Zeitbank

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Eine Zeitbank ist eine meist lokale Vereinigung zur Erbringung gegenseitiger Leistungen auf Grundlage einer geldlosen Tauschwirtschaft. Sie stellt eine organisierte Form gegenseitiger Hilfe dar. Eine Zeitbank kann entweder ähnlich wie bei einem Tauschkreis einen zeitnahen Tausch von Dienstleistungen ermöglichen (A)[1] oder zum Ansparen eines Altersvorsorgeguthabens mit zeitversetztem Bezug von Leistungen dienen (B).[2]

Prinzip[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Allgemein[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im Gegensatz zur üblichen, „spontanen“ gegenseitigen Hilfe wie beispielsweise der Nachbarschaftshilfe werden Erbringung und Inanspruchnahme von Dienstleistungen durch Zeitbanken formal organisiert. Obwohl dem Tauschhandel von Tauschkreisen ähnlich, schließen einige Zeitbanken den Handel mit Waren aus und beschränken sich auf den Tausch von persönlich zu erbringenden Diensten.

Die Zeitbank stellt dabei ein Austauschsystem von Dienstleistungen ohne Geldvergütung bzw. ohne Gewinnabsicht dar. Maßstab („Währung“) für die Verrechnung von Leistungen ist allein die aufgewandte bzw. in Anspruch genommene Zeit, unabhängig vom Inhalt oder Ergebnis der Dienstleistung. Erbrachte Leistungen werden einem Dienstleister auf dessen „Zeitkonto“, ähnlich wie bei einem Bankkonto, gutgeschrieben; das Konto des Leistungsempfängers wird mit einem entsprechenden negativen Betrag („Zeitschuld“) belastet.

A) Zeitnaher Tausch[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Hat ein Mitglied Leistungen empfangen, gewährt es die Gegenleistung in der Regel nicht dem Dienstleister zurück, sondern kann diese gegenüber anderen Mitgliedern derselben Zeitbank erbringen. Die Belastung muss durch zu erbringende Dienste ausgeglichen werden, Ziel ist hierbei ein ausgeglichenes Zeitkonto. Geld ist meist nur für die Vergütung von „dokumentierten Spesen zugelassen, deren Rahmen im vorhinein zwischen beiden Parteien geklärt werden soll“[3].

B) Zeitversetzte Leistungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Ideen zur Zeitvorsorge stammen aus Japan, wo solche Systeme seit Jahrzehnten erfolgreich funktionieren.[4] Leistungen zur eigenen Altersvorsorge werden zuerst erbracht und bei der Zeitbank als Guthaben angespart. In solchen Zeitvorsorgesystemen werden hauptsächlich Leistungen für ältere Bedarfsträger erbracht.[5] In der Anfangsphase einer derartigen Zeitbank erhalten hilfsbedürftige ältere Personen diese Leistungen gratis, weil sie noch nicht in der Lage waren, für sich im betreffenden System Guthaben anzulegen. Überwiegend ausgeglichene Zeitkonti sind erst über einen längeren Zeitraum zu erreichen. Deshalb ist eine geeignete Trägerschaft für diese Form von Zeitbanken wichtig. Man unterscheidet zwischen Zeitbanken mit oder ohne Garantie.[6] Eine Zeitbank mit Garantie hat eine Trägerschaft, welche zukünftige Leistungen aus Zeitgutschriften auch nach Jahren gewährleistet, falls in Zukunft nicht ausreichend freiwillige Leistungserbringer teilnehmen. Eine derartige Trägerschaft muss die dafür notwendigen finanziellen Mittel bereitstellen. Ist eine Geschäftsstelle zur Vermittlung der Dienstleistungen vorhanden, so fallen Kosten an. Die Stadt St. Gallen in der Schweiz betreibt eine Zeitbank, deren entsprechende Garantie und Betriebskosten von der Stadt geleistet werden.[7][8]

Verfahren[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Allgemein[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Ein Mitglied lässt sich am Beginn kostenlos oder gegen eine kleine Gebühr (z.B. für eine Unfall- oder Haftpflichtversicherung) registrieren und gibt an, welche Dienste es anbieten will. Über eine Geschäftsstelle oder Datenbank wird sein Angebot gelistet und bei Bedarf abgefragt; der Dienstleister kann jedoch im Einzelfall entscheiden, ob er den Dienst zum gewünschten Zeitpunkt erbringen möchte.

A) Zeitnaher Tausch[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bei tauschkreisähnlichen Zeitbörsen überwiegt die Vermittlung von Diensten über Datenbanken, weil die Mitglieder meistens in der Computertechnik bewandert sind und es sich um eine kostengünstige Lösung handelt.

B) Zeitversetzte Leistungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Vermittlung von Diensten erfolgt typischerweise über Organisationen wie der Geschäftsstelle der entsprechenden Zeitbank, Hilfsorganisationen und Kirchen.

Dienste[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die von einer Zeitbank angebotenen Dienste sind inhaltlich zunächst ohne Einschränkung, sie ergeben sich allein aus den Fähigkeiten und Angeboten ihrer Mitglieder. Dabei sind jedoch Einschränkungen durch rechtliche Anforderungen (in Deutschland z.B. das Rechtsberatungsgesetz) zu beachten. Ausgeschlossen sind in der Regel medizinisch indizierte, ambulante Leistungen wie Pflegeleistungen, welche besondere Anforderungen stellen.[9]

Allgemein[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Eine Auswahl typischer Angebote für beide Arten von Zeitbanken ist:

  • Begleitung (zu Fuß, Rollstuhl, per Auto, zu Behördengängen, zum Einkaufen etc.)
  • Entlastung pflegender Angehöriger
  • kleinere Haus- und Handarbeiten, Heimwerkerarbeiten, Grab- und Gartenpflege
  • Hilfe bei administrativen Aufgaben
  • Gesellschaft leisten, Vorlesen, Hilfe bei der Körperpflege
  • Tierpflege und Ausführen von Tieren

A) Zeitnaher Tausch[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Zusätzliche Angebote eher typisch für tauschkreisähnliche Zeitbörsen:

  • Babysitten und Betreuung von Kindern
  • Computerarbeiten, Nachhilfeunterricht

Zeitbanken können der Solidarität zwischen den Generationen dienen: Jeder bietet das an, was er gut kann. Sie bilden somit ein Zusatzangebot zur Steigerung der Lebensqualität. Zeitbanken gibt es in vielen deutschen Städten oder auch in anderen Ländern.

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Bazore, abgerufen am 21. März 2017
  2. Jörg Krummenacher: Zeitvorsorge im Aufwind. Neue Zürcher Zeitung, 26. November 2016, abgerufen am 21. März 2017
  3. so das Reglement (Memento vom 27. März 2013 im Internet Archive) der Zeitbank Meran, abgerufen am 3. Oktober 2007
  4. Hayashi Mayumi: Japan's Fureai Kippu Time-Banking in Elderly Care. In: International Journal of Community Research, 16 (A)/2012, S. 30-44
  5. Simone Achermann und Stephan Sigrist: Wie wir morgen leben - Denkanstösse für das Zeitalter der Langlebigkeit. NZZ Libro Verlag, Zürich 2017, ISBN 978-3-03810-259-5
  6. Zeitvorsorge Köln e.V., abgerufen am 21. März 2017
  7. Webseite Zeitvorsorge der Stadt St. Gallen (Schweiz), abgerufen am 25. März 2017
  8. Katja Meierhans Steiner, Reinhold Harringer: Zeitvorsorge - Die Stadt St. Gallen setzt auf Zeittausch in der persönlichen Altersvorsorge. In: Soziale Sicherheit, 4/2012, S. 215-219
  9. Verein KISS Schweiz, abgerufen am 21. März 2017