Zell (Zellertal)

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche
Zell
Ortsgemeinde Zellertal
Wappen der ehemaligen Gemeinde Zell
Koordinaten: 49° 38′ 57″ N, 8° 8′ 22″ O
Höhe: 235 m ü. NHN
Einwohner: 220 (2010)
Eingemeindung: 31. Dezember 1975
Postleitzahl: 67308
Vorwahl: 06355
Zell (Rheinland-Pfalz)
Zell

Lage von Zell in Rheinland-Pfalz

Der Ort Zell im Zellertal
Der Ort Zell im Zellertal

Zell im Zellertal ist ein Ortsteil der Gemeinde Zellertal im Donnersbergkreis in Rheinland-Pfalz. Im 18. Jahrhundert hieß der Ort noch Zelle.[1]

Geographie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Zell liegt hoch über dem linken Ufer der Pfrimm und gegenüber der Einmündung des Ammelbachs am recht steilen Südhang des Osterbergs. Diese Lage schützt nach Norden und bewirkt ein ausgeglichenes Klima. Milde Südwestwinde führen zu Steigungsniederschlägen mit ausreichender Bodendurchfeuchtung.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Seinen Namen verdankt Zell dem aus England stammenden und später heiliggesprochenen Philipp von Zell. Dieser baute zu Anfang des 8. Jahrhunderts an einer alten Wotan-Kultstätte seine Klosterzelle (lat. cellula), in der er 756 starb. Urkundlich erwähnt wurden sein Wirken und seine cellula erstmals im Jahre 850.

Philipps Klosterzelle wuchs im Laufe der Zeit zu einer klösterlichen Ansiedlung. Aus dieser entstand im Jahre 975 das Philipps-Stift, dessen gleichzeitig errichtete Stiftskirche vermutlich die älteste der gesamten Pfalz ist. Der rege Wallfahrtsverkehr zu ihr begründete den Status einer Propstei, bei der ab 1135 bis in die Reformationszeit hinein zweimal jährlich Markt abgehalten wurde. Am 5. September 1553 wurde das bis dahin katholische Stift durch den nun protestantischen Kurfürsten aufgelöst und der Universität Heidelberg zur Kollektur übergeben. Die Stiftkirche verfiel und verschwand völlig, die Gebeine des Hl. Philipp sind seither verschollen. Als die Herrscher der Pfalz nach 200 Jahren wieder katholisch geworden waren, verpflichtete Kurfürst Karl Theodor 1745 die Universität Heidelberg, die den gesamten finanziellen Gewinn aus dem aufgelösten Stift erhalten hatte, eine neue Pfarr- und Wallfahrtskirche zu bauen. Das ist die Barockkirche, die bis heute existiert.

Das Stift und auch der Ort Zell wurden im Laufe der Geschichte mehrfach überfallen und geplündert. Die Ungarn kamen in den Jahren 937 und 954. Im Jahre 1622 hatte der Ort unter den Anfangswirren des Dreißigjährigen Krieges zu leiden, 1689 wurde er im Pfälzischen Erbfolgekrieg verheert, 1794 eroberten ihn die Truppen der Französischen Revolution.

1947 tagte in der heute denkmalgeschützten Villa Golsen der Verfassungsausschuss des Landes Rheinland-Pfalz.

Das Winzerdorf war bis Ende 1975 eine eigenständige Gemeinde und wurde zusammen mit den Nachbargemeinden Harxheim und Niefernheim zu der neu geschaffenen Ortsgemeinde Zellertal zusammengelegt.

Sehenswürdigkeiten und Kultur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Innenaufnahme der Katholischen Pfarrkirche St. Philipp

In der katholischen Philippskirche wird seit 1780 ununterbrochen, alljährlich am Sonntag nach dem 3. Mai zu Ehren des Kirchenpatrons das Philippsfest gefeiert. Mit einer großen Gedenkfeier wurde 2006 seines 1250. Todestages gedacht.

Wirtschaft und Infrastruktur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Wirtschaft[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Ort blickt auf eine lange Weinbautradition zurück, die bis ins Jahr 708 dokumentarisch belegt ist. In dem milden Klima gedeihen auch Mandel- und Feigenbäume.

Verkehr[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Über die wenige hundert Meter südlich in der Talaue der Pfrimm verlaufende Bundesstraße 47 wird von Zell aus nach jeweils 12 km im Westen die A 63 (KaiserslauternMainz) erreicht, im Osten die A 61 (KoblenzSpeyer).

Söhne und Töchter des Ortes[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Zell (Zellertal) – Sammlung von Bildern

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Johann Goswin Widder: Versuch einer vollständigen Geographisch-Historischen Beschreibung der Kurfürstl. Pfalz am Rheine, Dritter Theil, Frankfurt und Leipzig 1787, S. 153 (Google Books)