Zeilendurchschuss

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Zur Navigation springen Zur Suche springen
Zeilendurchschuss (1) und Zeilenhöhe ergeben den Zeilenabstand (2)
Textbeispiel ohne und mit Durchschuss

Zeilendurchschuss, auch Durchschuss, Interlinea oder englisch leading [ˈlɛdɪŋ] (von englisch lead [lɛd], deutsch Reglette[1]), bezeichnet in Druckwesen und Typografie den vertikalen Zeilenzwischenraum der Zeichen in einem bestimmten Satz. Wenn sich der Durchschuss zwischen den Zeilen befindet, spricht man auch von durchschossenem Satz, ohne diesen Abstand heißt es kompresser Satz oder kompress gesetzter Text.

Im Bleisatz waren die Regletten diejenigen schmalen Bleistücke (Blindmaterial), mit denen die Zwischenräume zwischen den Zeilen hergestellt wurden. Die Regletten konnten als ein Teil zwischen die Lettern geschossen werden. Durchschuss kennzeichnete also den Abstand von Bleiletterunterkante zu Bleiletteroberkante der darunter angeordneten Zeile.

Der Durchschuss wird oft mit dem Zeilenabstand verwechselt, ist jedoch nicht das Gleiche, denn der Zeilenabstand wird von Grundlinie zu Grundlinie gemessen.

Layout-, Satz- und Textverarbeitungsprogramme geben meist standardmäßig einen Durchschuss von 20 % der Schriftgröße vor. Besonders im Fließtext ist diese Vorgabe ästhetischer und geeigneter als ein kompresser Satz, als optimal ist sie jedoch nur in wenigen Fällen übernehmbar. Verschiedene Faktoren wie die Zeilenlänge, die Schriftgröße oder die x-Höhe der Schriftart wirken sich auf den Durchschuss aus, wenn eine optimale Leserlichkeit gewährleistet werden soll. Nach dem Typografen Jan Tschichold wird dazu ein Durchschuss von 2 bis 6 Punkt benötigt. Ein Durchschuss ab 12 Punkt sei „überwiegend dekorativ“.[2] Das Deutsche Institut für Normung bezeichnet den Zeilenabstand nach DIN 1450 als eine von der Textart abhängige Nenngröße und empfiehlt bei Lesetexten von bis zu 80 Zeichen pro Zeile einen Durchschuss von ungefähr 20 % der Schriftgröße.[3]

Siehe auch[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblink[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. lead, n.1. In: OED Online. Oxford University Press, Juni 2018, abgerufen am 10. August 2018 (englisch): „8. Printing. A thin strip of type-metal or brass, less than type-high, of varying thickness and length, used in type-composition to separate lines; before 1800 known as space-line.
  2. Jan Tschichold: Erfreuliche Drucksachen durch gute Typographie : Eine Fibel für jedermann. Augsburg : MaroVerlag, 2001, S. 92
  3. DIN 1450, Schriften; Leserlichkeit (April 2013). Deutsches Institut für Normung. Berlin: Beuth.