Zellstoff- und Papierfabrik Rosenthal

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Zellstoff- und Papierfabrik Rosenthal[1]
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Rechtsform GmbH
Gründung 7. März 1882
Sitz Blankenstein
Leitung Leonhard Nossol
Mitarbeiter 439 (2016), incl. Tochtergesellschaft Mercer Holz Süd GmbH
Umsatz 216 Mio. Euro (2016)
Branche Zellstoffproduktion
Website www.zpr.de

Die Zellstoff- und Papierfabrik Rosenthal GmbH (kurz ZPR) ist ein Unternehmen, das sich auf die Herstellung von Zellstoff ausgerichtet hat. Es befindet sich in Blankenstein im Bundesland Thüringen an der Saale nahe der Landesgrenze zu Bayern. Die Anlage zählt zu den modernsten in Europa. Das Unternehmen ist Teil der Mercer Group.[2] Die ZPR ist regional einer der größten Arbeitgeber.[3]

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Gründung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Gegründet wurde das Unternehmen 1883 unter dem Namen Wiedes Papierfabrik Rosenthal (WPR) von Anton Wiede. Im Jahr 1891 wurde begonnen, Zellstoff auf chemischer Basis sowie hochwertiges Spezialpapier zu produzieren. 1894 erwarb Wiede die benachbarte Papierfabrik Blankenberg. Nach dem Beginn des 20. Jahrhunderts expandierte die Firma, Produktion und Gewinn stiegen. In den Jahren nach dem Ersten und Zweiten Weltkrieg wurde das Werk immer weiter ausgebaut.

DDR[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im Jahr 1976 wurde eine neue Sulfit-Zellstoffproduktionsanlage errichtet, die dem damaligen Stand der Technik entsprach. Dadurch konnte die Produktion weiter erhöht werden.[2]

Panorama der Anlage

Wiedervereinigung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

1994 wurde die Anlage Teil der Mercer Group. Während die alte Anlage im Jahr 1999 stillgelegt wurde, wurde im Zuge der Umstellung des Betriebs auf ein umweltfreundlicheres Sulfatverfahren noch 1997 begonnen, eine neue Anlage zu bauen. Diese ging 1999 in Betrieb.[2] Die Anlage war die erste Zellstoffanlage in Deutschland, die den Kraftprozess nutzt.[4] Die Anlage zählt zu einer der modernsten Anlagen weltweit. Seit 1994 wurden mehr als 500 Millionen Euro in Umbau und Modernisierung der Anlage investiert.[2]

Täglich werden bis zu 1.500 Tonnen Zellstoff europaweit von der ZPR umgeschlagen. Zweimal täglich wird der Zellstoff über die Eisenbahn versendet, die eine Kapazität von 80 % der Produktion aufnehmen kann.

Die ZPR beschäftigt einschließlich der Tochtergesellschaft Mercer Holz Süd GmbH, die für Beschaffung und Anlieferung des Rohstoffs Holz zuständig ist, 439 Mitarbeiter. Jährlich werden in dem Werk bis zu 360.000 Tonnen Zellstoff produziert. Die Schwesterwerke der ZPR sind Zellstoff Stendal und Zellstoff Celgar in Kanada.[2] Innerhalb der Mercer-Group ist die Anlage in Rosenthal die leistungsschwächste.[5]

Im Jahr 2007 wurde eine Studie zur Kapazitätserweiterung aufgestellt, die eine Erweiterung der Zellstoffproduktion auf bis zu 400.000 Tonnen pro Jahr zulassen würde. Die Kosten für diese Erweiterung belaufen sich auf 100 Millionen Euro.[6]

Die ZPR hat Interesse dafür bekundet, die damals aufgrund der Teilung Deutschlands stillgelegte Höllentalbahn zu reaktivieren. Dies wird mit einer schlechten Lieferanbindung Richtung Bayern begründet.[7]

Rückbau des Altwerks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Esse im Rückbau

Ab August 2008 wurden Vorbereitungen für den Rückbau des 175 Meter hohen Schornsteines durchgeführt. Ursprünglich sollte er schon bis Ende 2008 abgerissen sein. Ein Spezialbagger hat dabei die Esse von oben herab abgerissen, da aufgrund des ungünstigen Standorts des Kamins im Gegensatz zur bis 1987 stehenden zweite Esse keine Sprengung durchgeführt werden konnte. Einige Anwohner von Blankenstein plädierten dafür, den Schornstein stehenzulassen, da er ihrer Meinung nach ein Wahrzeichen von Blankenstein darstellte.[8]

Anfang Februar 2009 war der Schornstein bis auf eine Höhe von 90 Meter abgerissen. Ab dieser Höhe wurde der 6,5 Tonnen schwere Bagger durch einen anderen, 16 Tonnen schweren und größeren Bagger ersetzt. Grund für den Tausch war, dass sich ab dieser Höhe nach unten von 25 auf 65 Zentimeter verdickende Mauerwerk des Schornsteins. Der Durchmesser der Esse betrug acht Meter. Die Abrissarbeiten zogen sich insgesamt sechs Monate hin. Beim Abriss fielen insgesamt 4.500 Tonnen Bauschutt an, pro Tag wurden etwa vier Meter abgetragen. Im April 2009 waren die Abrissarbeiten abgeschlossen.[9]

Technik[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Laugenkessel der Anlage

Die ZPR hat jährlich einen Holzbedarf von 1,8 Millionen Festmeter, wovon zwei Drittel als Hackschnitzel, ein Nebenprodukt im Sägewerk, und ein Drittel als Rundholz zur Zellstoffproduktion verwendet werden. Genutzt wird überwiegend Fichten- und Kiefernholz. Dieses stammt hauptsächlich aus dem Erzgebirge, dem Thüringer Wald, dem Frankenwald und dem Fichtelgebirge, aber auch aus dem Ostseeraum/Skandinavien.[2]

Der Kocher der Anlage hat eine Höhe von 65 Meter. Darin erfolgt die Produktion vollautomatisiert. Im Kocher werden die Hackschnitzel vier Stunden lang bei 160 °C gekocht. Dies geschieht in einer alkalischen Lösung. Dabei entsteht eine wässerige Zellstoffsuspension, die anschließend gereinigt und gebleicht wird. Die Bleiche erfolgt entweder im ECF-Verfahren (elementary chlorine free = ohne Verwendung von elementarem Chlor) mit Wasserstoffperoxid, Sauerstoff und Chlordioxid oder vollständig chlorfrei im TCF-Verfahren (total chlorine free) mit Wasserstoffperoxid, Sauerstoff und Ozon. Nach der Bleichung wird der Zellstoff gepresst, um vorzutrocknen und später mit einer thermischen Trocknung getrocknet. Danach wird der Zellstoff zur Konfektionsanlage geleitet, die Teil der Ballenlinie ist. Dort wird der Zellstoff geschnitten und zu 250 kg schweren Ballen aufgestapelt.[2]

Die Laugenlinie ist zusammen mit der Faserlinie in einen geschlossenen Chemikalienkreislauf verbunden. Die Anlage ist parallel zur Zellstoffproduktion in Betrieb. In der Anlage werden die Chemikalien aufbereitet und später dem Kreislauf wieder hinzugefügt. Der Wirkungsgrad der Laugenkesselanlage beträgt 99 %. Die organischen Bestandteile der Lauge, bestehend aus Holzreststoffen, werden verbrannt und die dabei entstehende Wärme in einen zweiten Wasser-Dampfkreislauf an eine Dampfturbine weitergeleitet. An die Dampfturbine ist ein Generator angeschlossen, der eine Nennleistung von 57 MW aufweist.

Bioenergie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Zellstoff- und Papierfabrik Rosenthal erzeugte bereits vor dem 1999 durchgeführten Umbau auf den Kraftprozess gelegentlich Überschussstrom, der verkauft wurde. Seit dem Umbau wird dauerhaft Überschussstrom erzeugt. Der Brennstoff besteht im Normalfall aus Holzreststoffen, einem erneuerbaren Rohstoff. Der damit erzeugte Strom gilt als Bioenergie.

Die verkaufte Strommenge belief sich im Jahr 2015 auf ca. 166 GWh und wurde 2016 weiter auf 169 GWh gesteigert. Mit dieser Menge kann der Jahresbedarf von etwa 50.000 Haushalten gedeckt werden.

Bilder[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Impressum, ZPR
  2. a b c d e f g ZPR Infobroschüre: Zellstoff Rosenthal, Ausgabe 2006
  3. Saubere Umwelt ist ein Unternehmensziel, Europaticker Bericht bei Umweltruf – Zellstoff- und Papierfabrik Rosenthal
  4. Mercer pulp – Rosenthal (englisch)
  5. mercer Pulp – Operations (englisch)
  6. Zellstoff- und Papierfabrik Rosenthal GmbH – Rückblick 2007
  7. Wunsch an die Politik: Bahnlückenschluss, OTZ Bericht bei ZPR, 11. August 2008
  8. Ausgeraucht, OTZ Bericht bei ZPR, 28. Juni 2008
  9. Frankenpost 195. Jg./35; Mittwoch, 11. Februar 2009; B2940A; Ausg. N; Seite 17 „Naila und Umgebung“ Bagger schwebt hinauf zum Schlot Von Jan Fischer

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Zellstoff- und Papierfabrik Rosenthal – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Koordinaten: 50° 24′ 21″ N, 11° 42′ 7″ O