Zeit-Stiftung

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ZEIT-Stiftung Ebelin und Gerd Bucerius
Logo der Zeit-Stiftung
Rechtsform gemeinnützige Stiftung
Gründung 1971
Gründer Gerd Bucerius
Sitz Hamburg
Personen Michael Göring (Vorstandsvorsitzender)
Manfred Lahnstein (Kuratoriumsvorsitzender)
Aktionsraum weltweit
Schwerpunkt Wissenschaft, Kultur und Bildung
Budget 23,3 Mio. Euro (2017)
Stiftungsvermögen 970 Mio. Euro (2017)
Freiwillige 0
Angestellte 33
Motto Wissen fördern – Kultur bereichern – Kompetenzen stärken – Verständigung ermöglichen – Vernetztes denken
Website www.zeit-stiftung.de

Die gemeinnützige Zeit-Stiftung Ebelin und Gerd Bucerius (Eigenschreibweise ZEIT-Stiftung) mit Sitz in Hamburg hat die Förderung von Wissenschaft und Forschung, Kunst und Kultur sowie Bildung und Erziehung zum Ziel. Die Stiftung wurde 1971 von Gerd Bucerius errichtet und trägt den Namen des Stifters, den Titel der von ihm mitgegründeten Wochenzeitung Die Zeit und mit Ebelin den Spitznamen seiner zweiten Frau, Gertrud Ebel.

Frühe Förderungen des Stifters[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Erste Förderungen in den 1970er Jahren galten jungen Journalisten, die mit dem Zeit Fellowship an der Harvard University in Cambridge in den USA arbeiten konnten. Gerd Bucerius engagierte sich in den 1980er Jahren für den stärkeren Wettbewerb im deutschen Hochschulwesen und unterstützte die private Universität Witten/Herdecke mit erheblichen Mitteln. Für die Stärkung der Hamburger Literaturszene erwarb die Stiftung eine Villa an der Außenalster und stellt der Stadt und dem Literaturhaus-Verein das 1989 eröffnete Literaturhaus Hamburg seitdem mietfrei zur Verfügung. In den 1990er Jahren verstärkte die Stiftung ihre Aktivitäten im Wissenschaftsbereich und legte mit dem Gerd Bucerius-Juraprogramm ein Stipendienprogramm für Nachwuchsjuristen auf. Bis zum Tod von Gerd Bucerius hat die Stiftung 90 Einzelvorhaben mit insgesamt 15 Millionen Euro gefördert. Mit dem Tod des Stifters 1995 und seiner Frau 1997 ging das gesamte Privatvermögen des Ehepaars in die Stiftung über. In den letzten zehn Jahren hat die Stiftung Fördermittel in Höhe von mehr als 149 Millionen Euro aufgewendet.

Gremien[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Organe der Stiftung bestehen aus dem Vorstand und dem Kuratorium. Nach dem Tod des Stifters wurde Michael Göring 1997 zum geschäftsführenden Vorstandsmitglied bestellt, seit 2005 ist er Vorstandsvorsitzender[1], Michael Berndt seit 2010 Finanzvorstand. Kuratoriumsvorsitzender ist seit 1995 Manfred Lahnstein.

Leitbild[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Leitbild der Stiftung beginnt mit der Aussage: „Die Zivilgesellschaft ist gefordert, sie muss Lösungen finden für die vielfältigen Herausforderungen der Gegenwart und in der Zukunft. In der Tradition ihrer Stifter Ebelin und Gerd Bucerius sieht sich die Zeit-Stiftung als Teil und Förderer einer liberal-weltoffenen Zivilgesellschaft.“[2]

Förderbedingungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Stiftung möchte ihre Förderung auf von ihr selbst initiierte Vorhaben konzentrieren, fördert aber auch fremde Projekte, vorzugsweise von Antragstellern aus Hamburg. Im Jahr 2017 standen als Erträge aus dem Stiftungsvermögen insgesamt rund 23,3 Millionen Euro zur Verfügung. Als eine der größten privat errichteten deutschen Stiftungen mit einem Stiftungskapital von 970 Millionen Euro (Ende 2017) gründet die Zeit-Stiftung auch eigene Einrichtungen. Große Teile des Jahresbudgets werden dabei für die selbstständigen Institutionen Bucerius Law School und Bucerius Kunst Forum aufgewandt.

Projekte (Auswahl)[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

„Wissenschaft und Forschung“[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Bucerius Law School in Hamburg ist eine 2000 von der Stiftung initiierte und seitdem von ihr getragene private Hochschule für Rechtswissenschaft. Über dieses Engagement hinaus möchte die Zeit-Stiftung den „begabten, international und interdisziplinär tätigen wissenschaftlichen Nachwuchs“ fördern. Sie unterstützt Projekte im Bereich der Geistes- und Sozialwissenschaften und konzentriert sich dabei vor allem auf Hamburg, Haifa und die USA.

„Kunst und Kultur“[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Über das eigene, seit 2002 bestehende Ausstellungshaus Bucerius Kunst Forum hinaus unterstützt die Stiftung Hamburger Museen, insbesondere bei der Erschließung und Präsentation ihrer Bestände. Sie möchte außerdem „die Vielfalt kultureller Ausdrucks- und Präsentationsformen in Musik, Literatur und Theater“ fördern. Schließlich werden Projekte der Denkmalpflege besonders in Nord- und Ostdeutschland durchgeführt.[3]

„Bildung und Erziehung“[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Stiftung sieht es als eines ihrer zentralen Ziele an, „Bildungsübergänge chancengerecht zu gestalten“. Dabei geht es besonders um den Bildungsübergang von internationalen Vorbereitungsklassen in Regelklassen, aber auch um den Übergang von der Grundschule zur weiterführenden Schule. Daneben möchte sich die Stiftung für lebenslanges Lernen engagieren. Angesichts des demographischen Wandels sei dies „der Schlüssel, die eigenen Lebens- und Arbeitschancen zu verbessern“.[4]

„Politik und Gesellschaft“[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Stiftung möchte öffentliche Debatten zu aktuellen Fragen und die Auseinandersetzung über umstrittene politische und gesellschaftliche Themen anregen. Sie vernetzt junge Führungskräfte bei der „Bucerius Summer School on Global Governance“ sowie dem „Asian Forum“ aus der ganzen Welt. Darüber hinaus soll ein Engagement in Osteuropa den unabhängigen Journalismus unterstützen.

„Bucerius Lab“[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das „Bucerius Lab“ soll die „Konsequenzen der Digitalisierung“ unter anderem in Form von Veranstaltungen, einem Fellow-Programm und Schwerpunktprojekten thematisieren.[5] Dazu gehört der Entwurf für eine "Charta der Digitalen Grundrechte der Europäischen Union", die auf Anregung der Stiftung von Netzaktivisten, Politikern, Wissenschaftlern, Schriftstellern, Journalisten und Bürgerrechtlern 2016 verfasst und zur Diskussion gestellt wurde.[6]

Auszeichnungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Am 3. April 2018 wurde die Stiftung von der Deutschen Universitätsstiftung und der Wissenschaftlichen Buchgesellschaft als Wissenschaftsstiftung des Jahres ausgezeichnet. Das Preisgeld in Höhe von 10.000 Euro wird in die Beteiligung afrikanischer Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler an der Forschungsstelle Hamburgs (post-)koloniales Erbe investiert.[7]

Publikationen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In der eigenen Buchreihe „Hamburger Köpfe“ sollen „prägende Hamburger Persönlichkeiten“ porträtiert werden, zuletzt Douglas Sirk.[8] Die Bände erscheinen im Ellert & Richter Verlag. Auch die Bucerius Law School und das Bucerius Kunst Forum haben eigene Publikationsreihen.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise und Anmerkungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. https://www.zeit-stiftung.de/stiftung/mitarbeiter/
  2. Leitbild. In: zeit-stiftung.de. Abgerufen am 20. März 2018.
  3. Andreas Hoffmann (Hrsg.): Kulturerhalt in Ostdeutschland. ZEIT-Stiftung Ebelin und Gerd Bucerius, Hamburg 2012.
  4. Bildung und Erziehung. In: zeit-stiftung.de. Abgerufen am 20. März 2018.
  5. Bucerius Lab. In: zeit-stiftung.de. Abgerufen am 20. März 2018.
  6. Charta der Digitalen Grundrechte. In: digitalcharta.eu. Abgerufen am 20. März 2018.
  7. ZEIT-Stiftung Aktuelles: „Nachhaltige Impulsgeberin“: ZEIT-Stiftung als Wissenschaftsstiftung 2018 geehrt, abgerufen am 5. April 2018
  8. Hamburger Köpfe. In: zeit-stiftung.de. Abgerufen am 20. März 2018.