseum Königs Wusterhausen auf dem Funkerberg.

Der Privatsender Sat.1 drehte von Februar 2015 – Juli 2015 die Reality Show Newtopia auf diesem zu Zeesen gehörenden Gelände.[11]

Wappen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Wappenbeschreibung: Das Wappen ist geteilt und oben in Blau und Gold gespalten. Vorn oben ein goldener Krug; hinten eine grüne Tanne auf einem grünen Berg. Unten in Silber ein blauer Fisch mit Goldauge über einem im Schildfuß gespannten schwarzen Netz.

Vereinswesen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In Zeesen sind zahlreiche Vereine aktiv, darunter der Zeesener Interessenverein, der Anglerverein Zeesen, der Förderverein der Kita Spatzennest, der Schulförderverein der Grundschule Zeesen, der Förderverein der Feuerwehr Zeesen sowie die Volkssolidarität Bürgerhilfe und die Beach Allstars Zeesen BASZ.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Seth Arsenian: Wartime Propaganda in the Middle East. In: The Middle East Journal. Bd. 2, Nr. 4, Oktober 1948, ISSN 0026-3141, S. 421–429.
  • Jürgen Bleibler, Kim Braun, Fritz Everding (Hrsg.): Der Traum vom Fliegen. Johann Schütte – Ein Pionier der Luftschifffahrt. Florian Isensee, Oldenburg 2000, ISBN 3-89598-693-3 (Veröffentlichungen des Stadtmuseums Oldenburg 38).
  • Jürgen Bleibler (Red.): „Im Schatten des Titanen“ Schütte-Lanz. Robert Gessler, Friedrichshafen 2001, ISBN 3-86136-063-2.
  • Dorothea Haaland: Der Luftschiffbau Schütte-Lanz, Mannheim-Rheinau. (1909–1925). Die Geschichte einer innovativen Idee als zeitlich-räumlicher Prozess. Institut für Landeskunde und Regionalforschung, Mannheim 1987, ISBN 3-87804-186-1 (Südwestdeutsche Schriften 4), (Zugleich: Mannheim, Univ., Diss., 1987: Die Geschichte einer innovativen Idee als zeitlich-räumlicher Prozeß, dargestellt am Beispiel Johann Schüttes und des historischen Luftschiffbaus Schütte-Lanz in Mannheim-Rheinau (1909–1925).).
  • Jeffrey Herf: Nazi Propaganda for the Arab World. Yale University Press, New Haven CT u. a. 2009, ISBN 978-0-300-14579-3 (englisch, Zum Sender Zeesen).
  • Jeffrey Herf: Hitlers Dschihad. Nationalsozialistische Rundfunkpropaganda für Nordafrika und den Nahen Osten. In: Vierteljahrshefte für Zeitgeschichte. 58, 2, April 2010, ISSN 0042-5702, S. 259–286.[12]
  • Robert Lewis Melka: The Axis and the Arab Middle East 1930–1945. University of Minnesota 1966, S. 47 f. (Dissertation).[13]
  • Johann Schütte (Hrsg.): Der Luftschiffbau Schütte-Lanz 1909–1925. Oldenbourg, München u. a. 1926 (Reprint: Johann Friedrich Jahn, Oldenburg 1984).
  • Werner Schwipps, Gerhard Goebel, Deutsche Welle (Hrsg.): Wortschlacht im Äther. Der deutsche Auslandsrundfunk im Zweiten Weltkrieg. Haude und Spener, Berlin 1971, ISBN 3-7759-0147-7 (Geschichte des Kurzwellenrundfunks in Deutschland. 1939–1945).[14]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. StBA: Änderungen bei den Gemeinden Deutschlands, siehe 2003
  2. Kommunalverfassungsbeschwerde Verfassungsgericht des Landes Brandenburg, Beschluss vom 24. Juni 2004 – VfGBbg 20/03
  3. 5024 Einwohner in Zeesen zum 30. Juni 2014: Basisinformationen Stadt Königs Wusterhausen offizielle Stadtseite abgerufen am 16. Oktober 2014
  4. Zeesener Interessenverein in Zusammenabriet mit dem Festkomitee 475 Jahre Zeesen(Hrsg.): 475 Jahre Zeesen – Das Programm unserer Vereine zu den Feierlichkeiten der urkundlichen Ersterwähnung von Zeesen im Jahr 1542, keine Datumsangabe, S. 4.
  5. Reinhard E. Fischer: Die Ortsnamen der Länder Brandenburg und Berlin. Alter – Herkunft – Bedeutung. be.bra wissenschaft verlag, Berlin-Brandenburg 2005, ISBN 3-937233-30-X, S. 188 (Brandenburgische historische Studien 13).
  6. Ortschronik, Webseite der Gemeinde Zeesen, abgerufen am 2. März 2017.
  7. Renate Franz: Der vergessene Weltmeister. Das rätselhafte Schicksal des Kölner Radrennfahrers Albert Richter. Überarbeitete Brosch.-Ausgabe. Covadonga Verlag, Bielefeld 2007, ISBN 978-3-936973-34-1, S. 170.
  8. Meyers Enzyklopädisches Lexikon. Bd. 6, S. 697, Mannheim 1972
  9. Peter Manteuffel: In: Wie der Rundfunk in Deutschland begann. ELRO Verlagsgesellschaft mbH, Königs Wusterhausen 1994, S. 24
  10. Jens Rosbach: Nazi-Propaganda auf Arabisch. Neue Untersuchungen zum Antisemitismus des NS-Auslandsrundfunks. In: Deutschlandradio Kultur, 8. Oktober 2010 (mit Bezugnahme auf den „Weltrundfunksender Zeesen“). Abgerufen am 13. April 2012.
  11. Der „Newtopia“-Countdown läuft. Abgerufen am 3. März 2015.
  12. Abstract im Art. Herf.
  13. In Engl. - Arsenian und Melka zufolge setzte das arabische Programm aus Zeesen schon Anfang 1938 ein.
  14. Sie zählen 1939 nur für die Orient-Redaktion im Sender rund 80 Mitarbeiter incl. Sprecher und Übersetzer.