Zelda Fitzgerald

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Zelda Fitzgerald (1919)

Zelda Sayre Fitzgerald (* 24. Juli 1900 in Montgomery, Alabama, als Zelda Sayre; † 10. März 1948 in Asheville) war eine US-amerikanische Autorin und Ehefrau des Schriftstellers F. Scott Fitzgerald, den sie 1920 heiratete.

1932 veröffentlichte sie den autobiographischen Roman Save Me the Waltz (dt. Darf ich um den Walzer bitten?, 1972 bzw. Ein Walzer für mich, 2011). Fitzgerald, die vielen Zeitgenossen als Verkörperung des typischen flapper girls galt, wurde sowohl aufgrund ihrer eigenen Lebensgeschichte als auch wegen der Rolle berühmt und berüchtigt, die sie als Muse ihres Ehemanns und Vorlage einiger seiner berühmtesten Figuren spielte, insbesondere der Nicole Diver aus Tender is the Night (dt. Zärtlich ist die Nacht).

1930 erlitt sie einen ersten Nervenzusammenbruch. Die schweizerische Nervenheilanstalt Les Rives de Prangins betrat Zelda Fitzgerald freiwillig. Im Alter von 47 Jahren starb sie bei einem Brand im Highland Mental Hospital in Asheville, North Carolina, bei dem acht weitere Patienten ihr Leben verloren.

Biografie[Bearbeiten]

Zelda Fitzgerald kam am 24. Juli 1900 als letztes von fünf Kindern von Anthony Dickinson Sayre (1858–1931) und dessen Ehefrau Minerva Buckner Machen (1860–1958) zur Welt. Ihr Vater war Richter am Alabama Supreme Court. Ihre Geschwister waren Anthony Dickinson Sayre, Jr. (1894–1933), Marjorie Sayre (Mrs. Minor Williamson Brinson) (1886–1960), Rosalind Sayre (Mrs. Newman Smith) (1889–?) und Clothilde Sayre (Mrs. John Palmer) (1891–1986).

Zelda war als furchtloses Kind bekannt. Ihre Mutter zog sie liebevoll auf und hielt sie zu freundlichem und rücksichtsvollem Verhalten an. Ihre Freundin Sara Mayfield charakterisiert Zelda als mitfühlend, nachdenklich und sensibel. Ihr Vater, Richter am Alabama Supreme Court, galt als strenger und distanzierter Mann. Die Schuljahre absolvierte sie mit dem kontinuierlichen Durchschnitt „High B“, wobei sie in Englisch und Mathematik noch eine Note besser war. Gegenüber den Konsequenzen ihres oft für Aufsehen sorgenden Verhaltens blieb sie meist gleichgültig. Sie hatte als Mädchen viele Freundinnen und pflegte später aktiv die Gemeinschaft mit vielen Bewunderern. Aufgrund ihres naturblonden Haars, ihrer reinen Haut und bemerkenswert schönen Augen galt sie weithin als eines der schönsten Mädchen.

Zelda lernte Francis Scott Key Fitzgerald im Juli 1918 bei einem Tanzabend kennen, als er bei der US-Army in einer Kaserne in der Nähe von Montgomery diente. Die voreheliche Beziehung zu Scott gestaltete sich problematisch. Im Oktober 1918, wenige Wochen, nachdem Scott in seinem Notizbuch notiert hatte, er habe sich in Zelda verliebt, nahm er in Montgomery gleichzeitig eine Beziehung zu May Steiner auf. Infolgedessen ging Zelda auf Distanz. Dennoch kam es im März zur Verlobung mit Scott, die Zelda im Sommer 1919 wieder löste, da sie an Scotts Charakter zu zweifeln begann (sein Hang zum Alkohol, sein Jähzorn, sein Interesse an anderen Mädchen). Im Sommer 1919, als ihre Beziehung bereits stark kriselte, erregte Zelda auf dem Bahnhof in Atlanta Aufsehen, wo sie von vier jungen Männern abgeholt wurde, von denen jeder der Meinung war, sie hätte sich nur mit ihm zu einem Ball verabredet. Im Spätherbst 1919 kam das Paar jedoch wieder zusammen, und am 3. April 1920 heirateten die beiden in einer kurzen, schmucklosen Zeremonie in New York.

Die Ehe wurde durch Scotts zunehmenden Alkoholismus – er wurde bis zu seinem frühen Tod 1940 durchgehend ein sehr starker und regelmäßiger Trinker – und durch Scotts Gewalttätigkeit belastet. Zelda brach schließlich im Frühjahr 1930 nach ihrer Scheidungsabsicht erstmals mit einem Burnout zusammen.

Das Paar hatte sich ursprünglich in New York niedergelassen, wo sie die Größen der amerikanischen Literatur kennenlernten. Aufgrund der Prohibition und da die Lebenshaltungskosten in Frankreich durch den günstigen Franc geringer waren, lebte das Paar in den Zwanzigern häufig für längere Zeit in Frankreich. In diesem Zeitraum wurden die schöne Zelda und der gutaussehende Scott von der Presse als Ebenbild des jugendlichen Zeitgeistes der Roaring Twenties gefeiert und erreichten so einen überhöhten Status, der dem der größten Filmstars ihrer Zeit mehr oder weniger ebenbürtig war.

Doch die nicht enden wollenden Partys und großen Mengen des von Scott konsumierten Alkohols zogen nicht spurlos an der Gesundheit und der Beziehung der beiden vorbei; zudem verschleuderten sie nahezu die gesamten Einnahmen, die Scott aus seiner Schriftstellerei bezog, indem sie etwa 30.000 US$ im Jahr ausgaben – zu jenen Zeiten eine stolze Summe. Mitte der Zwanziger war Scott als starker Trinker berüchtigt geworden, hatte seinen eigenen Schwarzhändler für private Zwecke, und wenn er nicht gerade schrieb, ging er für gewöhnlich auf Sauftouren, bis er ohnmächtig und im Taxi nach Hause gebracht wurde.

1925 in Paris traf F. Scott Fitzgerald, der in der literarischen Welt bereits eine Berühmtheit war, den aufstrebenden amerikanischen Autor Ernest Hemingway, dessen Karriere er kräftig voranzutreiben suchte. Hemingway und Fitzgerald wurden enge Freunde (bevor sie sich später voneinander entfremdeten), doch wie Zeldas Biographin Nancy Milford berichtet, ist es augenfällig, dass Zelda von Anfang an eine Abneigung gegen Hemingway hatte, den sie offen als „Heuchler“ und „so falsch wie ein Seifenblasen-Scheck“ beschrieb, und dass sie Hemingways dominante Macho-Rolle für nichts weiter als eine Pose hielt.

Zeldas Abneigung gegen Hemingway ist vor allem auf ihren Abscheu vor seinen Trinkereien mit Scott zurückzuführen. Es ist faszinierend, in Hinblick über Zeldas Einschätzung von Hemingways Charakter darüber nachzudenken, was in jüngeren Jahren über fetischistische Aspekte in Hemingways Werk und seine mögliche Obsession für Geschlechterrollen geschrieben wurde. Scott nahm es seiner Frau sehr übel, als diese im Frühjahr 1929 das vom Pariser Verleger Robert Mc Almon in den Umlauf gebrachte Gerücht, Hemingway sei bisexuell, in Gesprächen weiter verbreitete. Hemingway hatte Mc Almon ob dieser Behauptung nicht verklagt, und somit hielt Zelda Hemingways Bisexualität für möglich.

Die Geburt ihres einzigen Kindes, Frances Scottie Fitzgerald im Jahre 1921, trug wenig dazu bei,den Lebensrhythmus der beiden zu verlangsamen, und obgleich Zelda ihre Tochter gern hatte und ihr später aus Klinikaufenthalten sehr häufig schrieb, wurde Scottie nahezu ausschließlich von Kindermädchen erzogen. Die Kindermädchen suchte Scott aus; Zelda hatte kein Mitspracherecht.

Im Jahr 1924, bei einem ihrer ersten Frankreichbesuche, ließ Zelda sich auf eine kurze Bekanntschaft mit dem französischen Piloten Edouard Jozan ein, den sie bewunderte. Dies veranlasste ihren Ehemann, sie in ihrem gemeinsamen Haus einzusperren, um sie davon abzuhalten, Jozan zu treffen; später spielten sie die Geschichte hoch, in dem sie behaupteten, Jozan habe Selbstmord begangen. Letztere Aussage traf Hadley Hemingway gegenüber der Biografin Nancy Milford; es bleibt zu bedenken, dass Hadley Hemingway Zelda nicht mochte. Hemingway hatte, kurz bevor er wegen Pauline Pfeiffer seine Frau Hadley verließ, Zelda sehr intensiv den Hof gemacht.

Ab 1925 schrieb Zelda Kurzgeschichten, die jedoch alle unter Scotts oder unter ihrer beider Namen veröffentlicht wurden, da es ein Mehrfaches an Honorar brachte. Scotts Erzählungen „The Ice Palace“ sowie „Jelly Bean“ basieren ausschließlich auf Zeldas Ideen, sein Roman „Die Schönen und Verdammten“ zum großen Teil, so Scotts Jugendfreund Alex McKaig. Drei Erzählungen, die Zelda im Sommer 1930 in der Nervenklinik Prangins schrieb, gingen verloren. Ihr zweiter Roman „Caesar's Things“ blieb unvollendet.

Scott bezog die spannungsreiche Persönlichkeit seiner Frau in großem Maße in seinen Schreibprozess ein, indem er des Öfteren Passagen aus ihren persönlichen Tagebucheinträgen direkt in seine Werke übernahm. Außer in einer einzigen Rezension scheint Zelda dies niemals kommentiert zu haben. Dort heißt es allerdings: „Es kommt mir so vor, als ob ich auf einer Seite einen Abschnitt aus einem meiner alten Tagebücher wiedererkannt hätte, welches mysteriöserweise kurz nach meiner Eheschließung verschwand, und auch Bruchstücke aus Briefen, die mir, obschon beachtlich abgeändert, vage bekannt vorkommen. In der Tat scheint Herr Fitzgerald – Ich glaube, so schreibt er sich – der Überzeugung zu sein, dass Plagiat daheim zu beginnen habe.“

Während ihrer Pariser Zeit, im Alter von 26 Jahren, entwickelte Zelda eine Begeisterung für das Ballett, welches sie bereits ab ihrem 9. Lebensjahr ausgeübt hatte. Sie trainierte mit immensem Fleiß. Ihre Pariser Ballettlehrerin Ljubow Jegorowa verschaffte ihr an der Oper Neapel ein Engagement als Primaballerina, das Zelda jedoch aus Sorge um ihre Tochter, die in Paris hätte zurückbleiben müssen, nicht annehmen konnte. Scott stand dem Verlangen seiner Frau, Profitänzerin zu werden, ablehnend entgegen.

Die Konflikte zwischen Zelda und Scott wurden noch stärker, als Zelda eine eigenständige Karriere als Balletttänzerin, Schriftstellerin und Malerin anstrebte, was Scott jedoch mit allen Mitteln zu unterdrücken suchte, da er (zu Recht) fürchtete, seine Frau könne ihn bei finanzieller Unabhängigkeit verlassen.

Romane über Zelda Fitzgerald[Bearbeiten]

In seinem Roman „Alabama Song“ vermischte der Schriftsteller Gilles Leroy biografische und fiktive Elemente aus dem Leben von Zelda Fitzgerald und gewann damit 2007 den französischen Literaturpreis Prix Goncourt. Der Roman erschien 2008 auf Deutsch bei Kein & Aber (ISBN 978-3-0369-5522-3).

Katrin Boese erzählt in ihrem Roman "Zelda Fitzgerald - 'So leben, dass ich frei atmen kann'" die Lebensgeschichte Zelda Fitzgeralds als Autorin, Malerin und Tänzerin aus der Perspektive von Zeldas langjähriger Freundin Sara Mayfield. Der Roman erschien im September 2010 im AvivA Verlag (ISBN 978-3-932338-43-4).

Wissenswertes[Bearbeiten]

  • Der Song Being Boring der Pet Shop Boys bezieht seinen Titel aus einem Fitzgerald zugeschriebenen Zitat: „She refused to be bored chiefly because she wasn’t boring.“
  • Heute würde man Fitzgeralds Schizophrenie als manische Depression diagnostizieren. Damals galt fast jede psychische Erkrankung als Schizophrenie. Hinweise liefert Fitzgeralds genauere Biographie.

Literatur[Bearbeiten]

  • Sally Cline: Zelda Fitzgerald : her voice in paradise, London : Murray, 2002, ISBN 0-7195-5466-7
  • Linda Wagner-Martin: Zelda Sayre Fitzgerald : an American woman's life, New York [u.a.] : Palgrave Macmillan, 2004, ISBN 978-1-4039-3403-1
  • Judith Mackrell: Flappers: Six Women of a Dangerous Generation. Macmillan, London 2013, ISBN 978-0-230-75233-7

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Zelda Fitzgerald – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Todd Mowatt. In the Game: Nintendo's Shigeru Miyamoto. Amazon.com. Gefunden am 15. Oktober 2006.