Zelda Fitzgerald

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Zelda Fitzgerald (1919)

Zelda Sayre Fitzgerald (* 24. Juli 1900 in Montgomery, Alabama, als Zelda Sayre; † 10. März 1948 in Asheville) war eine US-amerikanische Autorin und die Ehefrau des Schriftstellers F. Scott Fitzgerald.

Zelda Fitzgerald galt vielen Zeitgenossen als Verkörperung des typischen „flapper girls“. Nach einem ausschweifenden Leben an der Seite ihres Mannes, das sich zunehmend schwieriger gestaltete, erlitt sie 1930 einen ersten Nervenzusammenbruch. Sie verbrachte die letzten Jahre bis zu ihrem Tod überwiegend in psychiatrischen Kliniken. 1932 veröffentlichte sie den autobiographischen Roman Save Me the Waltz.[1]

Biografie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Kindheit und Jugend[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Zelda Fitzgerald kam am 24. Juli 1900 als jüngstes von sechs Kindern von Anthony Dickinson Sayre (1858–1931) und dessen Ehefrau Minerva Buckner Machen (1860–1958) zur Welt. Ihr Vater war Richter am Alabama Supreme Court. Sie war eine gute Schülerin mit besonderen Stärken in Englisch und Mathematik[2] und galt als Schönheit.

Beziehung mit F. Scott Fitzgerald[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

1918 lernte sie im Alter von 18 Jahren bei einem Tanzabend F. Scott Fitzgerald kennen, der in der Nähe von Montgomery bei der US-Army diente. Die Beziehung geriet bald in Schwierigkeiten, als Fitzgerald mit einer weiteren Frau engen Kontakt aufnahm und Zelda ihrerseits auf Distanz ging. Dennoch kam es im März 1919 zur Verlobung, welche Zelda jedoch im Sommer des Jahres wieder löste, da sie Zweifel an Scotts Charakter hatte - sein Hang zum Alkohol, sein Jähzorn und sein Interesse an anderen Mädchen waren ihr offenbar geworden. Zelda erregte in dieser Zeit ihrerseits Aufsehen, als sie auf dem Bahnhof in Atlanta von vier jungen Männern abgeholt wurde, die alle der Meinung waren, sie hätten mit ihr eine Verabredung zum Tanzen. Im Spätherbst 1919 kam das Paar wieder zusammen, und am 3. April 1920 heirateten Zelda und Scott Fitzgerald in einer kurzen und schmucklosen Zeremonie in New York. Die Ehe war durch Scotts zunehmenden Alkoholismus – er wurde bis zu seinem frühen Tod 1940 durchgehend ein sehr starker und regelmäßiger Trinker – und durch Scotts Gewalttätigkeit belastet.[3]

Gemeinsames Leben in der literarischen Boheme[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Paar ließ sich zunächst in New York nieder, wo sie die Größen der amerikanischen Literatur kennenlernten. Aufgrund der Prohibition und da die Lebenshaltungskosten in Frankreich durch den günstigen Franc geringer waren, lebte das Paar in den Zwanzigern häufig für längere Zeit in Frankreich. In dieser Zeit wurden Zelda und Scott von der Presse als Ebenbild des jugendlichen Zeitgeistes der Roaring Twenties gefeiert und erreichten einen Status ähnlich dem großer Filmstars ihrer Zeit. Nicht enden wollende Partys und große Mengen des von Scott konsumierten Alkohols führten zu einem kraftraubenden Leben. Das Paar verausgabte nahezu die gesamten Einnahmen, die Scott aus seiner Schriftstellerei bezog, etwa 30.000 US$ im Jahr – zu jener Zeit eine stolze Summe. Die ab 1925 bestehende enge Freundschaft ihres Mannes mit Ernest Hemingway betrachtete Zelda mit Argwohn, vor allem wegen ihres Abscheus vor den gemeinsamen Trinkereien.[4]

Die Geburt ihres einzigen Kindes Frances Scottie Fitzgerald im Jahr 1921 trug wenig dazu bei, den Lebensrhythmus der beiden zu verlangsamen. Das Mädchen wurde hauptsächlich von Kindermädchen erzogen.

Zunehmende Eigenständigkeit und eheliche Misere, Arbeit als Schriftstellerin[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im Jahr 1924 ließ Zelda sich auf eine kurze Bekanntschaft mit dem französischen Piloten Edouard Jozan ein, in den sie sich verliebte. Dies veranlasste ihren Ehemann, sie in ihrem gemeinsamen Haus einzusperren, um sie davon abzuhalten, Jozan zu treffen.[5][6]

Ab 1925 schrieb Zelda Kurzgeschichten, die jedoch unter Scotts oder unter ihrer beider Namen veröffentlicht wurden, da das ein Mehrfaches an Honorar brachte. Während ihrer Pariser Zeit, im Alter von 26 Jahren, entwickelte Zelda eine Begeisterung für das Ballett, welches sie bereits ab ihrem 9. Lebensjahr ausgeübt hatte. Sie trainierte mit immensem Fleiß. Ihre Pariser Ballettlehrerin Ljubow Jegorowa verschaffte ihr an der Oper Neapel ein Engagement als Primaballerina, das Zelda jedoch aus Sorge um ihre Tochter, die in Paris hätte zurückbleiben müssen, nicht annahm. Scott stand dem Verlangen seiner Frau, Profitänzerin zu werden, ablehnend entgegen.

Die Konflikte zwischen Zelda und Scott wurden noch stärker, als Zelda eine eigenständige Karriere als Balletttänzerin, Schriftstellerin und Malerin anstrebte, was Scott zu unterdrücken suchte, da er fürchtete, seine Frau könne ihn bei finanzieller Unabhängigkeit verlassen. Zelda äußerte im Februar 1930 die Absicht, sich scheiden zu lassen, wobei Fitzgerald mit einer Vase nach ihr warf.[7] Wenig später brach sie erstmals mit einem Burnout zusammen. In der Nervenklinik Les Rives de Prangins am Genfersee schrieb sie drei Erzählungen, die verloren gingen.

Im Oktober 1931, nach der Rückkehr des Paares aus Europa nach Montgomery begann Zelda ihren ersten Roman, den sie Ende März 1932 in der psychiatrischen Phipps-Klinik Baltimore beendete, wo sie mit Erlaubnis ihrer Ärztin Mildred Squires täglich zwei Stunden schreiben durfte.[8] Der Roman erschien im Oktober 1932 unter dem Titel "Save Me The Waltz" und war von Zelda als Enthüllungsroman angelegt, der jedoch durch Fitzgerald und dessen Lektor Perkins beim Scribner's Verlag um ein Drittel (ca. 100 Seiten) gekürzt wurde. Die Originalversion, welche Angriffe gegen Scott als Ehemann und Schriftsteller sowie skandalöses Material über das Privatleben des Paares enthielt, verschwand.[9]

Zelda hatte mit ihrem Roman auf einen Bestseller gehofft, der ihr die nötige finanzielle Sicherheit bringen würde, um die Scheidung von Scott einzureichen und für sich und ihre Tochter ein neues Leben beginnen zu können.[10] Scott Fitzgerald dagegen notierte im Frühjahr 1933 in sein Notizbuch: "Angriff auf allen Ebenen: Theaterstück (unterdrücken), Roman (verzögern), Bilder (unterdrücken), Charakter (angreifen), Kind (entfremden), Tagesablauf (durcheinanderbringen, um Schwierigkeiten zu machen). Kein Maschinenschreiben. Wahrscheinliches Resultat: neuer Nervenzusammenbruch."[11] In einem protokollierten Therapiegespräch sagte Zelda: "Mit dir zu leben ist unmöglich. Lieber gehe ich ins Irrenhaus, wohin du mich am liebsten stecken möchtest."[12] Die seit Februar 1930 von Zelda immer wieder geforderte Scheidung lehnte Fitzgerald stets ab, bis auf ein einziges Anfang Juni 1933 nach einem langen Gespräch des Paares mit Zeldas Psychiater, doch den Gedanken daran verwarf er wieder.[13] Scott bemühte sich 1932 und 1933 mehrfach um eine stationäre Aufnahme Zeldas in eine Klinik – auch gegen ihren Willen.[14] Ihr zweiter Roman „Caesar's Things“, begonnen Ende 1932, blieb unvollendet.

Aufenthalte in Psychiatrien[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Zelda Fitzgerald lebte von Mitte 1930 bis zu ihrem Tod im März 1948 mit einigen Unterbrechungen in privat betriebenen psychiatrischen Kliniken

  • 5. Juni 1930 bis 15. September 1931 - Les Rives de Prangins, Schweiz
  • Februar 1932 bis Juni 1932 - Phipps Psychiatric Clinic of Johns Hopkins Hospital, Baltimore
  • Januar 1934 bis 12. Februar 1934 - Sheppard Pratt Hospital bei Baltimore
  • 12. Februar 1934 bis 8. März 1934 - Phipps Psychiatric Clinic of Johns Hopkins Hospital, Baltimore
  • 8. März 1934 bis 19. Mai 1934 - Psychiatric Clinic Craig House, Beacon (New York)
  • 19. Mai 1934 bis 8. April 1936 - Sheppard Pratt Hospital bei Baltimore
  • 8. April 1936 bis 15. April 1940 - Highland Mental Hospital in Asheville, North Carolina[15]
  • August 1943 bis Februar 1944 - Highland Mental Hospital, Asheville (mit Unterbrechungen, in denen sie bei Tom Wolfes Mutter in Asheville und bei ihrer Mutter in Montgomery lebte)
  • Juli 1946 bis 23. September 1946: Highland Mental Hospital, Asheville
  • November 1947 bis 10. März 1948: Highland Mental Hospital, Asheville.[16]

Zelda wurde im April 1940 aus dem Highland Mental Hospital in Asheville vorzeitig entlassen, da der Psychiater und Betreiber der Klinik Dr. Robert Carroll nachweislich in die Vergewaltigung einer Patientin involviert war. Auch Zelda wurde ein Opfer des Arztes.[17] Am 21. Dezember 1940 starb Scott Fitzgerald.

Zelda Fitzgerald starb 1948 im Alter von 47 Jahren bei einem Brand des Highland Mental Hospitals, bei dem acht weitere Patienten ihr Leben verloren. Sie fand ihre letzte Ruhestätte auf dem Friedhof Saint Mary's in Rockville (Maryland). Ihre Tochter Frances Scott Fitzgerald (1921 – 1986) wurde Journalistin, Autorin und prominentes Mitglied der Demokratischen Partei.

Veröffentlichungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

postum
  • Bits of Paradise, unveröffentlichte Erzählungen von Scott Fitzgerald und alle Erzählungen von Zelda Fitzgerald, USA 1973
  • Himbeeren mit Sahne im Ritz. Erzählungen, dt. Übersetzung von Eva Bonné, Manesse Verlag, Zürich 2016, ISBN 978-3717524007

Rezeption[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • In seinem Roman „Alabama Song“ vermischte der Schriftsteller Gilles Leroy biografische und fiktive Elemente aus dem Leben von Zelda Fitzgerald und gewann damit 2007 den französischen Literaturpreis Prix Goncourt. Der Roman erschien 2008 auf Deutsch.[18]
  • Katrin Boese erzählt in ihrem Roman „Zelda Fitzgerald – 'So leben, dass ich frei atmen kann'“ die Lebensgeschichte Zelda Fitzgeralds als Autorin, Malerin und Tänzerin aus der Perspektive von Zeldas langjähriger Freundin Sara Mayfield.[19]
  • Der Song „Being Boring“ der Pet Shop Boys bezieht seinen Titel aus einem Zelda Fitzgerald zugeschriebenen Zitat: „She refused to be bored chiefly because she wasn’t boring.“

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Sally Cline: Zelda Fitzgerald : her voice in paradise, London : Murray, 2002, ISBN 0-7195-5466-7
  • Linda Wagner-Martin: Zelda Sayre Fitzgerald : an American woman's life, New York [u.a.] : Palgrave Macmillan, 2004, ISBN 978-1-4039-3403-1
  • Judith Mackrell: Flappers: Six Women of a Dangerous Generation. Macmillan, London 2013, ISBN 978-0-230-75233-7

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Zelda Fitzgerald – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Deutsche Übersetzungen (1972, 1984 und 2011) unter verschiedenen Titeln, siehe Abschnitt Veröffentlichungen
  2. Sally Cline: "Zelda Fitzgerald. Her Voice in Paradise", Arcade Publishing, New York 2003, S. 32.
  3. Sara Mayfield: "Exiles from Paradise. Zelda and Scott Fitzgerald", New York 1971, S. 148
  4. Sara Mayfield: Exiles from Paradise. Zelda and Scott Fitzgerald. New York 1971, S. 141 f.
  5. James R. Mellow: Hemingway: A Life without Consequences. London 1992, S. 291.
  6. Sara Mayfield: Exiles from Paradise. Zelda and Scott Fitzgerald. New York 1971, S. 113 und S. 118
  7. Sara Mayfield: "Exiles from Paradise. Zelda and Scott Fitzgerald", New York 1971, S. 148
  8. Kendall Taylor: "Sometimes Madness is Wisdom. Zelda and Scott Fitzgerald. A Marriage", New York 2001, S. 259
  9. Kendall Taylor: "Sometimes Madness is Wisdom. Zelda and Scott Fitzgerald. A Marriage", New York 2001, S. 259 f.
  10. Sara Mayfield: "Exiles from Paradise. Zelda and Scott Fitzgerald", New York 1971, S. 181.
  11. Scott Donaldson: "Fool for Love. F. Scott Fitzgerald", New York 1983, S. 86
  12. Mitschrift eines Therapiegespräches zwischen Zelda, Scott und Zeldas Psychiater Dr. Rennie vom 28. Mai 1933, in: Matthew J. Bruccoli: "Some Sort of Epic Grandeur. The Life of F. Scott Fitzgerald", revised edition, Columbia, South Carolina 1991, S. 412
  13. Sara Mayfield: "Exiles from Paradise. Zelda and Scott Fitzgerald", New York 1971, S. 199
  14. Kendall Taylor: "Sometimes Madness is Wisdom. Zelda and Scott Fitzgerald. A Marriage", New York 2001, S. 272.
  15. Matthew J. Bruccoli: "Some Sort of Epic Grandeur. The Life of F. Scott Fitzgerald", revised Edition, Columbia, South Carolina, Seiten XXXII–XXXV
  16. Sally Cline: "Zelda Fitzgerald. Her Voice in Paradise", Arcade Publishing, New York 2003, S. 391 und S. 400
  17. Sally Cline: "Zelda Fitzgerald. Her Voice in Paradise", New York 2003, S. 375 und 457, Fußnote 26.
  18. Gilles Leroy: Alabama Song, Verlag Kein & Aber, ISBN 978-3-0369-5522-3
  19. Katrin Boese: Zelda Fitzgerald – »So leben, dass ich frei atmen kann«, AvivA Verlag 2010, ISBN 978-3-932338-43-4
  20. Todd Mowatt. In the Game: Nintendo's Shigeru Miyamoto. Amazon.com. Gefunden am 15. Oktober 2006.