Zeesenboot

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Zeesenboot
Zeesboot „Sannert“ im Hafen Ahrenshoop-Althagen
50. Zeesenbootregatta in Bodstedt
Die Boote im Hafen nach der Regatta mit Teilnehmerwimpel oben am Mast

Ein Zeesenboot, auf plattdeutsch „Zeesboot“ oder „Zeeskahn“, ist ein meist 10 Meter langes, breitrumpfiges Haffboot. Der Name leitet sich von dem eingesetzten Fanggeschirr, der Zeese, ab. Das Segelboot ist für relativ geschützte, flache Gewässer geeignet. Heute werden Zeesenboote überwiegend als Freizeitsegelboote genutzt.

Historisches[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Spätestens seit dem ausgehenden 15. Jahrhundert wurden Zeeskähne als Fischereifahrzeuge vor allem im Bereich der pommerschen Boddengewässer und des Stettiner Haffs eingesetzt, in der Stralsunder Chronik von 1449 spricht Johannes Beckmann vom „Zesekahn“.

Die technische Entwicklung des aus dem vorpommerschen Zeesekahn entstandenen Zeesbootes wurde ab der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts befördert, weil viele Zeesenfischer in ihrer Jugend im Ausland zur See fuhren und sich hierdurch mit der Segeltechnik anderer Regionen vertraut machen konnten.

So kam durch dänischen Einfluss das mittschiffs in einem Schwertkasten gehaltene Schwert nach 1880 in Gebrauch.[1] Vorher wurde ein Seitenschwert benutzt, welches immer leeseitig gefahren wurde. Die Kraweelbeplankung wurde ab der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts üblich, vorher wurde geklinkert.

Ursprünglich waren die Zeesenboote kleine einmastige Boote mit einem Rahsegel. Mit zunehmender Größe der Zeesenboote, am Anfang des 19. Jahrhunderts, wich das Rahsegel einem Luggersegel. Ab ca. 1870 wurden dann Schratsegel eingeführt (Gaffeltakelung). Zum Ende des 19. Jahrhunderts hatte sich auch das Aufstellen eines zweiten Mastes durchgesetzt, welcher dann wieder ein Luggersegel trug. Das Rigg der Zeesenboote entsprach damit dem der heute noch segelnden Schiffe.

Im 19. Jahrhundert und Anfang des 20. Jahrhunderts gab es auf dem Stettiner Haff sogar bis zu 22 m lange Zeeskähne, die jedoch 1908 einer amtlichen Reglementierung zum Opfer fielen.

Der Fischfang mit Zeesenbooten wurde in der DDR noch bis Ende der 1970er Jahre betrieben. Vereinzelt sind ehemalige Zeesboote als motorisierte Kleinkutter noch heute bei den Boddenfischern im Einsatz.

Sehr viele Zeesenboote gibt es insbesondere auf den Boddengewässern hinter der Halbinsel „Fischland-Darß-Zingst“. Diese Schiffe werden von ihren Eignern liebevoll erhalten und gepflegt. Sie werden als private Segelboote oder für touristische Segelausflüge genutzt.

Im Jahre 1909 wurde mit 10 Zeesenbooten die erste Regatta ausgetragen. Heutzutage werden seit 1964 alljährlich Wettfahrten durchgeführt. So fand auf dem Bodstedter Bodden am 6. September 2014 die 50. Zeesenbootregatta statt (siehe Foto), nachdem am Vorabend der neue Hafenkomplex in Bodstedt eingeweiht wurde. An der Regatta nahmen 54 Zeesenboote teil.

Der Schiffsrumpf[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Zeesenboote sind überwiegend spitzgattige, breite und flachliegende, ursprünglich offene Schwertboote in Kraweel- oder Klinkerbauweise aus Eichenholz. Der Achtersteven ist meist gerade und wuchtig, der Vorsteven ist konvex geformt. Der Schiffsrumpf ist mit einem Kielfall angelegt, es gibt 10–13 Plankengänge mit bis zu 4 cm Stärke.

Eine starke Scheuerleiste führt von Steven zu Steven. Zeesen hatten Seitschwerter, die ab ca 1880 durch ein mannshohes, leichter bedienbares Mittelschwert abgelöst wurden. Bei einer Zeese teilen sieben Schotten den Schiffsraum ab (vom Bug zum Heck): Vörunna, Kabelgatt, Denn, Dörrink, Dekem, Stuerplicht, Acht` Derrink. Bis ins 19. Jahrhundert wurden die Zeesboote offen gebaut. Erst ab ca. 1860 gab es eine kleine Kajüte am Bug. Der wasserdurchspülte Fischkasten (Deken) mittschiffs wurde üblich und seit 1858 vorgeschrieben.

Stehendes und laufendes Gut[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Es gibt einmastige Zeesenboote. Meistens handelt es sich aber um ketschgetakelte Zweimaster bzw. bei sehr kurzem Besanmast um Anderthalbmaster. Zeesen besitzen in der Regel zwei durchgehende Pfahlmasten, die am Kielschwein verankert sind. Der vordere Schiffsmast (Großmast oder Vörmast) steht im ersten Drittel des Bootes, der etwas kürzere hintere (Besan oder Hinnamast) im zweiten Drittel des Bootes. Abgestützt werden die Masten durch ein Vorstag am Klüverbaum und je drei seitliche Drahtwanten. Am Mast werden die Wanten am Topp (das oberste Ende des Mastes) befestigt und mittels Jungfern (dreilöchrige Holzscheiben, s.a. Bild) an den Püttingeisen (an der Außenhaut des Schiffes zur Befestigung der Wanten) an der Bordwand steif gesetzt (= festgezurrt). Während die Fock als Stagsegel ausgeführt ist, wird der Klüver lose gefahren. Am Großmast wird ein baumloses Gaffelgroßsegel gefahren. Darüber befindet sich das luggersegelartige Gaffeltoppsegel. Der Besanmast trägt ein Luggersegel, bei Zeesenbooten Bullsegel genannt. Die Segel haben traditionell eine braune Farbe, alle 2 Jahre wurde das Baumwolltuch mit einer heißen Mischung aus Kienteer, Talg, Leinöl und Ockererde imprägniert („geloht“). Die Segel wurden mit einem Tauwerk eingefasst und an einer sechs bis sieben Meter langen Rah angeschlagen. Das Achterliek (hintere Kante des Segels) des Hauptsegels wurde mit einer Kette eingefasst, um bei niedrigen Temperaturen das steife Tuch besser wegfieren zu können. Für das Auf- und Abgleiten der Rah am Mast sorgte ein Rack – ein bogenförmiges Krumholz oder holzkugelbesetztes Tau. Zum Verkleinern der Segelfläche bei Starkwind dienten mehrere Reihen ins Segel eingenähte Reffbändsel. Ab 1900 setzte sich beim Hauptmast das Gaffelsegel durch, während der zweite Mast mit Luggersegel gefahren wurde.

Die Zeesenfischerei[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Gefischt wurde mit der sackartigen Zeese, welche durch die Drift bei dichtgesetzten Segeln und gehobenem Schwert der Boote über Grund gezogen wurde. Das Netz hatte keine Scherkörper, sondern wurde nur zwischen den Driftbäumen (herausragende Stangen) am Heck und dem Klüverbaum der Zeese immer auf der Steuerbordseite gespannt

Gefischt wurde meistens nachts ohne Positionslichter. Eine Drift dauerte zwischen ein bis drei Stunden; dabei bestimmte die Maschengröße des Netzes die Art des Fisches (Hecht, Zander, Aal oder Stint). Dann wurde zur ungefähren Ausgangsposition, also gegen Wind und Strom, zurückgekreuzt und mit der nächsten Drift begonnen.

Siehe auch[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Andreas Dietzel, Ernst U Krohn, René Legrand: Zeesenboote im National Park. 1994 ISBN 3-9803999-0-7
  • Hermann Winkler: Zeesboote. Hinstorff 1986
  • Wolfgang Rudolph: Segelboote der deutschen Ostseeküste. Akademieverlag 1969

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Zeesenboote – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Wolfgang Rudolph, Segelboote der deutschen Ostseeküste, S. 16 und 22