Zeitung

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche
Dieser Artikel behandelt die Zeitung im Allgemeinen. Zur deutschsprachigen Zeitung in London zur Zeit des Zweiten Weltkriegs siehe Die Zeitung.
Hannoversches Tageblatt, Titelseite, Ausgabe vom 24. Oktober 1865
Zeitungsstapel

Das Wort Zeitung war ursprünglich der Begriff für eine beliebige Nachricht; die Bedeutung hat sich jedoch im Laufe des 18. Jahrhunderts geändert. Heute versteht man darunter ein periodisch erscheinendes Druckerzeugnis mit aktuellem und universellem Inhalt. Dieser besteht aus mehreren inhaltlich in sich abgeschlossenen Texten, die Zeitungsartikel genannt werden und bei deren Abfassung verschiedene journalistische Stilmittel angewandt werden.

Als Internet- bzw. Online-Zeitung werden Online-Publikationen mit Zeitungs- aber auch Zeitschriften-Charakter bezeichnet.

Definitionen[Bearbeiten]

Sehr allgemein definiert ist eine Zeitung ein Druckwerk von mäßigem Seitenumfang, das in kurzen periodischen Zeitspannen, mindestens einmal wöchentlich, öffentlich erscheint. Für den Gattungsbegriff Zeitung ist es unerheblich, ob der Leser dafür bezahlen muss oder ob er das Produkt unentgeltlich erhält. Deshalb umfasst die Gattung Zeitung auch Gratiszeitungen oder kostenlos verteilte Anzeigenblätter. Vier Kriterien sollten gegeben sein, wenn man von einer Zeitung spricht: Aktualität (zeitnahe Berichterstattung), Periodizität (regelmäßiges Erscheinen), Publizität (öffentlich für alle Leser zugänglich) und Universalität (inhaltliche Vielfalt).

Die Zeitung ist, anders als die Zeitschrift, ein der Aktualität verpflichtetes Presseorgan und gliedert sich meist in mehrere inhaltliche Rubriken wie Politik, Lokales, Wirtschaft, Sport oder Feuilleton, die von eigenständigen Ressorts erstellt werden. Ein Ressort bearbeitet immer ein bestimmtes Themengebiet, eine bestimmte Rubrik, für das es eigenverantwortlich und unabhängig von den anderen Ressorts ist – wobei hier die Grenzen zunehmend zugunsten des Konzepts einer integrierten Redaktion aufgabenspezifisch und kompetenzübergreifend eingeebnet werden (Newsdesk). Oftmals werden innerhalb eines Ressorts die einzelnen Themengebiete unter den Redakteuren aufgeteilt, je nach deren Qualifikation und Wissen.

Die Redaktion ist die journalistische Abteilung in einem Zeitungs- oder Zeitschriftenverlag. In einer oder für eine Redaktion schreiben Redakteure, Pauschalisten, freie Journalisten und Volontäre, von Fall zu Fall auch externe Experten.

Geschichte[Bearbeiten]

Hauptartikel: Geschichte der Zeitung

Die Geschichte der Zeitung als regelmäßig erscheinendes Medium ist eng mit der Frühen Neuzeit verwoben. Das erste gedruckte Nachrichtenblatt, das die Bezeichnung einer Zeitung im modernen Sinn verdient, war die Relation. Sie wurde von Johann Carolus gegründet und erschien ab der zweiten oder dritten Septemberwoche des Jahres 1605 einmal wöchentlich in Straßburg im Elsass.[1]

Die erste Tageszeitung der Welt kam 1650 in Leipzig heraus. Der Drucker Timotheus Ritzsch veröffentlichte im Juli 1650 erstmals die Einkommenden Zeitungen. Diese erschienen an sechs Tagen in der Woche.

Ihren Höhepunkt erlebte die Zeitung in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts. Gegenwärtig (Stand: Oktober 2011) gibt es in Deutschland 390 Zeitungen (369 Tages- und 21 Wochenzeitungen) die bei der IVW gemeldet sind.[2]

Zeitungen in der Redaktion der Zeitung Die Welt in Berlin

Inhalte[Bearbeiten]

Zeitungen bestehen aus dem so genannten redaktionellen Teil, der durch die Redaktion verantwortet wird und die Inhalte mit journalistischen Stilmitteln präsentiert, sowie dem Anzeigenteil. Die einzelnen Segmente einer (umfangreichen) Zeitung heißen Bücher (schweiz. Bünde). Sie gliedern üblicherweise auch die Ressorts (vgl. „Sportteil“, „Wirtschaftsteil“, usw.).

Anzeigen werden in ihrem Inhalt von demjenigen verantwortet, der die Anzeige „schaltet“, d. h. bei der Anzeigenredaktion aufliefert und für ihr Erscheinen bezahlt. Der Verlag kann Anzeigen auch ablehnen, es besteht Vertragsfreiheit. Ist die Anzeige gedruckt, ist der Verlag für den Inhalt der Anzeige verantwortlich; deshalb ist eine vorherige Prüfung notwendig. Die Anzeigenpreise richten sich vor allem nach der Auflagenhöhe der jeweiligen Zeitung und der Größe der entsprechenden Anzeige.

Nutzungsforschung[Bearbeiten]

Es existieren verschiedene Werkzeuge, um Leserverhalten, -zufriedenheit und -wünsche zu ergründen. Klassische Feedbackinstrumente sind Leserbriefseiten und Lesertelefone. Sie werden jedoch nur von manchen Lesertypen genutzt. Auch die jeweils verkaufte Auflage kann zur Nutzerforschung ausgewertet werden. Umfangreichere Instrumente sind Copytests, verbunden beispielsweise mit Befragung oder technischen Hilfsmitteln wie Blickverlaufsaufzeichnung und Readerscan.

Der Zeitungsmarkt weltweit[Bearbeiten]

Um die Jahrtausendwende überstieg die Zahl der Internetnutzer weltweit die Zahl der Zeitungskäufer (2005: 439 Mio. lt. Angaben der World Association of Newspapers)

Nach Angaben des Bundesverbands Deutscher Zeitungsverleger (BDZV) war der deutsche Tageszeitungsmarkt mit einer Auflage von 21,67 Millionen Exemplaren im ersten Quartal 2005 der größte Markt in Westeuropa. Demnach wurden in diesem Zeitraum pro Erscheinungstag 27,376 Millionen Tages-, Wochen- und Sonntagszeitungen verkauft; davon seien rund 18 Millionen Exemplare (65 Prozent) im Abonnement vertrieben worden.[3]

Nach der Studie World Press Trends 2007 der World Association of Newspapers (WAN) über den weltweiten Zeitungsmarkt (232 Länder) kauften 515 Millionen Menschen Tageszeitungen. Dabei war der chinesische Zeitungsmarkt der größte (98,7 Mio. Exemplare), gefolgt von Indien (88,9 Mio. Exemplare), Japan (69,1 Mio. Exemplare), USA (52,3 Mio. Exemplare) und Deutschland (22,1 Mio. Exemplare). Im Vergleich zum Vorjahr ist dies ein Anstieg von 2,3 Prozent und zu 2002 um 9,48 %. In China betrug der Anstieg zum Vorjahr bzw. 2002 +2,22 % bzw. +15,53 %, in Indien +12,93 % bzw. +53,63 %, in Japan -0,83 % bzw. -2,42 %, in den USA -1,9 % bzw. -5,18 % und in Deutschland -2,1 % bzw. -9,35 %. Hinzu kommen 40,7 Millionen Exemplare an kostenlosen Tageszeitungen bei einem Anstieg von 55 % zum Vorjahr und 241 % zu 2002. Mehr als die Hälfte davon erscheint in Europa. Die Anzeigeneinnahmen von Zeitungen allgemein stiegen um 3,77 % zum Vorjahr und 15,77 % zu 2002. Nach Timothy Balding, Geschäftsführer der WAN, wächst die Leserschaft sowohl im Print- als auch im Online-Bereich, die Reichweite könne durch die Nutzung verschiedener Vertriebskanäle gesteigert werden und der Wirtschaftszweig sei nicht im Abschwung.[4]

Die Langzeitstudie Mediennutzung von ARD/ZDF ergab im Frühjahr 2005,[5] dass im Vorjahr bei einer Gesamtnutzung tagesaktueller Medien von 600 Minuten pro Tag die Tageszeitungen mit 28 Minuten gegenüber dem Internet (44 Minuten) schon beträchtlich ins Hintertreffen geraten waren (2000: 30 zu lediglich 13 Minuten Internet). 2012 setzt sich der Trend mit 23 Minuten (Tageszeitung) zu 83 Minuten (Internet) deutlich fort.[6] Nach Angaben des BDZV hatten die Zeitungen zum Zeitpunkt der Erhebungen dennoch nach wie vor einen klaren Glaubwürdigkeitsvorsprung nicht nur vor Webpublikationen. Die Glaubwürdigkeit der Mediengattungen wurde nach einer Untersuchung, die allerdings noch von 2006 stammt, wie folgt eingeschätzt:[7]

Zeitungssterben und Vorschläge dagegen[Bearbeiten]

Zum internationalen sogenannten Zeitungssterben im Zusammenhang mit dem Internet und der Anzeigenkrise liegen etwa aus den USA folgende Zahlen vor: von 2006 bis 2008 gingen die Umsätze der Verlage um 23 Prozent zurück, die Zahl fest angestellter Journalisten um 10 Prozent. Erstmals recherchierten die Bürger mehr im Internet.

Es wird diskutiert, ob und wenn ja wie dem entgegengewirkt werden soll. Eine Forderung ist ein „Zeitungswiederbelebungsgesetz“, nach dem Verlage wie Bildungsträger im Status von Non-Profit-Organisationen behandelt werden sollen. Weiterhin diskutiert werden Modelle wie Stiftungen, Spendenfinanzierung, ein öffentlich-rechtlicher Status, der gebührenfinanzierten Journalismus ermöglichen soll, Genossenschaftsanteile ähnlich wie bei der taz oder eine erweiterte Kulturflatrate.[8][9]

Siehe auch: Zeitungssterben

Siehe auch[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Martin Welke: Darf man so was drucken? Kaum erfunden, schon zensiert: Die Geschichte der ersten Zeitung der Welt. In: Die Zeit, 27. Dezember 2013, S. 17
  2. Informationsgemeinschaft zur Feststellung der Verbreitung von Werbeträgern:Newsletter, Oktober 2011.
  3. Vorlage:Internetquelle/Wartung/Zugriffsdatum nicht im ISO-FormatVorlage:Internetquelle/Wartung/Datum nicht im ISO-FormatBDVZ: Deutscher Zeitungsmarkt ist der größte in Westeuropa. In: finanzen.net. 18. Mai 2005, abgerufen am 23. Oktober 2008.
  4. Trends in der Weltpresse: Zeitungsauflagen und Anzeigeneinnahmen weltweit im Aufschwung. World Association of Newspapers, 2006, abgerufen am 10. April 2010.
  5.  Christa-Maria Ridder und Bernhard Engel: Massenkommunikation 2005: Images und Funktionen der Massenmedien im Vergleich. In: Media Perspektiven. Nr. 9, 2005 (Ergebnisse der 9. Welle der ARD/ZDF-Langzeitstudie zur Mediennutzung und -bewertung, PDF, 646 KB, abgerufen am 23. Oktober 2008).
  6. Von Birgit van Eimeren und Beate Frees: Ergebnisse der ARD/ZDF-Onlinestudie 2012: 76 Prozent der Deutschen online – neue Nutzungssituationen durch mobile Endgeräte (PDF; 2,1 MB), abgerufen am 10. April 2013
  7.  Karl-Rudolf Korte, Universität Duisburg-Essen, Institut für Politikwissenschaft, Forschungsgruppe Regieren (Hrsg.): Medien im Alltag. 3. Juli 2006, 3 (Diverse Schaubilder und Statistiken, PDF, 1,35 MB, abgerufen am 23. Oktober 2008).
  8. Vorschläge gegen Zeitungssterben: journalist 6/2009, S.53ff., 1/2010
  9. dazu: Heribert Prantl (PDF; 50 kB), bei netzwerkrecherche.de, ProPublica Stiftung USA, MMD-Studie 2009 „Begrenzter Journalismus: Was beeinflusst die Entfaltung eines Qualitätsjournalismus“, bei mediendisput.de

Literatur[Bearbeiten]

  •  Christoph Bauer: Tageszeitungen im Kontext des Internets. 1. Auflage. Deutscher Universitätsverlag, Oktober 2005, ISBN 3-835-00130-2.
  •  Stefan Hartwig: Deutschsprachige Medien im Ausland. Fremdsprachige Medien in Deutschland. 2003, ISBN 3-8258-5419-1.
  •  Jürgen Heinrich: Mediensystem, Zeitung, Zeitschrift, Anzeigenblatt. In: Medienökonomie. Band 1, 2001, ISBN 3-531-32636-8.
  •  Petra Kappe: Vertrautheit und Gewohnheit: Die Bindung an die Tageszeitung. Eine Abbestellerstudie. Klartext, Essen 2011, ISBN 978-3-8375-0526-9.
  •  Michael Meissner: Zeitungsgestaltung. Typografie, Satz und Druck, Layout und Umbruch. 3. Auflage. Paperback, Berlin 2007, ISBN 3-430-20032-6.
  •  Holger Nohr: Vom Zeitungsverlag zur News Industry: Veränderung von Wertschöpfungsketten und Geschäftsmodellen. 1. Auflage. Logos, Juni 2011, ISBN 978-3-8325-2857-7.
  •  Volker Schulze: Die Zeitung. Ein medienkundlicher Leitfaden. 3. Auflage. Hahner Verlagsgesellschaft, ISBN 3-892-94311-7.
  •  Christof Seeger (Hrsg.): Fachwissen kompakt - Presseverlage: Band 1; Wirtschaftliche Entwicklung, gestalterische Konzepte und Produktinnovationen von Tageszeitungen. 1. Auflage. Christiani, 2010, ISBN 3-865-22558-6.
  •  Christof Seeger (Hrsg.): Fachwissen kompakt - Presseverlage, Band 2: Technische Umsetzung moderner Zeitungsdruckkonzepte. 1. Auflage. Christiani, 2010, ISBN 3-865-22559-4.
  •  Christof Seeger (Hrsg.): Fachwissen kompakt - Presseverlage: Band 3: Social Media und mobiles Internet - Veränderungen im Geschäftsmodell von Zeitungsverlagen. 1. Auflage. Christiani, 2011, ISBN 3-865-22645-0.

Weblinks[Bearbeiten]