Zeittafel zur Geschichte der Baptisten

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Die Baptisten zählen weltweit zu den bedeutenden evangelischen Kirchengemeinschaften. Ihr augenfälligstes Merkmal ist die ausschließliche Praxis der Gläubigentaufe. Die Geschichte der Baptisten reicht in die Anfänge des 17. Jahrhunderts zurück. Die baptistische Bewegung im deutschsprachigen und kontinentaleuropäischen Raum begann 1834 in Hamburg.

Die folgenden Daten sind, wenn nicht anders vermerkt, einer von Günter Balders besorgten Zeittafel[1] entnommen.

Zeittafel[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

1606 bis 1800[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Jahr Tag / Monat Ereignis
1606   Der ehemalige anglikanische Geistliche John Smyth flieht aufgrund seiner independistischen Glaubensüberzeugungen nach Amsterdam. Er wird dort zum Leiter einer kleinen Gemeinde von Glaubensflüchtlingen.
1609   John Smyth wird von einem mennonitischen Pastor aufgrund seines persönlichen Glaubensbekenntnisses getauft.
1611   Thomas Helwys, der zu dem Kreis um Smyth gehört, geht mit einem Teil der Gemeinde nach England zurück und gründet dort die erste britische Baptistengemeinde.
1639   Roger Williams gründet die erste US-amerikanische Baptistengemeinde in Rhode Island.
1653   Gründung der ersten Siebenten-Tags-Baptistengemeinde in London / England
1792   In England wird durch William Carey die erste baptistische Missionsgesellschaft, die Particular Baptist Missonary Society, gegründet.
1800 26. Januar Johann Gerhard Oncken, Begründer der deutschen und kontinentaleuropäischen Baptistengemeinden, wird in Varel geboren.

1801 bis 1900[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Jahr Tag / Monat Ereignis
1825 9. Januar Johann Gerhard Oncken gründet gemeinsam mit dem lutherischen Pastor Johann Wilhelm Rautenberg im Hamburger Stadtteil St. Georg die erste deutsche Sonntagsschule.
1834 23. April Die erste deutsche Baptistengemeinde wird mit 7 Mitgliedern durch Johann Gerhard Oncken in Hamburg gegründet.
1839   In Kopenhagen entsteht die erste dänische Baptistengemeinde durch die Wirksamkeit Johann Gerhard Onckens und Julius Köbners.
1840 30. August Gründung der Baptistengemeinde Jever durch Johann Gerhard Oncken
1845   Die erste niederländische Baptistengemeinde wird in Stadskanaal durch Julius Köbner gegründet.
  9. November Gründung der Baptistengemeinde Bremen
1846   Gründung der Evangelischen Allianz in London. Die deutschen Baptisten sind durch Johann Gerhard Oncken an der Gründung beteiligt.
1847   Erste Baptisten in Österreich
1847   Gründung der ersten Baptistengemeinde in der Schweiz durch Johann Gerhard Oncken
1848   Julius Köbner verfasst das Manifest des freien Urchristentums an das deutsche Volk, ein frühes Bekenntnis zur Glaubensfreiheit und Trennung von Kirche und Staat.
    Die erste schwedische Baptistengemeinde wird gegründet.
1849   In Hamburg kommt es zur Gründung des Bundes der vereinigten Gemeinden getaufter Christen in Deutschland und Dänemark.
1861   In Adamow entsteht die erste polnische Baptistengemeinde.
1862   In Bukarest entsteht die erste rumänische Baptistengemeinde.
1864, 1869   Gemeindegründungen in Südrussland und in der Türkei / (Catalui) (siehe Baptisten in der Ukraine)
1871 Oktober / November In der Hamburger Gemeinde entsteht ein Streit über die Frage der Autonomie der Ortsgemeinde. Oncken tritt für einen hierarchisch geordneten Gemeindebund ein. Seine Gegner, die sich für einen lockeren Gemeindebund stark machen, setzen sich schließlich nach einem Jahre andauernden Streit durch.
1874   Gründung der Süd-Westrussischen und Bulgarischen Vereinigung taufgesinnter Gemeinden
1875 7. Juli Die preußische Regierung erlässt ein Gesetz, mit dem den Baptistengemeinden in Preußen Korporationsrechte erteilt werden.
1877 3. August Der baptistische Regionalverband Rheinische Vereinigung wird gegründet.
1879   Die neu entstandenen Baptistengemeinden in Russland, Polen und im Baltikum schließen sich zu nationalen Vereinigungen zusammen.
1880   Errichtung des ersten Predigerseminars in Hamburg
1884 2. Januar Johann Gerhard Oncken stirbt in Zürich. Er wird auf dem Ohlsdorfer Friedhof in Hamburg beigesetzt.
    In Estland entsteht die erste Baptistengemeinde.
1887   Das erste baptistische Diakonissenmutterhaus in Berlin wird gegründet.
1891   Der erste deutsche Baptisten-Missionar wird nach Kamerun entsandt.

1901 bis 2000[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Jahr Tag / Monat Ereignis
1905   In London wird der Baptistische Weltbund gegründet.
1908   In Berlin findet der erste europäische Baptistenkongress statt.
1924   Gründung des schweizerischen Baptistenbundes
1930   Der Bund der Baptistengemeinden erhält die Anerkennung als Körperschaft des öffentlichen Rechts.
1934 Juli / August Im Berliner Sportpalast findet eine große europäische Baptistenkonferenz statt. Anlass ist das hundertjährige Bestehen der deutschen Baptistengemeinden.
1937   Der Bund freikirchlicher Christen (BfC) wird gegründet.
1938   Die Elim-Gemeinden schließen sich dem Bund der Baptistengemeinden an.
1942   Es kommt zum Zusammenschluss des Bundes der Baptisten- und Elimgemeinden mit dem Bund freikirchlicher Christen (Brüdergemeinden) zum Bund Evangelisch-Freikirchlicher Gemeinden in Deutschland.
1949   Gründung Europäisch-Baptistischen Föderation / EBF
  4. September In Rüschlikon / Schweiz wird das Internationale baptistische Seminar mit 28 Studenten eröffnet. Es hat vor allem auch die Aufgabe, für die theologische Ausbildung von Pastorenanwärtern aus dem Ostblock zu sorgen.
1953   Gründung des österreichischen Baptistenbundes
1968 4. April Der US-amerikanische Baptistenpastor und Bürgerrechtler Martin Luther King erliegt in Memphis (Tennessee) einem Mordanschlag.
1969 10. Mai Die Evangelisch-Freikirchlichen Gemeinden der DDR bilden einen eigenen Bund, nachdem schon Anfang der 1950er Jahre eine besondere Arbeitsgemeinschaft Ost bestanden und der Kalte Krieg nach dem Mauerbau 1961 die Zusammenarbeit zwischen BRD- und DDR-Gemeinden fast unmöglich gemacht hatte.
1974–2000   In diesen Jahren wandern ca. 250.000 Mitglieder von taufgesinnten Gemeinden (Baptisten, Evangeliumschristen-Baptisten und aus Mennonitischen Brüdergemeinden) aus der USSR und später aus Russland in Deutschland ein.

Sie bilden eigene Verbände, viele leben als unabhängige Ortsgemeinden, manche schließen sich dem BEFG an. Dazu kommen etwa gleich viele Kinder und Jugendliche, die nicht als Kirchenglieder zählen.

1977   Das neue Glaubensbekenntnis der Evangelisch-Freikirchlichen Gemeinden, die sogenannte Rechenschaft vom Glauben erscheint.
1990   Die Wiedervereinigung des ost- und westdeutschen Bundes Evangelisch-Freikirchlicher Gemeinden wird in die Wege geleitet.
1997   Das Theologische Seminar zieht von Hamburg nach Elstal bei Berlin in das ehemalige Olympische Dorf der Sommerspiele 1936

Ab 2001[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Jahr Tag / Monat Ereignis
2003   Die erste Auflage des neuen Gesangbuches Feiern & Loben erscheint - in Kooperation mit dem Bund Freier evangelischer Gemeinden in Deutschland.
2004 Oktober Die Southern Baptist Convention verlässt den Baptistischen Weltbund.
2007 Juli Das Theologische Seminar der deutschen Baptisten wird als Fachhochschule anerkannt[2]

Siehe auch[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Günter Balders: Ein Herr - ein Glaube - eine Taufe. 150 Jahre Baptistengemeinden in Deutschland, Wuppertal und Kassel 1984, ISBN 3-7893-7883-6, S. 290ff
  2. Erklärung des Wissenschaftsrates / Pressemitteilung (Memento vom 27. September 2007 im Internet Archive)

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Günter Balders: Ein Herr - ein Glaube - eine Taufe. 150 Jahre Baptistengemeinden in Deutschland, Wuppertal und Kassel 1984, ISBN 3-7893-7883-6