Zehlendorfer Eisenbahn

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Die Zehlendorfer Eisenbahn und Hafen AG, später Zehlendorfer Eisenbahn- und Hafen GmbH, kurz: ZEUHAG war eine Berliner Eisenbahngesellschaft. Die von ihr betriebene Bahnstrecke befindet sich heute im Besitz der RBH Logistics.

Das Unternehmen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im Jahr 1904 wurde die ZEUHAG als Bahngesellschaft gegründet. Seit 1918 gehörte sie als Tochtergesellschaft zur Optischen Anstalt C. P. Goerz und ging mit dieser 1926 in den Zeiss Ikon-Konzern (später: IKON AG) über. Dies blieb so bis in die 1990er Jahre. 1995 wurde die ZEUHAG in den DB-Konzern eingegliedert und war Tochtergesellschaft der DB Cargo Deutschland.

Im Sommer 2011 wurde die ZEUHAG auf die RBH Logistics GmbH verschmolzen und ist nun nur noch ein Geschäftsbereich der RBH.

Geschichte des Betriebes[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Ehemaliger Nordbahnhof der ZEUHAG nahe Lichterfelde West
Lokschuppen der Zehlendorfer Eisenbahn an der Goerzallee, 1988

Die ZEUHAG nahm 1905 den Bahnbetrieb (zunächst als Pferdebahn) auf. Erst im Dezember 1915 wurde die erste Dampflokomotive beschafft.

Gegenstand des Betriebes war zunächst der Transport von Baustoffen, die bei der Errichtung und dem Ausbau des Schönower Industriegebiets benötigt wurden. Alsbald verlagerte sich dies auf den Abtransport der in den Schönower Betrieben gefertigten Güter und die Zulieferung von Rohstoffen für ebendiese Betriebe.

Im Jahr 1919 wurde dann der Betriebszweig Personenverkehr eröffnet. Allerdings diente die ZEUHAG nicht dem öffentlichen Nahverkehr, da sie sich als Privatanschlussbahn darauf beschränken musste, Betriebsangehörige der Werke zu befördern, die ihrem Träger (Optische Anstalt C. P. Goerz) gehörten oder mit diesem verbunden waren. Zu dieser Zeit bildete sich auch der volkstümliche Name „Goerzbahn“.

Nach dem Zweiten Weltkrieg war die ZEUHAG durch den Verlust von Sachmitteln und Personal zunächst am Ende. 1946 wurde der Betrieb wieder aufgenommen. Mit der Berlin-Blockade kam das endgültige Aus für die eigene Betriebsführung. Von nun an übernahm die Deutsche Reichsbahn den Betrieb auf der Anschlussbahn. Mit der Vereinigung der Deutschen Staatsbahnen zur Deutschen Bahn AG am 1. Januar 1994 wurde die Betriebsführung auf der ZEUHAG an DB Cargo übertragen.

Die letzten Dampflokomotiven der ZEUHAG wurden 1966 verschrottet, nachdem sie bis dahin im Schönower Lokschuppen hinterstellt waren. Damit verlor auch der Lokschuppen seine Bestimmung und wurde später jahrelang als Lagerraum genutzt. 1981 konnte der Schuppen dann an die AG Märkische Kleinbahn vermietet werden, die sich dort als Mitbenutzerin mit eigener Betriebsführung etabliert hat und auf dem Gelände ein kleines Eisenbahnmuseum unterhält.

Örtliche Lage[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Nördlicher Ausgangspunkt der Strecke ist der Bahnhof Lichterfelde West an der Strecke der Berlin-Potsdam-Magdeburger Eisenbahn. Von hier aus führt die Strecke in einem Bogen unter der Brücke des Dahlemer Wegs hindurch (vorbei am Ort des ehemaligen Nordbahnhofs), erreicht damit den Ortsteil Zehlendorf und folgt in Randlage dem Verlauf des Dahlemer Wegs (später: Wupperstraße), bis nach etwa drei Kilometern die Wupperstraße überquert und wieder das Gebiet des Ortsteils Lichterfelde erreicht wird. Direkt hinter dem Bahnübergang beginnt der Bahnhof Schönow, der sich bis zur Goerzallee erstreckt.[1] Über die Goerzallee hinaus wird heute nur noch ein Gleis benutzt, über das ein Werk für Kunststoff-Autoteile (Visteon) bedient wird.

Aktueller Betrieb[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Güterzug auf der Goerzbahn

Es werden im Rahmen der Anschlussbedienung nur noch Ganzzüge zwischen dem Herstellerwerk für Kunststoff-Autoteile an der Goerzallee und dessen Stammbetrieb in Köln gefahren. Der Rangierbetrieb obliegt heute ausschließlich einmännig besetzten Diesellokomotiven der Baureihe 365. Der Lokrangierführer bedient dabei nicht nur die Lok, sondern ist auch für das Kuppeln, Entkuppeln und Sichern der Wagen und die Sicherung der nicht technisch gesicherten Bahnübergänge zuständig.

Da die Strecke in Randlage direkt am Dahlemer Weg liegt und viele Bahnübergänge sowie Grundstückszufahrten hat, ist es durch die Bedienungsanweisung der Goerzbahn vorgeschrieben, dass alle Triebfahrzeuge beim Befahren des Streckengleises zwischen Schönow und Lichterfelde West mit einem gelben Rundumlicht ausgestattet sein müssen, um Unfälle mit Kraftfahrzeugen zu verhindern. Zunächst waren diese Rundumleuchten bei wenigen Stammlokomotiven fest montiert. Heute gibt es mobile Leuchten mit Akkubetrieb, die freizügig eingesetzt werden können.

Neben dem täglichen Güterverkehr findet vornehmlich im Bahnhofsbereich Schönow der Betrieb mit Museumsfahrzeugen der AG Märkische Kleinbahn statt. Gelegentliche Befahrungen der Strecke durch Sonderfahrten von Eisenbahnfreunden und den Traditionszug der DB Fernverkehr runden das Geschehen ab.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Die Gleisanlagen des Bahnhofs Schönow. Abgerufen am 6. Juli 2008.