Zeitlose

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche
Zeitlose
Herbstzeitlose (Colchicum autumnale)

Herbstzeitlose (Colchicum autumnale)

Systematik
Unterabteilung: Samenpflanzen (Spermatophytina)
Klasse: Bedecktsamer (Magnoliopsida)
Monokotyledonen
Ordnung: Lilienartige (Liliales)
Familie: Zeitlosengewächse (Colchicaceae)
Gattung: Zeitlose
Wissenschaftlicher Name
Colchicum
L.

Die Zeitlosen (Colchicum) sind eine Pflanzengattung innerhalb der Familie der Zeitlosengewächse (Colchicaceae). Die etwa 100 Arten sind über weite Teile Eurasiens verbreitet. Die Herbstzeitlose (Colchicum autumnale) ist die wohl bekannteste Art dieser Gattung; sie ist vor allem wegen ihrer späten Blütezeit und ihrer Giftigkeit bekannt.

Beschreibung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Illustration aus Köhler's Medizinalpflanzen in naturgetreuen Abbildungen mit kurz erläuterndem Texte, Tafel 25: Herbstzeitlose. A B blühende, C fruchtende Pflanze in natürl. Grösse; 1 Knolle im Längsschnitt, desgl.; 2 der zur neuen Knolle anschwellende Theil, oben mit Fruchtknoten, desgl.; 3 u. 4 Blüthenknospe, desgl.; 5 ausgebreitete Blüthe, desgl.; 6 oberer Theil des Griffels, vergrössert; 7 Staubgefässe desgl.; 8 Pollen, desgl.; 9 reife, aufgesprungene Kapsel, natürl. Grösse; 10 Kapsel im Querschnitt, desgl.; 11 Same, natürl. Grösse und vergrössert; 12, 13 derselbe ohne Schale, vergrössert.
Kapselfrüchte und Samen der Berg-Zeitlose (Colchicum montanum)

Vegetative Merkmale[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Zeitlosen-Arten sind ausdauernde krautige Pflanzen. Diese Geophyten bilden eine unterirdische, braun bis dunkelbraun umhüllte Sprossknolle als Überdauerungsorgan aus. An der Basis der Sprossknolle sitzen die Faserwurzeln. Die jungen Laubblätter sind von Blattscheiden umschlossen.[1]

Generative Merkmale[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Es werden direkt über der Sprossknolle oder an einem nur kurzen Blütenstandsschaft ein bis drei Blüten gebildet. Die zwittrigen Blüten sind radiärsymmetrisch und dreizählig. Die sechs gleichgestaltigen Blütenhüllblätter sind an der Basis verwachsen und bilden eine mehr oder weniger ausgeprägte Röhre. Es sind zwei Kreise mit je drei Staubblättern vorhanden. Drei Fruchtblätter sind zu einem oberständigen, dreikammerigen Fruchtknoten verwachsen. Es sind drei freie Griffel vorhanden.[1]

Die scheidewandspaltige = septizide Kapselfrucht enthält viele Samen.[1]

Blüte der Alpen-Herbstzeitlose (Colchicum alpinum)
Frühlingslichtblume (Colchicum bulbocodium)
Blüte der Berg-Zeitlose (Colchicum montanum)
Colchicum speciosum var. bornmuelleri
Colchicum szovitsii subsp. brachyphyllum
Späte Schachbrett-Herbstzeitlose (Colchicum variegatum)

Systematik und Verbreitung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Gattung Colchicum wurde durch Carl von Linné aufgestellt. Die Typusart ist Colchicum autumnale L.[2] Der wissenschaftliche Gattungsname Colchicum leitet sich von einer Landschaft am Schwarzen Meer ab, der Kolchis im heutigen Georgien. Dort soll auch die Heimat der sagenhaften Giftmischerin und Zauberin Medea liegen. Vermutlich besteht ein Zusammenhang zwischen den Sagen um eine Giftmischerin in dieser Region und dem dortigen Vorkommen der Zeitlosenart Colchicum variegatum. Synonyme für Colchicum L. sind: Bulbocodium L., Celsia Boehm. nom. illeg., Abandium Adans., Merendera Ramond, Geophila Bergeret nom. rej., Monocaryum (R.Br.) Rchb., Hermodactylum (R.Br.) Bartl. nom. inval., Eudesmis Raf. nom. superfl., Fouha Pomel, Paludana Salisb. nom. illeg., Synsiphon Regel.[3]

John Manning, Felix Forest und Annika Vinnersten schlagen 2007, dass die etwa 60 Androcymbium (50 davon in Südafrika) in die Gattung Colchicum s. l. einzugliedern sind, da anders als bei den molekulargenetischen Untersuchungen keine morphologischen Merkmale, die eine Trennung von Androcymbium und Colchicum begründen würden, gefunden werden konnten. Während die bisherigen Arten Merendera, werden bei Persson et al. 2011 die Androcymbium-Arten nicht in die Gattung Colchicum eingegliedert. Der Umfang der Gattung Colchicum wird noch kontrovers diskutiert.[4]

Die Gattung Colchicum ist mit ihren etwa 100 Arten über weite Teile Eurasiens verbreitet. Der Schwerpunkt der Gattung Colchicum liegt in Vorderasien; allein in der Türkei kommen 48 Arten vor, in Westasien 64 Arten.[3]

Es gibt etwa 100 Colchicum-Arten:[3]

Quellen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Eugene Nasir: Flora of West Pakistan. 125. Colchicaceae. Stewart Herbarium, Rawalpindi 1979, S. 1 (online bei efloras.org und bei Tropicos).
  • Karin Persson: Nomenclatural synopsis of the genus Colchicum (Colchicaceae), with some new species and combinations. In: Botanische Jahrbücher für Systematik, Pflanzengeschichte und Pflanzengeographie. Band 127, Nr. 2, 2007, S. 165–242, DOI:10.1127/0006-8152/2007/0127-0165.
  • Tatyana Shulkina: Ornamental plants from Russia and adjacent states of the former Soviet Union. Rostok, St. Petersburg 2004, ISBN 5-94668-032-3, Colchicum (englisch, online).

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. a b c Eugene Nasir: Flora of West Pakistan. 125. Colchicaceae. Stewart Herbarium, Rawalpindi 1979, S. 1 (online bei efloras.org und bei Tropicos).
  2. Colchicum bei Tropicos.org. Missouri Botanical Garden, St. Louis. Abgerufen am 1. Oktober 2014.
  3. a b c d e f g h i j k l m n o p q r s t u v w x y z aa ab ac ad ae af ag ah ai aj ak al am an ao ap aq ar as at au av aw ax ay az ba bb bc bd be bf bg bh bi bj bk bl bm bn bo bp bq br bs bt bu bv bw bx by bz ca cb cc cd ce cf cg ch ci cj ck cl cm cn co cp cq cr cs ct cu cv cw cx cy cz da db dc dd de df dg dh di dj dk dl dm Rafaël Govaerts, Karin Persson: World Checklist of Colchicaceae. Colchicum. bei Royal Botanic Gardens, Kew. zuletzt eingesehen am 31. August 2016
  4. Datenblatt mit Fotos bei pacificbulbsociety.org.
  5. Karin Persson: A new species of Colchicum (Colchicaceae) from southern Italy., In: Botanische Jahrbücher, Volume 127, Nummer 3, 2008, S. 283-288. Abstract.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Zeitlosen (Colchicum) – Album mit Bildern, Videos und Audiodateien
  • Colchicum im Germplasm Resources Information Network (GRIN), USDA, ARS, National Genetic Resources Program. National Germplasm Resources Laboratory, Beltsville, Maryland. Abgerufen am 1. Oktober 2014.

Weiterführende Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Amiel Vasl, Avi Shmida: The adaptive role of nectarial appendages in Colchicum. In: Plant Systematics and Evolution, Volume 301, Issue 6, 2015, S. 1713–1723. doi:10.1007/s00606-014-1188-4
  • Karin Persson, Gitte Petersen, Alberto del Hoyo, Ole Seberg, Tina Jørgensen: A phylogenetic analysis of the genus Colchicum L. (Colchicaceae) based on sequences from six plastid regions. In: Taxon, Volume 60, Issue 5, 2011, S. 1349–1365. ISSN 0040-0262 JSTOR 41317539
  • John Manning, Felix Forest, Annika Vinnersten: The genus Colchicum L. redefined to include Androcymbium Willd. based on molecular evidence. In: Taxon, Volume 56, Issue 3, 2007, S. 872-882. JSTOR 25065868