Zell am Ziller

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Zell am Ziller
Wappen von Zell am Ziller
Zell am Ziller (Österreich)
Zell am Ziller
Basisdaten
Staat: Österreich
Bundesland: Tirol
Politischer Bezirk: Schwaz
Kfz-Kennzeichen: SZ
Fläche: 2,42 km²
Koordinaten: 47° 14′ N, 11° 53′ OKoordinaten: 47° 14′ 0″ N, 11° 52′ 54″ O
Höhe: 575 m ü. A.
Einwohner: 1.723 (1. Jän. 2016)
Bevölkerungsdichte: 712 Einw. pro km²
Postleitzahl: 6280
Vorwahl: 05282
Gemeindekennziffer: 7 09 40
Adresse der
Gemeindeverwaltung:
Unterdorf 2
6280 Zell am Ziller
Website: www.gemeinde-zell.at
Politik
Bürgermeister: Robert Pramstrahler
Lage der Marktgemeinde Zell am Ziller im Bezirk Schwaz
Achenkirch Aschau im Zillertal Brandberg Bruck am Ziller Buch in Tirol Eben am Achensee Finkenberg Fügen Fügenberg Gallzein Gerlos Gerlosberg Hainzenberg Hart im Zillertal Hippach Jenbach Kaltenbach Mayrhofen Pill Ramsau im Zillertal Ried im Zillertal Rohrberg Schlitters Schwaz Schwendau Stans Steinberg am Rofan Strass im Zillertal Stumm Stummerberg Terfens Tux Uderns Vomp Weer Weerberg Wiesing Zell am Ziller Zellberg TirolLage der Gemeinde Zell am Ziller im Bezirk Schwaz (anklickbare Karte)
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Zell am Ziller im September 2008, Blick vom Hainzenberg
Zell am Ziller im September 2008, Blick vom Hainzenberg
Quelle: Gemeindedaten bei Statistik Austria

Zell am Ziller ist eine Marktgemeinde mit 1723 Einwohnern (Stand 1. Jänner 2016) im Zillertal im Bezirk Schwaz in Tirol in Österreich.

Die Gemeinde liegt im Gerichtsbezirk Zell am Ziller.

Geografie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Zell liegt im hinteren Zillertal in einem Talkessel, an der rechten Seite des Ziller. Sie ist die flächenmäßig kleinste Gemeinde des Tals. Die umliegenden Hänge bilden die Gemeinden Zellberg, Rohrberg, Gerlosberg und Hainzenberg. Im Norden schließt die Gemeinde Aschau im Zillertal, im Süden die Gemeinden Hippach und Ramsau im Zillertal an Zell an.

Zell ist neben Fügen der alte Hauptort und wirtschaftliches, verwaltungsmäßiges und schulisches Zentrum des Zillertals. Dazu gehören eine Außenstelle der Bezirkshauptmannschaft Schwaz, das Bezirksgericht (zum Gerichtsbezirk gehören alle Gemeinden des Tals), die Zillertaler Tourismusschulen, eine Musikschule, das Stiftungsaltersheim und weitere wichtige Einrichtungen.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Grundlage der Gemeinde legten Mönche im 8. Jahrhundert, die vom Gerlospass aus die Bewohner des Tals zum Christentum bekehrten und eine schlichte Mönchszelle errichteten.

Zell war für das Erzstift Salzburg von großer Bedeutung. Neben umfangreichem Grundbesitz führte von hier die direkte Wegverbindung über den Gerlospass in das Salzburger Stammland.

Im Jahr 1187 wurde für die zahlreichen Pilger und Reisenden das St.-Johannes-Spital erbaut, aus dem das Stiftungsaltersheim hervorging. 1188 wird der Ortsname Zell als „Cellensis parrochia“ (Pfarre Zell) in einer Urkunde Erzbischof Adalberts III. von Salzburg erstmals urkundlich erwähnt.[1] Mit Goldfunden am Hainzenberg im 16. Jahrhundert stieg die Bedeutung des Orts, so dass die Verwaltung des salzburgischen Gerichts im Zillertal 1592 nach Zell verlegt wurde.

Nach dem Rückgang des Bergbaus im 19. Jahrhundert war Zell ein Ort von Viehmärkten. Das Vieh wurde im Austausch mit Wein über das Tuxer Joch und den Brennerpass nach Bozen getrieben.

Im Zuge der Napoleonischen Kriege wurde Zell am 6. November 1809 während des Tiroler Aufstandes von bayerischen Truppen geplündert. Nach Beendigung der Kriege fand am 5. Juni 1816 die Erbhuldigung des österreichischen Kaisers Franz I. statt, bis er weiter nach Fügen reiste, wo das dortige Kaiserdenkmal errichtet wurde. Er war ein Verfechter der Teilnahme der damals noch salzburgischen Gebiete wie Zell am Freiheitskampf Tirols 1809 und setzte sich für eine Vereinigung dieser Gebiete mit der Grafschaft Tirol ein.

Bis zum Jahr 1930 waren noch Knappen im Bergwerk tätig, der Abbau wurde jedoch als unrentabel eingestellt.

1989 wurde Zell zur Marktgemeinde erhoben.

Bevölkerung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bevölkerungsentwicklung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]


Kultur und Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Siehe auch: Liste der denkmalgeschützten Objekte in Zell am Ziller
Zell am Ziller um 1890
Zell am Ziller 2011
Dorfplatz in Richtung Nordwesten
Dorfplatz mit Kirche
  • Pfarrkirche St. Veit: 1779 erbaut, nachdem eine Überschwemmung die alte gotische Kirche bis auf den Kirchturm verschüttete
  • Zillertaler Regionalmuseum: bietet einen Einblick in das historische Leben. Kernstück ist der Hof „Ental“ aus dem 17. Jahrhundert, der an seiner ursprünglichen Stelle abgetragen und 1995 hier neu aufgebaut wurde. Das Museum ist im Sommer geöffnet.[2]

Regelmäßige Veranstaltungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Gauderfest: In Zell findet jährlich in den Tagen vor dem ersten Sonntag des Monats Mai das „Gauderfest“ statt, das zu den ältesten Volksfesten Tirols zählt. Die Bezeichnung ist wahrscheinlich auf das östlich von Zell gelegene Gauderlehen zurückzuführen. Im Mittelpunkt steht der Ausschank des Gauderbocks, eines extra für das Fest gebrauten Bockbiers der örtlichen Brauerei. Weitere Attraktionen sind ein Festumzug mit Festwägen, Musikkapellen und Trachtengruppen sowie das Ranggeln, eine Form des Ringens. Tierkämpfe wurden nach Protesten von Tierschützern aus dem Programm genommen. Wurde 2014 von der UNESCO als Immaterielles Kulturerbe in Österreich anerkannt.

Wirtschaft und Infrastruktur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Wirtschaft von Zell ist geprägt durch die Landwirtschaft, verschiedene Gewerbebetriebe und den sich seit dem Beginn des 19. Jahrhunderts entwickelnden Tourismus.

Von überregionaler Bedeutung für die Ausbildung sind die Tourismusschulen, wo verschiedene Schulformen angeboten werden.

In Zell befindet sich mit der im Jahr 1500 gegründeten Brauerei (Zillertal Bier) die älteste Privatbrauerei Tirols.

Aufgrund der wirtschaftlichen Bedeutung hat Zell zahlreiche Einpendler.

Verkehr[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Zell ist über die Zillertalstraße und die Zillertalbahn mit einem Bahnhof angebunden. In östlicher Richtung zweigt die Gerlosstraße (B165) zum Gerlospass (1490 m) ab.

Tourismusinfrastruktur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Zillertal Arena: Die Zillertal Arena entstand im Jahr 2000 als Zusammenschluss der Skigebiete Zell, Gerlos und Königsleiten und ist das größte Skigebiet des Zillertals. Es wird unter anderem von der Rosenalmbahn und seit der Saison 2010/11 von der Karspitzbahn erschlossen, deren Talstation sich auf dem Gemeindegebiet von Zell befindet.
  • In Zell am Ziller verkehren während der Skisaison einige Skibuslinen.
  • Bei ausreichender Schneelage werden Loipen am Ziller (Klassisch und teilweise auch Skating) gespurt.
  • Viele große Fußballmannschaften bestreiten jedes Jahr ein Trainingslager in Zell am Ziller.

Bildung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Als bedeutender Schulstandort verfügt Zell über eine Neue Mittelschule mit Musik-Förderschwerpunkt und eine Polytechnische Schule. Die Zillertaler Tourismusschulen ermöglichen den Berufseinstieg in das Gastgewerbe. Die Schüler werden für alle Berufe im Bereich Hotellerie und Gastronomie qualifiziert und schließen teilweise mit Matura (Diplomprüfung) ab. Außerdem befindet sich die Landesmusikschule Zillertal im Ort.

Sonstiges[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Zell am Ziller wird im Lied Steirermen are very good der Stoakogler erwähnt.

Persönlichkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Söhne und Töchter[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weitere Persönlichkeiten der Gemeinde[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Felix von Kraus (1870–1937), Sänger und Hochschullehrer, verbrachte seinen Ruhestand in Zell und wurde dort beigesetzt.
  • Adrienne Osborne (1873–1951), Sängerin, lebte in Zell und wurde dort beigesetzt.

Galerie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Zell am Ziller – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Martin Bitschnau, Hannes Obermair: Tiroler Urkundenbuch, II. Abteilung: Die Urkunden zur Geschichte des Inn-, Eisack- und Pustertals. Bd. 2: 1140–1200. Universitätsverlag Wagner, Innsbruck 2012, ISBN 978-3-7030-0485-8, S. 338–340, Nr. 827.
  2. Zillertaler Regionalmuseum